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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Broder über Günter Grass: „Hängt ihn tiefer“! 28. April 2015

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 11:38

Es ist ein alter Brauch, über Tote nur gut zu reden. Schon die Römer sagten: „De mortuis nihil nisi bene“.

 

Deswegen wird nirgendwo mehr gelogen als in Nachrufen. Jeder kleine Despot, der seine Frau und seine Kinder quälte, verwandelt sich in einen „liebevollen Familienvater“; jeder Versager hatte, kaum dass er tot ist, „ein erfülltes Leben“. Wie man Trauer inszenieren kann, haben wir zuletzt nach dem Ableben des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il erlebt. Ein ganzes Volk wollte nicht mehr leben, weil der „geliebte Führer“ nicht mehr da war.

 

 

Verglichen damit sind die Reaktionen auf den Tod von Günter Grass harmlos, wenn auch nicht weniger verlogen.

 

 

In „aspekte“, dem Kulturmagazin des ZDF, wurde Grass zum „Vater der Nation“ gesalbt, er sei ein „homo politicus“ gewesen, nur mit Grass im Rücken habe Willy Brandt seine Ostpolitik durchsetzen können, sogar Brandts Kniefall in Warschau sei von Grass „literarisch vorbereitet“ worden.

Grass habe auch einen maßgeblichen Anteil daran gehabt,

dass Gerhard Schröder den Amis im Irak-Krieg die Gefolgschaft verweigerte.

 

Das ist so gaga und überzeichnet, dass nicht einmal das Gegenteil richtig wäre. Solche Lobgesänge zeugen nicht von Grassens Größe, sondern von dem Bedürfnis seiner Fans, sich einen Heiligen zu erschaffen, den sie anbeten können. Den Supernachruf auf Günter Grass hat allerdings kein Literaturkritiker verfasst, sondern unser Außenminister, Frank-Walter Steinmeier. Er schrieb: „Mit dem Tod von Günter Grass hat Deutschland einen seiner ganz Großen verloren. Eine Vaterfigur für die erwachsen werdende Bundesrepublik, an der sich viele gerieben haben – besonders die, die das Vergangene möglichst schnell vergessen machen wollten. Er wird uns fehlen als Schriftsteller, als Bildhauer, als Mahner, Warner und Visionär. Lieber Günter, halte Dein kritisches Auge auf uns“.

 

Ich habe Steinmeier keine Vollmacht erteilt, Grass zu bitten, ein „kritisches Auge auf uns“ zu halten.

Mir wäre es unangenehm, von ihm beäugt zu werden. Ich habe mich auch nicht an Grass „gerieben“, und im Gegensatz zu Steinmeier und „aspekte“ halte ich Grass weder „für einen ganz Großen“ noch für eine „Vaterfigur“.

 

 

 

 

Also: Hängt ihn tiefer!

 

Grass war ein schwadronierender Langweiler, ein geschwätziger Wortakrobat, der blutleere Figuren nach seinem Abbild formte. Er hat so geschrieben, wie ältere Damen ihren Nachmittagskaffee trinken – mit abgespreiztem kleinen Finger. Auch Kritiker, die ihn in den Himmel lobten, gaben unter vier Augen zu, dass sie Mühe hatten, seine Bücher von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen. Ihn einen „ganz Großen“ zu nennen, ist eine Beleidigung für Erich Maria Remarque, Heinrich Mann, Oskar Maria Graf, Hans Fallada und viele andere deutsche Dichter. Von den Klassikern der modernen Literatur wie Mark Twain, Victor Hugo und Jules Verne nicht zu reden.

 

 

 

 

Dass Grass mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt wurde, bedeutet gar nichts. Wenn Arafat und Obama mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden konnten, dann hat auch Grass den Literaturnobelpreis verdient. Sein Engagement, von dem in den letzten Tagen so oft die Rede war, war vor allem ein Engagement für sich selbst. Alles, was Grass in seinem Leben als „homo politicus“ jemals riskierte, war eine Einladung ins Bundeskanzleramt.

Der große „Warner und Visionär“, die „moralische Instanz“, die angeblich jenen ein Dorn im Auge war, die das Vergangene möglichst schnell vergessen machen wollten, hatte sein eigenes Gastspiel bei der Waffen-SS vergessen. Die deutsche Teilung war ihm die gerechte „Strafe für Auschwitz“, die DDR kein Unrechtsstaat, sondern eine „kommode Diktatur“. Er konnte so dröhnen, weil er „die Strafe für Auschwitz“ nicht in der DDR, sondern in der kommoden Bundesrepublik absitzen konnte, deren Kulturbanausen solche Narreteien mit Applaus belohnten.

 

Möge er nun in Frieden ruhen und der Allmächtige seinen Nachrednern vergeben.

{Quelle: http://www.bild.de/politik/inland/henryk-m-broder/haengt-ihn-tiefer-40688582.bild.html}

 

4 Responses to “Broder über Günter Grass: „Hängt ihn tiefer“!”

  1. te'oma Says:

    Ich war, nachdem ich als Jugendlicher, den Film die Blechtrommel gesehen habe, von diesem Irren
    bedient. Ich habe mir damals gedacht, wer so ein Buch schreibt, kann doch nicht mehr ganz dicht sein.

    Hier ein Auszug:

    Oskar wird getauft, doch weicht das Böse in ihm, welches er als Teufel definiert, nicht. Trotzdem bekehrt er sich zum Katholizismus und findet großen Gefallen an der prunkvollen Ausstattung der Kirche. Am meisten fasziniert ihn eine Gipsdarstellung von Jesus. Sie zeigt Maria, wie sie Jesus in den Armen hält. Oskar ist so verblüfft von der Ähnlichkeit zwischen ihm und der Figur, dass er ihr seine Trommel umhängt. Er möchte Jesus trommeln hören, doch geschieht nichts. Er wird wütend und versucht ergebnislos, die Scheiben der Kirche zu zersingen. Weinend bricht Oskar zusammen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Blechtrommel

  2. wolfsattacke Says:

    Man braucht das Soldatenleben von Günter Grass als Soldat der Waffen-SS nicht als anstößig empfinden, da die Waffen-SS bis auf wenige unangenehme Einzelfälle, z.B. durch die Kampfgruppe Dirlewanger oder Kaminski eine ganz normale Armee war, eben Soldaten wie andere auch, welche von ehemaligen Feinden hochgelobt werden….nur von vielen unserer Landsleute nicht.

  3. te'oma Says:

    Hier noch mein Auszug aus der Blechtrommel, auch hier sieht man, das Grass einfach nur nicht mehr
    ganz dicht war und diesen Irrsinn halten dann manche Mennschen, für einen hohen Interlekt.

    Der Alltag nimmt seinen gewohnten Lauf, bis Maria die Nachricht ereilt, dass noch einer ihrer Brüder verstorben ist. Betroffen vom Verlust sucht sie Halt im Protestantismus, doch er reicht ihr nicht, und so sucht sie bald eine katholische Kirche mit Oskar auf. Dies eröffnet Oskar die Möglichkeit für ein Wiedersehen mit der Nachbildung Jesu als Baby. In einem unbeobachteten Moment hängt er ihr wieder seine Trommel um, doch dieses Mal, um sich über die Gipsfigur lustig zu machen. Er kullert sich vor Lachen auf dem Boden, plötzlich aber vernimmt er ein Trommeln. Die Figur trommelt. Als Jesus ihn fragt, ob er ihn liebt, gibt ihm Oskar ein klares „Nein“ zur Antwort. Außer sich vor Wut nimmt er Jesus seine Trommel ab und bricht ihr absichtlich einen ihrer Gipszehen ab. Seit dieser Offenbarung zieht es Oskar jede Nacht in die Kirche. Auf seinem Weg zersingt er alles, was aus Glas besteht. Er macht vor keinem Fenster halt, nicht einmal vor den Straßenlampen. Die Jesusfigur trommelt aber nicht mehr für Oskar.

    Als er eines Nachts wieder unterwegs ist, trifft er auf eine Diebesbande, welche sich „die Stäuber“ nennt. Diese Bande besteht ausschließlich aus Kindern und Jugendlichen. Nach einer Machtdemonstration seiner Stimme wird Oskar in die Gruppe aufgenommen. Innerhalb der Gruppierung nennt sich Oskar Jesus. Mit ihm an der Spitze der Stäuber wächst ihr Diebesimperium. Innere Spannungen aber rufen eine Spaltung hervor. Der eine Teil beginnt sich politisch zu engagieren, während der andere Teil mit Oskar zusammen pseudoreligiöse Anwandlungen entwickelt. So steigen sie eines Nachts in die Kirche, um die Figuren zu entwenden, die Polizei kommt ihnen aber zuvor. Die gesamte Bande wird zu einer Strafe verurteilt, doch Oskar kann sich retten, indem er vor Gericht ein debiles Kind vorspielt, das von den Jugendlichen verführt wurde.


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