In pakistanischen Schulbüchern lassen sich zahlreiche Aufforderungen zu Hass und Intoleranz gegenüber Nicht-Muslimen nachweisen.
Zu dieser Erkenntnis gelangt eine pakistanische Menschenrechtsgruppe durch eine neue Studie.
Staatlich anerkannte Schulbücher und Lehrpläne in Pakistan stecken voller Aufforderungen zu Hass und Intoleranz gegenüber Nicht-Muslimen. Das hat eine Studie herausgefunden, die von der Menschenrechtsgruppe „Nationale Kommission für Gerechtigkeit und Frieden“ in der pakistanischen Stadt Lahore veröffentlicht wurde.
„Es geht nicht ausschließlich um religiöse Minderheiten“, sagte laut der Nachrichtenseite AsiaNews die Geschäftsführerin der Menschenrechtsgruppe, Cecil Shane Chaudhry. Es sei ein Thema von nationaler Tragweite. Diese Studie soll der Regierung als rote Warnflagge dienen. Die Kirche müsse Minderheiten fördern, indem sie deren gesellschaftliche Rolle im Land überhaupt zulasse und dann auch verteidige.
Die 40-seitige Studie besagt, dass Lehrpläne in allen vier pakistanischen Provinzen benutzt werden, die für den Anstieg von Gewalt, religiösem Fanatismus und Extremismus verantwortlich sind. Die Studie untersuchte die Auswirkung islamischer Texte auf die Gesellschaft. Dafür betrachtete sie die Effekte, die diese Texte auf Schüler haben. Außerdem analysierte die Studie die pakistanischen Bildungsreformen der vergangenen Jahre.

Verdrehung historischer Tatsachen
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Nachzeichnung von Menschenrechtsverletzungen durch die Bildungspolitik und das Schulsystem in Pakistan. Die Studie zeigt, wie historische Tatsachen verdreht werden. „Als ich sechs Jahre alt war, las ich über meinen Vater, der ein Pilot war, im Schulbuch“, erzählte Chaudhry. Sie sei sehr stolz gewesen. Später, als sie die Hochschule besuchte, sei der Name ihres Vaters, wie der anderer nicht-muslimischer Helden, aus den Schulbüchern verschwunden. „Da schrillten bei mir die Alarmglocken“, erinnerte sich Chaudhry.
Pakistan und Afghanistan sind die einzigen beiden südasiatischen Länder mit verpflichtender islamischer Bildung, die andere Religionen vom Lehrplan ausschließt. Katholische Pädagogen fordern seit 2006 Reformen im Bildungssektor. In den Schulbüchern gab es dieses Jahr zum ersten Mal ein Kapitel über die gesellschaftliche Rolle von religiösen Minderheiten. Laut der Studie fördern aber immer noch 74 Prozent der Schulbuchinhalte Militanz und Hass.
Als Beispiel nennt die Studie ein Geschichtsbuch, das in der Region um die pakistanische Stadt Peschawar im Unterricht eingesetzt wird. In Peschawar befindet sich ein Zentrum des Taliban-Extremismus. „Die Engländer übernahmen die Macht von den Muslimen in Pakistan, weil sie diese als wahre Feinde ansahen“, steht auf Seite 85 des Buches. Sie hätten den Muslimen alle Möglichkeiten auf Bildung verbaut und sie so zum kämpferischen Widerstand aufgefordert. „Christliche Pastoren haben mit Gewalt Menschen zum Christentum bekehrt“, heißt es weiter.

Bärte länger geworden, Menschlichkeit verschwindet
„Unsere Schulbücher sind voller persönlicher Meinungen, die nichts mit dem Islam zu tun haben“, findet der muslimische Abgeordnete Asma Bukhari. Die Bärte der Menschen seien zwar länger geworden, aber die Menschlichkeit verschwinde aus der Gesellschaft. Das treffe vor allem die Frauen. Bukhari empfindet es als Schande, wenn sich Terroristen mit dem Ausspruch „Allah ist groß“ in die Luft sprengen.
Auch der Gründer der südasiatischen Gesellschaft für die Zusammenarbeit mit Pakistan, Mohammad Tahseen, lobt die Studie der Menschenrechtsgruppe: „Dieser Bericht muss überall geteilt und verbreitet werden.“ Das sei mehr als eine akademische Arbeit. Die Studie zeige, dass im pakistanischen Bildungssystem nicht Dichter oder Heilige, sondern Waffen schwingende Krieger verehrt würden.
