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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Die Türkei – fast christenfrei in 90 Jahren 9. April 2015

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 23:30

 

Der Historiker Prof. Dr. Rudolf Grulich über die große Bedeutung der Türkei für das Christentum, den geleugneten Völkermord an den armenischen Christen und den vergessenen Holocaust an Aramäern und Assyrern. MICHAEL RAGG: Herr Prof. Grulich, vor neunzig Jahren waren in der Türkei dreißig Prozent der Einwohner Christen – heute sind es nur noch 0,2%.

Wie kam das?

 

 

 

 

 

 

 

PROF. DR. RUDOLF GRULICH:

Das kam durch politische Ereignisse, zunächst durch den Ersten Weltkrieg, als die Osmanische Türkei den ersten Holocaust des 20. Jahrhunderts begann, und zwar 1915 mit der „Endlösung“ der Armenierfrage. Nach dem Ersten Weltkrieg kam hinzu, dass durch den griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausch, der in Wahrheit ein christlich-muslimischer Austausch gewesen ist, alle Christen Kleinasien verlassen mussten“.

Es hat also im letzten Jahrhundert nirgendwo einen so großen Rückgang des Christentums gegeben, wie in der Türkei – nicht einmal in der Sowjetunion. Herr Grulich, Sie haben das Buch „Konstantinopel – ein Reiseführer für Christen“ geschrieben. Es ist aber viel mehr als ein Reiseführer, weil sie darin auch die gesamte Geschichte des Christentums in der Türkei beschreiben. Ein Kapitel nennen Sie: „Die Türkei – ein Land der Bibel“.

Warum?

 

 

 

Es ist uns kaum bewusst, dass das Gebiet der heutigen Türkei sehr eng mit dem Alten und Neuen Testament verbunden ist. Denken wir nur daran, dass nach dem Alten Testament die Arche Noah auf dem Berg Ararat gelandet ist. Das ist heute der höchste Berg in der Türkei. Aber auch aus der Zeit der Patriarchen haben wir enge Beziehungen: Abraham war in Haran, das heute in der Südosttürkei südlich von Edessa, dem heutigen Urfa liegt, als er den Ruf Gottes hörte, in das Land zu ziehen, „das ich dir zeigen werde“.

Und wir wissen aus der Genesis, dass auch Abrahams Sohn Isaak seine Frau in Haran geholt hat; dass Jakob am Brunnen Rachel traf und dann zweimal sieben Jahre dienen musste, ehe er Rachel bekam. Das zeigt, dass Abraham auch von Kanaan aus immer noch die Nähe zu Haran gesucht hatte. Das Neue Testament ist so sehr mit der frühen christlichen Kirche verbunden, dass Papst Johannes Paul II. einmal sagte: Wenn Palästina – er sagte nicht Israel! – das Land Jesu sei, dann sei die Türkei das Land der Kirche.

 

 

 

Von Antiochien ging die Mission des Christentums aus Es ist ja fast völlig vergessen, wie sehr die katholische Kirche, wie sehr das Christentum überhaupt, auf dem beruht, was in der Türkei geschehen ist … Das gilt schon für das erste Jahrhundert nach Christus. Unser heutiger Name „Christen“ ist auf dem Gebiet der heutigen Türkei entstanden. Lukas schreibt in der Apostelgeschichte, dass in Antiochien, dem heutigen Antakya in der Südosttürkei, die Jünger Jesu zum ersten Mal als „Christianoi“, als Christen, bezeichnet worden sind. Ich kann mich noch erinnern, dass es im katholischen Messbuch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil noch ein eigenes Fest gab „Petri Stuhlfeier zu Antiochien“.

 

 

Dort residierte der erste Papst, bevor er nach Rom kam, weshalb auch das Fest „Petri Stuhlfeier zu Rom“ begangen wurde. Von Antiochien ist auch die ganze Mission des Christentums ausgegangen, denken wir an die Missionsreisen des Heiligen Paulus. Und auch das Glaubensbekenntnis in der Form, wie es heute noch allen Christen gemeinsam ist, entstand ja auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Da haben Sie vollkommen recht. Im Lateinischen Namen für dieses Glaubens-Bekenntnis „Nicaeno-Constantinopolitanum“ sind ja auch die Namen zweier heutiger türkischer Städte enthalten: Iznik, das alte Nizäa, und Konstantinopel, das heutige Istanbul. Im Jahr 325 ist auf dem ersten ökumenischen Konzil in Nizäa die Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater definiert worden; und 381 auch für den Heiligen Geist. Neben der Bibel ist dieses große Glaubensbekenntnis das letzte, was alle christlichen Kirchen und Gemeinschaften gemeinsam haben. In diesem Jahr haben wir sogar ein kleines Jubiläum: Das Konzil 381 fand vor 1625 Jahren statt.

 

 

Vielleicht rückt die Türkei und deren christliche Geschichte den Menschen noch näher, wenn wir erwähnen, dass Maria dort gestorben ist und dass einige volkstümliche Heilige aus dieser Region stammen … In der Türkei wird in der Nähe von Ephesus das Haus Mariens verehrt. Es gibt zwar auch eine alte christliche Tradition, dass Maria in Jerusalem entschlafen sei. Daran erinnert die Kirche „Dormitio Mariae“ an diese Überlieferung, aber seit dem 19. Jahrhundert, seit den Ausgrabungen aufgrund der Weissagungen der heute selig gesprochenen Anna Katharina Emmerick, geht man davon aus, dass Maria mit Johannes, den Christus am Kreuz seine Mutter anvertraut hat, nach Ephesus ging und dort gestorben ist.

 

 

 

Zehn der vierzehn Nothelfer stammen aus der Region

Ein schönes Beispiel, wie viele Heilige wir aus dieser Region haben, sind die Vierzehn Nothelfer. Zehn von ihnen hätten heute einen türkischen Pass. Die heilige Barbara, die heilige Margaretha, der heilige Blasius, der heilige Christophorus und andere – sie stammen alle aus diesem Raum. Kaiser Konstantin, der das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion gemacht hat, hat das Zentrum des Reiches nach Konstantinopel, in das heutige Istanbul, verlegt. Das hat ja auch lange Bestand gehabt, bis sich Konstantinopel gegen die Angriffe muslimischer Völker nicht mehr halten konnte.

 

Wie kam das?

Es ist interessant, dass Konstantinopel nicht nur Hauptstadt wurde, sondern auch „das Neue Rom“. Der heutige Ökumenische Patriarch der Orthodoxen Kirche hat den Titel eines Ökumenischen Patriarchen des neuen, des zweiten Roms. Konstantin hat damals versucht, Konstantinopel zu einem zweiten Rom zu machen. Nicht nur durch die vielen Kirchen, auch durch Apostelgräber. So wie das erste Rom seine Bedeutung durch die Apostelgräber hatte, sollten durch Apostelgräber des Heiligen Lukas, des Heiligen Titus, einem Apostelschüler, die Kirchen aufgewertet werden; und nicht umsonst ist Konstantin als Heiliger mit dem Beinamen „Apostelgleicher“, verehrt worden.

 

 

Tausend Jahre Bestand ist sehr lange für ein Weltreich, wenn wir bedenken, dass unser „Tausendjähriges Reich“ im 20. Jh. nur zwölf Jahre bestand und selbst die Sowjetunion keine Achtzigjahrfeier erlebt hat. Bis zum Niedergang des Oströmischen Reiches 1453 fühlten sich die Kaiser in Konstantinopel als Kaiser der Römer so wie auch bis 1806 im Westen ein „Römischer“ Kaiser herrschte. Im Osten hat das Vordringen des Islams schon bald nach Mohammed gewaltig geschadet. Eigentlich hat Byzanz, das „zweite Rom“, uns Europäer im Südosten achthundert Jahre verteidigt, bis es 1453 endgültig gefallen ist.

 

 

 

Wir haben gesagt, dass bis ins letzte Jahrhundert 30% der Einwohner der Türkei Christen waren.

Das lässt darauf schließen, dass das Zusammenleben mit den Muslimen nicht nur negativ gewesen sein kann.

 

Weiterlesen:

https://www.kirche-in-not.de/downloads/tuerkei-christenfrei.pdf

 

5 Responses to “Die Türkei – fast christenfrei in 90 Jahren”

  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG Says:

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    Vergleiche Armenien und Kurden! Auch alles in 100 Jahres-Schritten! Siehe Kampfansage der Nichtjudenhasser! Glück, Auf, meine Heimat!

  2. Bernhardine Says:

    DARÜBER FREUE ICH MICH SEHR UND MUSS WEINEN:

    11 April 2015, 11:15
    1,5 Millionen armenische Völkermordopfer werden heiliggesprochen

    Erste Heiligsprechung in der Armenisch-apostolischen Kirche seit dem 18. Jahrhundert.

    “”Jerewan (kath.net/ KAP) Mit einer machtvollen kirchlichen Demonstration begeht die armenisch-apostolische Kirche das Gedenken an den Armenier-Genozid vor 100 Jahren im damaligen Osmanischen Reich. 100 Jahre nach Beginn des Massenmords an den Armeniern werden die bis zu 1,5 Millionen Opfer heiliggesprochen. Die Zeremonie findet am 23. April in der Hauptkathedrale der armenisch-apostolischen Kirche in Etchmiadzin statt. Sie wird vom Oberhaupt der Kirche, Katholikos Karekin II., geleitet. So gut wie alle Bischöfe der armenischen Kirche, sowie viele weitere Geistliche und Gläubige aus aller Welt werden zu der Feier in Etchmiadzin erwartet. Es ist die erste Heiligsprechung in der armenisch-apostolischen Kirche seit dem 18. Jahrhundert. Der 24. April wurde von der armenischen Kirche zum Gedenktag der Märtyrerinnen und Märtyrer bestimmt…””
    http://www.kath.net/news/50136

    Der Lieblingspapst der Linken macht sich unbeliebt:

    12 April 2015, 17:06
    “”Türkischer Außenminister: Papst schürt Hass und Feindschaft
    Die Türkei hat Papst Franziskus vorgeworfen, mit seiner Äußerung zum Völkermord an den Armeniern Hass zu schüren…””
    http://www.kath.net/news/50145

    DER VATIKAN UND DER VÖLKERMORD AN DEN ARMENIERN

    „“Interview mit Michael Hesemann, der 2000 Seiten unveröffentlichter Dokumente zum Armenozid im Vatikanischen Geheimarchiv entdeckte – und sie jetzt in einem spektakulären neuen Buch veröffentlicht.

    Von Yuliya Tkachova

    Herr Hesemann, Sie sind Fachautor für kirchengeschichtliche Themen. Wie kamen Sie dazu, ausgerechnet über den Völkermord an den Armeniern zu schreiben?

    Durch einen Zufall. Ich arbeite seit 2008, also seit Erscheinen meiner Biografie Pius XII., an einem zweiten Buch, das noch dezidierter sein mutiges Eintreten für die verfolgten Juden behandeln wird. Damals, 2008, erhielt ich auch erstmals die Erlaubnis, im Vatikanischen Geheimarchiv zu forschen. Da begann ich, alle bereits freigegebenen Bestände durchzuarbeiten, angefangen mit der Zeit, als Eugenio Pacelli Apostolischer Nuntius in München und Berlin war, also 1917-1929. Dabei stieß ich auf ein Dokument, das mich tief bewegte. Es war der glühende Appell des damaligen Erzbischofs von Köln, Kardinal von Hartmann, an den damaligen Reichskanzler, weitere Ausschreitungen gegen die Armenier beim türkischen Verbündeten zu verhindern. Darin schrieb Kardinal von Hartmann, die „Verfolgung der Armenier im Jahre 1915“ würde „an Grausamkeit den Christenverfolgungen der ersten christlichen Jahrhunderte“ nicht nachstehen. Es seien „Gräuel vor Gott“, ja „himmelschreiende Gräuel“, die zu verhindern die Reichsregierung moralisch verpflichtet sei, wolle sie nicht „vor Gott und der Geschichte“ für diese verantwortlich gemacht werden. Nun war Kardinal von Hartmann keineswegs ein Kriegsgegner oder friedensbewegter Moralist. Er war konservativ und kaisertreu, ein glühender Nationalist, der sogar vor dem Papst in Rom den deutschen Einmarsch im neutralen Belgien verteidigt hatte. Dass ausgerechnet er so leidenschaftlich für die Armenier Partei ergriff, zeigte mir, wie erschüttert er von den Nachrichten aus dem Orient gewesen sein muss…““
    http://michaelhesemann.info/9_4.html

  3. Ibrahim Says:

    ARMENIEN EIN CHRISTLICHES LAND !

  4. Ibrahim Says:

    DIE ARMENIER GEHÖREN ZU DEN ORTIENTALISCHEN CHRISTEN!

  5. Ibrahim Says:

    DIE TÜRKEI MUSS DEN VÖLKERMORD AN ARMENIEN ANERKENNEN!

    ARMENIEN MUSS JETZT SICH SEIN!


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