kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Pressekonferenz mit Bischof Damian in Wien 20. März 2010

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 18:43

Anlässlich des Schweigemarsches, der jährlich von der Menschenrechtsorganisation CSI (Christian Solidarity International) organisiert wird, wurde eine Pressekonferenz mit seiner Exzellenz Bischof Damian, dem Generalbischof der koptisch-orthodoxen Diözese Deutschlands, in Wien einberufen. Am 19. März 2010 und um 10:00 saßen der katholische Weihbischof Franz Scharl und der katholische Pfarrer Peter Zotti neben dem koptischen Bischof am Podium. Herr Zotti gehört zu dem Vorstand der CSI und fungierte als Moderator.

       Zu Beginn sagte Bischof Damian, dass es kein Staatsverrat ist, wenn ein koptischer Bischof über die dramatischen Ereignisse spricht, welche die Kopten und mit ihnen die ganze Welt erschüttert haben. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Welt mittels der modernen Kommunikation zu einem kleinen Dorf wurde. Es gibt also nichts zu verbergen. Klar erwähnte er, dass solange der zweite Artikel der ägyptischen Verfassung, der auf Schariaa fußt, die ägyptische Gesetzgebung und somit die Richter dominiert, wird kein muslimischer Täter verurteilt, dessen Opfer ein Nicht-Moslem ist. Deswegen erlitten die Kopten seit 1972 über 42 gravierende Unruhen und Attentate, bei denen die muslimischen Täter freigesprochen wurden. Zugegeben haben wir ein Problem mit der islamischen Lehre und mit der Schariaa. Wir verlangen nicht, dass der Koran reformiert wird, aber wir hätten es gern, wenn Alazhar seine Imame genau aussucht und ausbildet, sodass nicht jeder nach dem Bauchgefühl predigt.

       In Schobra (Kairoer Bezirk) besuchte ich einen behinderten Moslem, wo etwa eine Million Kopten leben. Es war Freitag und am Mittag konnte ich meinen Ohren nicht trauen, als der Imam der gegenüberliegenden Moschee durch die Lautsprecher anfing zu predigen. Das war aber keine Predigt, sondern eine „Kriegserklärung“. Bischof Damian machte auf die Anwesendheit vom Herrn Hassan Baroud, dem Pressesprecher der ägyptischen Botschaft, aufmerksam. Er meinte: „Vielleicht gibt mir Herr Baroud recht, wenn ich sage, dass mehr als die Hälfte der ägyptischen Bevölkerung Analphabeten sind“. Das heißt nicht, dass diese Leute schlecht sind, aber sie empfangen alle Informationen durch ihr Gehör. Wenn sie eine milde Predigt zu hören bekommen, verlassen sie die Moschee mit ruhigem Gemüt, aber wenn sie eine aufhetzende Predigt verabreicht bekommen, dann gehen sie mit Benzinkanistern auf die Kopten los. Daher ist es sehr wichtig, dass man die Prediger kontrolliert und passend ausbildet.

       Ahmad Eltaib (den Mubarak vorgestern von Heidelberg aus zum Scheich von Alazhar ernannte) hielt vor langer Zeit in Hamburg einen Vortrag über die Toleranz des Islam. Danach schlug ich ihm Folgendes vor: „Man sollte jedem in Ägypten die Freiheit gewähren, seine Religion zu wechseln oder zu praktizieren, ohne ihn weder zu bestrafen noch zu belohnen“. Die Freiheit ist die einzigartigste Gabe Gottes, welche keiner einem wegnehmen darf. Ich hätte es gern, dass die Religionsangabe im Personalausweis entfällt, weil die Religion eine private Angelegenheit, und nach der die Menschen nicht einzustufen sind. Vor 15 Jahren habe ich den verstorbenen Scheich Tantawy, dessen Tod ich überaus bedauerte, in Berlin geführt. Ich übersetzte ihm und zeigte, wie er in Deutschland Fuß fassen kann. Er sagte wörtlich: Diesem jungen Bischof vertraue ich, meine Kinder und Enkelkinder auszubilden. Es gibt also moderate Moslems. Ich bin zuversichtlich und blicke mit großer Hoffnung in die Zukunft, dass Ägypten sich entfaltet und alles sich zum Positiven entwickelt. Von den schrecklichen Videos auf Youtube und Internetseiten, die das Christentum herabwürdigen, möchte ich nicht sprechen, aber ich appelliere an den Vernünftigen Ägyptens, das zu stoppen. Wir werden die Welt nicht mit Worten verändern können, sondern mit Taten. Es wäre eine große Tat, wenn man die Entführung der minderjährigen Koptinnen stoppt, die zu Organspendern gemacht und dann zu Prostitution geschickt werden. Ich kann nie den Augenblick vergessen, als ich erlebte, wie eine Mutter mich anflehte, ihr zu helfen, ihre 12järige Tochter wiederzubekommen, während ich auf einen hohen Offizier wartete. Wir alle haben Kinder und wissen, wie es Weh tut, ein Kind auf diese Weise zu verlieren. Ich wende mich an das Gewissen der Ehrenmänner. 

 

One Response to “Pressekonferenz mit Bischof Damian in Wien”

  1. Bazillus Says:

    Ich staune angesichts der Verfolgung der Kopten durch Muslime, wie moderat und ausgewogen die Kritik des Oerhauptes der koptischen Kirche in Deutschland ausgefallen ist. Er nennt die Dinge beim Namen, setzt jedoch große Hoffnung auf moderate Muslime. Das ist bemerkenswert und die richtige Art mit den Dingen zu verfahren.

    Dazu herzliche Anerkennung.

    Aber ohne grundlegende Reformation des Korans bzw. der Koraninterpretation sehe ich persönlich leider schwarz. Denn Teile dieser koranische Lehre bilden leider die Urgrundlage dieser Misere. Solange jedoch teilweise Fatwen herausgegeben werden, gerade auch aus Ägypten, die den Koran in seinen ausgrenzenden Teilen immer wieder aufs Neue bestätigen, ändert sich nicht viel.

    ich setze viel Hoffnung auf das Internet, welches Muslime bnutzen dürfen und von der frohen Botschaft des Evangeliums erfahren. Nur so kann ein Sinneswandel dort herbeigeführt werden.

    Aber Glaube, Hoffnung und Liebe, diese Drei müssen der Urgund jeglichen christlichen Handelns bleiben, wenn es auch noch so schwerfällt.


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