kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Die Flucht vor der Scharia inmitten der Dürrekatastrophe 29. April 2012

Filed under: Islamischer Terror — Knecht Christi @ 18:10

Tuareg-Rebellen haben mit Unterstützung islamistischer Milizen große Teile Malis unter ihre Kontrolle gebracht

 

In Scharen laufen die Malier vor Putschisten und Rebellen davon.

Viele sind nach Niger geflohen!

 Dabei kämpft das Land selbst mit einer verheerenden Dürre.

 

Niamey: „Die Soldaten haben einfach die Waffen weggeworfen und sind weggerannt.“ Lebhaft erinnert sich Nasarata Al Housseini an den Tag, als die Rebellen über ihr Dorf in Nord-Mali herfielen. „Ich habe Schüsse gehört, ich habe Menschen sterben sehen, ich habe furchtbare Dinge beobachtet“, sagt sie und zieht sich ihr blaues Kopftuch tiefer ins Gesicht. Fünf Kinder hat Nasarata und alle sind krank, leiden unter Husten und Unterernährung. Im Arm hält sie ein Baby und unternimmt einen weiteren Versuch, das Mädchen zu stillen. Aber Muttermilch hat sie nicht mehr, dafür ist Nasarata selbst zu schwach. Schon vor Wochen ist sie mit ihrem Mann Mohamed Hamadou aus der Region Menaka ins Nachbarland Niger geflohen. Eine Woche waren sie unterwegs, teilweise auf Eselsrücken. Zwei Kühe und 20 Schafe haben sie an der Grenze zurückgelassen. Nun lebt die Familie in einem provisorischen Flüchtlingscamp in der Nähe des Dorfes Maingaize und schläft unter einer blauen Zeltplane mit der Aufschrift „Unicef“.

 

Als im März kurz nach dem Putsch in der malischen Hauptstadt Bamako und dem darauffolgenden Vorrücken der Tuareg im Norden des Landes die ersten Flüchtlinge in Niger eintrafen, war niemand so recht darauf vorbereitet. Lager gab es nicht. Und die Menschen in Niger kämpften zu diesem Zeitpunkt selbst schon seit Monaten mit einer schweren Dürre und einer drohenden Hungerkatastrophe. Als der Flüchtlingsstrom nicht abriss, kamen die internationalen Hilfsorganisationen. Ärzte ohne Grenzen grub einen Brunnen, das UNO-Flüchtlingskommissariat verteilte Küchenutensilien, Unicef stellte Plastikplanen bereit und das Welternährungsprogramm WFP gibt einmal pro Monat Mais, Reis, Bohnen und Öl aus. Oxfam, World Vision, Plan Niger und einige arabische Organisationen sind ebenfalls aktiv. Mehr als 3600 Menschen sind allein in diesem Camp eingetroffen. Zwei Drittel sind Malier, ein Drittel sind Nigrer, die wegen der Unruhen in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Die Geschichten der Menschen hier ähneln sich – und doch steht hinter jeder Erzählung ein Einzelschicksal. Das Trauma des Erlebten und die Angst vor der Zukunft stehen den meisten deutlich ins Gesicht geschrieben.

 

Aramotoufaye Aliou ist seit dem 5. April auf der Flucht. Ihr Mann, ein wohlhabender Händler, blieb in Mali. Sie stammte aus Gao, einer Stadt, die die Rebellen ebenso wie die anderen strategisch wichtigen Städte Kidal und Timbuktu Ende März im Sturm eroberten, nachdem sich das verunsicherte malische Militär zurückgezogen hatte. Ziel der Tuareg-Kämpfer ist es, im Norden einen eigenen Staat mit dem Namen Azawad zu bilden. Unterstützt wurden sie von islamistischen Splittergruppen, die prompt in den Städten das islamische Recht eingeführt haben – sehr zum Missfallen der meisten Tuareg. Wegen der unübersichtlichen Lage wissen die meisten gar nicht, vor wem sie da eigentlich davongelaufen sind. Sie wissen nur, dass die Rebellen sie mit Gewalt daran hindern wollten, das Land zu verlassen. Aber wer waren die Täter, die auf offener Straße Menschen ermordeten und Frauen belästigten? „Hellhäutig“ seien sie gewesen, so lautet einstimmig der Tenor. „Ich habe keine Ahnung, wer die Leute sind, aber ich habe gesehen, wie sie Mädchen und Frauen vergewaltigt und den Bewohnern ihr Eigentum gestohlen haben“, erzählt Aliou. „In Gao gilt jetzt die Scharia: Die Frauen dürfen nicht einmal mehr anziehen, was sie wollen, und sollen alle ein schwarzes Tuch auf dem Kopf tragen“, erzählt sie. Die Mutter von drei Kindern ist hingegen in einen pinkfarbenen Sari gehüllt und bringt Farbe ins staubige Lagerleben. In den nächsten Wochen soll hier ein Flüchtlingslager entstehen, mit Zelten, organisierten Lebensmittelverteilungen, Hygiene- und Gesundheitseinrichtungen und einer Schule. Denn wie lange die Malier bleiben werden, ist unklar. Aber den Traum, in die Heimat zurückzukehren, haben sie alle. {Quelle: www.tt.com – Von Carola Frentzen, dpa}

 

 

 

 

Tariq Ramadan (50) ist Professor für Islamstudien an der Universität Oxford und Vordenker eines europäischen Islam.

Sein Großvater Hassan al Banna gründete die Muslimbruderschaft in Ägypten.

Ramadan selbst wuchs im Exil in Genf auf.

 Für viele junge Muslime in Europa ist der brillante Redner ein Star.

Kritiker werfen ihm vor, dem Islam nur ein liberales Antlitz verpassen zu wollen.

 

 

 

Korane zu verteilen, ist eine Aktion für die Medien

 

Der Schweizer Intellektuelle Tariq Ramadan über Salafisten,

Schwimmunterricht und seine Rolle im französischen Wahlkampf

 

Warum tragen Sie keinen langen Bart?

Ich glaube nicht, dass die Länge des Bartes die Tiefe des Glaubens anzeigt.

Aber Sie bezeichnen sich selbst als „Reform-Salafi“, also einer Tradition verpflichtet, deren Referenz die Ursprungszeit des Islam ist. Die uns bekannten Salafisten tragen alle einen langen Bart.

Man muss unterscheiden zwischen dem umgangssprachlichen Gebrauch und dem wissenschaftlichen Begriff in der muslimischen Tradition. Salafi bedeutet zunächst: getreu den Quellen des Islam und den ersten drei Generationen von Muslimen. In diesen Generationen haben wir zwei Typen von Salafi: Jene, die literalistisch herangehen und die Texte buchstabengetreu verstehen. Und jene, die sich anschauen, welchen Zweck die Texte hatten. Für sie gibt es keine Texttreue, ohne die Intelligenz und den historischen Kontext zuhilfe zu nehmen. Dazu gehöre ich. Man muss deutlich machen, dass die Literalisten nicht die Einzigen sind, die dem Islam treu sind. Sie stellen eine Richtung dar, die eine sehr enge, begrenzte Lesart vertritt. die ich als extrem problematisch ansehe: Für diese Leute bin ich kein Muslim mehr.

 

In Deutschland hat diese Gruppe gerade viel Aufsehen erregt, weil sie auf den Straßen Korane verteilt. Von der anderen Richtung hört man wenig.

Nein, unsere Strömung ist viel verbreiteter, aber die anderen machen mehr Krach. Sie sind medial sichtbarer, durch ihre Kleidung, den Bart und den Gesichtsschleier, und sie verschreiben sich spektakulären Aktionen. Sie sind attraktiv für junge Menschen die ihre Identität suchen, denn ihre Weltsicht ist simpel, schwarz-weiß. Daher sind sie auch für Konvertiten attraktiv, da muss man aufpassen.

Was halten Sie von der Aktion, kostenlose Koran-Exemplare zu verteilen?

Ich verstehe das als eine clevere Medienaktion. Sie zeigt, dass diese Strömung viel Geld bekommt. Sie wollen sich abgrenzen, nicht in der Gesellschaft engagieren. Damit sind sie die Verbündeten aller populistischen Strömungen in Europa, welche die Andersartigkeit des Islam und der Muslime betonen. Beide Gruppen befeuern sich gegenseitig. Und wir sitzen dazwischen.

 

Aber Sie ermutigen Muslime in Europa doch auch, ihre Traditionen und Kultur nicht zu verleugnen.

Es gibt keinen Widerspruch, sich als Bürger in europäischen Gesellschaften zu engagieren und die verschiedenen Dimensionen seiner Identität zu behalten. Doch. Einige Mädchen aus muslimischen Familien dürfen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen, an der sexuellen Aufklärung im Biologieunterricht oder an Klassenreisen. Der einzige Fall, in dem ich für Verständnis plädiere, ist der Schwimmunterricht. Alles was den Körper betrifft, ist nicht nur religiös, sondern kulturell, und da muss man vorsichtig sein. Dafür kann man eine Lösung finden, ohne dass Deutschland untergeht. Alles andere ist überhaupt kein Problem für Mädchen und für Jungen.

 

Der Islam betont die Pflicht, zu lernen und sich zu bilden. Die Bildungsferne vieler muslimischer Elternhäuser wird in Deutschland als Problem angesehen. Als Ursache wird oft der Islam ausgemacht. Ist das Problem nicht vielmehr, dass viele Muslime ihre Religion nicht kennen?

Viele Muslime in Europa wissen wenig über ihre Religion, und was sie wissen, ist sehr formalistisch, traditionalistisch und nicht sehr tiefgehend: Was ist halal, was ist haram, also: Was ist erlaubt, was ist verboten. Das war’s.

Welche Auswirkungen auf den Islam in Europa werden die Entwicklungen in der arabischen Welt haben, wo islamistische Parteien an die Macht kommen?

Die fundamentale Frage, an der sich das zukünftige Verhältnis Europas zu den mehrheitlich muslimischen Gesellschaften festmachen wird, ist die Beziehung zwischen säkularen und religiösen Gruppen. Die meisten Muslime in Europa haben – anders als oft gesagt wird – die Polarisierung zwischen Laizismus und Religion längst hinter sich gelassen. Diese Erfahrung können wir beitragen. Ich war gerade in Tunesien, und 20 000 Menschen sind gekommen, um mich zu hören. Warum? Sie sehen, dass Glaube und Laizismus und Demokratie zu vereinbaren sind.

 

Seit Mittwoch sind Sie Teil des französischen Wahlkampfs. Präsident Nicolas Sarkozy hat Ihnen in den Hauptnachrichten im Fernsehen vorgeworfen, Sie hätten ihre Anhänger – unter jungen Muslimen in Frankreich sind Sie sehr populär – dazu aufgerufen, für den Sozialisten François Hollande zu stimmen. Beweise dafür sind nicht zu finden. Will sich Sarkozy damit die Stimmen der Front National sichern?

Ja, das ist reine Instrumentalisierung. Als Reaktion darauf habe ich heute Morgen von Berlin aus in meinem Blog dazu aufgerufen, Nicolas Sarkozy im zweiten Wahlgang zu wählen – das ist natürlich als Scherz gemeint. {Quelle: www.pnn.de  –  Das Gespräch führte Andrea Nüsse}

 

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