kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Warnung vor Gedankenpolizei 10. September 2010

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 05:32

Henryk M. Broder über Thilo Sarrazin, jüdische Gene und Sündenböcke


Broder (64), einer der bekanntesten Publizisten, verteidigt Sarrazin. Und erinnert an den Fall Jenninger im Jahr 1988.

FRAGE: Der Schriftsteller Ralph Giordano hat alle Kritiker Sarrazins kürzlich in dieser Zeitung als Sozialromantiker, Beschwichtigungsapostel, Pauschalumarmer und Kuschelpädagogen bezeichnet.
BRODER: Das unterschreibe ich sofort. Allerdings füge ich hinzu: Vorwärtseinparker, Warmduscher und Selbstbetrüger.

FRAGE: Hat Sarrazin den Fehler begangen, das Richtige auf falsche Art und Weise zu sagen?
BRODER: Nein, und in seinem Buch findet sich auch nichts, was ihn rechtsradikal überführen könnte. Es gibt einige SPD-Granden, darunter Holger Börner und Helmut Schmidt, die ganz ähnliche Sätze von sich gegeben haben – aber nicht mit dieser brutalen Klarheit. Ich glaube, dass die Art, wie Sarrazin formuliert, von Leuten, die ihm an den Karren fahren wollen, nur als Vorwand genutzt wird. Damit wollen sie Inhalte beiseiteschieben. Sarrazin hält sich in seiner Klarheit an Martin Luther: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel“.

FRAGE: Sie haben in mehreren Büchern Israel-Kritiker kritisiert. Wenn Sarrazin jetzt von jüdischen Genen spricht, dann ärgert Sie das aber nicht.
BRODER: Kritik finde ich immer gut, auch an Israel. Man kann sich jede Regierung zum Teufel wünschen, warum nicht? Ich stelle nur oft die Motive der Israel-Kritiker in Frage, die sich ja nie darüber aufregen, was im Sudan und in Somalia vorgeht oder sich nicht darum kümmern, dass im Kongo ein Völkermord stattfindet.

FRAGE: Also akzeptieren Sie jüdische Gene als Argument?
BRODER: Naja, es ist vielleicht ein verbaler Schönheitsfehler. Aber wenn man die Gene, die Sarrazin zitiert, ersetzt durch Worte wie Mentalität, Erziehung, Bildung oder Tradition, dann trifft es auch zu. Es gibt kollektive Eigenschaften bei Gruppen. Körpergrößen und Haarfarben werden doch auch vererbt! Warum sollte der Faktor Intelligenz nicht auch vererbbar sein? An keiner Stelle des Buches sagt übrigens Sarrazin, dass Intelligenz total vererbt wird, also dass dumme Eltern garantiert dumme Kinder bekommen.

FRAGE: Sie haben im Fall Sarrazin von einer Hexenjagd gesprochen. Ist das nicht ein wenig übertrieben?
BRODER: Wir erleben gerade ein heißes Muster. Ich bin immer skeptisch, wenn sich alle gegen einen einig sind. Dann horche ich auf. Das war zum Beispiel im Fall Philipp Jenninger 1988 der Fall.

FRAGE: Sie meinen den CDU-Politiker Jenninger, der im November 1988 als Bundestagspräsident zur Reichspogromnacht so unglücklich sprach.
BRODER: Bei dem gab es auch eine Hexenjagd. Er war ein miserabler Redner. Er hatte als Abschreckung nationalsozialistisches Gedankengut zitiert, war aber rhetorisch in Sprechlage und Tonart dabei so schlecht, dass die Leute dachten, er würde sich damit identifizieren. Er ist dann ja aufgrund der Riesenaufregung zurückgetreten.

FRAGE: Jenningers Rede war sonst in Ordnung?
BRODER: : Ja, das war ja das Erstaunliche: Nichts Rassistisches oder Antisemitisches war da drin! Und wir alle sind damals auf den ersten Eindruck völlig hysterisch reingefallen. Damals habe ich mir geschworen: Das passiert dir nicht noch einmal! Wir erleben jetzt Jenninger 2.0. Alle gebrauchen die gleichen Vorwürfe: Da ist die Rede von kruden Theorien, von Menschenfeindlichkeit, von Ausgrenzung, und gestern hat Wowereit gesagt, man müsse gegen solches „Gedankengut“ sein – also sind wir wohl davor, eine Gedankenpolizei einzuführen! Das ist ein archaisches Muster, ein Sündenbock wird in die Wüste gejagt.

FRAGE: Viele Deutsche finden richtig, was Sarrazin sagt.
BRODER: Das sogenannte dumme Volk ist viel klüger als die sogenannten klugen Eliten. Den Leuten kann man nichts vormachen, die glauben nicht einfach, was die Medieneliten anstimmen.

FRAGE: Zeigt die Debatte, dass in Deutschland intensiv debattiert werden kann?
BRODER: Die Diskussion ist großartig. Aber das Verhalten der politischen Eliten in Deutschland ist peinlich und schrecklich. Nun formiert sich zumindest ein wenig Sarrazins Verteidigung. Das hat auch mit der demokratischen Reife des Volkes zu tun. Das hält nichts von dieser DDR-Inszenierung.

FRAGE: DDR-Inszenierung?
BRODER: Ich habe schon seit Jahren den Eindruck, dass unser Land „verostet“! Die Kanzlerin hat sich als Erste gemeldet und tatsächlich Buchempfehlungen abgegeben – das gab es auch beim Politbüro der DDR! Es ist nicht der Job der Kanzlerin, Bücher zu beurteilen.

FRAGE: Auch der Bundespräsident hat seine Stimme erhoben.

BRODER: Das ist doch eine grauenhafte Nummer! Erst sagt er der Bundesbank, wo es langgeht, dann macht die Bundesbank, was Wulff wollte. Dann sagt Wulff: Er werde es sich überlegen! Das bekommt dem Amt überhaupt nicht! {Quelle: NWZ.Online – von Reinhard Tschapke}

 

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