kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Christen Arabiens wollen in ihrer Heimat nicht Bürger zweiter Klasse sein 29. September 2013

Filed under: Christenverfolgung,Islamischer Terror — Knecht Christi @ 16:41

2 Koptische Kirchen in Pakistan, die von Priestern aus pakistanischen Christen geführt werden – Beim letzten islamischen Terroranschlag erlitten 85 Christen den Märtyrertod. 

 
 
 

Die „Initiative Christlicher Orient“ beleuchtete auf ihrer Jahrestagung Möglichkeiten und Grenzen des christlich-islamischen Dialogs.

 
 

Salzburg (DT): Für klare Prinzipien im christlich-islamischen Dialog warb bei der Jahrestagung der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) am Dienstag in Salzburg der ägyptische Jesuit und Islamwissenschaftler Samir Khalil Samir: „Es gibt Prinzipien, die alle akzeptierten müssen, die sich Mensch nennen: die Menschenrechte.“ Die muslimische Unterscheidung zwischen Gläubigen (gemeint sind Muslime), den „Kindern des Buches“ beziehungsweise Gottgläubigen (also Juden und Christen) und Ungläubigen (Atheisten und Polytheisten) sei zwar „viel besser als das, was im Europa des 17. Jahrhunderts Praxis war“, heute jedoch sei dies nicht akzeptabel. „Wir leben alle im 21. Jahrhundert und benutzen seine Mittel, die Islamisten vielleicht mehr als ich“, meinte Pater Samir. Die Gewissensfreiheit sei „die Basis aller Freiheiten“, doch nach islamischer Ansicht dürfe ein Muslim seine Umma nicht verraten und darum nicht zu einer anderen Religion konvertieren. Viele islamische Staaten würden die Gewissensfreiheit für eine rein europäische Idee halten. Samir Khalil Samir, der in Beirut, Rom und Paris lehrt, sagte, man müsse sich über die Richtung der gemeinsamen Entwicklung einigen, auch wenn es dann viel Zeit brauche. „Wenn aber die Richtung nicht deutlich ist, dann ist der Dialog blockiert.“ Eines der Probleme besteht nach Ansicht des koptisch-katholischen Islam-Experten darin, dass der Islam keine Unterscheidung von Staat und Religion kenne, sondern von Anfang an „ein allgemeines Projekt für die Einheit aller arabischen Stämme“ gewesen sei. Samir Khalil Samir betonte, dass die arabischen Christen nicht mehr oder weniger arabisch sind als die Muslime. Sprache und Kultur seien ihnen gemeinsam.

 

Zwar gebe es auch im Westen radikale Fundamentalisten, doch sei im Gegensatz dazu in der arabischen Welt der Fundamentalismus weit verbreitet und mit Gewalt verbunden. So tobe derzeit in Syrien ein von außen – Pater Samir nannte Saudi-Arabien und Katar – geförderter Kampf zwischen Schiiten und Sunniten. Als zentrales Problem sieht der Jesuit die Interpretation des Koran, der selektiv verwendet werde, um die jeweilige Ideologie zu verteidigen. Nur eine kleine Minderheit der Gelehrten bemühe sich um eine Interpretation des Koran, doch seien die meisten Kommentare rein grammatikalisch und lexikalisch. Es gebe große Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam, insbesondere in der Gottesfrage, doch sei der theologische Dialog die letzte, und keineswegs die wichtigste Stufe. Wichtiger seien der kulturelle und der spirituelle Dialog: Es gehe darum, durch das eigene Leben den Muslimen das Evangelium zu zeigen. Jeder Muslim habe ein Recht darauf, das Evangelium zu hören. Pater Samir wörtlich: „Der andere ist kein Feind, auch wenn er feindlich tut. Er ist ein Bruder.“

 

Im Gespräch mit der „Tagespost“ meinte Samir Khalil Samir, entscheidend sei der Aufbau von Bürgergesellschaften, in denen jeder Bürger unabhängig von seiner Religion oder seinem Geschlecht die gleichen Rechte habe. In den neuen Verfassungen, wie sie nun etwa in Ägypten ausgearbeitet werden, müsse es Gleichberechtigung geben, doch dies sei für viele Muslime sehr schwer vorstellbar. Als Ausnahme bezeichnete er den Libanon mit seiner proportionalen Machtverteilung zwischen Christen und Muslimen. Dort seien auch die meisten Muslime davon überzeugt, dass ein Verschwinden der Christen ein Verlust für das Land wäre. Der im nord-irakischen Mossul aufgewachsene chaldäische Ordenspriester Paulus Sati definierte als Basis für den interreligiösen Dialog die gegenseitige Anerkennung der Religionen, die Gleichberechtigung in der Verfassung, die Neuschreibung der – weithin islamisch verkürzten oder verfälschten – Geschichte, die Bekämpfung des Fundamentalismus und die Unterscheidung von Staat und Religion. Auch wenn dies in keiner Verfassung explizit stehe, seien Christen in den islamischen Staaten in der Praxis Bürger zweiter Klasse. „Es gab noch nie in der Geschichte so viele Konflikte im Namen der Religion wie heute“, sagte Pater Paulus bei der ICO-Tagung in Salzburg. Noch nie habe es auch so viel Gewalt und Tötungen gegeben, dabei sei über Jahrhunderte auch ein Zusammenleben möglich gewesen.

 

Paulus Sati erinnerte an Epochen der interreligiösen Kooperation und daran, dass das Eintreten für die Religionsfreiheit auch in der katholischen Kirche erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil begonnen habe: „Wir haben auch eine Bekehrung erlebt.“ Die Christen im Orient hätten mehr Erfahrung mit dem Islam als der Westen, so Pater Paulus. Im Irak werde heute aber ein ganzes Jahrtausend der eigenen Geschichte vergessen, und damit die persische, hellenistische und christliche Prägung Mesopotamiens: „Viele einfache Muslime meinen, wir Christen seien Nachfahren der Kreuzfahrer, aber die Christen im Orient haben nichts mit den Kreuzrittern zu tun.“ Der neue Patriarch der Chaldäer, Louis Raphael Sako, habe betont, dass das Christentum vor dem Islam im Irak war. Patriarch Sako habe die Imame und die Arabische Liga aufgefordert, offiziell zu erklären, dass Christen gleichberechtigte Bürger sind. Sati meinte zugleich: „Die Kirche des Ostens war immer unterdrückt und nie Staatskirche. Wir sind das Martyrium gewohnt.“ Heute aber kämen „die meisten Probleme, die wir im Osten haben, aus dem Westen“.

 

Die an der Universität Kairo lehrende ägyptische Germanistin Hoda Issa sagte, der Dialog setze voraus, dass die Gesprächspartner frei und sachkundig einander gegenübertreten und sich auch an Dialogregeln halten. Im Alltag seien diese Regeln nicht gegeben. Sie zeigte in einem geschichtlichen Rückblick Epochen des koptisch-islamischen Miteinanders wie der Entfremdung in Ägypten. Unter dem Langzeitdiktator Hosni Mubarak sei der christlich-islamische Konflikt ein Alibi gewesen, um sich den sozialen Fragen nicht stellen zu müssen. Hoda Issa, die als erste Muslimin auf einer ICO-Tagung referierte, zeigte sich optimistisch, dass die Al-Azhar in Kairo nun ihre alte, dominante Rolle zurückgewinne und damit beginne, den Einfluss radikaler, von der Muslimbruderschaft gesteuerter Imame zurückzudrängen. Gemeinsam mit dem neuen koptischen Patriarchen setze sich der Großscheich der Al-Azhar gegen jeden Radikalismus und für die Einheit des Landes ein. Professor Issa, die Mursis Sturz und Verhaftung sowie das Verbot der Muslimbruderschaft im Gespräch mit dieser Zeitung ausdrücklich begrüßte, appellierte an die Europäer, ihre eigene Dialogposition kritisch zu hinterfragen: „Es muss nicht sein, dass alle Modelle, die in Europa entwickelt wurden, das Optimum für alle anderen Kulturkreise sind.“ In Ägypten würden auch die Kopten keinen Säkularismus französischer Prägung befürworten.

 

Der Bischof von Innsbruck, Manfred Scheuer, erinnerte daran, dass „die Entwicklung auch im Christentum nicht linear“ gewesen sei. So habe es Wege der Gewalt wie der Gewaltlosigkeit gegeben. Im Islam sieht Scheuer, der vor kurzem den Irak bereiste, „Ansätze von Bereitschaft mit- und nebeneinander zu beten, Ansätze zum theologischen Dialog und zum Dialog des Alltags“. Es gehe darum, den anderen in seinem Anderssein anzuerkennen, Versöhnung zu suchen und eigene Schuld einzugestehen. „Ich glaube auch, dass wir von anderen Religionen etwas lernen können“, sagte der Tiroler Bischof. Der in Salzburg lehrende Theologe Franz Gmainer-Pranzl warnte vor „Homogenisierungs-Vorstellungen“: „Der interreligiöse Dialog muss die bleibende Fremdheit des anderen akzeptieren.“ Es gehe dabei nicht um eine Einigung, sondern um das Gespräch mit Menschen, „die einen anderen Heilsweg gehen und die Welt anders interpretieren“. Das aber sei „kein Grund, sich Gewalt anzutun“. {Quelle: www.die-tagespost.de – Von Stephan Baier}

 
 

One Response to “Christen Arabiens wollen in ihrer Heimat nicht Bürger zweiter Klasse sein”

  1. Wer hat einen liebenden Gott wie wir: liebe Deine Feinde, tue wohl denen, die Dir Böses tun wollen, segne die, die Dich verfluchen. Kommt alle her zu JESUS, er ist der wahre Retter, der Gottessohn, der HEILAND der Welt! Er liebt die Sünder, aber nicht die Sünde, Tut Buße! kehrt um von Eurem Götzendienst und geht zurück zum HERRN. Jedes Knie wird sich beugen und erkennen, daß Du Gott bist. Amen.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s