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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Ostern in Jerusalem: „Ein Sieg für alle“! 8. April 2015

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 22:36

Patriarch Twal stellt Lage der Christen in Nahost in den Mittelpunkt – Freude über Cremisan-Urteil.

 

Strahlender Sonnenschein am Tag, ein leuchtender Vollmond bei Nacht: Jerusalem zeigte sich am Ostersonntag von seiner schönsten Seite. Über 130 000 Besucher hielten sich anlässlich des westlichen Oster- und des jüdischen Pessachfestes über die Feiertage in Israel auf, schätzte das israelische Tourismusministerium jetzt. Ihr Hauptziel war dabei natürlich Jerusalem. Hotels und Pilgerunterkünfte konnten also nicht klagen. Trotzdem ging es in der engen Jerusalemer Altstadt in diesem Jahr etwas ruhiger zu als im vergangenen. Denn anders als im Vorjahr fielen das westliche und das orthodoxe Osterfest in diesem Jahr nicht auf denselben Termin.

 

 

Der christliche Osten feiert 2015 erst eine Woche später. Aber die bereits zum orthodoxen Palmsonntag angereisten Pilger sorgten dennoch für Enge in der Grabeskirche. Hunderte koptisch-orthodoxer Christen aus Ägypten warteten am Sonntagmorgen ungeduldig, in die Kirche vorgelassen zu werden. Immer wieder drängten sie auf dem Vorplatz gegen die Absperrungen. Zeitweise war die Situation außer Kontrolle. Viele Menschen gelangten über die umgeworfenen Metallgitter in die Kirche. Nur mühsam wurde die israelische Polizei wieder Herr der Lage.

 

 

 

 

 

 

Innen feierte derweil der Lateinische Patriarch Fuad Twal – wahrscheinlich zum letzten Mal – das Osterhochamt. Im September wird der Jordanier an der Spitze des Israel, Palästina, Jordanien und Zypern umfassenden Patriarchats 75 und wird damit dem Papst sein Rücktrittsgesuch vorlegen. Direkt vor der Grabesädikula, die das Grab und damit den Ort der Auferstehung Christi umfasst, war ein festlich geschmückter Altar aufgebaut worden. Dutzende Priester konzelebrierten den feierlichen Gottesdienst in lateinischer Sprache, zu dem sich unter anderem der französische Konsul in Jerusalem eingefunden hatte.

Weil aber in der Grabeskirche kein Mikrofon benutzt werden darf und die in Scharen herbeiströmenden Kopten alles außer ehrfurchtsvoller Stille walten ließen, war Patriarch Twal nur schlecht zu verstehen.

 

 

In seiner Predigt betrachtete das Oberhaupt der römischen Katholiken im Heiligen Land die aktuellen Ereignisse in der Region im Licht des Ostergeschehens. „Im Nahen Osten sind wir jeden Tag Zeugen tragischer Ereignisse, die uns zu Zeitgenossen Kalvarias machen. Aber unsere Freude liegt in der Auferstehung begründet. Nichts kann sie uns nehmen, denn der Herr lädt uns heute inmitten all unserer Schwierigkeiten ein, von den ersten Früchten seiner Auferstehung zu kosten.“ Die Christen der von blutigen Kriegen heimgesuchten Region seien dazu berufen, Zeichen des Widerspruchs und der Hoffnung zu sein. „Unsere Zukunft in dieser Region und in dieser Welt ist ungewiss und sogar finster, aber haben wir keine Angst. Christus hat uns vorausgesagt, mit uns bis ans Ende der Welt zu sein“.

 

 

An diesen Beistand mochten Palästinas Christen gedacht haben, als ihnen Israels Oberstes Gericht am Gründonnerstag ein echtes Ostergeschenk machte. Nach jahrelangem Rechtsstreit entschieden die Obersten Richter in Jerusalem zugunsten der christlichen Kläger in der Sache Cremisan. Die Mauer, die Israels Armee im landwirtschaftlich genutzten Cremisantal bei Bethlehem bauen wollte, kann nicht gebaut werden. Die Armee muss nach Alternativen suchen. Damit müssen zwei katholische Klöster und über fünfzig christliche Familien nicht länger unter dem Damoklesschwert des Mauerbaus leben.

 

Bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz sprach Patriarch Twal deshalb am Donnerstagnachmittag in Beit Dschalla von einem „Sieg für alle“, sowohl für die Ordensleute und die ortsansässigen Familien als auch für Israel. Das Gericht habe damit Sensibilität für die Bewohner des Heiligen Landes insgesamt gezeigt und ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen. Auch Vertreter der Klägerseite und örtliche palästinensische Politiker sprachen von einem „historischen Tag“.

 

 

 

 

 

 

Sie äußerten sich zuversichtlich, dass die israelische Armee bei einem neuen Vorschlag für den Mauerverlauf den Anliegen der Bewohner Rechnung tragen werde. Man werde jedoch nur solche Lösungen akzeptieren, bei denen die Sperranlage entweder direkt entlang der Grünen Linie zwischen Israel und den Palästinensergebieten oder auf israelischem Staatsgebiet zu stehen komme. Die Palästinenser werfen den Israelis vor, durch den Bau der Mauer palästinensisches Land enteignen zu wollen. Die israelische Seite argumentiert indes mit Sicherheitsgründen und Terrorabwehr.

 

Nach Angaben des palästinensischen Pressedienstes PNN hatten die obersten Richter in Jerusalem Bedenken gegen Alternativvorschläge sowohl der Klägerseite wie des israelischen Verteidigungsministeriums geäußert. Nach dem Modell des Ministeriums hätte die Mauer zwei benachbarte katholische Ordenshäuser getrennt. Einwohner des Dorfs Beit Dschalla hatten 2006 gegen den Mauerbau und die damit verbundenen Landenteignungen geklagt. Sie hatten sich in ihrer Not auch an Papst Franziskus gewandt und ihn in einem Brief um seine Hilfe gebeten. Seit Jahren feierten die Katholiken Freitag für Freitag die Messe in den von der Enteignung bedrohten Olivenhainen.

 

 

 

 

 

Am kommenden Sonntag werden Beit Dschallas Christen wohl ein besonders schönes Osterfest feiern können. Katholiken und Orthodoxe gleichermaßen werden Gott dann für seine Hilfe danken – und mit ihnen alle arabischsprachigen Katholiken im Heiligen Land. Denn die lateinischen Katholiken Israels und Palästinas begehen Ostern – mit Ausnahme von Jerusalem und Bethlehem – seit 2013 zusammen mit den orthodoxen Christen.

{Quelle: http://www.die-tagespost.de/Ein-Sieg-fuer-alle;art456,159771}

 

3 Responses to “Ostern in Jerusalem: „Ein Sieg für alle“!”


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