kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Weihnachten – Uneingeschränktes Vertrauen zu Gott und Fest der Allmacht Gottes 22. Dezember 2017

Filed under: Spiritualität — Knecht Christi @ 14:41

Es gibt viel Glanz verbunden mit Weihnachten – ach, was ist da alles los!

 

 

Die Kaufhäuser sind voll!

Lichter überall! Entgegen diesem Treiben ist die Weihnachtsgeschichte immer wieder berührend.

Was da berichtet wird, ist tief gehend und wichtig für uns.

Zunächst erinnern wir uns an Maria und Josef.

Maria war sicherlich ein junges Mädchen, vielleicht zwölf bis 16 Jahre alt. In diesem Alter sind die Mädchen damals verheiratet worden. Da kommt plötzlich ein Engel zu ihr und sagt ihr, dass sie schwanger werden wird. Das muss ein Schock gewesen sein! Aber dann kommt das Große – sie sagt:

„Mir geschehe, wie du gesagt hast“.

 

 

Das ist ein uneingeschränktes Vertrauen zu Gott. Auch Josef, der Mann der Maria, musste manches durchleben. Josef steht etwas eigentümlich daneben in der biblischen Geschichte, er kommt fast nur in der Weihnachtsgeschichte vor. Dieser Josef erkennt plötzlich, dass seine Verlobte schwanger wird. Er muss darüber entsetzt gewesen sein! Er wusste, dass er nicht der Vater dieses Kindes war. Und deswegen ist es wohl gut zu verstehen, dass er daran dachte, sich heimlich davonzumachen.

Wenn er dieses Mädchen geheiratet hätte, sofort, ohne etwas zu sagen, wäre das nach der jüdischen Anschauung Ehebruch gewesen. Da kam diese Botschaft des Engels, der Josef sagte, dass das Kind vom Heiligen Geist ist. Josef hat sich raten lassen vom Engel und ist bei Maria geblieben. Sein Vertrauen in den Herrn war größer als das Entsetzen, das wohl mit dieser Botschaft verbunden war.

 

 

Gehen wir einen Schritt weiter zu den Hirten auf dem Felde. Da war das großartige Erleben, als die Engel auftraten und die Botschaft verkündigten: „Euch ist heute der Heiland geboren.

„Ein gewaltiger Augenblick muss das gewesen sein. Aber großartig ist die Reaktion der Hirten: „Kommt, lasst uns sehen die Geschichte, die da geschehen ist“.

Sie haben diese Botschaft verstanden in ihrem Vertrauen in Gott.

Dann kamen die Weisen aus dem Morgenland. Sie kamen, weil sie den Stern gesehen hatten; auch das ist bemerkenswert. Das waren nicht einmal Angehörige des jüdischen Volkes. Das waren Heiden. Aber irgendwo und irgendwie kamen sie zur Erkenntnis: Da muss ein König geboren sein.

Sie kamen nach Jerusalem und stellten diese Frage:

„Wo ist der neugeborene König?“ Sie haben danach geforscht, was denn das für Zusammenhänge seien, und sind schließlich durch den Stern geleitet worden nach Bethlehem. Die Weisen haben sich führen lassen vom Vertrauen in den Gott der Juden, den sie nicht anbeteten.

Daraus ziehe ich den Schluss: Wenn man uneingeschränktes, tief gehendes Vertrauen in den Herrn hat,  lässt man nicht nach, auch wenn Verhältnisse aufkommen, die man nicht so erwartet hat. Dann hat man auch tiefe Sehnsucht nach dem Tag des Herrn.

 

 

 

Weihnachten ist das Fest der Liebe, das Fest der Freude, das Fest des Friedens und ein Fest der Besinnlichkeit. Für viele, die den christlichen Ursprung und Gehalt des Weihnachtsfests kaum kennen, ist Weihnachten vor allem ein Fest des Schenkens und ein Fest der Familie. In all den Beschreibungen erschöpft sich die Bedeutung des Festes aber noch lange nicht.
Die Geburt Jesu, die Menschwerdung des Gottessohnes, ist vor allem auch ein Zeichen der Allmacht Gottes.

Weihnachten zeigt aller Welt unmissverständlich:

Gott lässt sich nicht aufhalten, die Welt von der Macht des Bösen zu befreien. Gott will, dass allen Menschen geholfen werde. Dieses Ziel verfolgt er mit aller Macht. Unaufhaltsam. Niemand hält Gott auf, der Menschheit Heil und Erlösung zu schenken. Nichts konnte sein Vorhaben verhindern, die Sünde und den Tod endgültig und ein- für allemal zu bezwingen.

 

 

 

Weihnachten zeigt uns:

Gottes Liebe ist stärker als aller Hass, Gottes Barmherzigkeit ist größer als alle Schuld.

 

Gott ist allmächtig. Nichts wird ihn daran hindern, dich und mich in die ewige Gemeinschaft mit ihm zu führen. Nichts kann ihn daran hindern, dich und mich von allem Bösen zu erretten. Und nichts und niemand kann uns jemals aus der Hand Gottes reißen. Dafür hat uns Gott seinen Sohn geschenkt.

 

 

 

 

Das steckt hinter den Ritualen und Bräuchen

Heute gehören die Gottesdienste an Heiligabend und an den Weihnachtfeiertagen zu den am besten besuchten kirchlichen Feiern im Jahr. Im Mittelpunkt steht dabei die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. In fast allen Kirchen steht ein großer Tannenbaum mit seinen Lichtern und grünen Zweigen für die Hoffnung auf die Bewahrung des Lebens trotz der Dunkelheit und Kälte des Winters.

Eine Krippe mit den Figuren der Weihnachtsgeschichte soll die in der Bibel geschilderten Ereignisse vor rund 2000 Jahren vor allem den Kindern anschaulich vor Augen führen. Das festliche Essen, die Geschenke und das gemeinsame Feiern sind ein Symbol für die Zusammengehörigkeit der gesamten Christenheit, die weltweit gemeinsam an den Beginn ihrer Religion erinnert.

 

 

 

 

 

Die Weihnachtsgeschichte in den Evangelien

Die Weihnachtsgeschichte ist uns allen geläufig.

Aber welche Evangelien haben sie überliefert?

Warum haben manche Evangelien keine Weihnachtsgeschichte?

Was steht bei welchem Evangelisten?

 

 

 

 

Hl. Evangelist Markus

Wer das Markusevangelium, das älteste uns überlieferte Evangelium liest, dem fällt auf, dass eine Geburtsgeschichte Jesu fehlt.

Warum ist das so?

 

Markus ist der erste Evangelist, der Aussprüche Jesu und Berichte über seine Taten, sein Leiden, Sterben und Auferstehen in einer Schrift zusammenhängend erzählt. Sein Ziel war es nicht, das Leben Jesu von der Krippe bis zum Kreuz nachzuzeichnen, sondern Jesus von Nazareth als den Christus, den Sohn Gottes, darzustellen.

Der Evangelist beschreibt, wie der Gottessohn predigend und Wunder wirkend in Israel umherzog, von den Römern gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist. Deshalb schreibt Markus zu Beginn seines Buchs: „Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“ (Markus 1,1). Dieser Satz kann geradezu als Zusammenfassung des gesamten Markusevangeliums verstanden werden.

 

 

 

Zentrum des Evangeliums ist die Leidensgeschichte Jesu. Die Ereignisse in und um Jerusalem nehmen fast die Hälfte des Buches ein. Das Markusevangelium wurde deshalb auch eine „Passionsgeschichte mit ausführlicher Einleitung“ (Martin Kähler) genannt. Von daher ist es nur verständlich, dass Markus kein besonderes Interesse an der Darstellung der Kindheit Jesu hatte, da sie für ihn nicht unmittelbarer Inhalt der Verkündigung des Evangeliums ist.

Markus will den Glauben bekennen, dass Jesus für unsere Sünden gestorben und siegreich auferstanden ist. Und er will andere durch sein Buch dazu veranlassen, auch diesen Glauben anzunehmen.
Die beiden Evangelien nach Matthäus und Lukas haben nachweislich das Evangelium des Markus benutzt. Sie greifen aber auch auf andere Zeugnisse zurück und bieten jeweils eine Kindheitsgeschichte Jesu mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

 

 

 

 

Hl. Evangelist Matthäus

Matthäus will seinen damaligen Lesern und Hörern zeigen, dass Jesus Christus nicht nur Sohn Gottes (vgl. Matthäus 16,16), sondern auch wahrer Mensch ist. Deshalb berücksichtigt er die Überlieferungen zur Kindheit und zu den Eltern Jesu. Zugleich macht er deutlich, dass der Herr aus dem Volk Israel stammt und der erwartete Messias ist.

Das Leben Jesu ist nach Matthäus eingebettet in die Geschichte des alten Bundesvolkes, deshalb wird auch immer wieder auf die Erfüllung alttestamentlicher Weissagungen hingewiesen. Bei Matthäus finden sich die meisten alttestamentlichen Hinweise und Zitate.

 

Dass Jesus seine Wurzeln im alten Bundesvolk hat, wird schon durch den Stammbaum deutlich gemacht, mit dem das Matthäusevangelium beginnt. Abraham ist Stammvater Jesu, ebenso wie David. Zudem teilt Matthäus mit, dass Jesus in Bethlehem, der Stadt, die eine enge Beziehung zu König David hat, geboren wurde. Jesus, so wird dadurch betont, ist der erwartete Davidssohn und König der Juden. Von der eigentlichen Geburt des Herrn berichtet Matthäus nichts, lediglich dass dies unter König Herodes (� 4 v. Chr.) geschah.

 

 

Ihm, dem neugeborenen König der Juden zu huldigen, sind die Weisen aus dem Morgenland gekommen. Sie bringen ihm Geschenke, die auf seine königliche Würde hinweisen. Zugleich zeigt Matthäus aber auch, in welcher Gefahr das Jesuskind schwebt: Der König Herodes will das göttliche Kind töten lassen, weil er glaubt, es gefährde seine Macht. Doch wie einst Mose wird auch Jesus vor den Nachstellungen des weltlichen Herrschers bewahrt und gerettet, damit er seine Aufgabe erfüllen kann. Die Familie Jesu flieht nach Ägypten und kehrt nach dem Tod des Herodes zurück und übersiedelt nach Nazareth.

 

 

 

 

 

 

Hl. Evangelist Lukas

Lukas versteht sich als Historiker nach dem Vorbild der antiken Geschichtsschreiber. Der Evangelist sammelt gewissenhaft die vorhandenen Jesusüberlieferungen und stellt sie in seinem Buch zusammen. Unsere Vorstellung von der Geburt Jesu sind vor allem durch das Lukasevangelium geprägt, während, wie schon erwähnt, Matthäus kaum etwas dazu zu berichten weiß, finden sich bei Lukas eine Vielzahl von Angaben. Und nicht nur die Umstände der Geburt Jesu werden erzählt, sondern auch die Johannes des Täufers.

 

 

 

Lukas betont den geschichtlichen Zusammenhang, in dem die Geburt Jesu stattfand. Er nennt den Kaiser Augustus, den Statthalter Quirinius und eine Steuerschätzung. Zentral innerhalb der eigentlichen Geburtsgeschichte ist das Erscheinen des Engels, der den Hirten auf dem Felde die frohe Botschaft mitteilt: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids“ (Lukas 2,10-11).

Überdies wird gesagt, dass das Kind in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt. Das königliche Kind kommt also nicht in Reichtum und Pracht zur Welt, sondern in Armut und Niedrigkeit. Das alles weist auf die Selbsterniedrigung des Gottessohnes hin (vgl. Philipper 2,5-11). Dieser König, der scheinbar machtlos erscheint, bringt doch den Frieden, den normalerweise der römische Kaiser zu bringen beansprucht.

 

 

 

 

Hl. Evangelist Johannes

Das Johannesevangelium hat keine eigentliche Geburtsgeschichte. Johannes geht es nicht nur um die Betonung des wahren Menschseins Jesu, zu dem ja auch Geburt gehört, sondern er hebt sein göttliches Wesen hervor. Der Evangelist beginnt nicht mit einem Bericht, der die Umstände der Geburt Jesu schildert, sondern mit einem Prolog.

In diesem Vorspruch verwendet der Evangelist die Sprache der griechischen Philosophie, um das Wesen des Gottessohnes seinen Zeitgenossen nahe zu bringen. Der Gottessohn ist das ewige Wort (der Logos) beim Vater, das Mensch wird: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Johannes 1,14).

 

 

 

So wenige Worte genügen dem Evangelisten, um die Geburt Christi zu beschreiben. Auch die Ablehnung, die der Gottessohn durch die Juden erfuhr, wird thematisiert: „Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Johannes 1,11).

Das Johannesevangelium lässt bewusst die Frage des Herkunftsortes Jesu offen: „Soll der Christus aus Galiläa kommen?

Sagt nicht die Schrift: aus dem Geschlecht Davids und aus dem Ort Bethlehem, wo David war, soll der Christus kommen?“ (Johannes 7,41-42). Dem Evangelisten kommt es nicht auf biographische Einzelheiten oder irdische Gegebenheiten an, bei ihm hat die Menschwerdung des Gottessohnes vor allen Dingen kosmische Dimensionen: Himmel und Erde, das All, die gesamte Schöpfung ist in das Geschehen um Christus einbezogen.

 

 

 

 

 

Weihnachten weltweit

Deutschland

Im Strandlook zur Bescherung, ein Ziegenbock aus Stroh oder ein Stuhl gegen die Hexen: Wir haben Weihnachtsbräuche aus aller Welt gesammelt.

Stuttgart – Den Weihnachtsbaum aufstellen, sich an Heiligabend über die Geschenke und den Besuch von Christkind oder Weihnachtsmann freuen, Saitenwürste mit Kartoffelsalat oder Gans essen – so oder ähnlich sieht das Programm für den Heiligabend bei vielen Familien in Deutschland aus.

 

 

Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts YouGov gehört übrigens bei fast zwei Dritteln der Deutschen der Besuch eines Weihnachtsmarkts fest zum vorweihnachtlichen Programm, für knapp die Hälfte gehören ein Weihnachtsessen zuhause und/oder bei Freunden einfach dazu. Knapp ein Viertel der Deutschen besucht die Weihnachtsfeier ihres Arbeitgebers. In den Urlaub fahren (sieben Prozent) und ins Theater oder die Oper gehen (sechs Prozent) sind dagegen weniger beliebt. Jeder zwanzigste Deutsche ist dagegen ein echter Weihnachtsmuffel und macht gar nichts.

 

 

 

Doch wie feiern Menschen in anderen Ländern das Weihnachtsfest?

Wir haben mal recherchiert und einige interessante Beispiele zusammengetragen.

 

 

 

Frankreich

Das französische Weihnachtsfest ist dem deutschen ziemlich ähnlich: Statt dem Weihnachtsmann oder dem Christkind bringt „Père Noël“ die Geschenke – ähnlich dem US-amerikanischen Geschenkebringer Santa Claus, aber mit langem roten Gewand gekleidet. Auch wenn manche Erwachsenen schon am 24. Dezember, einem normalen Arbeitstag, Geschenke austauschen: Die traditionelle Bescherung findet am Morgen des 25. Dezember statt – der 26. Dezember ist in Frankreich kein Feiertag.

Üppiges Essen gehört zum Weihnachten in Frankreich dazu – sieben Gänge und 13 Desserts umfasst das traditionelle Festmahl „Réveillon“. Auf keinen Fall fehlen darf dabei der „Buche de Noel“, der Weihnachtsbaumkuchen. Häufig sind auch gefüllter Kapaun oder Truthahn sowie Gänsestopfleber Teil des Weihnachtsessens.

 

 

 

 

 

USA

Christmas, Weihnachten, spielt in den Vereinigten Staaten eine große Rolle: Die Dekorationen fallen in den USA bunter und pompöser aus als hierzulande, Geschenke gibt es nicht am Heiligabend, sondern am Morgen des 25. Dezember. Die bringt das US-Pendant zum Weihnachtsmann: Santa Claus.

Er schlüpft in der Nacht durch den Schornstein und befüllt die am Abend zuvor aufgehängten Socken – zumindest die, in die etwas hineinpasst. Das Christkind ist in den USA unbekannt, auch den deutschen Nikolaus gibt es nicht. Dafür helfen die Rentiere Rudolph, Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Donder, Blitzen, Cupid und Comet dem Santa Claus. Oft stellen die Familien dem Geschenkebringer Kekse und Milch zur Stärkung bereit.

 

 

 

Traditionell darf beim US-Weihnachtsmahl ein Truthahn auf dem Tisch nicht fehlen, ähnlich wie zu Thanksgiving. Und auch in den USA gibt es Filme, die typischerweise an Weihnachten ausgestrahlt werden: Statt „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder dem „Kleinen Lord“ sind das zum Beispiel „It’s a wonderful life“, „The Grinch“ oder „A Christmas Story“.

Die USA sind als das Einwanderungsland schlechthin stark multikulturell geprägt. Nicht selten wünschen Amerikaner sich oder ihren Geschäftspartnern daher statt „Merry Christmas“ „Season’s Greetings“ – um auf die Menschen Rücksicht zu nehmen, die zum Beispiel das jüdische Hanukkah oder das von der Black-Power-Bewegung verbreitete Kwanzaa feiern. Ersteres wird in den USA gebührend gefeiert: In Washington wird beispielsweise am ersten Tag des Hannukah-Fests ein riesiger Leuchter aufgestellt.

 

 

 

 

 

Ägypten

Wenn man „Ägypten“ hört, dann denkt man sofort an ein Land mit viel Sonne, Wüste und den Pyramiden. Aber auch dort wird Weihnachten gefeiert , jedoch auf eine ganz andere Art und Weise als bei uns in Deutschland.

Seit 2002 ist Weihnachten auch in Ägypten ein offizieller nationaler Feiertag und wird vor allem von den Kopten, einer christlichen Gemeinde in Ägypten begangen. Die Kopten feiern allerdings nicht den 24. Dezember als Weihnachtstag sondern den 7. Januar. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Kopten Weihnachten traditionell am 29. Tag des koptischen Monats Khiakh feiern, der nach dem Koptischen Kalender auf den 7. Januar fällt.

 

 

Die Ursprünge der christlichen Kirche der Kopten sind bis auf den Verfasser des Markus-Evangeliums zurückzuverfolgen. Nach koptischem Glauben soll dieser das Christentum nach Ägypten gebracht und die koptische Kirche gegründet haben. Die Kopten haben einen eigenen Papst, der den Überlieferungen zufolge immer ein Nachfahre des Markus sein soll. Der derzeitige Vorstand der koptischen Kirche, Tawadros II, soll der 118. Nachfahre des Markus sein.

Dem eigentlichen Weihnachtsfest voran gehen 43 Tage Fastenzeit (vom 25. November bis 6. Januar). Während dieser Zeit ist es den Kopten untersagt, jegliche Art von tierischen Speisen (Fleisch, Eier, Milch, etc.) zu essen. Dadurch soll symbolisch Moses gedacht werden, der 40 Tage am Berg Sinai auf die 10 Gebote wartete. Die übrigen drei Tage sind dem Wunder des Berges von El Mokattam gewidmet. Dieser Berg wurde durch göttliche Hand bewegt.

 

 

Ein großes Festessen am Weihnachtstag beendet die Fastenzeit. Es werden traditionelle Speisen wie Zalabya, ein Gebäck, und Bouri, ein Fischgericht, serviert. Eine traditionelle Süßigkeit, die auch von den Muslimen zu Eid el fitr gebacken wird, kahk genannt, wird ebenfalls serviert. Die Kinder erhalten Süßigkeiten und kleine Geschenke. Oft wird Kindern auch das traditionelle El’aidia überreicht, ein kleines Geldgeschenk, um damit Süßigkeiten kaufen zu können. Überall werden kleine Konzerte mit internationaler und koptischer Musik gegeben.

 

 

Traditionell wird am Weihnachtstag die Weihnachtsmesse besucht. Üblicherweise beginnt sie gegen elf Uhr nachts und endet meist erst gegen vier Uhr morgens. Viele Gläubige besuchen an Weihnachten mehrere Kirchen, die der Erzählung nach auf dem Weg der Heiligen Familie durch Ägypten liegen. Der größte Gottesdienst wird in der Kirche St. Markus in Kairo vom koptischen Papst gefeiert und über das Fernsehen in ganz Ägypten übertragen.

 

 

Allerdings feiern nicht nur die koptischen Christen in Ägypten Weihnachten. Viele Touristen zieht es gerade zur Weihnachtszeit ins warme Ägypten. Daher richten sich viele Hotels entsprechend des Weihnachtstourismus ein. Sie schmücken ihre Hallen mit künstlichem Schnee und frostigen Bäumen und Pflanzen. Kaminfeuer werden angezündet und elegante Weihnachtsessen serviert.

Auch viele Muslime werden von der Weihnachtsstimmung angesteckt. Sie feiern zwar Weihnachten nicht als die Geburt Christi, nehmen jedoch sehr gern an den Feierlichkeiten teil. Im Umkehrschluss feiern auch viele Christen die muslimischen Feiertage. Hier kann man einen der interessantesten Aspekte des ägyptischen Lebens erfahren: die friedliche Koexistenz verschiedener Religionen.

Übrigens:

Der Weihnachtsbaum kommt ursprünglich aus Ägypten und war in seiner ursprünglichen Form eine Palme. Die Ägypter verwendeten eine zwölfgliedrige Palme als Symbol für ein abgeschlossenes Jahr. Da Palmen jeden Monat eine neue Verästelung wächst, stand jeder einzelne Palmwedel als Symbol für einen abgeschlossenen Monat.

Dieser Brauch wurde nach Europa exportiert, wobei dort eher andere Baumsorten verwendet wurden. Besonders beliebt wurde die Tanne aufgrund ihrer Form, die der Form einer ägyptischen Pyramide ähnelt. Sie wurde zur Ehre Saturns während der Zeit der Wintersonnenwende mit Lichtern geschmückt. In späteren Zeiten wurde der Brauch ins Christentum übernommen.

 

 

 

 

Syrien

Das vom Bürgerkrieg gebeutelte Land ist mit 80 Prozent der Bevölkerung vorwiegend muslimisch, doch rund zehn Prozent der Syrer sind Christen. Weihnachten – auf arabisch wünscht man sich „Milad Majid“ – ist am 25. Dezember in Syrien ein offizieller Feiertag.

In der Vorweihnachtszeit stecken syrische Kinder einen Wunschzettel in einen Socken, außerdem spenden sie häufig gebrauchtes Spielzeug oder Kleidung, die Kirchen lassen es dann Bedürftigen zukommen.

Die Traditionen der syrischen Christen ähneln ansonsten denen in Deutschland: Viele Familien kommen am Heiligabend, 24. Dezember, nach dem Kirchgang zusammen. Viele Menschen kleiden sich traditionell vor dem Fest nagelneu ein. Bei der Weihnachtsfeier in Syrien gibt es Plätzchen und einen geschmückten Weihnachtsbaum – letzterer ist aber meist künstlich. Das Weihnachtsmahl in Syrien umfasst oft Hühnchen, Nüsse, Gebäck und Orangen. Um Mitternacht wünschen sich alle frohe Weihnachten. Das Christkind wird symbolisch in die Wiege gelegt, die Geschenke in Syrien kommen von „Papa Noel“.

Viele Christen sind inzwischen vor dem Krieg in andere Länder geflohen – inwieweit diejenigen, die geblieben sind, an ihren Traditionen festhalten können, wird sich zeigen. Ein unbeschwertes Fest werden sie jedenfalls kaum feiern.

 

 

 

 

Australien

Sommer, Sonne, mehr als 30 Grad im Schatten – auch so kann Weihnachten aussehen. Auf der Südhalbkugel herrscht zur Weihnachtszeit nämlich Sommer. In Australien vermischen sich beim Fest europäische und US-amerikanische Traditionen mit Strandfeeling. Zum Festmahl nach britischer Tradition am Abend des 24. Dezember gehört oft ein Truthahn und Plum Pudding – am nächsten Tag geht es oft zum weihnachtlichen Picknick in die laue Sommernacht. Immer beliebter wird in letzter Zeit aber auch ein leichtes Fischessen statt des deftigen „Turkey“. Vielen Australiern liegen die „Carols by Candlelight“ – das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern im Freien bei Kerzenschein – besonders am Herzen.

 

Auf vielen Weihnachtsdekorationen finden sich ein dick eingepackter Weihnachtsmann, Schneelandschaften und der Schlitten – gleichzeitig wird in Liedern besungen, dass der Weihnachtsmann bei seinem Besuch in Australien die Rentiere gegen Kängurus eintauscht. In der Aussie-Version von „Jingle Bells“ heißt es auch „Dashing through the bush“ statt „…snow“. Auch Geschenkebringer auf Wasserskiern oder in Badehose kann man in Australien beobachten. Die Bescherung findet – ähnlich wie in den USA – am Morgen des 25. Dezember statt, die Geschenke bringt Santa Claus durch den Schornstein.

 

 

 

 

Russland

Nach Ostern ist Weihnachten für russisch-orthodoxe Christen das zweitwichtigste Fest. Im Gegensatz zum Fest in Deutschland feiern die Russen Weihnachten allerdings am 7. Januar, denn die russisch-orthodoxe Kirche orientiert sich am alten julianischen Kalender. Dieser Tag ist erst seit dem Jahr 1991 ein offizieller Feiertag: Nach der Oktoberrevolution 1917 war das Fest lange Zeit verboten. Heute feiert Umfragen zufolge rund die Hälfte der Russen Weihnachten.

 

Nach den Vorschriften der russisch-orthodoxen Kirche findet vor Weihnachten ein 40-tägiges Fasten statt. Dieses bezieht sich nicht nur darauf, bei Speisen enthaltsam zu sein, sondern auch, nicht zu sündigen und anderen Menschen ihre Fehler zu verzeihen. An „Sochelnik“ – Heiligabend – finden stundenlange Gottesdienste mit Gesang und Lichterprozessionen statt. Am 6. Januar gibt es in Russland traditionell eher magere Kost wie ein altes rituelles Gericht namens Sochivo, das aus Mandeln, Mohn, Honig und Getreide gekocht wird. In der Nacht auf den 7. Januar, den eigentlichen Weihnachtstag, endet die Fastenzeit. An diesem Tag folgt dann ein üppiges Mahl, zum Beispiel mit einem gefüllten Ferkel, Hase oder Lamm.

Nach westeuropäischem Vorbild gibt es auch in Russland Weihnachtsbäume – Peter der Große hatte 1699 erstmals befohlen, die Häuser mit Nadelzweigen zu dekorieren. Eine Bescherung bleibt bei den meisten Russen allerdings aus: Sie beschenken sich zu Silvester.

 

 

 

 

Weihnachten feiern war in Russland jahrzehntelang verboten

Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion durften auch die Russen ihr Weihnachtsfest wieder offiziell am 6. und 7. Januar feiern. Und da sich die Kirche bis heute weigert, die Kalenderreform der gottlosen neuen Machthaber zu übernehmen, wird es wie eh und je nach dem julianischen Kalender datiert. Mittlerweile feiern viele gläubige Russen sowohl das Neujahrs-, als auch das russisch-orthodoxe Weihnachtsfest wieder.

Auch in den sogenannten Ostkirchen, besonders verbreitet in Syrien, im Libanon und Irak, wird Christi Geburt gefeiert. Gerade in Syrien steht Weihnachten leider nicht im Zeichen der Liebe und des Friedens wie in Goran Atanasevic Familie in Duisburg.

 

 

 

 

Türkei

Moslems sehen Jesus zwar als einen von Gott gesandten Propheten an, doch seine Geburt begehen sie nicht mit einem Feiertag. Der 25. Dezember ist in der Türkei ein normaler Arbeitstag. Dennoch wird es in der Türkei immer beliebter,Weihnachten zu feiern. Zwar ohne religiösen Charakter, aber zum Beispiel mit geschmücktem Weihnachtsbaum und Nikolaus-Kostümen, wird gewissermaßen ein verlängertes Silvesterfest gefeiert.

Einige Straßen sind zur Weihnachtszeit festlich beleuchtet – und auch die türkische Wirtschaft entdeckt Weihnachten mehr und mehr für ihre Zwecke. Hotels veranstalten für ihre Gäste Weihnachtsfeiern. Und patriotische Türken können ihren „Neujahrsbaum“ zum Beispiel mit der Nationalflagge schmücken.

Der Nikolaus – der als Bischof von Myra in der heutigen Türkei gelebt hat – spielt im Dezember in der Türkei eine gewisse Rolle. Doch Geschenke gibt es zu Weihnachten keine – der große Feiertag ist zumindest für weltlich orientierte Türken am 31. Dezember, wenn sie mit rauschenden Festen das neue Jahr einläuten.

Die türkischen, orthodoxen Christen bleiben dabei eher außen vor:

Nach orthodoxer Tradition feiern sie Weihnachten nach dem alten julianischen Kalender im Januar.

 

 

 

 

Grönland und Skandinavien

Politisch gesehen ist Grönland ein autonomer Bestandteil Dänemarks. Die Weihnachtstraditionen der beiden Länder ähneln sich daher. Fester Bestandteil der Vorweihnachtszeit ist – wie in anderen nordischen Ländern – ein Umzug am 13. Dezember: Mit Kerzen in der Hand singen Kinder Lieder von der heiligen Lucia. Die Heilige soll im 4. Jahrhundert den Märtyrertod gestorben sein.

 

Typisch für Weihnachten in Grönland sind die rot-orangefarbenen Herrnhuter-Sterne, die aus vielen Fenstern leuchten. Um weiße Weihnachten muss sich in Grönland niemand sorgen – Schnee fällt ganz sicher. Weihnachtsbäume müssen in dem kargen Land allerdings lange Zeit vorher bestellt und mit dem Schiff aus Europa geliefert werden. Die Grönländer basteln bei Glögg – skandinavischem Glühwein aus Rotwein und Korn oder Wodka und Gewürzen – Weihnachtsdekoration, grönländische Kinder ziehen im Schein der Nordlichter von Haus zu Haus, wünschen „Juullimi Pilluarit“, singen und werden dafür mit Süßigkeiten und Gebäck belohnt.

 

 

Die Weihnachtsfeier wird am Abend des 24. Dezembers mit einem Tanz um den Weihnachtsbaum begangen – Geschenke gibt es in vielen Familien schon morgens.

Ob das daran liegt, dass Gerüchten zufolge der Weihnachtsmann persönlich hoch oben im Norden wohnt und seine Anfahrt daher kürzer ist?

Auch in anderen nordischen Ländern gibt es ausgefallene Bräuche: In Norwegen verstecken die Menschen ihre Besen – einem Aberglauben zufolge könnten Hexen und böse Geister ihn sonst als Fortbewegungsmittel nutzen. In Schweden und Dänemark werden zum Beginn der Adventszeit – teils riesengroße – Ziegenbockfiguren aus Stroh aufgestellt. Diese sogenannten Julböcke gehen auf heidnische Traditionen zurück: Ursprünglich war er eine Verkörperung des germanischen Donnergottes Thor.

 

 

 

 

Slowakei

„Kapustnica“ – eine Krautsuppe mit getrockneten Früchten, Pilzen und Wurst – gehört in der Slowakei fest zur Weihnachtszeit. An Heiligabend kommt in den meisten Haushalten Karpfen mit Kartoffelsalat auf den Tisch. Dazu gibt es mit Honig bestrichene Weihnachtsoblaten.
Den Kindern erzählt man, dass „Ježiško“, das kleine Jesulein, die Geschenke bringt. Wer meint, dass sein Kontostand etwas Aufbesserung gebrauchen könnte, sollte am 24. Dezember beim Abendessen einen Geldschein unter das Tischtuch legen.

 

Was das neue Jahr bringt, erfährt man in der Slowakei, wenn man am Weihnachtsabend einen Apfel aufschneidet. Ist das Gehäuse symmetrisch und die Körner sind sternförmig angeordnet, dann bringt das neue Jahr nur Gutes. Wenn man beim Essen außerdem eine Kette um die Tischbeine bindet, hält die Familie das ganze Jahr über zusammen.

Schon in den Tagen vor dem Weihnachtsfest gibt es ein paar eigentümliche Bräuche. So erzählt man sich beispielsweise, wenn man nach dem Lucia-Tag ein Stühlchen aus neun verschiedenen Holzsorten ohne Nägel schreinere und sich dann während des Gottesdienstes hinter dem Altar darauf setze, dann sieht man die Hexen um den Altar gehen.

 

 

 

 

Warum feiern Orthodoxe eigentlich Weihnachten später?

Orthodoxe feiern etwa zwei Wochen später als der Rest der Christen. Wie begehen sie das Fest und wo liegen die Unterscheide zu Protestanten, Katholiken und anderen Religionsgemeinschaften?

 

 

Orthodoxe Christen gibt es gerade in NRW viele. Sie kamen Anfang der Wirtschaftswunderzeiten aus der früheren Sowjetunion sowie aus dem ehemaligen Jugoslawien. Benötigt wurden sie als Gastarbeiter. Sie brachten aber nicht nur ihre Arbeitskraft mit, sondern auch ihre Kultur und ihre Konfession. Viele von ihnen haben die Bräuche und Sitten konserviert und pflegen sie auch noch weiter. Besonders viel Wert legen dabei die Serben und Mazedonier auf ihren orthodoxen Glauben – auch jenseits ihrer Heimat, wo das Fest noch viel größer ausfällt.

Woran liegt das, das Orthodoxe später feiern als die anderen Christen? Die Antwort ist simpel. An einer anderen Berechnung. „Wir feiern das Fest nach einem anderen, älteren Kalender“, sagt der gebürtige Mazedonier Goran Atanasevic. Die russisch-orthodoxe und die serbisch-orthodoxe Kirche halten beide am alten julianischen Kalender fest. Der 35-jährige Duisburger feiert wie circa 300 Millionen Orthodoxe daher 13 Tage später das Fest der Liebe als die restlichen Christen weltweit.

 

 

Er begeht es, wie die Tradition es will, nach den Vorschriften seines orthodoxen Glaubens. Das bedeutet, dass er am 6. Januar, dem heiligen Abend der Orthodoxen, in eine große orthodoxe Kirche nach Düsseldorf geht. Zwei weitere große Kirchen gibt es übrigens noch in Dortmund und Köln, wo gewöhnlich viele Serben,Ukrainer,Mazedoniern und Rumänen leben.

„Erwartungs- und erfahrungsgemäß sind die Gotteshäuser sehr gut gefüllt und man findet nur schwer einen Sitzplatz“, sagt Atanasevic, der aus der kleinen Stadt „“ in Mazedonien, die unweit der Grenze zum heutigen Serbien liegt, stammt.

 

 

1.
Lobt Gott, ihr Christen allzugleich,
in seinem höchsten Thron,
der heut aufschließt sein Himmelreich
und schenkt uns seinen Sohn,
und schenkt uns seinen Sohn.

2.
Er kommt aus seines Vaters Schoß
und wird ein Kindlein klein;
er liegt dort elend, nackt und bloß
in einem Krippelein,
in einem Krippelein.

3.
entäußert sich all der Gewalt,
wird niedrig und gering,
nimmt an sich eines Knechts Gestalt,
der Schöpfer aller Ding‘.
der Schöpfer aller Ding‘.

 

 

KoG wünscht allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachten und ein besinnliches Fest.

Möge Gott auch im nächsten Jahr immer seine schützende Hand über Euch alle halten.

 

7 Responses to “Weihnachten – Uneingeschränktes Vertrauen zu Gott und Fest der Allmacht Gottes”

  1. Thomas Says:

    Weihnachten in Damaskus/Syrien die uns die NATO-Medien nicht zeigen

    Quelle : http://uncut-news.ch/2017/12/21/weihnachten-in-damaskus-syrien-die-uns-die-nato-medien-nicht-zeigen/

  2. Thomas Says:

    Ja dann wünsche ich ein frohes, ruhiges, erholsamens Fest, ohne Anschläge und dann wollen wir mal
    hoffen, das 2018 nich noch schlimmer wird.

    Alle Ehre sei Jesus Christus, dem rechtmässigen Herrscher dieser Erde, der bald wieder kommen
    wird, um zu richten die Lebenden und die Toten.

  3. Thomas Says:

    Glaubensbekenntnisse
    Die Glaubensbekenntnisse der Waldenser

    Christsein bewährt sich im gelebten Alttag „heute“. Um aber zu verstehen, welche Impulse das Waldensertum für uns haben kann, ist es notwendig, auch die historischen Wurzeln zu kennen. Im folgenden die beiden Glaubensbekenntnisse von Chanforan und Angrogna.
    I. Die Resolutionen von Chanforan vom 12. September 1532 (1)

    Der Christ darf beim Namen Gottes schwören, ohne damit gegen Matthäus 5 zu verstoßen. Dieser Satz steht fest, wenn jeder, der schwört, den Namen Gottes nicht vergeblich führt. Das geschieht, wenn der Schwur zum größeren Ruhm Gottes und dem Heil des Nächsten dient. Man kann vor Gericht schwören, weil derjenige, der seine Macht von Gott her ausübt, ob er glaubt oder nicht, seine Macht von Gott hat. Und deshalb wollen wir, auf welche Art immer der Schwur gegeben wird, im Namen Gottes schwören.
    Nur das Werk ist gut, das Gott befohlen hat, und nur das Werk ist böse, das er verboten hat. Was die äußerlichen Werke betrifft, die nicht von Gott verboten sind, kann sie der Mensch nach seiner Entscheidung ohne Sünde tun oder lassen. Die Glaubenden, die Verstand haben, kennen sowieso die ersten zwei Gebote. Du wirst nicht alles das, was deinen Augen gut zu sein scheint, tun, sondern was ich dir befehle nach dem Gebot. Du wirst weder etwas hinzufügen noch hinwegnehmen von meinem Wort. Tue nur alles, was ich dir befehle. Du wirst weder nach links noch nach rechts abbiegen, sondern mir gehorchen. Dann kannst du alle äußerlichen Werke tun von jeglicher Art, wenn sie dich nur nicht dazu führen, gegen das Gebot Gottes, welches die Liebe ist, zu handeln.
    [Die Resoltionen 3 und 4 fehlen, vgl. Anmerkungen unten]
    (2) Die Ohrenbeichte ist nicht von Gott befohlen. Die Schrift sagt, dass der Christ allein Gott, dem Ehre und Ruhm gebühren, beichten soll. Die zweite Art von Beichte ist die Versöhnung mit dem Nächsten nach Matthäus 5, Jakobus 5 usw. Die dritte Art handelt nach Matthäus 18 von dem, der gegen mich sündigt. Und ich weiß, dass ich zu ihm muss und nicht er zu mir. Und wenn er sich weder durch mich noch durch Zeugen korrigieren will, dann durch die Gemeinde vor Gott. Wie er öffentlich gesündigt hat, so muss er auch seine Sünde öffentlich bekennen. Eine andere Beichte finden wir in der Schrift nicht.
    Die Arbeitsruhe am Sonntag ist dem Christen von Gott nicht verboten. Es steht fest, dass der Mensch, ohne zu sündigen, am Sonntag arbeiten kann, wie wir es in den Evangelien haben, auch in Galater 4 und Kolosser 2. Wir müssen auch Liebe an unseren Bediensteten üben. Auch um Zeit zu haben für Gottes Wort, müssen wir an diesem Tag zum Eifer für Gottes Ehre und Ruhm ruhen.
    Das Wort ist im Gebet nicht nötig.
    Beim Gebet braucht man weder Kniefälle , noch bestimmte Zeiten, weder das Haupt entblößen, noch andere äußere Dinge . Es steht fest, dass der Gottesdienst nur in Geist und Wahrheit geschehen kann. Gott ist Geist, und wer mit ihm sprechen will, muss das im Geist tun. Das Wort und andere äußere Dinge können nur die große Liebe zum Nächsten ausdrücken und beweisen, mit der sich der Mensch zu seinem Gott gewandt hat.
    Die Handauflegung ist nicht notwendig. Das steht fest, auch wenn die Apostel sie angewandt haben. Die alten Väter widersprechen dem auch nicht, weil es nur eine äußere Sache ist, die in die Freiheit eines jeden einzelnen gestellt ist.
    Die Rache – gleich welcher Art – an seinem Feind ist dem Christen nicht erlaubt. Dieser Satz erklärt sich selbst, wie wir es auch in Matthäus 3 und Römer 12 und 1.Petrus usw . haben.
    Der Christ kann als Obrigkeit über Christen regieren. Das ergibt sich aus Römer 13, Korinther 6 und 1.Petrus.
    Der Christ kennt keine festgesetzten Zeiten zum Fasten, das ist in der ganzen Schrift klargestellt. Man findet in ihr nicht, dass Gott das befohlen habe.
    Die Ehe ist für niemand verboten, gleich weichen Standes und Ranges er sei.
    Wer die Ehe verbietet, lehrt Teufelsdoktrin.
    Ehelosigkeit zu befehlen, ist Teufelsdoktrin.
    Wer nicht die Gabe der Enthaltsamkeit hat, ist zur Ehe verpflichtet. Dieser Satz ist erstens schon in 1.Mose bestätigt, dass es dem Menschen nicht gut sei, allein zu sein. Zweitens kommt er in 1.Timotheus 4 vor. Drittens gibt es in der Schrift keinen Grund dafür. Viertens ist sehr wahr, was Paulus im 7.Kapitel des 1.Korintherbriefes an die Korinther schreibt.
    Nicht jeder Zins ist von Gott verboten. Gott verbietet nur den Zins, der den Nächsten belastet, nach dem Gesetz, dass du nicht dem andern tun sollst, was du nicht willst, dass man dir tue.
    In Lukas steht, nicht Wucher zu treiben. Das wurde geschrieben, weil Christus sagen wollte, wie wir es mit unserem Nächsten halten sollen, dass der eine dem andern im Dienst der Liebe, die wir aneinander üben sollen, leihen soll, dass wir dem Armen nicht nur leihen, sondern ihm auch das Nötige geben.
    Alle die, die gerettet wurden und gerettet werden, sind vor Grundlegung der Welt erwählt.
    Die, die gerettet werden, können nicht verloren gehen. Siehe Epheser 1 und Römer 8 und 9 usw..
    Wer den freien Willen behauptet, leugnet die Prädestination und Gnade Gottes völlig. Das sagt überdeutlich Römer, der ganze Galater und auch Epheser.
    Die Diener des Wortes Gottes brauchen nicht von Ort zu Ort ziehen, außer wenn es dem besonderen Nutzen der Kirche dient.
    Die ministres können etwas eigenen Besitz haben, um ihre Familien zu unterhalten. Das ist nicht gegen die apostolische Gemeinschaft. Beide Sätze sind in der Apostelgeschichte bestätigt.
    Über die Materie der Sakramente ist durch die Schrift festgesetzt, dass wir nur zwei Sakramente haben, die Christus eingesetzt hat, nämlich Taufe und Eucharistie, durch die wir beim Gebrauch die Beständigkeit im Glauben, den wir in der Taufe, Kinder zu sein, versprochen haben, beweisen, und zum Gedächtnis der großen Wohltaten, die Jesus Christus durch seinen Tod für unsere Erlösung bewiesen hat, indem er uns mit seinem heiligen Blut gewaschen hat. Deshalb Brüder, weil Gott es wohlgefiel, uns durch seine heilige Schrift zusammenzuführen, und weil wir sein Wort gehört haben, haben wir obige Erklärung verfasst. Wir waren in allem einig und in einem Geist. Wir haben sie öffentlich ergründet, nicht von Menschen, sondern vom Heiligen Geist geführt. Wir bitten beim Innersten der Liebe, dass wir von unserem Auseinandergehen an nicht uneinig sein werden, weder im Lehren, noch in den vorher genannten Ergebnissen, noch in der Auslegung der Schrift. Und wie die Schrift von einem einzigen Geist hervorgebracht wurde, so wollen wir sie auch mit diesem einzigen Geist auslegen.

    Quelle und Anmerkungen:
    (1) Vinay, Valdo: Le Confessioni di fede Valdesi riformati con documenti del dialogo fra „prima“ e „seconda“ Riforma. = Collana della Facolta valdese di theologia, 12 Turin (1975). S. 139-143.
    Zitiert aus Kiefner, Theo: „Die Waldenser auf ihrem Weg aus dem Val Cluson durch die Schweiz nach Deutschland 1532-1755“, Band 1, Göttingen 1986. 2. Auflage, Seiten 342-344.
    (2) Die Resolutionen 3 und 4 fehlen. Hat man sich verschrieben – statt 3. gleich 5. – ?
    II. Das kurze Bekenntnis von Angogna vom 12. Dezember 1532

    Kurzes Glaubensbekenntnis, aufgestellt durch die ministres und Familienchefs der piemontesischen Täler, die am 12. Dezember 1532 in Angrogna versammelt waren.

    Betrifft die Art des Gottesdienstes. Wir glauben, dass der Gottesdienst im Geist und in der Wahrheit gehalten werden muss, denn Gott ist Geist, und wer ihn anbetet, muss ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
    Betrifft die Erwählung. Alle, die gerettet wurden oder es noch werden, hat Gott vor Grundlegung der Welt erwählt.
    Ihr Gelingen. Es ist unmöglich, dass die, die zum Heil verordnet sind, nicht gerettet werden.
    Vom freien Willen. Jeder, der den freien Willen behauptet, verleugnet völlig die Prädestination und die Gnade Gottes.
    Von den guten Werken. Nur das von Gott verordnete Werk ist gut, und nur das von ihm verbotene ist schlecht.
    Vom Schwur. Ein Christ kann beim Namen Gottes schwören, ohne Matthäus 5,24 zuwiderzuhandeln, vorausgesetzt, dass der, der schwört, Gottes Namen nicht umsonst benützt. Dieser ist dann nicht vergeblich benützt, wenn der Schwur zum Ruhm Gottes und zum Heil des Nächsten dient. Man kann vor der Obrigkeit schwören, weil diese in ihrem Amt, sie glaube oder nicht, die Macht von Gott hat.
    Gegen die Ohrenbeichte. Die Ohrenbeichte ist nicht von Gott befohlen, noch durch die Heilige Schrift bestimmt. Die wahre Beichte des Christen ist die, Gott allein zu beichten, dem Ehre und Ruhm gebühren. Es gibt noch eine andere Art von Beichte, wenn einer sich mit seinem Nächsten versöhnt, wovon bei Matthäus und in Johannes 5 gesprochen ist. Eine dritte Beichte ist die, wenn einer öffentlich einen Fehler begangen hat und diesen auch öffentlich bekennt.
    Vom Ruhetag. Am Sonntag sollen wir unsere Handarbeit liegen lassen zur Ehre und zum Ruhm Gottes und aus Liebe zu unseren Bediensteten, und damit wir uns dem Hören des Wortes Gottes zuwenden.
    Gegen die Rache. Dem Christen ist es nicht erlaubt, sich zu rächen, wie das auch geschehe.
    Von der Obrigkeit. Ein Christ kann über andere Christen regieren.
    Vom Fasten. In der Schrift gibt es keine Bestimmungen über das Fasten der Christen.
    Von der Ehe. Die Ehe ist niemand verboten, von welchem Stand und Rang er sei.
    Gegen den Zölibat. Wer die Ehe verbietet, lehrt Teufelsdoktrin.
    Von der Gabe der Enthaltsamkeit. Wer diese nicht hat, soll heiraten.
    Vom Pfarrerwechsel. Die Diener des Wortes Gottes müssen keineswegs von Ort zu Ort wandern, es sei denn von großem Nutzen für die Kirche.
    Von ihren Gütern. Es ist keineswegs unvereinbar mit der apostolischen Kirche, dass die ministres eigenen Besitz für den Unterhalt ihrer Familien haben.
    Von den Sakramenten. Betrifft die Materie der Sakramente. Die Heilige Schrift setzt nur zwei Sakramente fest, die uns Jesus Christus gelassen hat, Taufe und Eucharistie, die wir zum Zeugnis empfangen, dass wir in der heiligen Gemeinschaft, in die wir durch die Taufe eingetreten sind, verharren wollen und zum Gedächtnis des Leidens von Jesus Christus , der für unsere Erlösung gestorben ist und der uns durch sein kostbares Blut von unseren Sünden gewaschen hat.

    Quellen:
    Diterici, W.: „Die Waldenser und ihre Verhältnisse zu dem brandenburg-preußischen Staat.“ Berlin, Posen, Bromberg 1981.
    Zitiert aus Kiefner, Theo: „Die Waldenser auf ihrem Weg aus dem Val Cluson durch die Schweiz nach Deutschland 1532-1755“, Band 1, Göttingen 1986. 2. Auflage, Seiten 344-345.


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