kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Die vieldiskutierte Übersetzung der 6. Vaterunser-Bitte 25. Februar 2018

Filed under: Spiritualität — Knecht Christi @ 16:54

Trierer Bischof Stephan Ackermann geht im Fastenhirtenbrief auf die derzeit vieldiskutierte Übersetzung der sechsten Vaterunser-Bitte ein.

 

 

 

 

 

 

„Mit Jesus ‚Vater unser‘ beten“

 

 

 

 

 

 

 

Trier (kath.net/pbtkath.net: 

dokumentiert den Fastenhirtenbrief 2018 des Trierer Bischofs Stephan Ackermann, „Mit Jesus ‚Vater unser‘ beten“, in voller Länge:

Liebe Schwestern und Brüder im Bistum Trier,

wir stehen wieder am Beginn der vierzigtägigen Vorbereitungszeit auf Ostern. Das Evangelium des ersten Fastensonntags erzählt davon, dass der Geist Gottes Jesus vor Beginn seines öffentlichen Wirkens in die Wüste treibt, wo er vom Satan in Versuchung geführt wird. Vielleicht hören wir das Evangelium über die Versuchung Jesu dieses Mal mit einer besonderen Aufmerksamkeit. Denn seitdem Papst Franziskus sich bei einem italienischen Fernsehsender zur sechsten Bitte des Vaterunsers geäußert hat, wird darüber diskutiert, wie diese Gebetsbitte Jesu zu verstehen ist.

 

 

 

 

 

 

Während wir im Deutschen, aber z. B. auch im Englischen und im Italienischen beten: „und führe uns nicht in Versuchung“, zieht der Papst die Formulierung vor: „und lass uns nicht in Versuchung geraten“. Sie entspräche mehr dem Gott, den Jesus Christus verkündet hat, so der Papst. Angeregt durch diese Diskussion haben mich in den letzten Wochen eine Reihe von Mails und Briefen erreicht, in denen Menschen mir zum Teil sehr persönlich von ihrer Gebetserfahrung und von ihrem Gottesbild berichtet haben.

Einige teilen die Ansicht des Papstes, die Bitte umzuformulieren, und so die Barmherzigkeit Gottes herauszustellen, zu dem es nicht passe, dass er die Menschen in Versuchung führt. Andere wiederum baten, mich dafür einzusetzen, dass diese Bitte nur ja nicht verändert und das Vaterunser leichtfertig „geglättet“ werde. Auch aus ökumenischer Sicht ist diese Frage gut zu bedenken, beten wir doch im Deutschen über die Konfessionsgrenzen hinweg mit denselben Worten.
WEITER: http://kath.net/news/62819

 

 

 

 

 

 

Kommentar von „Kopten ohne Grenzen

 

 

 

 

 

Eine gute Stellungnahme des Bischofs Ackermann zur 6. Vater-unser-Bitte. GOTT führt uns in Versuchung allein durch seine Schöpfung. Allein die verschiedenartige Geschlechtlichkeit führt die Menschen in Versuchung, die Sünde, die nicht Gott geschaffen hat, aber die sich aus der Geschöpflichkeit ergibt, weil Neid, Hass, Unrecht, Diskriminierung, Mobbing, Diebstahl, Ehebruch, Stolz und andere Sünden existieren. Die materielle Beschaffenheit der Welt, durch Gott gewirkt und geschaffen ist in sich bereits Dauerversuchung. Auch die Bibel gibt Gott als Versucher aus, aber immer im positiven Sinne.

 

 

 

Während Satan den Menschen versucht, um seine Seele in den Abgrund zu reißen, versucht Gott den Menschen, um ihn aus seinem sündigen Leben herauszureißen, ihn durch die Versuchung stärker zu machen. Jesus kennt die Menschen. Sie haben Angst vor ihrer eigenen Courage. Die Schöpfung GOTTES birgt die Theodizee-Frage, die uns Gläubige immer auf der Seele brennt, in sich. An dieser Frage können Menschen im Glauben an Gott irre werden. Nicht jeder heißt Hiob. Nicht jeder hat die Kraft, diesen Prüfungen und nichts anderes sind die „Versuchungen“ widerstehen zu können. Darum ist das Kreuz die Hoffnung für Christen. Darum ist der GOTT am Kreuz bereits die Hoffnung für Menschen, die so leicht an der Theodizee-Frage scheitern. Der GOTT des Ecksteins ist eine Provokation.

 

 

 

Darum wäre es falsch, die 6. Vater-unser-Bitte zu ändern. Die Frage darüber aufzuwerfen war richtig, damit wir Menschen uns bewusst machen, dass wir in einer rauen Welt der Versuchungen leben. GOTT möge dies verhindern. Wir bitten darum, nicht an GOTT irre zu werden, nicht an der Theodizee-Frage zu scheitern. Die Gefahr ist latent vorhanden. Machen wir uns da nichts vor.

 

 

Ja, wir können die Bitte JESU „und führe uns nicht in Versuchen“, an Dir, oh Gott, irre zu werden, anfügen in unserem Herzen. Diese Bitte bewusst in diesem Sinne auszusprechen, rückt Gott nicht ins schlechte Licht, sondern eher uns, weil wir es nicht schaffen, zu glauben und Vertrauen in GOTT zu haben.

 

 

Eine kleine Anmerkung zur obigen Stellungnahme von Bischof Ackermann ist dennoch zu treffen: Jesus wusste, die ganze Zeit über, dass der VATER ihn nicht verlassen würde. Wir dürfen das oben im Artikel zitierte Wort Jesu am Kreuz nicht isoliert betrachten, denn ER hat ja bereits seinen Feinden vergeben. ER hat ja bereits die Mutter in die Hände seines Apostels Johannes übergeben. Unseres Erachtens hat er diese Worte am Kreuz erwählt, weil er auf den Psalm 22 hinweisen wollte. Wenn wir diesen Psalm lesen, erkennen wir viele Elemente, die JESUS erlitten hat.

 

 

 

 Gottverlasssenheit und Rettung des todgeweihten Armen

 

 

Für den Chormeister. Nach der Weise Hinde der Morgenröte. Ein Psalm Davids. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bleibst fern meiner Rettung, den Worten meines Schreiens? Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; und bei Nacht, doch ich finde keine Ruhe. Aber du bist heilig, du thronst über dem Lobpreis Israels.

 

Dir haben unsere Väter vertraut, sie haben vertraut und du hast sie gerettet. Zu dir riefen sie und wurden befreit, dir vertrauten sie und wurden nicht zuschanden. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet. Alle, die mich sehen, verlachen mich, verziehen die Lippen, schütteln den Kopf: Wälze die Last auf den HERRN! Er soll ihn befreien, er reiße ihn heraus, wenn er an ihm Gefallen hat!

 

Du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog, der mich anvertraut der Brust meiner Mutter. Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, vom Mutterleib an bist du mein Gott. Sei mir nicht fern, denn die Not ist nahe und kein Helfer ist da! Viele Stiere haben mich umgeben, Büffel von Baschan mich umringt. Aufgesperrt haben sie gegen mich ihren Rachen, wie ein reißender, brüllender Löwe.

 

Hingeschüttet bin ich wie Wasser, gelöst haben sich all meine Glieder, mein Herz ist geworden wie Wachs, in meinen Eingeweiden zerflossen. Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe, die Zunge klebt mir am Gaumen, du legst mich in den Staub des Todes. Denn Hunde haben mich umlagert, eine Rotte von Bösen hat mich umkreist. Sie haben mir Hände und Füße durchbohrt.1

 

 

 Ich kann all meine Knochen zählen; sie gaffen und starren mich an. Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand. Du aber, HERR, halte dich nicht fern! Du, meine Stärke, eile mir zu Hilfe! Entreiß mein Leben dem Schwert, aus der Gewalt der Hunde mein einziges Gut! Rette mich vor dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern der Büffel! – Du hast mir Antwort gegeben. Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, inmitten der Versammlung dich loben.

Die ihr den HERRN fürchtet, lobt ihn; all ihr Nachkommen Jakobs, rühmt ihn; erschauert vor ihm, all ihr Nachkommen Israels! Denn er hat nicht verachtet, nicht verabscheut des Elenden Elend. Er hat sein Angesicht nicht verborgen vor ihm; er hat gehört, als er zu ihm schrie. Von dir kommt mein Lobpreis in großer Versammlung, ich erfülle mein Gelübde vor denen, die ihn fürchten.

Die Armen sollen essen und sich sättigen; den HERRN sollen loben, die ihn suchen. Aufleben soll euer Herz für immer. Alle Enden der Erde sollen daran denken/ und sich zum HERRN bekehren: Vor dir sollen sich niederwerfen alle Stämme der Nationen. Denn dem HERRN gehört das Königtum; er herrscht über die Nationen. Es aßen und warfen sich nieder alle Mächtigen der Erde. Alle, die in den Staub gesunken sind, sollen vor ihm sich beugen. Und wer sein Leben nicht bewahrt hat, Nachkommen werden ihm dienen. Vom Herrn wird man dem Geschlecht erzählen, das kommen wird. Seine Heilstat verkündet man einem Volk, das noch geboren wird: Ja, er hat es getan“.

 

 

 

 

Die hervorgehobenen Stellen dieses Psalms machen uns deutlich, dass der HERR am Kreuz sich seines Erlösungswerkes voll bewusst war und er dieses Erlösungswerk aus eigenem Wollen als GOTT, vom Psalmisten prophetisch vorausgesehen, in vollem Bewusstsein bis zum Tod am Kreuz erfüllen wollte.

ER sah sich als der König, der herrschen wird über die Nationen, sagte er nicht vor Pilatus, dass SEIN Reich nicht von dieser Welt sei?

 

 

JESUS wusste, dass der VATER IHN nicht verlassen hatte, vielmehr wollte ER diesen Psalm in Erinnerung rufen zur Erinnerung an die Erfüllung prophetischen Denkens. 

 

4 Responses to “Die vieldiskutierte Übersetzung der 6. Vaterunser-Bitte”

  1. Selena Says:

    Hat nicht direkt mit dem Bericht oben zu tun, ich finde es aber immer wieder wichtig, sich über Grundsätze in unserem christlichen Glauben immer wieder intensive Gedanken zu machen .

  2. strafjustiz Says:

    >Notiz an die Moderationsredaktion: Ich schreibe ständig Kommentare, die dann verschwinden > von Ihnen gelöscht werden. Bitte Replik dazu > adoerflinger@gmx.ch 25.02.18.

  3. andreas Says:

    Werter KoG-Betreiber, falls Sie Kopte sind, würde es mich interessieren, wie denn dieser herausgestellte Vater-Unser-Satz (u. ergänzender Folge-Halbsatz) in koptischer u.o. arabischer Sprache formuliert wird?

    Rein von der „Liebeslogik“ her würde ich ausnahmsweise dem Papst sogar recht geben, mir kam diese Formulierung auch immer irgendwie „blasphemisch-widersinnig“ vor. Warum sollte Gott jemanden willentlich in Versuchung führen, willkürlich „in die Falle stolpern“ lassen wollen?
    Da würde mir ja Gott fast ebenso viel Angst machen wie Satan, wie könnte ich da überhaupt noch unterscheiden zwischen gut u. böse, wer mir wohlgesonnen u. wer feindlich ist?
    Ein Kind fährt mit dem Fahrrad, macht in einer kleinen Unaufmerksamkeit einen folgenschweren Fehler u. übersieht ein abbiegendes Auto o. eine rote Ampel u. wird Unfallopfer. Vielleicht hatte es seine Mutter gewarnt, nicht auf der Straße zu fahren, vielleicht war das Kind temperamentvoll-übermütig o. leicht ablenkbar. Sollte nun Gott oder der „Zufallsteufel“ hier gewirkt haben, um dem Kind eine „Lektion fürs Leben“ zu erteilen (sofern es nicht zu Tode gekommen ist)?
    Für Kinder, Jugendliche und alle nicht so abstrakt-theologisch-philosophisch“ denkenden gläubige Menschen, also der absoluten Masse dürfte es sehr schwierig sein, ihren positiven (und vielleicht zu gutmütig-naiven) Gottesglauben beizubehalten, wenn sie ständig fürchten müssten, nicht nur vom Teufel sondern noch raffinierter von Gott selbst verführt werden zu können?
    Ich will mir da kein abschliessendes Urteil erlauben, sind nurmal meine persönlichen Empfindungen/Gedanken zu dieser Thematik.
    Jedenfalls landet man sicherlich nicht in der Hölle, wenn man diesen einen Satz so umformuliert wie es der Papst anempfiehlt und wie er eigentlich doch auch Gott gefallen müsste, oder irre ich mich hier kolossal?

  4. Johannes Says:

    Vor dem jüdischen Hintergrund muss diese Passage so lauten:

    Und vergib uns unere Schuld, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben h a b e n . (Das wäre die logische Bedingung, um GOTTES Vergebung zu erhalten!)

    Und führe uns in der Versuchung und erlöse uns von dem Bösen. (GOTT versucht niemanden – auch wenn es Ausnahmen gegeben hat: Abraham, Hiob …


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