
Also der Artikel ist leicht bösartig. Dass der Vatikan schweigt, also nichts sagt, ist schlichtweg falsch. Habe einige Artikel der letzten Zeit gefunden, die das Gegenteil dokumentieren.
Ob der Vatikan genug gesagt hat und in welcher Form er es sagen sollte, kann ich nicht beurteilen. Wenn er den Islam mit Mohammed und den islamischen Gott direkt angreift, wird es schlichtweg Krieg geben.
Das dürfte doch wohl jedem klar sein!
Der Papst ist kein Blogger und kann nicht so wie er will. Auch der koptische Papst ist gezwungen mit den islamvertretern Konsens zu finden, um die Lage nicht noch mehr eskalieren zu lassen.
Papst stellt Synodendokument für Nahostkonferenz vor:
Dialog mit Islam „Notwendigkeit“
Papst Benedikt XVI. hat zum Abschluss seiner Zypernreise das Arbeitspapier für die Bischofssynode über den Nahen Osten vorgestellt. Nach einer feierlichen Messe im Sportpalast von Nikosia mit rund 5.000 Gläubigen teilte er das rund 40-seitige Dokument an die anwesenden Patriarchen und Bischöfe aus dem Nahen Osten aus. Zuvor gedachte der Papst des ermordeten Vorsitzenden der Türkischen Bischofskonferenz, Bischof Luigi Padovese, der zur Vorbereitung der Synode beigetragen habe.
Papst mahnt zu Frieden und fordert Religionsfreiheit in Nahost: Benedikt XVI. feierte im Petersdom Schlussgottesdienst der Bischofssynode über den Nahen Osten – „Frieden ist möglich! Frieden ist dringend!“, mahnte der Papste in seiner Predigt
Vatikanstadt, 24.10.10 (KAP): Mit einem eindringlichen Appell für Frieden und mehr Religionsfreiheit hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag die Nahost-Synode im Vatikan beendet. Im Nahen Osten herrschten schon allzu lange Konflikte, Kriege, Gewalt und Terrorismus, beklagte er bei der Schlussmesse zu der Bischofssynode im Petersdom. „Frieden ist möglich! Frieden ist dringend! Resigniert nie vor dem Mangel an Frieden!“, rief der Papst den Patriarchen und Bischöfen aller Nahostländern sowie den anwesenden Vertretern der Weltkirche zu. Frieden sei eine unverzichtbare Bedingung für ein menschenwürdiges Leben und das beste Mittel, um die Emigration aus der Region zu stoppen. Zugleich sprach sich Benedikt XVI. für eine umfassende Religions- und Gewissensfreiheit im Nahen Osten aus. Dies sei ein fundamentales Menschenrecht. In vielen Ländern der Region bestehe bestenfalls Kultfreiheit, der religiöse Freiraum sei jedoch zu eingeengt. „Diesen Freiraum zu erweitern ist eine Voraussetzung, um den Mitgliedern der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften echte Freiheit beim Bekenntnis des eigenen Glaubens zu garantieren“, so der Papst. Darum müssten sich Christen und Muslime in einem Dialog bemühen, den die Synode zu Recht mit allem Nachdruck gefordert habe, sagte Benedikt XVI.
Christen in großer Bedrängnis: Die Christen in der Region befänden sich in schwierigen Situationen, mitunter in großer Bedrängnis. Sie litten unter materiellen Problemen sowie an Mutlosigkeit, Anspannung und Angst. Die christliche Botschaft vermittele aber Hoffnung und Trost auch in großen Schwierigkeiten. Das Gebet dessen, der im Elend weilen muss, „verstummt nicht, bis Gott eingreift und Recht schafft“, sagte der Papst unter Anspielung auf eine Passage aus dem alttestamentlichen Buch Jesus Sirach. Die Verbindung von Gebet und Gerechtigkeit lasse auch an die Situation im Nahen Osten denken. „Der Schrei des Armen und des Unterdrückten findet sein unmittelbares Echo bei Gott, der eingreifen will, um einen Ausgang zu zeigen, um eine Zukunft der Freiheit, einen Horizont der Hoffnung zu eröffnen.“ Mit der feierlichen Papstmesse im Petersdom sind die zweiwöchigen Beratungen der Nahost-Bischofssynode beendet. Fast alle katholischen Patriarchen und Bischöfe der Region berieten mit dem Papst und Vertretern der Weltkirche über die meist schwierige Situation der 20 Millionen Christen zwischen Kairo und Teheran.
Am Samstag hatten die Synodalen als Zusammenfassung und Ergebnis ihrer Beratungen ein 44 Punkte umfassendes Schlusspapier präsentiert. Es unterstreicht die Notwendigkeit einer gerechten Friedenslösung als Vorraussetzung auch für eine gute Zukunft der Christen in der Region. Zugleich fordert es eine Intensivierung der Kontakte zum Judentum wie zu den Muslimen. Die Synode erteilte allen Formen von Gewalt, Antisemitismus, Islamphobie oder Christenfeindlichkeit eine klare Absage. Als besonders besorgniserregend bezeichnen die Synodalen die anhaltende Abwanderung von Christen aus den Ländern der Bibel. In einer gleichzeitig veröffentlichten „Botschaft“ an die Kirche und die Weltöffentlichkeit sprechen sich die Synodalen für die Anwendung der Resolutionen des Weltsicherheitsrates im israelisch-palästinensischen Konflikt und für eine Zwei-Staaten-Lösung aus. Man könne nicht mit Hinweis auf die Bibel Unrecht rechtfertigen, betonen sie mit Blick auf Siedlungstätigkeit im Westjordanland. Für Jerusalem fordert die Bischofsversammlung ein gerechtes Statut, das ihrem Charakter als Heilige Stadt Rechnung trägt. Ebenso fordern sie eine Friedenslösung für den Irak und volle Souveränität des Libanon über sein gesamtes Territorium. Aus dem 44-Punkte-Papier wird der Papst demnächst ein offizielles Schlussdokument erstellen.
Nächste Synode über Neuevangelisierung: Die nächste Weltbischofs-Synode befasst sich 2012 mit dem Thema der Neuevangelisierung, kündigte Benedikt XVI. bei der Abschlussmesse der Nahost-Synode an. Das Motto für das Treffen im Jahr 2012 lautet: „Die Neuevangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens.“ Die Nahost-Synode habe die Notwendigkeit einer Neuevangelisierung in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens gezeigt. Das gleiche gelte aber auch für die Länder mit alter christlicher Tradition, so der Papst. Diesem Erfordernis entspreche auch der vor einem Monat neu gegründete Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung, erläuterte Benedikt XVI.
Nach Papst-Schelte
Ägypten zieht Botschafter aus dem Vatikan ab
Papst Benedikt bei einer Neujahrsmesse: „Einmischung in die inneren Angelegenheiten“?
Die ägyptische Regierung reagiert vergrätzt: Nachdem Papst Benedikt XVI. erneut den besseren Schutz von Christen in dem Land angemahnt hatte, zog Ägypten seinen Botschafter aus dem Vatikan vorerst ab. Das Außenministerium kritisierte die Einmischung des Geistlichen in innere Angelegenheiten.
Kairo/Berlin: Nach dem Anschlag auf koptische Christen in Alexandria bahnt sich ein Konflikt zwischen dem Vatikan und der ägyptischen Regierung an. Aus Verärgerung über Ermahnungen von Papst Benedikt XVI. berief das Außenministerium in Kairo am Dienstag seine Botschafterin beim Vatikan zu „Konsultationen“ zurück. Ein Sprecher sagte, die Bemerkungen des Papstes über die Situation der Christen in Ägypten stellten eine „inakzeptable Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ des Landes dar. Der Papst hatte am Montag während einer Audienz für Diplomaten in Rom gesagt, die Attentate und Drangsalierungen, denen Christen unter anderem im Irak und in Ägypten ausgesetzt seien, hätten ihn „zutiefst betrübt“. Wie schon in seiner in Ägypten ebenfalls kritisierten Neujahrsansprache appellierte der Papst erneut an die Regierungen dieser Staaten, „sich dafür einzusetzen, dass ihre christlichen Mitbürger in Frieden leben“. Diesmal richtete der Papst seinen Appell zusätzlich an die islamischen Religionsführer in diesen Ländern. Auf die Worte Benedikts XVI. antwortete deshalb am Dienstag auch Ahmed al-Tajjib, der Scheich des einflussreichen Al-Azhar-Instituts in Kairo.
Der Islam-Gelehrte erklärte, es sei richtig, die Regierungen der Staaten des Nahen Ostens an ihre Verpflichtung zum Schutz der christlichen Minderheit zu erinnern. „Dies darf jedoch nicht mit irgendeiner Form von Einmischung in die inneren Angelegenheiten der arabischen islamischen Staaten einhergehen, unter welchem Vorwand auch immer“, fügte er hinzu. Vertreter der koptischen Kirche in Ägypten versuchten, die Wogen zu glätten. Sie sagten, die Äußerungen des Papstes seien nicht einwandfrei übersetzt worden. Bundespräsident Christian Wulff rief die internationale Staatengemeinschaft zum Kampf für Religionsfreiheit auf. „Gewalt gegen Religionsgemeinschaften, wie wir sie in der jüngsten Zeit leider vermehrt erleben mussten, hat hier keinen Raum“, sagte Wulff bei dem traditionellen Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps in Berlin. „Wir müssen ihr entschieden entgegentreten.“ Bei einem Selbstmordattentat vor einer koptisch-orthodoxen Kirche in Alexandria waren in der Silvesternacht 23 Menschen ums Leben gekommen. Die ägyptische Regierung wehrt sich seither gegen Kommentare, in denen der Anschlag als Folge wachsender Spannungen zwischen Muslimen und Christen in Ägypten dargestellt wird.
In dem Dokument geht es um die Hilfe für die Christen im Nahen Osten, den interreligiösen Dialog mit Muslimen und Juden, den palästinensisch-israelischen Konflikt sowie die Ökumene mit den Ostkirchen. Die Bischofssynode über den Nahen Osten findet im Oktober in Rom statt. Die Kirche wolle die Christen in der Region in ihrer Identität „bestätigen und stärken“, heißt es im Arbeitspapier. Das von der Vorbereitungskommission für die Synode erstellte Dokument warnt vor einer weiteren Abwanderung der Christen aus dem Nahen Osten. Diese seien mit ihren 2.000-jährigen geistlichen und kulturellen Traditionen als „wesentlicher Teil dieser Region“ unverzichtbar. Die Kirche müsse die Christen in mehrheitlich muslimischen Gesellschaften verstärkt unterstützen, um ihre Existenz zu sichern. Gleiches gelte auch für die Christen im Staat Israel. Als „einen Hauptgrund“ für die Abwanderung von Christen aus der Region nennt das rund 40-seitige „Instrumentum Laboris“ das Desinteresse der internationalen Gemeinschaft gegenüber dem Schicksal dieser Gruppe. Zugleich fordern die Bischöfe die Christen im Nahen Osten auf, nicht in eine „Ghetto-Mentalität“ zu verfallen und sich nicht aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen.
Nein zu theokratischen Regierungformen: Die Bischöfe rufen die Katholiken im Nahen Osten auf, für eine „positive Laizität“ und Demokratie sowie gegen theokratische Regierungsformen einzutreten. Die Rolle der Religion im öffentlichen Leben müsse anerkannt werden und gleichzeitig eine vollständige Trennung von religiösen und staatlichen Vorschriften gewährleistet sein. Ziel müsse es sein, eine größere Gleichheit zwischen den Bürgern verschiedener Religionen herzustellen.
Religionsfreiheit und Menschenrechte: Ein weiteres zentrales Anliegen der Bischofssynode ist das Gespräch mit dem Islam. „Der interreligiöse und interkulturelle Dialog zwischen Christen und Muslimen kann nicht auf ein ‘optionales Extra’ beschränkt werden. Er ist eine vitale Notwendigkeit, von der im großen Maße unsere Zukunft abhängt“, zitieren die Leitlinien Papst Benedikt XVI. Die Beziehungen zwischen Muslimen und Christen gestalteten sich jedoch oft schwierig, weil jene nicht zwischen Religion und Politik unterscheiden. Christen würden oft nicht als gleichberechtigte Bürger betrachtet. Als „Schlüssel für ein harmonisches Zusammenleben“ zwischen den Gläubigen beider Religionen bezeichnet das Dokument die Anerkennung von Religionsfreiheit und Menschenrechten. Christen und Muslime müssten gemeinsam für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Menschenrechte eintreten.
Ökumenischer Dialog mit den Ostkirchen: Die katholische Kirche wolle die Gemeinschaft mit den Kirchen eigenen Rechts „beleben“, um ein „eindrückliches, attraktives und freudiges Zeugnis“ christlichen Lebens im Nahen Osten zu geben, heißt es in dem Papier. Zudem weisen die Autoren darauf hin, dass die Abspaltung der nichtbyzantinischen Ostkirchen im 5. Jahrhundert vor allem „politisch-kulturelle“ Gründe gehabt hätte. Neben Abwanderung, Geburtenrückgang und Zeitgeist machen die Leitlinien auch innerkirchliche Gründe für die schwierige Lage der Christen im Nahen Osten verantwortlich. Eine „mangelnde Einigkeit“ im Klerus sowie eine unzureichende Ausbildung von Priestern und Ordenleuten trügen ebenfalls zu dieser Krise bei, heißt es darin. Zudem sei das kontemplative Leben in der Mehrheit der Ordensniederlassungen „erkennbar abwesend“. {Spiegel online.de: 11.01.2011}
Vatikan: Christ Bhatti und Muslim Taseer sind Märtyrer im Kampf für Religionsfreiheit
P. Lombardi SJ: Vatikan: Gesetz gegen Schmähung der Religion in Pakistan ist Blasphemie
ROM, 7. März 2011 (ZENIT.org / Radio Vatikan): In Pakisten sind der Christ Bhatti und der Muslim Salman Taseer zu Märtyrern im Kampf für Religionsfreiheit geworden. Die kaltblütige Ermordung des pakistanischen Minderheitenminister Shahbaz Bhatti und sein Einsatz für den Respekt von Christen und anderen Minderheiten war Anlass für den Pressesprecher des Vatikans, Jesuitenpater Federico Lombardi, sich mit dem „Gesetz gegen die Schmähung der Religion“ in Pakistan zu beschäftigen. Unter dem Vorwand, Religion zu schützen, schmähe diese Form von Gesetzgebung der pakistanischen Regierung jegliche ethischen Grundsätze von Religion und Religionsfreiheit, so P. Lombardi in der letzten Ausgabe der wöchentlichen Sendung „Octava Dies“ des Vatikanischen Fernsehzentrums (CTV) „Ja, es ist selbst Blasphemie“, erklärte der Vatikansprecher. Vor einigen Wochen sagte Bhatti: ‘Betet für mich. Ich habe alle Brücken hinter mir abgebrochen. Ich kann und will nicht umkehren auf meinem Weg. Ich werde den Extremismus bekämpfen, und ich werde bis zum Tode für die Verteidigung der Christen kämpfen.’“, bezeugte P. Lombardi deutlich bewegt. „Heute schon erscheint seine Figur in der Größe eines gültigen Zeugen des Glaubens und der Gerechtigkeit.“ Bhatti ist aber nicht nur der einzige Märtyrer bei diesem Kampf für die Würde und dem Respekt vor jeder religiösen Überzeugung. Da ist der Muslim Salman Taseer. Wie Bhatti musste auch der ehemaligen Gouverneur der pakistanischen Provinz Punjab wegen seines Einsatzes für die Religionsfreiheit in Pakistan sterben.
Wir stünden vor dem Leben eines Muslimen und eines Christen, die beide mit ihrem offenen Vorgehen gegen das Blasphemiegesetz sozusagen das eigene Todesurteil unterschrieben hätten, die beide wegen ihres Mutes den „höchsten Preis“ bezahlt hätten, so P. Lombardi SJ. „Während diese beiden Morde uns mit Schrecken und Angst erfüllen, wenn wir an das Schicksal der Christen in Pakistan denken, erfüllen sie uns paradoxerweise aber zugleich mit einem Hauch von Hoffnung. Denn sie verbinden einen Christen und einen Muslimen durch Blut, das für eine gemeinsame Sache vergossen wurde. Es gibt nicht nur den Dialog des gegenseitigen Verstehens und des gemeinsamen Einsatzes für das Gemeinwohl. Vom Dialog des Lebens geht man zum Dialog der Zeugenschaft im Tod über, der eigenes Blut fordert, damit der Name Gottes nicht als Instrument der Ungerechtigkeit missbraucht wird.“ Papst Benedikt XVI. hatte in seiner großen Ansprache an das diplomatische Corps im Vatikan zu Anfang diesen Jahres Taseers Einsatz für die Religionsfreiheit gewürdigt. Er hatte für den kommenden Oktober ein neues Friedensgebet der Religionen im italienischen Assisi angekündigt und damit die Initiative seines Vorgängers Papst Johannes Paul II. aufgegriffen. Der Mord am Muslimen Taseer und am Christen Bhatti trägt nach Ansicht von Vatikansprecher Lombardi zur Ermutigung für dieses – in der Vergangenheit teilweise skeptisch beäugte – Projekt bei: „In Erinnerung an Taseer und Bhatti, in gerührter Dankbarkeit für ihr Leben und für ihr Sterben, werden die wahren Verehrer Gottes weiterkämpfen – und wenn nötig sterben, für die Religionsfreiheit, die Gerechtigkeit und den Frieden. Gibt es eine stärkere Ermutigung, um uns gemeinsam nach Assisi aufzumachen?“
Also so stumm wie der Artikel hier weismachen will, ist der Vatikan nicht. Ob er alles richtig macht in Bezug auf die den Islam wage ich zu bezweifeln. Irgendwelche Untaten der kath. Kirche, die es unzweifelhaft gegeben hat in einen Topf zu werden, ist unredlich. Hexenverbrennungen hat es in Rom nie gegeben. Hexenverbrennungen in Deutschland waren sowohl im katholischen als auch im evangelischen Bereich durch in der Regel staatliche Gerichte angeordnet. Der kath. Priester Friedrich von Spee hat sich als erster gegen diese Form der Barabarei gewandt. Also immer schön bei der Wahrheit bleiben. {Quelle. www.zenit.org}
abbi David Dalin über Pius XII.
Von Markus Carloni
Eine von vielen Stimmen zugunsten von Papst Pius XII. ist Rabbi David Dalin, Professor für Geschichte und Politische Wissenschaften an der Ave Maria Universität in Naples, Florida. Er hat mehrere Bücher im politischen Bereich geschrieben. Im letzten Jahr erschien das Buch mit dem Titel: „The Myth of Hitlers Pope“. Ein früher geschriebener Aufsatz über die Wahrheitsfindung über den Holocaust und den Einsatz von Papst Pius XII. für die Juden vor und während des II. Weltkrieges war für den Autor Anstoß, seine historischen Erkenntnisse in einem Buch über jene schwierige Zeit des 20. Jahrhunderts zu veröffentlichen. Seine Forschung über den Holocaust ist gründlich. Dalin gehört zu den führenden Persönlichkeiten in der amerikanisch jüdischen Welt. Schritt für Schritt durchleuchtet er die Werke von Autoren wie James Caroll, Rolf Hochhuth, Garry Wills, John Cornwell, Daniel Goldhagen usw. Er zeigt auf, wie unseriös diese Autoren z.T. recherchierten. Auf der anderen Seite befaßt sich Dalin aber auch mit jenen Persönlichkeiten, die der Wahrheit in der Frage „Katholische Kirche und Holocaust“ zum Durchbruch verhalfen, z.B. mit Sir Martin Gilbert, Joseph L. Lichten, Robert M.W. Kempner, Jeno Levai, Richard Breitmann, Roland J. Rychlak, Ralph McInerny, Michele Tagliacozzo, usw. David Dalin kommt zum Schluß, daß die katholische Kirche mehr Judenleben gerettet hat als jede andere religiöse Organisation. Er bestätigt damit die Ausführungen von Pinchas Lapide. In seinem Buch stellt er auch fest, daß es bei den Angriffen gegen Pius XII. vor allem um einen Kampf gegen die Kirche und insbesondere gegen ihre moralischen Vorgaben geht. Dazu wird in gemeiner Weise der Holocaust durch die schlechten Autoren mißbraucht.
Dalin deckt auf, wer Hitler bei der Judenvernichtung tatsächlich in aller Form und über Jahre beiseite gestanden war. Neben anderen Judenhassern war dies Hajj Amin AlHusseini. AlHusseini war der große Mufti von Jerusalem, der Führer der radikalen islamischen Fundamentalisten in Palästina, der Anführer der Massenmörder an den Juden in Hebron im Jahre 1929. AlHusseini war auch ein Freund von Yasser Arafat und er war ein bekennender Freund von Adolf Hitler. Mehrere Male hat er Hitler in Deutschland aufgesucht. AlHusseini unterstützte die Endlösung der Nationalsozialisten. In einem Berliner Archiv wurde eine Photographie von Heinrich Himmler entdeckt. Persönlich hatte Himmler auf das Photo geschrieben: „In Erinnerung an meinen guten Freund Hajj Amin Hussein!“ Dalin schreibt, daß „Hitlers Mufti“ die Wahrheit und „Hitlers Papst“ (so ein Buchtitel) eine Lüge ist.
David Dalin kommt in seinem Buch zum Schluß, daß sich der Papst in Rom vor und während des Krieges unermüdlich einsetzte, um die Juden vor der Vernichtung zu retten. Er macht gegenüber Israel deutlich, daß man Papst Pius XII. jetzt den Ehrentitel eines „Rechtschaffenen unter den Völkern“ posthum zuerkennen sollte. Der Talmud lehrt, daß, wer auch immer ein Menschenleben rettet, ihm dies durch die Heilige Schrift angerechnet wird, als hätte er die ganze Welt gerettet. Mehr als irgendeine führende Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts hat Papst Pius XII. das Diktum des Talmud zu seiner Zeit erfüllt, als das Schicksal des europäischen Judentums auf dem Spiel stand. Und David Dalin fügt an: Kein anderer Papst ist von den Juden so sehr gelobt worden – und sie haben sich nicht geirrt. Die Dankbarkeit einer ganzen Generation von Holocaust-Überlebenden belegt es, daß Pius XII. zutiefst und wahrhaft ein rechtschaffener Nichtjude war. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, daß der römische Rabbi Zolli, der das Wirken Pius’ XII. für die Juden selber miterlebte, sich aus Dankbarkeit gegenüber dem Papst bei seiner Taufe den Namen Eugenio zulegte. Paul Badde hat seinerzeit einen Artikel darüber veröffentlicht. Etwa 40 Seiten des Buches The Myth of Hitler’s Pope von Rabbi David G. Dalin über Papst Pius XII. sind jetzt bei google einsehbar.
Pius XII., Helfer der Juden: Raymund Fobes: Im Lauf der 1960er Jahre kam es zu einem Umschwung, was die Beurteilung des Papstes [Pius’ XII.] in vielen Medien betrifft, die vor allem auf das Theaterstück “Der Stellvertreter” zurückzuführen ist. Können Sie sich erklären, warum dieses Theaterstück solch eine Wirkung hatte? Markus Carloni: Die Größe und Schönheit der katholischen Kirche, die unvergeßliche Gestalt des Papstes Pius XII., der durch sein geistliches Engagement die Kirche Christi zu größtem Ansehen brachte, gefiel natürlich bereits in den 50er Jahren noch lange nicht allen Theologen und Laien und erst recht nicht vielen Andersgläubigen. Die ersten dissidenten Religionslehrer waren auszumachen. Sie verhielten sich zwar noch bedeckt. Kritik am Papst gleich nach seinem Tod war nicht möglich, denn zu groß waren die Dankbarkeit und Huldigungen nach dem Hinschied von Eugenio Pacelli. Zu Beginn der 60er Jahre hatten viele Zeitgenossen die unzähligen Dankesbezeugungen von Juden und Nichtjuden offenbar vergessen. Rolf Hochhuth sah seine Zeit herangereift. Am 20. Februar 1963 kam es zur Uraufführung seines Bühnenstücks “Der Stellvertreter” im Theater am Kurfürstendamm. Es war, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die zu bewältigende Vergangenheit einer sehr dunklen Geschichte in Europa wurde zu einem häßlichen Kampf zwischen jenen, die sowieso mit der katholischen Kirche abrechnen wollten und sich dabei einer ungeheuren Geschichtsklitterung bedienten, und jenen, die zunächst etwas Zeit brauchten, um sich einmal die Augen zu reiben, was da an Ungeheuerlichem passiert war. Hochhuth behauptete, er hätte die Geheimarchive im Vatikan besucht. Das stimmt nicht, wie ich von verschiedenen Persönlichkeiten erfahren habe. Es gab von R.H. keine Eingangsregistrierung. Zudem waren die vatikanischen Archive der 30er und 40er Jahre gemäß internationaler Praxis noch verschlossen.
R.F.: Sie selbst hatten Gelegenheit, die langjährige Haushälterin und Vertraute von Papst Pius XII., Schwester Pascalina Lehnert, kennenzulernen. Wie war ihre Beziehung zum Papst, bzw. wie hat sie den Heiligen Vater erlebt – vor allem als Persönlichkeit (Hochhuth hat ja behauptet, Pius XII. sei menschlich eiskalt und machtbesessen gewesen, ein Gerücht, das – leider – von Medien und Presse immer wieder aufgenommen wurde)?
M.C.: Es war eine wunderbare Vorsehung, ein reiner Zufall, als ich um das Jahr 1970 Schwester Pascalina Lehnert auf dem Rorschacherberg treffen durfte. Aus dem dreistündigen Gespräch im “Stella Maris” hoch über dem Bodensee entstand ein Korrespondenzwechsel, der rund 13 Jahre, also bis zu ihrem Tod andauern sollte. Wie oft erzählte oder schrieb sie mir über den mitfühlsamen Nuntius Eugenio Pacelli, den Kardinal und dann Papst Pius XII.! In Bayern erfuhr der Nuntius vor Ort, wie die Bevölkerung nach dem Ersten Weltkrieg in einer großen Not war. Der Hunger und die Armut machten in München die Runde. Ohne es jemanden zu sagen, verließ er die Nuntiatur, fuhr mit dem Chauffeur durch die Straßen und verteilte den Leuten Eßwaren und Geld. Auch das war seine Caritas. Er wollte, dass es den Menschen etwas besser geht und dass sie auf diese Weise noch mehr zu Gott fanden. Schwester Pascalina bemerkte diese Nachbarschaftshilfe des päpstlichen Botschafters erst, als sie mit den Mitschwestern das Abendbrot zubereiten wollte und die Vorratskammer in der Küche eine gähnende Leere aufwies.
R.F.: Ein Hauptvorwurf ist immer, daß der Papst zur Judenvernichtung geschwiegen hat. Zum anderen weiß man, daß ein diesbezüglicher Appell der niederländischen Bischöfe zu einer noch größeren und grausameren Judenverfolgung und -vernichtung geführt hat. Wie war das Verhältnis des Papstes zum jüdischen Volk?
M.C.: Ohne zu zögern hat Papst Pius XII. – dort wo er konnte – also z.B. in Rom, in Italien den Juden und anderen Verfolgten ohne nachzufragen geholfen. Die Dankesbezeugungen der Juden in Italien und in der ganzen Welt waren während und nach dem Krieg grenzenlos. Es gibt Bücher mit langen Personenlisten, die den Einsatz des Papstes eindrücklich illustrieren. Wer die verschiedenen Botschaften des Heiligen Vaters kurz vor und während des II. Weltkrieges durchliest, stellt fest, daß alle verantwortlichen Staatsmänner die Aufrufe und die Botschaften deutlich gehört und verstanden haben. Nicht umsonst war die Regierung in Berlin der Meinung, daß die Stimme des Papstes sofort verstummen müsse. Er wurde schon vor 1939 als Judenfreund bezeichnet. Daher war er seit jener Zeit der Feind Nr. 1 der Nationalsozialisten. Berichte von Augenzeugen zeigen auf, wie sehr sich der Heilige Vater um alle verfolgten Menschen gekümmert hat. Der Papst hat oft und persönlich für die von den Nazis Gejagten interveniert, ja er hat sogar für einige jüdische Wissenschaftler, wenn sie ihre Staatsstelle in Rom durch die faschistische Regierung verloren hatten, eine Anstellung im Vatikan organisiert. Wie schon oben erwähnt, waren die Danksagungen der geretteten Juden gegen Ende des Krieges und erst recht nachher sehr groß. Die Juden in Rom errichteten bei der großen Synagoge einen Gedenkstein für Pius XII. in dankbarer Erinnerung für seine große Hilfe in einer schweren Zeit. Ein jüdischer Künstler, der dank des Papstes von den Patres von Don Orione vor der Ermordung in einem Konzentrationslager gerettet wurde, hat eine große Statue der Muttergottes „Maria Salus Populi Romani“ in Stein gehauen. Diese wurde am höchsten Punkt auf dem Monte Mario in Rom aufgestellt. Isaia Levi, Senator des damaligen italienischen Königreichs, wurde in letzter Minute von den Schwestern“Maria Bambina“ in ihrem Kloster versteckt. Nach dem Krieg hat Senator Levi Papst Pius XII. seine große Villa aus Dankbarkeit geschenkt. Sie wird heute für die Nuntiatur des Heiligen Stuhls in Italien verwendet. Auf ausdrückliche Anweisung des Heiligen Vaters öffneten sich 95 Frauen- und 55 Männerklöster allein in Rom, um verfolgte Juden und andere verfolgte Gruppen aufzunehmen. Die Listen der Namen und die Zahl der Geretteten sind z.T. vorhanden. Es sind noch lange nicht alle. Aus dem Interview Papst Pius XII., ein unerschrockener, menschenfreundlicher und weiser Diener Gottes, das Raymund Fobes mit Markus Carloni führte, dem Zentralsekretär der schweizerischen Pro Ecclesia, veröffentlicht in der Katholischen Wochenzeitung vom 18. April 2008.
Das blamable Schweigen der deutschen Presse
„Es steht zu hoffen, dass die jüngsten Enthüllungen eine Debatte nach sich ziehen werden“, schrieb am 24. Februar 2007 der aus Rumänien stammende Richard Wagner in der NZZ. Mit den Enthüllungen meinte er den Artikel, den der ehemalige rumänische Doppelagent Ion Mihai Pacepa am 25. Januar 2007 in der „National Review“ (hier die deutsche Übersetzung) veröffentlichte und in dem er beschreibt, wie das Stück Rolf Hochhuths „Der Stellvertreter“, in dem Papst Pius XII. als egoistischer, gefühlskalter Schweiger gegenüber dem jüdischen Leid verleumdet wird, Teil einer Desinformationskampagne des KGB namens „Seat 12″ war. Doch diese Debatte hat bis heute nicht stattgefunden. Auch die in Wien erscheinende Tageszeitung „Die Presse“ wunderte sich in einem Artikel vom 21. Februar über das Schweigen der deutschen Presse. „Das deutsche Feuilleton, sonst so debattenfreudig, griff die Frage nicht auf“, heißt es darin. „Ist es das Schweigen der Scham?“, fragt Autorin Anne-Catherine Simon weiter: „Weil hier an eine Kampagne erinnert wird, die mit der Wirklichkeit des Zweiten Weltkriegs wenig, mit der damaligen Gegenwart umso mehr zu tun hatte? Alle maßgeblichen Medien stimmten in die plötzliche Erkenntnis der Ungeheuerlichkeit des päpstlichen ‘Schweigens zu Auschwitz’ ein, unbeirrt von den Protesten protestantischer Bischöfe oder des jüdischen Gelehrten Pinchas Lapide, der errechnete, dass Pius XII. mindestens 700.000 Juden das Leben gerettet hätte.“ Eine solche Scham würde der deutschen Presse immerhin zur Ehre gereichen. Doch daß Scham nicht der Beweggrund sein kann, geht aus der Tatsache hervor, daß sich ein Teil von ihr in den letzten Tagen nicht zu schade war, die neueren ungeheuerlichen Vorwürfe Hochhuts gegen Pius XII. als „satanischem Feigling“ zu kolportieren und gleichzeitig den Leser weiterhin über das belastende Material gegen Hochhuth in Unkenntnis zu lassen. Man unterläßt auch jedes kritische Nachfragen gegenüber Hochhuth, z.B. nach seinen Quellen, über die er seit 40 Jahren schweigt. Wagner meint in der NZZ: „Hochhuths ‘Stellvertreter’ ist nicht seriöser als seine weiteren Stücke, sei es der Text über Churchill, der die obskure These vertritt, dieser habe ein Attentat auf seinen polnischen Verbündeten Sikorski angeordnet, oder die grotesken politischen Tiraden in ‘Wessis in Weimar’. Nur: Die Thesen über den Vatikan wollte man immer schon gerne glauben.“
Der Historiker Michael F. Feldkamp ist in einem Artikel „Hochhuths Quellen“ (Vatican-Magazin 3/2007) zu dem Ergebnis gekommen, Pacepa sei glaubwürdig. „Nicht erst seit dem Fall der Berliner Mauer ist die umfassende Infiltration westdeutscher Journalisten und ihrer Belieferung mit Aktenfälschungen durch KGB und die Staatssicherheit der DDR offenbar geworden. Der Bericht von Pacepa passt wie ein fehlendes Puzzleteil in die unsägliche Geschichte der Diskreditierung der katholischen Kirche und ihres Oberhauptes durch kommunistische Propaganda und Desinformation und muss als glaubhaft eingestuft werden.“
25. Januar 2008: Ein Jahr später
Heute vor einem Jahr, am 25. Januar 2007, veröffentlichte der ehemalige rumänische Geheimdienst-General Ion Mihai Pacepa in der renommierten National-Review im Artikel “Moscow’s Assault on the Vatican. The KGB made corrupting the Church a priority” seine Enthüllungen über die Hintergründe von Rolf Hochhuths Stück “Der Stellvertreter”. In einem Beitrag auf kath-info (s.o.) hatte ich darauf hingewiesen (mit Link auf den Originalartikel), ebenso wie auf die Verwunderung, die das Schweigen der deutschen Presse in Österreich und der Schweiz hervorrief. Im Großen und Ganzen ist es, mit wenigen Ausnahmen, bei diesem Schweigen geblieben. Zuletzt hat am 29. November 2007 Simon Rosenbauer das Thema in seinem Blog aufgegriffen und u.a. ausgeführt: “In der, von Nikita Chruschtschow angeordneten, Operation ‘Seat 12′ zur ‘Untergrabung der moralischen Autorität des Vatikans in Westeuropa’, habe man [laut Pacepa] Hochhuth ‘leicht veränderte’ Informationen zukommen lassen. In einem Spiegel-Interview stritt Rolf Hochhuth eine Zusammenarbeit mit dem KGB ab, wollte sich aber auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht zu seinen Quellen äußern. Dass ‘Der Stellvertreter’ im Pflichtprogramm aller sowjetischer Theaterhäuser stand, verhärtet den Verdacht jedoch.”
Chaim Noll über den Fall Rolf Hochhuth: “Der Berliner Historiker Michael Feldmann belegte in seinem im Jahre 2000 erschienenen Buch ‘Pius XII. und Deutschland’ Zusammenhänge zwischen Hochhuths Stück und der sowjetischen Propaganda jener Jahre, die gezielt gegen Pius und die Institution des Papsttums gerichtet war. Die im Januar 2007 in der amerikanischen Zeitschrift ‘National Review’ veröffentlichten Erinnerungen eines ehemaligen rumänischen Securitate-Generals Pacepa (unter dem Titel ‘Moskaus Anschlag auf den Vatikan’) behaupten sogar, der sowjetische Geheimdienst hätte eine gezielte Zersetzungs-Kampagne gegen Pius koordiniert, mit dem Ziel, ‘die moralische Autorität des Vatikan in Westeuropa zu untergraben.’ Die Veröffentlichung sorgte weltweit für Aufsehen, mit Ausnahme des Landes, in dem 1963 Hochhuths Stück erschienen war. In der Wiener Tageszeitung ‘Die Presse’ konstatierte Anne-Cathrin Simon am 21. Februar 2008 [2007!] ein neues Schweigen: keins des Papstes, sondern der deutschen Medien.” Der deutsch-israelische Schriftsteller Chaim Noll in seinen Artikel Papst am Pranger. Zum 50. Todestag von Pius XII.: Die schwarze Legende zum schweigenden Pontifex, in: Komma Nr. 52 / 2008, S. 68-72. Pacepa behauptete, dass Hochhuths Theaterstück ein Teil der Strategie des kommunistischen Geheimdienstes gewesen sei.
Der Feind der Nazis: “Daß im Vatikan ein Feind sitzt, hat man im nationalsozialistischen Berlin schon sehr bald verstanden, eigentlich schon während der Verhandlungen im Anschluß an das Reichskonkordat 1933, die schließlich gescheitert sind. Pius XII. hat immer wieder gegen die Politik der Nazis Stellung bezogen, so auch in seiner berühmten Weihnachtsansprache von 1942. Es gibt eine Analyse dieser Ansprache aus dem Reichssicherheitshauptamt vom Januar 1943, aus der klar hervorgeht, daß die Diagnose in Berlin lautete: Im Vatikan sitzt ein erbitterter Feind des Nationalsozialismus, der sogar Partei für die Juden ergreift. Das ist ein deutlicher Beweis dafür, daß die Worte Pius XII. richtig verstanden wurden, auch wenn er die Juden in seiner Ansprache nicht wörtlich nannte, sondern von den ‘wegen ihrer Herkunft Verfolgten’ sprach.”
Der Historiker Thomas Brechenmacher, Vorstandsmitglied der “Forschungsstelle deutsch-jüdische Zeitgeschichte e.V.”, im Interview mit dem PUR-Magazin, Juli/August 2007, S.19.
Pius XII.: Ein Vertreter der katholischen Widerstandsbewegung
“Als Nuntius in Deutschland, als Staatssekretär und später als Papst hat Pius XII stets Hitler und die Nationalsozialisten als die schlimmste Gefahr für Deutschland und die Welt herausgestellt. Cornwell stellt Pacellis Verurteilungen des Nationalsozialismus, die dieser in Lourdes, Lisieux, Paris und Budapest aussprach, wo er päpstlicher Legat war, als geringfügig dar, beziehungsweise, was wichtiger ist, er unterschlägt sie zum Teil ganz. Als Pacelli zum Papst gewählt war, sah die »Berliner Morgenpost«, das Organ der nationalsozialistischen Bewegung, in ihm einen Feind Deutschlands. Seine Abneigung für den Nationalsozialismus war so gut bekannt, daß die Wochenschrift der Kommunistischen Internationalen, »La Correspondance Internationale« schrieb, »daß die Kardinäle, indem sie Pacelli in die Nachfolge beriefen, eine demonstrative Geste setzten. Denn Pacelli war derjenige, der energischen Widerstand gegen die totalitären, auf die Beseitigung der katholischen Kirche gerichteten Ideen der Faschisten an den Tag legte und der Pius XI. engster Mitarbeiter war. Damit setzten sie einen Vertreter der katholischen Widerstandsbewegung als Haupt der Kirche ein.« Ganz zu schweigen von der gegen die Nationalsozialisten geschriebenen Enzyklika »Mit Brennender Sorge«. Es genügt, die Entwürfe zu lesen, nicht nur um zu bekräftigen, daß Pacelli einer der Autoren war, sondern auch (um festzustellen) daß der Originaltext Hinzufügungen in seiner eigenen Handschrift enthält.
Warum werden nicht die Berichte der Gestapo gegen die katholische Kirche den Lesern bekanntgemacht. Warum zitiert man nicht die zeitgenössischen Zeitungsartikel aus den USA, aus England, Frankreich und den Niederlanden, die über den Widerstand Pius XII gegen die Nationalsozialisten berichteten. In den kürzlich vom britischen Außenministerium geöffneten Archiven kann man lesen, daß Pius XII in Kontakt mit den deutschen Generälen stand, die Hitler stürzen wollten. Tatsächlich war es Pacelli, der den Vorschlag der deutschen Generäle, die dem nationalsozialistischen Regime ein Ende bereiten wollten, nach London übermittelte. Ich möchte auf das verschwiegene Zeugnis von Dr. Robert Kempner (USA), ehemals stellvertretender Chefankläger beim Nürnberger Prozeß, hinweisen, der sich mit Kriegsverbrechen befaßte. Nachdem er die Dokumente der Geheimdienste und Hitlers Außenministeriums studiert hatte, zeigte Kempner, daß Pius XII und die Katholische Kirche eine große Anzahl von Protesten sowohl direkt und indirekt, auf diplomatischem Weg und öffentlich, geheim und offen vorgebracht hatten, auf die von den Nationalsozialisten nie geantwortet worden ist. Kempner verteidigte eindrucksvoll die Rolle und den Einsatz Pius XII zum Wohl der Menschen.”
Peter Gumpel in einem Interview mit der Kirchlichen Umschau vom November 2000.
Der stille Retter
Der stille Retter heißt die neueste Ausgabe von PUR spezial (3/2008), die Papst Pius XII. zu dessen 50. Todestag gewidmet ist. Das hervorragende Heft tritt der Verleumdung des Papstes durch Rolf Hochhuth & Co. entgegen und verdient weiteste Verbreitung. Hefte zum Verbreiten können beim PUR Magazin bestellt werden.
Golda Meir über Pius XII.: “Wir trauern. Wir haben einen Diener des Friedens verloren. Als in dem Jahrzehnt des nationalsozialistischen Terrors unser Volk ein schreckliches Martyrium überkam, hat sich die Stimme des Papstes für die Opfer erhoben.” Die damalige israelische Außenministerin und spätere Premierministerin Golda Meir (1898 – 1978) in einem Telegramm an den Vatikan anläßlich des Todes von Papst Pius XII. im Jahr 1958, zitiert in Der stille Retter. Die einsame Stimme: “In dieser Weihnacht ist der Papst mehr denn je die einsame aufbegehrende Stimme im Schweigen eines Kontinents.” Die New York Times über die Weihnachtsansprache 1942, in der Papst Pius XII. die nationalsozialistische Verfolgung der Juden anprangerte. Zitiert in Der stille Retter.
Pius XII.: Der verkannte Papst: Hitlers Krieg stürzte Europa ins Desaster. Pius musste Angst um sein Leben haben, noch mehr aber erschütterte ihn die Verschleppung der Juden. Ein Protest der holländischen Bischöfe wurde von den Nazis mit der Deportation von 40.000 Menschen beantwortet. Pius litt schwer darunter, formulierte einen Protest, gab die Handschrift dann aber Pascalina: “Verbrennen Sie diese Bögen, es ist mein Protest gegen die grauenhafte Judenverfolgung. Heute Abend sollte er im Osservatore Romano erscheinen. Aber das würde vielleicht 200.000 Menschenleben kosten. Das darf und kann ich nicht verantworten. So ist es besser, in der Öffentlichkeit zu schweigen und für diese armen Menschen wie bisher in der Stille alles zu tun, was möglich ist.” Dieses Schweigen sollte ihm später heftig vorgeworfen werden. Ähnlich wie bei Wiens Erzbischof Kardinal Innitzer wird oft übersehen, welche Anstrengungen zur Rettung der Juden und zur Linderung ihrer Leiden unternommen wurden. So übertrug Pius seiner unentbehrlichen Managerin die Leitung der “Pontificio Commissione Di Assistenza”, ein international agierendes päpstliches Hilfswerk.
Aus einem Artikel von Prof. Hans-Werner Scheidl in der Wiener Tageszeitung Die Presse vom 13. September 2008 über die Haushälterin Papst Pius’ XII. Schwester Pascalina.
Legendenende: “Was das Reichskonkordat und seine Vorgeschichte angeht, so können nach Wolfs sorgfältigen Darlegungen einige weitverbreitete Hypothesen ad acta gelegt werden. Weder bei den Entscheidungen der deutschen Bischöfe nach der ‘Machtergreifung’ noch bei der Zustimmung des Zentrums zum Ermächtigungsgesetz, noch beim Konkordatsvorschlag selbst, der von deutscher Seite ausging, war die römische Kurie dirigierend im Hintergrund beteiligt. Ganz im Gegenteil: Der Diplomat Pacelli bedauerte ausdrücklich, dass die Bischöfe die Verurteilung des Nationalsozialismus zurücknahmen, ohne von der Regierung eine Gegenleistung zu verlangen. Die Selbstauflösung des Zentrums, die er aus der Zeitung erfuhr, überraschte und irritierte den päpstlichen Nuntius und nachmaligen Pius XII. …”. Hans Maier in einer Besprechung des Buches von Hubert Wolf Papst und Teufel. Die Archive des Vatikans und das Dritte Reich, München 2008, erschienen am 13. Oktober 2008 in der NZZ unter dem Titel Verhandeln – “sogar mit dem Teufel in Person”. Hubert Wolf über die Archive des Vatikans und Nazideutschland.
Wäre die Ermordung verhindert oder beschleunigt worden? “Jede Form von propagandistischer Stellungnahme der Kirche gegen die Hitler-Regierung wäre nicht nur ein selbst verschuldeter Selbstmord gewesen, sondern hätte die Ermordung einer weitaus größeren Zahl von Juden und Priestern nur beschleunigt.” Das sagte 1964 Robert Kempner, jüdischer Richter und stellvertretender Ankläger in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. Die Aussage wurde, wie Guido Horst in der Tagespost vom 13. November 2008 berichtet, von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone zitiert, um die Unhaltbarkeit der Vorwürfe Rolf Hochhuths zu dokumentieren, der Papst Pius XII. aus dem Umstand, dass er auf den von Kempner beschriebenen Sachverhalt Rücksicht nahm, einen Strick zu drehen versuchte.
Wenn die Propaganda mächtiger ist als die Wahrheit … “Die Bundesregierung bedauert zutiefst, dass in diesem Zusammenhang Angriffe gegen Papst Pius XII. gerichtet worden sind. Der verstorbene Papst hat bei verschiedenen Gelegenheiten seine Stimme gegen die Rassenverfolgung im Dritten Reich erhoben und so viele Juden wie möglich dem Zugriff ihrer Verfolger entzogen. Die Bundesregierung ist sich nach wie vor mit Dankbarkeit der Tatsache bewusst, dass nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes Papst Pius XII. einer der ersten war, der sich tatkräftig für eine Versöhnung zwischen Deutschland und den anderen Völkern eingesetzt hat. Dies macht enie Herabsetzung seines Andenkens gerade von deutscher Seite besondern unverständlich und bedauerlich.” Mit diesen Worten reagierte die deutsche Bundesregierung am 3. Mai 1963 auf das Theaterstück von Rolf Huchhuth Der Stellvertreter. Guido Horst zitiert diese Stellungnahme in seinem Artikel Der verkannte Papst. Vor fünfzig Jahren starb Pius XII., den man wegen einer Geschichtslüge nicht selig sprechen kann (Komma 52 / 2008). Horst schreibt dann weiter: “Eugenio Pacelli hätte als großer Retter der Juden in die Geschichte eingehen können, als jemand, der in Rom Deportationen durch die deutschen Besatzer verhinderte, Klöster und kirchliche Einrichtungen für die Verfolgten öffnen ließ, über diplomatische Kanäle den Abtransport der Juden etwa in Rumänien stoppte und ein gewaltiges vatikanisches Hilfswerk für die Notleidenden errichtete, dem er auch sein privates Vermögen (als Sproß einer römischen Adelsfamilie) zur Verfügung stellte. Aber die Macht der Propaganda war stärker.”
Tatsächlich hatte seinerzeit schon der Historiker Konrad Repgen darauf aufmerksam gemacht, dass die Hochschätzung, die Pius XII. bis in die frühen sechziger Jahren allseits – auch auf jüdischer Seite – besaß, nicht etwa aufgrund neuer historischer Kenntnisse kippte, sondern aufgrund eines Theaterstücks, das selektiv mit historischen Fakten umging, unterschwellig bestimmte Wertungen und Motive wie selbstverständlich voraussetzte (“Der Verzicht auf eine feierliche Verurteilung kann nur als Zeichen von Feigheit oder Komplizenschaft gewertet werden”) und damit das Persönlichkeitsbild Pius’ XII. entgegen allem, was wir aus sicheren Quellen und Zeugnissen von Zeitgenossen von ihm wissen, verzerrte.
Pius XII.: Verschwörung gegen Hitler: Das Vatican-Magazin bringt in seiner Oktoberausgabe (S. 24 – 27) einen Bericht über eine Verschwörung zum Sturz Adolf Hitlers, an der Papst Pius XII. mitwirkte. Es handelt sich um einen Auszug aus dem Buch von Michael Hesemann Der Papst, der Hitler trotzte (Augsburg 2008). Diese Verschwörung datiert ins Jahr 1939. Der Kreis der Beteiligten deckt sich teilweise mit dem Kreis der Männer um den 20. Juli 1944: Admiral Wilhelm Franz Canaris (der Chef der Abwehr), Generalmajor Hans Oster, Generaloberst Ludwig Beck u.a. Der wichtigste Verbindungsmann zum Vatikan war der katholische Rechtsanwalt Dr. Joseph Müller, der über die Mittelsmänner Monsignore Johann Schönhöffer und Monsignore Ludwig Kaas den Kontakt zum päpstlichen Privatsekretär Robert Leiber SJ und damit zum Papst herstellte. Die Verschwörer brauchten den Papst als Vermittler zu England, um von der Regierung Chamberlain die Zusicherung zu erhalten, dass die Westmächte im Falle des Staatsstreichs “keinen Vorteil aus der Verwundbarkeit Deutschlands ziehen würden”, sondern zum Frieden bereit seien und die neue Regierung, die unter Ludwig Beck geplant war, anerkennen würden. “Als Pius XII. durch Pater Leiber über die Pläne unterrichtet wurde, erbat er sich eine Nacht Bedenkzeit, dann sagte er zu. Es war die riskanteste Entscheidung seines Pontifkats (…) Tatsächlich wären die Folgen fürchterlich gewesen, hätte Hitler von dem Plan der Verschwörer und der Beteiligung des Papstes erfahren. Das Konkordat wäre aufgekündigt, die katholische Hierarchie an die Wand gestellt worden” (Hesemann).
Auch wenn es schließlich nicht zum geplanten Staatsstreich kam, dokumentiert dieser Fall die entschlossene Gegnerschaft von Papst Pius XII. gegen Adolf Hitler. Der Historiker Erich Kosthorst urteilt: “Wenn der Papst naheliegende starke Bedenken beiseite schob und durch das Gewicht seiner Autorität der deutschen Opposition damals eine Legitimation gab, wie sie besser nicht möglich war, dann war das eine staatsmännische Tat hohen Ranges.” Und Harold Deutsch, einer der besten Kenner der Materie bewundert die Tat Pius’ als „eines der erstaunlichsten Ereignisse in der modernen Geschichte des Papsttums.“ Gleichzeitig gehört diese Tat zu den vielen Fakten, die den diffamierenden Charakter von Rolf Hochhuths Theaterstück Der Stellvertreter dokumentieren, das den Papst als Feigling darstellt.
Der Kontrast zu Pius XII.: Es lohnt sich, dem Engagement Papst Pius XII. für die Rettung der Juden die Hilfsaktionen anderer Nationen und humanitärer Organisationen gegenüberzustellen: Ab 1942 brachte die Schweiz alle Juden, denen es gelungen war, in die Schweiz zu fliehen, an die dt. Grenze zurück und überließ sie dort einem (todsicheren) Schicksal. Das internationale Rote Kreuz mit Sitz in der neutralen Schweiz lehnte einen offiziellen Protest gegen die Judenvernichtung ab, um nicht die eigene Existenz zu gefährden. Kanada erlaubte 1941 weniger Einreisen von Flüchtlingen als 1931. Die USA und England lehnten es 1943 ab, mit Deutschland über die Freigabe der Juden aus Europa zu verhandeln, die eigenen Einwanderungsgesetze zu liberalisieren, oder den Versand von Lebensmitteln in die Juden-Gettos auch nur zu empfehlen. Ein Schiff mit 900 Flüchtlingen aus Hamburg (1939) lief 11 Länder an, die sich alle weigerten, die bedrohten Menschen aufzunehmen. Für viele bedeutete der Rücktransport den sicheren Tod. Der Dampfer „Struma“ sank mit 769 Juden, nachdem Palästina (von England verwaltet) und die Türkei ein Einlaufen in den Hafen untersagt hatten. Diese Angaben sind wörtlich dieser Quelle entnommen. Vergleicht man sie mit den Rettungsmaßnahmen Pius’ XII. zugunsten der Juden, wird das ganze Ausmaß der Ungerechtigkeit deutlich, die man ihm mit Vorwürfen à la Hochhuth antut.
Jüdische Dankesschuld gegenüber Pius XII.: “Das Judentum hat Pius XII. gegenüber eine große Dankesschuld. Bände könnten über seine vielfältige Hilfe geschrieben werden. Kein Held der Geschichte hat ein tapfereres und stärker bekämpftes Heer angeführt als Pius XII. im Namen der christlichen Nächstenliebe. Das außergewöhnliche Werk der Kirche für die Juden Roms ist nur ein Beispiel der ungeheuren Hilfe, die von Pius XII. und den Katholiken in aller Welt mit einem Geist unvergleichlicher Menschlichkeit und christlicher Liebe geleistet wurde.” Israel Zolli, Oberrabbiner in Rom während des Zweiten Weltkriegs, in seinem Tagebuch 1945.
Gerechtigkeit für Pius XII.: “Mit dem Seligsprechungsverfahren [für Papst Pius XII.] befassen wir uns überhaupt nicht und haben auch immer wieder darauf hingewiesen. Es ist daher vollkommen unwahr, Pave the Way kirchenpolitische Ambitionen zu unterstellen und uns einen ‘Einsatz für die Seligsprechung Pius XII.’ (Walter Homolka) nachzusagen. Unser Ziel ist es, möglichst umfassend über sein Pontifikat zu informieren. Auf diese Weise wollen wir uns auf der jüdischen Seite der Verantwortung gegenüber einem Mann stellen, der mehr Angehörige unseres Volkes gerettet hat als alle Spitzenpolitiker seiner Zeit zusammengenommen und nach wie vor dämonisiert wird. Dass Pius XII. mit Blick auf seine Politik gegenüber dem nationalsozialistischen Regime bis heute ungerechter Kritik ausgesetzt ist, betrachte ich als jüdische Schande.” Der Jude Gary Krupp im Interview mit Regina Einig von der Tagespost, erschienen in der Ausgabe vom 5. Mai 2009. Gary Krupp hat ist Gründer der Stiftung Pave the Way. Wegen seiner Verdienste zugunsten des israelischen Staates und des jüdischen Volkes erhielt er am 12. September 2002 vom Jewish National Fund die Auszeichnung Centennial Tree of Life (“Hundertjähriger Baum des Lebens”).
Geschichtsfälschung in Yad Vashem? „Der berühmteste jüdische Holocaust-Forscher, Sir Martin Gilbert, hat der Direktion von Yad Vashem klar gesagt, dass jeder einzelne Satz dieses Bildtextes [zu Papst Pius XII.] eine Geschichtsfälschung ist. Und es ist ein schwerer logischer Fehler. In Yad Vashem sagt man, solange man nicht alle Dokumente im Geheimarchiv des Vatikans studiert habe, könne man sich kein abschließendes Urteil bilden. Andererseits haben sie eine scharfe Verurteilung ausgesprochen. Wie geht das zusammen?“
Peter Gumpel SJ im Interview mit Guido Horst in der Tagespost vom 16. Mai 2009
Wirksame Judenhilfe
2001 erschien das vom Historiker Antonio Gaspari verfasste Werk “Die von Pius XII. geretteten Juden”. Dieses enthält ein Verzeichnis von 150 Ordensgemeinschaften, die auf Veranlassung des Vatikans Tausende von Juden in ihren Niederlassungen versteckten und so vor der Deportation retteten. Der damalige Oberrabbiner von Rom, Israele Zolli, lernte bei seinen Kontakten mit dem Vatikan den Pacelli-Papst in besonderer Weise schätzen. Im Oktober 1944 gab er sein Amt auf und konvertierte zum katholischen Glauben. Bei seiner Taufe am 13. Februar 1945 wähte er den Namen Eugenio, dies in dankbarer Erinnerung an den Taufnamen des Pacelli-Papstes. Aus: Traugott Voegeli-Tschirky , Zum Tugendgrad von Papst Pius XII., in: Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt vom 17. Januar 2010.
Pius XII. und die Juden: Setzt sich die Wahrheit durch? Der Nachrichtendienst H2Onews hat eine Videodokumentation veröffentlicht, die über ein geheimes Netzwerk berichtet, das Papst Pius XII. errichtet hatte, um Juden vor dem Zugriff der Nazis zu retten. Unter anderem arbeiteten zwölf Priester darin mit. Tausenden Juden konnte mit Hilfe des Raphaels-Vereins durch Hilfe zur Flucht das Leben gerettet werden. Markus Schmitt hat in seiner Schrift Das ‚Schweigen’ Pius’ XII. zur Judenverfolgung im Spiegel von Selbstzeugnissen und Äußerungen seiner Mitarbeiter und Vertrauten (76 Seiten) knapp und übersichtlich die Hilfsmaßnahmen Pius’ XII. für verfolgte Juden dokumentiert, für welches dieser sein ganzes Privatvermögen einsetzte, und setzt sich mit dem Vorwurf des Schweigens auseinander.
In einer CD Dunkle Wolken über Rom, die im Verlag Petra Kehl erschienen ist, schildert der Vatikanexperte Ulrich Nersinger die zahlreichen Hilfsmaßnahmen, mit denen die Kirche unter Pius XII. auf die Judenverfolgung reagiert. Die Kirche war die einzige Institution, die den Juden in großem Ausmaß geholfen hatte. Der jüdische Philosoph Bernard-Henri Levy hat in der Huffington Post, in El Pais und in der FAZ vom 28. Januar 2010 Papst Pius XII. gegen Rolf Hochhuth und die heute immer noch grassierende Diffamierung verteidigt und geschrieben: “Pius XII. sorgte aber nicht nur im Stillen dafür, dass den verfolgten römischen Juden die Klöster offenstanden, er hielt auch wichtige Rundfunkansprachen, die ihm später die Anerkennung Golda Meirs einbrachten, die erklärte: ‘In den zehn Jahren des Naziterrors, als unser Volk ein fürchterliches Martyrium durchlebte, hat der Papst seine Stimme erhoben, um die Henker zu verurteilen.’ Die ganze Welt schwieg über die Schoa, und da will man nahezu die gesamte Verantwortung für dieses Schweigen auf die Schultern des Souveräns legen, der weder Kanonen noch Flugzeuge zur Verfügung hatte; der sich zweitens bemühte, seine Informationen mit denen zu teilen, die solche Waffen hatten, und drittens der in Rom und anderswo eine große Zahl derer zu retten vermochte, für die er die moralische Verantwortung trug.”
Der jüdische Historiker und Nazijäger Serge Klarsfeld hat die Hilfsmaßnahmen Pius’ XII. für die Juden gewürdigt und nimmt keinen Anstoß an einer möglichen Seligsprechung des Papstes. In einem Interview mit der französischen Zeitung Le Point vom 24. Dezember 2009 sagte er u.a.: “N’occultons pas que Pie XII a eu des gestes discrets et efficaces pour aider les juifs. Citons par exemple ce qui s’est passé à Rome. Un millier de juifs ont été arrêtés lors d’une rafle-surprise. Pie XII n’a pas protesté à voix haute, mais il a demandé aux établissements religieux d’ouvrir leurs portes. Résultat : des milliers de juifs ont pu être sauvés. Alors que si Pie XII avait élevé la voix, quelles auraient été les conséquences ? Est-ce que cela aurait changé les choses pour les juifs ? Probablement pas. Déjà, ses déclarations pour défendre les catholiques n’ont pas été entendues puisqu’en Pologne deux millions de catholiques ont été tués. Néanmoins, une prise de parole publique aurait sûrement amélioré la propre réputation de Pie XII aujourd’hui.” Auf diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass der Historiker Michael Hesemann Alan Posener wegen dessen jüngsten Pöbeleien gegen Papst und Kirche Geschichtsklitterung vorwirft.
Ein Held der Geschichte
“Pius XII. hat äußerst verantwortungsbewusst gehandelt und die richtigen Entscheidungen in einer der schwierigsten Zeiten der Weltgeschichte gefällt.” Dieses Urteil des jüdischen Historikers und Holocaust-Experten Martin Gilbert zitiert Jürgen Liminski in einem bemerkenswerten Artikel, der im FELS (März 2010) unter dem Titel Ein Held der Geschichte. Hochhuths Jünger und die Wirklichkeit. Zur anhaltenden Diskussion um Pius XII. erschienen ist. Er zeigt, wie das weltweit positive und historisch abgesicherte Bild Pius’XII. umgestürzt wurde durch Stuhl 12. Stuhl 12 (Seat 12) war der Codename einer kommunistischen Desinformationskampagne, die den Papst kompromittieren sollte. Als nützlicher Idiot erwies sich nach der Darstellung der von Liminski herangezogenen Studie Michael Hesemanns (Der Papst, der Hitler trotzte – Die Wahrheit über Pius XII., Augsburg 2008) Rolf Hochhuth, der in seinem Theaterstück Der Stellvertreter Realität und Fiktion so geschickt und – mit Hilfe von Kommunisten wie Erwin Piscator – so erfolgreich vermischte, dass “eine theatralische Wahrheit an die Stelle der Wirklichkeit” gesetzt wurde, so dass für viele die Fiktion “einen höheren Glaubwürdigkeitsgrad als die Realität” erreichte (Karl Joseph Hummel). “Das Schweigen der Publizistik [über welches sich schon die österreichischen Tageszeitung Die Presse wunderte] angesichts der erdrückenden Ergebnisse der historischen Forschung über Pius XII. bestätigt nur die Verlegenheit der Ideologen”, die sich als Jünger Hochhuths herausstellen, kommentiert Liminski den Sachverhalt. Zu den Jüngern Hochhuths darf auch Alan Posener gerechnet werden, der nicht davor zurückscheut, die Fiktion Hochhuths als Waffe in seinem Kampf gegen den gegenwärtigen Papst einzusetzen.
Hochhuths Rückzugsgefechte
Was bleibt von den Vorwürfen Rolf Hochhuths gegen Pius XII. angesichts der Wahrheit, die sich immer mehr durchsetzt und durch den im November 2010 von der ARD ausgestrahlten Spielfilm Pius XII. einem Millionenpublikum nähergebracht wurde, nämlich der Wahrheit, dass Pius XII. nach dem Motto handelte „Retten statt Reden“, wie es der Historiker Karl-Joseph Hummel ausdrückte. Darüber gibt uns ein Interview Auskunft, das Alan Posener von der Welt mit Hochhuth über den Film führte. Hochhuth befindet sich in der peinlichen Lage, dem Film keine Verfälschung der Geschichte vorwerfen zu können. Angesichts der Interventionen des Papstes zugunsten der verfolgten Juden reduziert sich der Vorwurf des Schweigens auf den Umstand, dass der Papst das Wort “Jude” nicht benutzt habe. Und angesichts der Rettung unzähliger Juden durch den Papst verlegt sich Hochhuth auf die völlig unwahrscheinliche Spekulation, der Papst habe “mit seiner Stimme Hitler bremsen können beim Holocaust.”
Und dann folgt die entlarvende Aussage: “Wäre es zu einem Zusammenstoß zwischen der deutschen Besatzungsmacht und Pius wegen des Abtransports der Juden gekommen, hätte er damit die Kirche auf einen seit dem Mittelalter nicht gekannten Höhepunkt gebracht. Die ganze Welt hätte dem Vatikan zu Füßen gelegen. Mit Recht.” Hochhuth vermisst also einen gewaltigen Showeffekt, durch den sich die Kirche öffentlich als Widersacher der deutschen Besatzungsmacht hätte profilieren können. Dass dies das Leben Zigtausender Unschuldiger, Juden wie Katholiken, und die Vereitelung aller von der Kirche tatsächlich durchgeführten Rettungsaktionen bedeutet hätte, verschweigt Hochhuth. Hätte Pius XII. damals so gehandelt, wären sofort Hunderte von Hochhuths aufgestanden und hätten dem Papst vorgeworfen, um des Prestiges der Kirche willen unzählige Menschenleben geopfert zu haben. Nur hätten diese Hochhuths mit ihrer Kritik Recht gehabt. Dass der echte Rolf Hochhuth angesichts der historischen Faktenlage an seiner Verurteilung des Papstes festhält, läßt sich vielleicht nur noch mit einem von ihm selbst benutzten Wort charakterisieren: ekelhaft.
Pius XII.: Klaus Kühlwein und die Legende
Kaum ist durch die ARD-Dokumentation Pius XII. das falsche Bild eines dem Leid der Juden gegenüber gleichgültigen oder gar mit dem NS-Regime sympathisierenden Papstes, das Rolf Hochhuth mit seinem “Stellvertreter” über Pius XII. in die Welt gesetzt hatte, einigermaßen korrigiert worden, indem etwa die päpstlichen Rettungsaktionen für die verfolgten Juden gezeigt wurden (wir berichteten), titelt die Frankfurter Rundschau (FR) am 14. Dezember 2010 einen Artikel mit dem Titel “Die Legende vom Retter der Juden.” Michael Hesemann hat auf kath.net darauf geantwortet und wirft dem Artikel bewußte historische Verfälschung vor. Im Zeitungsartikel werden zudem der Relator des pianischen Seligsprechungsprozesse P. Peter Gumpel SJ und so renommierte Historiker wie P. Pierre Blet SJ als Urheber einer “Retter-Legende” dikreditiert. „Nichts Besonderes“, könnte man angesichts der Ausrichtung der FR denken. Doch der Clou der ganzen Geschichte besteht darin, dass der Autor des Artikels ein katholischer Theologe ist: der Jesuitenschüler Klaus Kühlwein, seit 1986 tätig im katholischen Bildungswerk des Erzbistums Freiburg im Breisgau.
Wieder eine Verleumdung
Von Michael Hesemann
Auf einen Beitrag Hitlers Papst, der in der Zeitschrift TV Hören und Sehen, Ausgabe 15/11, S. 14 ff erschien, hat der Historiker Michael Hesemann in einem Leserbrief geantwortet. Hesemann gehört der Pave the Way Foundation Germany an und hat ein Buch zum Thema geschrieben: Der Papst, der Hitler trotzte. Die Thesen des Herrn Cornwell, die Ihrem Bericht zugrundeliegen, sind von der seriösen Forschung längst eindrucksvoll widerlegt. Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., hat nie einen Kompromiss mit Hitler gesucht, im Gegenteil: Gerade weil er zeitlebens ein Freund der Juden war, hat er die Nazis von Anfang an verabscheut. Er warnte sogar Briten und Amerikaner vor Verhandlungen mit dem braunen Diktator, den er schon 1937 einen „abgrundtief verdorbenen Menschen“ und „nicht vertrauenswürdigen Halunken“ nannte. Der Text der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ wurde von ihm nicht „entschärft“, wie der Artikel behauptet, sondern verschärft; ich selbst konnte die handschriftlichen Korrekturen im Vatikanischen Geheimarchiv einsehen. Er richtete nicht nur einen Protest, sondern 55 (!) Protestnoten von bis zu 42 Seiten Umfang an das Auswärtige Amt in Berlin. Schon 1939 versuchte er, 200.000 Visa für die deutschen Juden zu bekommen; leider vergeblich. Stattdessen setzte er alle Räder in Bewegung, um über 850.000 Juden vor dem Holocaust zu retten. In Rom ordnete er persönlich an, über 7000 (nicht, wie Sie schreiben, „Hunderte“) Juden auf Vatikangelände und in den Klöstern zu verstecken. Das sind die Fakten! Eine Verleumdung dagegen ist die Behauptung, er habe nach Kriegende Nazis zur Flucht nach Südamerika verholfen. Der dafür Verantwortliche – der österreichische Bischof Alois Hudal – wurde, als Pius XII. davon erfuhr, unverzüglich seines Amtes enthoben und galt fortan im Vatikan als unerwünschte Person.
die Apostel sind ja alle einen Märtyrertod gestorben, weil sie gegen die Verhältnisse der damaligen Zeit gewettert haben. Dem Hl. Bartolomäus z.B., hat man bei lebendigem Leib die Haut abgezogen, weil er auf die damaligen Götzenstatuen geschimpft hat. Aber damals hat das Martyrium noch das Christentum hervor gebracht, heute kräht kein Hahn mehr nach einem christlichen Märtyrer. Wenn die Leute sagen, der Papst hätte sich nicht gegen Hitler gewehrt, warum schauen sie sich nicht die alten Filme an von damals ? Der Nationalsozialismus fegte wie ein Wirbelsturm über Europa und Millionen sind mit einem Federstrich ausgelöscht worden, die haben nicht einmal „blems“ sagen können. Das Wort „(ganze Länder) ausradieren“ besagt ja, dass Hitler in seinem Bunker saß und mit dem Radiergummi auf der Landkarte die Ländergrenzen neu festlegte. Heute sind die Leute zu bequem, am Sonntag in die Kirche zu gehen und sich mit etwas zu beschäftigen, was nicht unmittelbar etwas abwirft und damals haben sie gejubelt, wenn sie zu Fuß bei minus 40 Grad nach Sibirien geschickt wurden. Sogar Heimkehrer vom Kessel von Stalingrad, von wo nur ein Bruchteil zurück gekommen sind, haben noch welche gejubelt und heute beklagen sie sich über die Kirche, wenn sie ein Daunenfederl drückt. Meines Erachtens hat die gesamte Menschheit einen Klopfer, weil sie bringen alles durcheinander, sie verwechseln ständig die Maßstäbe und Dimensionen. Und daraus entspringen dann ihre falschen Werturteile, mit denen sie ununterbrochen andere Leute belästigen.