kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Im Nordsudan werden heute noch mehrere zehntausend Sklaven festgehalten 24. Juli 2010

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 04:45

Kein Denkmal für die Versklavten


Sklaven im Sudan gleichen Verletzten am Wegesrand, um die sich niemand kümmert. Seit 15 Jahren richtet CSI diese Menschen wieder auf.

Ausgangspunkt für die Verschiffung unzähliger Sklaven nach Amerika war das “Cape Coast Castle” nahe der ghanaischen Hauptstadt Accra. Am 11. Juli 2009 erhielt das Fort prominenten Besuch. US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle erinnerten bei ihrer Staatsvisite in Accra daran, “dass die Geschichte, so schmerzlich sie auch sein mag, überwunden werden kann“. Der historische Ort sei eine Mahnung, welchen Schrecken Menschen anrichten könnten. Obama verglich die Festungsanlage mit dem Konzentrationslager Buchenwald, wo er im Juni 2009 der Opfer des Nationalsozialismus gedacht hatte.

Sklaven kein Thema: Der transatlantische Sklavenhandel und die Untaten der Nazischergen gehören zum Glück der Vergangenheit an. Doch die Gräuel der Sklavenhaltung sind im 21. Jahrhundert noch immer Realität. Und anders als die Festung an der Atlantikküste und die Folterkammern von Buchenwald gibt es für die Sklaven im Sudan keine Denkmäler. Ihr permanentes Leiden ist für die Prominenz dieser Welt kein Thema. Barbarisch misshandelte Frauen und Kinder sind wertlos, jedenfalls in der Wahrnehmung politischer, wirtschaftlicher und religiöser Eliten. Politiker wollen sich mit diesem Thema nicht belasten, weil sich damit keine Wahlen gewinnen lassen. Für die globalisierte Wirtschaft, für die UNO, ja selbst für viele Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen existieren die Sklaven im Sudan nicht. Kirchenführer bleiben stumm, weil Vorwürfe an muslimische Sklavenhändler sonst dem Dialog mit dem Islam abträglich sein könnten. Und das Wächteramt der Massenmedien? Sie haben mit dem Skandal vorübergehend Kasse gemacht und sich längst anderen Themen zugewendet. Sklaverei und Zwangsislamisierung sind für die oberflächliche Leserschaft eine zu schwere Kost.

Unverheilte Wunde: Augenzeugenberichte und Interviews von CSI-Mitarbeitern zum Leid der Sklaven sind notwendig und unentbehrlich. Sie dienen als wichtiger und erforderlicher “Weckruf”, der die Desinteressierten wachrütteln und ihnen fortwährend in Erinnerung rufen soll, dass die Sklaverei wie eine unverheilte Wunde ist, die dringend behandelt werden muss. Im Mai 2009 konnte CSI erneut 232 Menschen aus zumeist jahrelanger Gefangenschaft befreien und in ihrer einstigen Heimat willkommen heißen. Jeder einzelne von ihnen wurde zu seiner Geschichte befragt, fotografiert und erhielt einen Startsack, in dem alles Lebensnotwendige für das Überleben in Freiheit enthalten ist.

CSI-Mitarbeiter John Eibner sprach mit Maria Atak, einer der Befreiten: {„Ich komme aus dem Dorf Wathok, dort lebte ich mit meinen Eltern. Ich erinnere mich daran, dass ich mit ihnen als Kind die Kirche besuchte, und ich kann das Vaterunser noch heute auswendig hersagen. Als mich die arabischen Menschenräuber einfingen, war ich noch sehr jung. Sie fesselten mich auf ein Pferd und nahmen mich mit, zusammen mit vielen anderen. Einer von ihnen, Mohammed Ibrahim, tat mir sehr weh, obwohl ich noch ein Kind war. Ich musste bei ihm wohnen. Er und seine Frau Toma hatten fünf Kinder, die im Ort Ed Daein (Darfur) zur Schule gingen. Die Schule durfte ich nicht besuchen. Ich vermute, dass Mohammed der Vater meines Babys ist, sicher bin ich aber nicht, da er andere dazu aufforderte, mich zu vergewaltigen. Weil mich Mohammeds Frau nicht länger duldete, nachdem mein Kind zur Welt gekommen war, kam ich frei. Ob meine Eltern noch am Leben sind, weiß ich nicht, aber ich werde versuchen, sie zu finden. Nie werde ich Gottes Fürsorge vergessen. Er hat mir geholfen, Mohammed Ibrahim zu verlassen, er wird mir auch weiterhin zur Seite stehen. In meinem Herzen habe ich meinen Taufnamen Maria nie aufgegeben, und jetzt in der Freiheit ist er mir so wertvoll wie nie zuvor“}.

Einzigartiger Auftrag: Zeugnisse wie dasjenige von Maria Atak verpflichten uns immer wieder aufs Neue, die vor 15 Jahren begonnene Arbeit weiterzuführen. Susan Rice, die frühere Assistentin der amerikanischen Außenministerin Madeleine Albright und jetzige UNO-Botschafterin von Präsident Barack Obama, sagte nach einem Besuch im Südsudan: “Die Zeugnisse der Frauen und Kinder, die gefangen genommen, versklavt, gefoltert und vergewaltigt wurden, haben mich zutiefst bewegt. Ihnen wurden sogar Religion und Glauben gestohlen. Es gibt keine Entschuldigung für diese schrecklichen Untaten. Die Täter wollen einfache, aufrechte und ehrliche Menschen, die unter extrem schwierigen Umständen leben, demütigen. Und sie wollen Mutige, die aus dem Ausland kommen, um zu helfen, daran hindern und abschrecken”.

Wohin geht die Reise?


Das CSI-Programm zur Befreiung von Sklaven ist Thema bei den bedeutendsten und einflussreichsten Medien dieser Welt. Doch die Ungewissheit über die Zukunft des Südsudan bleibt bestehen.

Vor 15 Jahren waren es fast nur Leser des CSI-Monatsmagazins, die Informationen zur Sklaverei im Sudan erhielten. Heute werden sie von den renommiertesten Medien der Welt verbreitet. So berichtete die ‘New York Times’ am 25. April 2010, dass die Südsudanesin Achol Mayol Juach 1986 im Alter von sieben Jahren versklavt wurde. Heute arbeitet sie als Köchin an einer Schule in Nyamlell, “nachdem sie mit Hilfe von CSI aus fast 20-jähriger Gefangenschaft entkommen war”. Die ‘Washington Post’ schreibt am 2. April 2010, dass im Nordsudan heute noch mehrere zehntausend Sklaven festgehalten werden. Der Kolumnist Michael Gerson war Ende März 2010 bei einer CSI-Sklavenbefreiungsaktion dabei und begegnete Majok Majok Dhal, einem 15 Jahre alten Jungen. Was er sah und hörte, schockierte den erfahrenen Reporter. Als Majok einmal krank war, hatte sein Besitzer mit einem Messer auf ihn eingestochen und gedroht, ihm die Kehle durchzuschneiden. Majok, der den brutalen Mann ‘Vater’ nennen musste, zeigte seine schlecht verheilten Wunden.

Wird der Südsudan ein eigenes Land? Es gibt kaum einen Südsudanesen, der nicht von einer baldigen Unabhängigkeit von der arabisch-islamistischen Hauptstadt Khartum träumt. Im Januar 2011 könnte es endlich soweit sein: Die Menschen im Süden erhalten Gelegenheit, ihr Recht auf Selbstbestimmung wahrzunehmen und einen neuen Staat auf die afrikanische Landkarte zu setzen. Die Frage ist nur, findet das Referendum tatsächlich statt? Und wenn ja, wird es frei und fair sein? Und weiter: Wird ein unabhängiger Südsudan nicht nur ein neuer “gescheiterter Staat”, der seinem größtenteils aus Analphabeten bestehenden Volk weder Sicherheit noch grundlegende staatliche Dienstleistungen bieten kann? Der sudanesische Präsident Omar al-Bashir, der vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag per Haftbefehl als Kriegsverbrecher gesucht wird, hat versprochen, das Referendum abzuhalten und das Resultat zu akzeptieren. Es könnte sein, dass er das tatsächlich tut. Der Grund wäre aber nicht, dass ein geläuterter Islamist demokratische Tugenden entdeckt hat, sondern die Erwartung, dass Stammes- und Verteilungskämpfe den neuen Staat von innen heraus zerstören und zurück in die Arme des Nordsudan treiben.

Wieder Hungersnot im Südsudan: Tatsächlich sieht es so aus, als brauten sich am Vorabend des Referendums dunkle Wolken am Himmel über dem Südsudan zusammen. Manipulationen bei den im April abgehaltenen Wahlen haben in vielen Landesteilen zu Aufruhr geführt. Die um den Wahlsieg Betrogenen machen mobil, ihre Truppen haben unter verschiedenen Stämmen bereits Tod, Zerstörung und Unsicherheit angerichtet. Das Vertrauen in die Wahlsieger um Präsident Salva Kiir, im Januar 2011 ein demokratisches Referendum abzuhalten, ist beschädigt. Die Staatseinnahmen, die zu 96% aus dem Erdölverkauf stammen, gehen hauptsächlich in militärische Aufrüstung und Gehälter für den aufgeblähten Staatsapparat. Korruption und Egoismus der Elite haben dazu geführt, dass Südsudans Hauptstadt Juba zur am schnellsten wachsenden Metropole Afrikas geworden ist, während die Peripherie darbt. Dort ist nicht einmal die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung gewährleistet, neu gebaute Straßen zerfallen bereits wieder. Jetzt hat die Uno Alarm geschlagen und den Südsudan als den “hungrigsten Ort der Welt” bezeichnet. Jeder zweite Mensch im Land sei akut bedroht. Fünf Jahre lang hat das “Wunder des Friedens” im Südsudan nun bereits angedauert. Trotz aller Widrigkeiten sind die Chancen noch nicht verspielt, die das Ruhen der Kriegstrommeln dem Land und seinen Bewohnern bietet.


“Der hungrigste Ort der Welt”


Die Uno schlägt Alarm und bezeichnet den Südsudan als den “hungrigsten Ort der Welt”. Dürre, Misswirtschaft und Stammeskämpfe sind der Grund für die jüngste humanitäre Katastrophe in einem Land, das sich gerade anschickt, ein selbständiger Staat zu werden.

Lisa Grande, verantwortliche Koordinatorin für die Hilfsprojekte der Vereinten Nationen: “Im Südsudan leidet bereits jeder zweite Mensch wieder an Hunger und ist akut gefährdet”. CSI begleitet Hilfslieferungen bis hin zum Empfänger und stellt sicher, dass die wirklich Bedürftigen berücksichtigt werden. Dank dem einheimischen CSI-Notarzt Dr. Luka Deng erhalten unterernährte Kinder auch medizinische Betreuung. CSI wird den Versklavten auch in Zukunft Freiheit bringen, den Hungernden Nahrung und den Kranken Heilung.

Danke, dass Sie uns dabei so nachhaltig unterstützen. Wunden können heilen. “Warum machen Sie diese Arbeit?” will ein Teilnehmer auf unserer letzten Sudanreise im November 2009 wissen. “Weil ich in den Augen der Sklaven Jesus erkenne”, antworte ich ohne Zögern.

Mit einer handtellergroßen, eitrigen Wunde am Bein sitzt der 13-jährige Sklavenjunge Deng Akec da. Sie zieht einen ganzen Schwarm Fliegen an. Als wir ihn zu seiner Zeit in der Sklaverei befragen, erzählt er seine erschütternde Geschichte: Versklavt, beschnitten, ausgepeitscht, beleidigt und gedemütigt. Ein Schicksal von Tausenden, wie wir es als langjährige Mitarbeiter im Sudan immer wieder erleben. Mit den Ziegen gelebt: Acht lange Jahre befand sich das Kind in der Gewalt eines arabischen Nomaden. Osma war mit ihm und seinen Kühen und Ziegen im Grenzland zwischen dem Nord- und dem Südsudan umhergezogen. Deng Akec hat während dieser Zeit mit fast niemandem gesprochen.

Sie, liebe Freunde von CSI, unterstützen uns bei einem ganz besonderen Auftrag: diese zutiefst verletzten Menschen am Wegesrand, die die Welt vergessen hat und um die sich sonst niemand kümmert, wieder aufzurichten.

 

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