kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Dialog zwischen Vatikan und Al-Azhar 26. Februar 2017

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 21:49

Ägypten: Al-Azhar-Kongress über Laizität und Diversität

 

 

 

 

Initiative von Großimam al-Tayyeb – Auch Dialog zwischen Vatikan und Al-Azhar kommt wieder in Fahrt – Delegation des Päpstlichen Dialograts bei Event in Erinnerung an historische Visite von Johannes Paul II. bei der islamischen Universität.

 

 

 

 

Wien-Kairo (kath.net/KAP): Die Al-Azhar-Universität in Kairo veranstaltet kommende Woche einen interreligiösen Kongress, der sich mit den Fragen der Laizität des Staates, der Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesetz sowie dem „Respekt für die Diversität“ beschäftigen wird. Die Initiative für den Kongress ging von Großimam al-Tayyeb aus, wie die Stiftung „Pro Oriente“ am Mittwoch berichtet.

 

Unter den Teilnehmern werden der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Boutros Rai, der griechisch-katholische melkitische Patriarch Gregorios III. Laham und der libanesische sunnitische Mufti Abd-el-Latif Deriane sein. Möglicherweise wird auch der libanesische Staatspräsident Michel Aoun – das einzige christliche Staatsoberhaupt des arabischen Raumes – teilnehmen. Weiters nimmt der Ko-Direktor des Wiener König-Abdullah-Dialogzentrums KAICIID, Mohammad Sammak, teil.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar von „Kopten ohne Grenzen

 

 

 

Ein Artikel, der in der Zielrichtung eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen dem Islam und den anderen Religionen, insbesondere dem Christentum nach außen hin zum Ziel haben soll. Uns geht es jedoch weniger um die Teilnehmer, die zu diesem Kongress  eingeladen sind, als um die wenigen inhaltlichen Nebenbemerkungen wie z. B.:

„…Im Vatikan wird in diesem Zusammenhang bedauert, dass ein herausragender Al-Azhar-Absolvent, Scheich Mohammed Mohammed Nasr Abdallah, nicht als Imam zugelassen wird, weil er fortschrittliche Auffassungen vertritt und öffentlich z.B. die Verschleierung der Frauen, die im islamischen Recht vorgesehenen Körperstrafen und den Dschihad verurteilt. Der Scheich gehörte zu einer Gruppe islamischer Theologen, die im November 2015 nach Paris fuhr, um das Mitgefühl angesichts der Bluttaten der IS-Terroristen zum Ausdruck zu bringen.

 

Und genau das gibt im Grunde schon die Richtung vor, welche von der Al-Azhar-Uni letztlich angestrebt wird. Da werden innerislamische Kritiker erst überhaupt nicht zugelassen. Da trifft orthodoxer Islam auf eine Christenschar, die im Grunde – vorbehaltlich des Abschlusspapiers, welches dieser interreligiöse Kongress in die Welt setzt – von der Harmonisierung der Religionen innerlich erfüllt ist, während die andere Seite, die islamische Seite wie immer nur ein Ziel haben kann, durch diesen Kongress wieder die eigene Position zu stärken.

 

 

 

Die christlichen Teilnehmer sollten peinlich darauf achten, dass sie nicht als Steigbügelhalter benutzt werden, um sich wieder von islamischem Elitärdenken – welches nach islamischer Denkweise gottgegeben ist –  einlullen zu lassen, um dann letztendlich ein Wohlfühlabschlussdokument zu produzieren, an das sich eh niemand in der Praxis halten wird.

 

Der Kongress hat nur dann eine Chance, wenn endlich Ehrlichkeit, Echtheit und Klarheit in der Wahheit der Leitfaden ist, der den Geist dieser Veranstaltung prägen sollte. Wenn da wieder nur religionsdiplomatische Höflichkeiten ausgetauscht werden, so kann sich dieser Kongress letztlich als überflüssig wie schädlich für diejenigen erweisen, die unter der Knute der Islamherrschaft zu leiden haben.

Hier wäre eine Chance gegeben, die auch die Diversität, und zwar die diskriminierende und ausgrenzende bis hin zur hasserfüllten Diversität, die die islamischen Doktrin eben mit sich bringen, deutlich zur Sprache bringt. Ansonsten haben wieder die gewonnen, die solche Kongresse nur für die eigene Machtfülle instrumentalisieren.

 

 

 

 

Und wenn wir uns dann den Veranstalter etwas, den Großimam al-Tayyeb,  anschauen, dann lassen wir doch einfach einmal Herrn Hamed Abdel-Samad im Cicero zu Wort kommen:

 

Imam al-Tayyeb – Kein glaubwürdiger Dialogpartner

 

 

Dort schreibt der Autor:

Und dennoch habe ich zum Thema Dialog etwas gesagt. Ein wahrer Dialog muss ehrlich und aufrichtig sein, gelegentlich auch schmerzhaft. Gegenseitiges Lob und Ausführungen über gemeinsame Feste und ähnliche Rituale helfen niemandem. Respekt bedeutet nicht, meinen Dialogpartner von Kritik zu verschonen, sondern ihm zuzutrauen, dass er meine Kritik gut einsteckt und darüber nachdenkt. So gesehen ist die Ringparabel nicht das, was wir heute brauchen, denn es geht nicht darum, dass alle drei Weltreligionen Recht haben, sondern es geht um das Unrecht, das weltweit im Namen der Religion geschieht.

 

 

 

 

 

 

Und über den einladenden Veranstalter Imam al-Tayyeb sagt er:

An diese Veranstaltung von Wien dachte ich, als der Großscheich von Al-Azhar Mitte März im deutschen Bundestag eine Rede hielt und dort behauptete, der Islam sei eine friedliche Religion, bei der die Gleichberechtigung von Mann und Frau verankert sei. Ein Beweis für die Toleranz des Islam sei, dass Atheisten in Ägypten frei leben können und keine Verfolgung befürchten. Bei keiner dieser Behauptungen sagte der höchste Imam der Sunniten die Wahrheit. Und hier werde ich keine Passagen aus dem Koran zitieren, die die Aussagen des Scheichs widerlegen, sondern die Haltung der Al-Azhar selbst zum Christentum, zur Freiheit, zur Religionskritik diskutieren.

 

Im November hielt der Großscheich eine Rede bei einer internationalen Konferenz der sunnitischen Prediger in Luxor. Dort sagte er, der Westen musste im Mittelalter, als er eine starke Bindung zum Christentum hatte, zerfallen. Er prosperierte erst, als er sich gegen das Christentum wandte. Dagegen seien Muslime kreativ und auf allen Feldern der Wissenschaften produktiv gewesen, als sie eine Bindung zum Text des Korans hatten, und erst schwach würden, als sie sich von den Fundamenten des Islams entfernten. Das ist auch der Grund, warum der Imam und seine Institution sich für die Einführung der Scharia inklusive Körperstrafe und für die Wiederherstellung des islamischen Kalifats einsetzen.

 

 

 

 

 

 

 

Ägyptische Islam-Kritiker werden mit Haftstrafen mundtot gemacht
 

Der Imam liegt mit seiner Einschätzung nicht nur falsch, sondern wiederholt die gleiche verkürzte Narrative von Osama Bin Laden und Abu Bakr Al-Baghdadi.

 

 

 

Al-Azhar hat sich immer dafür stark gemacht, dass jede Kritik am Islam juristisch verfolgt wird? Es waren Fatwas der Al-Azhar-Gelehrten, die zur Hinrichtung des sudanesischen  Religionsreformer Mahmoud Taha im Jahre 1985 führten. Sein Verbrechen war, dass er die Gewaltpassagen im Koran als nicht mehr gültig erklärte. Ähnliche Fatwas aus Al-Azhar waren ebenfalls für die Ermordung des ägyptischen Denkers Farag Fouda in 1992 in Kairo verantwortlich. Allein in den letzten drei Monaten mussten zahlreiche Ägypter wegen Kritik an islamischen Gelehrten ins Gefängnis, darunter die Dichterin Fatma Naout und der Religionsreformer Islam El-Beheri. Vier minderjährige Kopten wurden in Südägypten zu fünf Jahren Haft verurteilt, nur weil sie IS-Kämpfer beim Gebet nachahmten.

Ende des Artikelausschnitts

 

Wir denken, jeder der Teilnehmer diesen Cicero-Artikel erst lesen sollte, wenn er an diesem „interreligiösen Kongress“ teilnimmt.

Wer wie der Großimam letztlich den orthodoxen Islam als friedlich einstuft und wer als christlicher Teilnehmer nicht gedenkt, an den Grundfesten der Diversität respektvoll auch elementar Kritisches zum  Islam vorzutragen, kann sich die Teilnahme an dieser Friede-Freude-Eierkuchen-Veranstaltung schenken. Ja, es muss Kritik an den Gewaltpassagen des Koran geübt werden. Es muss Kritik am Gottesbild und auch am Propheten und eben auch an der Ausführung der islamischen Religionspraxis, die sich aus diesem Buch speist, geübt werden. Wer das nicht fertigbringt, sollte fernbleiben.  Das wäre verlorene Zeit.

 

 

 

Noch ein Nebensatz des Bezugsartikels:

„Bei dem Dialogseminar wollen Heiliger Stuhl und Al-Azhar-Universität gegen Fanatismus, Extremismus und Gewalt im Namen der Religion vorgehen.“

 

Auch hier wieder ein Ansatz, der völlig fehl geht. Zurzeit geht ausschließlich vom politischen Islam Fanatismus, Extremismus und Gewalt aus. Das Gesprächsziel ist im Grunde schon verraten. Indem das Ziel, dass alle Religionen Gewaltpotential haben, obwohl im Thora- Judentum und im Christentum eben die fanatische Gewalt heute völlig abgelehnt wird, wird bei der Formulierung dieses Ziels die Schuld wieder auf alle Religionen verteilt, so dass sich die Islam-Größen wieder beruhigt zurücklehnen können. Aber genau das ist falsch.

Hier müssen Ross und Reiter in der heutigen Zeit genannt werden. Althergebrachte Schuld der Kreuzzüge (die von ihrer Intention her keine Schuld mit sich brachten) dürfen keine Rolle mehr spielen. Hier muss Klartext gesprochen werden, welche „heiligen Bücher“ göttlicherseits Gewalt noch heute und für alle Zeiten legitimieren und welche nicht oder durch jahrhundertealte Exegese nicht mehr.

 

 

Der Großimam ist ein sunnitische Geistlicher, der im Grunde die gleichen Ansichten vertritt wie der Radikalislam auch, der die Scharia als einziges rechtsbildendes Element im Zusammenleben von Menschen zulässt.

 

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