kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Wird fürs Kopftuch bezahlt? 23. Oktober 2010

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 02:11

Als ich am Dienstag letzter Woche bei Maischberger über „Schleier und Scharia“ diskutierte, saß neben mir Zehra Yilmaz, die Bildungsbeauftragte der größten Moschee in Deutschland, in Marxloh, mitten im Ruhrpott. Die zweimal Geschiedene und Mutter zweier Töchter – von denen die Große, ganz wie die Mutter, schon das Kopftuch trägt, aber die kleine kopftuchfrei Polizistin werden will – trägt nicht nur das islamistische Kopftuch, das alle Haare als „sündig“ verdeckt, sondern auch einen Ganzkörpermantel, der die Konturen ihres Körpers verhüllt. Sie habe sich, so sagte die Tochter einer nicht verschleierten Mutter, „freiwillig“ dafür entschieden.

In einer Demokratie wie Deutschland kann Frau Yilmaz so leben. In einem von fundamentalistischen Muslimen beherrschten Land – wie Afghanistan oder Iran – wäre schon eine Scheidung gar nicht möglich bzw. würde sie zu einer Untoten oder echt Toten machen.

An diesem Abend machte ich Frau Yilmaz im Verlauf der Sendung darauf aufmerksam, dass das Kopftuch – dieses Symbol der Schriftgläubigen, die sich nach Mohammeds Worten aus dem 7. Jahrhundert richten – leider keineswegs immer so „freiwillig“ getragen würde. Und dass manchmal sogar den Eltern Geld von den Islam-Organisationen gezahlt würde, damit sie ihre Töchter verschleiert in die Schule oder an die Uni schicken. Die Deutschtürkin schien überrascht – und ich versprach ihr Beweise.

Nun stelle ich fest, dass echte „Beweise“ zu so einer Problematik fast unmöglich sind. Denn weder die islamistischen Organisationen stehen dazu, dass sie das Kopftuch bezahlen – noch brüsten sich die betroffenen Eltern damit, dass sie dafür Geld nehmen. Verständlicherweise.

Doch unter kritischen IslamwissenschaftlerInnen und SozialarbeiterInnen in den Problemvierteln ist das schon lange ein offenes Geheimnis. In Ägypten zum Beispiel, so berichtet die Islamwissenschaftlerin Rita Breuer, „wird an den Universitäten zunächst mit Gruppendruck gearbeitet. Und wenn das nicht reicht, wird den Vätern Geld geboten“. Und in Bosnien, so schreibt mir der Staatsanwalt i.R. Udo Schaefer, Autor einer Einführung in die „Glaubenswelt Islam“, erhalten junge Frauen Stipendien, wenn sie sich unter den Hijab begeben und sich „islamisch verhalten“.

Für Deutschland berichtete SpiegelOnline bereits 2006, dass die vom türkischen Staat finanzierte und vom deutschen Verfassungsschutz beobachtete Milli Görüs jährlich rund 250 Studienstipendien vergeben an Frauen, die in der Türkei ja bis vor kurzem nicht mit Kopftuch studieren durften. Rund 150 dieser Türkinnen kamen ins tolerante Deutschland oder nach Österreich. Der Löwenanteil der Fördergelder aber – in der Regel pro Person 300-400 Euro im Monat – „gehe an Studenten in Deutschland, deren Stipendienzahl steige. Für März habe Milli Görüs zu einem europaweiten Studententreffen nach Hagen eingeladen. ‚Wir erwarten 1.500 Studenten überwiegend aus Deutschland – allesamt Mitglieder oder Sympathisanten’“, erklärte der Milli-Görüs-Sprecher dem Spiegel.

In dem EMMA-Buch „Die große Verschleierung“ geht es um vieles – und nicht selten um Leben und Tod. Das Kopftuch ist darum nur ein Aspekt. Aber es scheint eine wahre Obsession der Medien zu sein. Und das ist gar nicht so falsch. Denn das Kopftuch ist das Symbol, die Flagge der Islamisten. Und es ist das Zeichen für einen dramatischen Rückschritt der Emanzipation der Frauen. Wobei selbstverständlich zu unterscheiden ist zwischen den subjektiven, psychosozialen Motiven von Frauen, ein Kopftuch zu tragen, sowie der objektiven, politischen Bedeutung, die das Kopftuch im 21. Jahrhundert hat.

Was die subjektiven Motive angeht, können sie vielfältig sein: Die romantische Suche von Entwurzelten nach einer „Identität“, ein Signal für Männer (Ich bin eine anständige Frau) oder auch die Frustration über die Entblößung der Frauen in der westlichen Welt bzw. eine Überforderung in Sachen Emanzipation. Vor allem bei Konvertitinnen scheint Letzteres öfter der Fall zu sein. Die objektiven Motive aber sind eindeutig. Seit der Machtergreifung von Khomeini im Iran 1979, seit dem ersten „Gottesstaat“ ist das Kopftuch, genauer: der Ganzkörperschleier, das erste, was die schriftgläubigen Fundamentalisten den Frauen aufgezwungen haben. Für sie gelten nicht Rechtsstaat und Demokratie, sondern Scharia und Gottesstaat. Jede Frau, die im 21. Jahrhundert „freiwillig“ das Kopftuch bzw. den Schleier trägt, muss sich also dieser Bedeutung bewusst sein. Ihr muss klar sein, dass sie nur in Demokratien „freiwillig“ das Kopftuch tragen kann. In den von Islamisten beherrschten Länder ist sie dazu gezwungen. Da ist das Kopftuch für Frauen eine Frage auf Leben und Tod. {Quelle: http://www.aliceschwarzer.de – Von Alice Schwarzer}

 

One Response to “Wird fürs Kopftuch bezahlt?”

  1. bazillus Says:

    Ein sehr sanfter Artikel über das Kopftuch. Ich würde da noch einen Schritt weiter gehen. Jede muslimische Frau, die in einer Demokratie „freiwillig“ ein Kopftuch trägt, sehe ich als Verräterin der Frauen an, die in islamischen Gottesstaaten zum Tragen des Kopftuchs gezwungen werden. Sie stellt sich hier freiwillig in den Dienwst einer Ideologie, die den Frauen geboten hat, sich wegen der Geilheit der Kerle in die Verschleierung pressen zu lassen. Der Frau wird zugemutet ihren Kopf zuzuwindeln als Zeichen der Abgrenzung. Zur Ehre Gottes, diese Verschleierung zu tragen, wurde nicht verlangt. Vielmehr beleidigt der Gott des Islams einmal mehr wieder Menschen:
    a) Frauen, die er in lebende Stoffkäfige einsperrt, anstatt Männer in Ketten zu legen und
    b) Männer, denen er einfach unterstellt, geile Monster zu sein, die beim Anblick des weiblichen Kopfhaares nicht anders können als diese Frau zu vergewaltigen.

    Damit stellt der Gott des Islams drei Armutszeugnisse aus:
    a) den Frauen, die meinen, sich verhüllen zu müssen zur Ehre Gottes, was im Koran überhaupt nicht verlangt wird und diese sich dem Diktat von Männern unterwerfen, die dies gern so sehen, damit die Frau schön gehorsam klein gehalten werden kann,
    b) den Männer, die sich nicht beherrschen können und zuletzt
    c) sich selbst, dass er als Schöpfer der Universums dem Menschen nichts, aber auch garnichts zutraut und den Begriff des Wortes „Vertrauen“ und „Mündigkeit der Menschen“ wohl nicht einmal in seiner Denkweise aufzufinden ist.

    Solange der Islam das Kopftuch als Zeichen der Abgrenzung, der Abschottung, der Unterdrückung von Frauen fördert und verlangt, solange muss das Kopftuch in freien Gesellschaften als politisches Zeichen verstanden werden und ein Verbot des Tragens in Gerichten, Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden verlangt werden.
    Wir können es uns nicht gefallen lassen, dass hier Frauen und Familien meinen öffentlich zeigen zu müssen, dass die Zugehörigkeit zum Islam aus ihnen einen besseren, weil gläubigen Menschen macht im Gegensatz zu Menschen die Christen, Juden, Nichtmuslime und Aheisten, die korangemäß die schlechtesten Geschöpfe der Schöpfung darstellen.

    Das Kopftuch ist kein persönliches Zeichen einer individuellen Persönlichkeit, sondern das Zeichen der Umma des Islams, die alles darauf anlegt, sich selbst in den Vordergrund zu stellen und sich anschickt, die Erde zu erobern und die Welt ins REich des Mittelalters zurück zu werfen. Solange dies so ist, ist ein Verbot des Tragens dieses Zeichens der Ausgrenzung in öffentlichen Gebäuden eine Tat der Rechtsstaatlichkeit, nicht eine der Diskriminierung. Denn die geistige Diskriminierung Anderer geht von den Köpfen derer aus, die sich selbst bis zur Unkenntlichkeit verschleiern und zuwindeln.


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