kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Brief eines türkischen Gastarbeiters an seine Frau 1. Februar 2015

Filed under: Humor mit Kultur — Knecht Christi @ 22:37

 

Liebe Leser,

hier ein Brief aus einer Zeit, als man noch lachen durfte. Diesen “Brief” auf den ich heute gestoßen bin, habe ich mal von einem höheren Gewerkschafts- und Parteifunktionär erhalten, der verschiedenen Gremien angehörte und zahlreiche Ämter hatte. Das liegt jetzt schon Jahrzehnte zurück und der Mann ist schon lange tot. Wenn er einen solchen “Brief” heute verteilen würde, wäre er weg vom Fenster. Undenkbar was dann passieren würde. Man sieht daran, wie humorlos und verbissen alles geworden ist.

 

 

 

Suleika meine liebe Frau, ich nix mehr arbeiten am Bau. Auch viele Kollegen schon entlassen, Polier sagt, nix mehr Geld in Kassen. Doch Du nix denken, das sei schlimm, ich trotzdem froh und munter bin. Denn Allah hat mich nicht verdammt, war gestern schon beim Arbeitsamt. Weil ich noch ein Jahr Aufenthalt, komm nicht nach Hause ich so bald. Muß meiden noch Moschee und Tempel, zeig Arbeitsamt Papier macht Stempel. Das ganze Arbeit nix mehr bücken und kann immer noch Geld Dir schicken. Hier scheint mir alles wie verhext, brauch nur noch schlafen – Konto wächst. Und ganz bestimmt bis nächsten Winter, zahlt Arbeitsamt mir Geld für Kinder. Ich bin jetzt schon drei Jahre fort, vielleicht hast Du noch Kinder dort, wo ich nix weiß?

 

Ist ganz egal, Du muss nur melden mir die Zahl! Und schleunigst schicken mir nach hier vom Amt beglaubigtes Papier. Du sollst mal sehen, wie dann geht munter, Einkommen rauf und Steuer runter. Heut Zahnarzt sagen ganz gewiss, bis Montag hab ich neu Gebiss. Vieleicht, wenn es ist Allahs Wille, bis andern Mittwoch neue Brille. Das alles machet mir gut Spaß, weil alles zahlt die Krankenkass. Wenn Ostern Oma kommt, will sehen, dass auch sie kriegt schöne Zähn, damit nix immer warten muss beim Essen, bis Opa fertig hat gegessen.

 

 

 

Weil es doch immer besser ist, wenn jeder selber hat Gebiss. Wir sind hier eine kleine Kolonie und spielen Karten oft bis früh. Du, Deutschland schönstes Land von Welt, mix Arbeit und viel Stempelgeld. Ich wohn im Altbau noch ganz nett, mit Wasser, Strom und Plumpsklosett. Ist Zimmer auch noch ziemlich klein, ich fühl mich wohler als daheim. Und Hausbesitzer lässt mich walten, kann mir sogar Kaninchen halten. War erst heut morgen eines krank, habs rausgeholt aus Kleiderschrank, habs ganzen Tage noch bewacht und dann am Abend notgeschlacht, und dann verkauft es wieder weiter an einen Freund – auch Gastarbeiter.

 

Hast Du auch unser Zelt geflickt, von Geld was ich Dir hab geschickt? Halt Einsamkeit noch ein Jahr aus, dann bring ich Geld und bau ein Haus. Vermiete Zelt dann mit viel List an deutsch Familie, die Tourist, will wohnen in Nomadenzelt und wandern will in Wüstensand, weiß nicht wie schön ist eignes Land. Und nun mach ich mit Brief jetzt Schluss, will senden Dir ganz viele Gruß. Bleib schön gesund, grüß alle Lieben, sag ihnen Ali hat geschrieben, aus Deutschland, schönstes Land von Welt, wo man für Faulheit noch kriegt Geld. Denn wenn Vertrag ist hier zu Ende, komm ich in Heimat noch mit Rente. Vorbei ist Armut, Not und alles – Deutschland, Deutschland, über alles. 

 

Dein Ali.

(…ich hoffe meine Leser können darüber „schmunzeln“)

JÖRGEN BAUER

 

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