kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

„Allen gemeinsam ist die Flucht“ 3. November 2014

Filed under: Koptische Kirche im Ausland — Knecht Christi @ 10:19
 Bischof Anba Damian im Flüchtlingshein Borgentreich Desenber-Kaserne

Nach den ersten Tagen im neuen Flüchtlingsheim berichtet Bischof Damain von seinen Eindrücken

 

Borgentreich/Warburg: Sie fliehen vor Gewalt und Krieg – und stehen in Deutschland wieder ihren Feinden aus der Heimat gegenüber: In Flüchtlingsheimen treffen Asylbewerber auch auf Angehörige von Volksgruppen, denen sie in ihrer Heimat mit größter Not entkommen sind. Anba Damian, Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche, würde dieser Situation gern ein Ende bereiten. Er spricht sich dafür aus, Wohnheime für Flüchtlinge nach Religionen zu trennen. Viele der Menschen seien extrem sensibilisiert und traumatisiert, sagt er. „Im Wohnheim gehören sie teilweise wieder einer Minderheit an. Sie machen die Erfahrungen, die sie schon aus ihrer Heimat kennen, erneut.“ Doch der Bischof aus Brenkhausen berichtet auch von anderen Erfahrungen, die er im neuen Flüchtlingsheim in Borgentreich gemacht hat. Vor zwei Wochen kamen dort die ersten 101 Flüchtlinge an. „Nach ihrem Aufenthalt in Unna sind sie froh, bei uns zu sein“, sagt der Geistliche. Allein die Tatsache, „dass man uns anlächelt“, habe eine der Frauen gesagt, gebe Hoffnung. Dieses Gefühl sei für die meisten der Bewohner neu. Wir müssen ihnen Zeit geben, damit die Wunden heilen können„, sagt Damian. An den mitgebrachten alten sollte nicht unnötig gerührt werden. „Die Leute muss man nicht mit denen in Berührung bringen, die sie verletzt haben„, sagt er.

 

 

 

Auf dem Gelände der ehemaligen Borgentreicher Kaserne, das der koptischen Kirche gehört, kommen Jesiden, Christen und Muslime zusammen. „Verschleierte und Unverschleierte„, sagt Damian. Was sie eine, sei die gemeinsame Erfahrung der Flucht. Die Kinder spielten Fußball miteinander, Jugendliche und Erwachsene redeten miteinander. „Die Flüchtlinge möchten das einfache Gefühl haben, dass jemand für sie da ist“, hält der Bischof fest. „Dann verschwinden Grenzen, Nationalitäten und Religionen.“ Er bringe immer etwas Schokolade mit, lächelt Damian. Er sei für viele ein Vater.

 

 

 

Die Kopten haben ein kleines Häuschen zur Kapelle deklariert bis das ehemalige Kesselhaus zu einer Kirche umfunktioniert werden kann. In dieser Woche sei erstmals auch ein katholischer Gottesdienst auf dem Areal gefeiert worden. Das soll sich etablieren. Pastor Heinrich Bartoldus habe angeboten, montags um 16 Uhr den Gottesdienst zu halten. Ich kann Gebet und Segen anbieten„, sagt Damian. Die seelsorgerliche Betreuung sei wichtig. Auch beherrschen Bischof Damian und seine Priester das Arabische. „Das bedeutet den Menschen viel“, sagt er. Sie spürten Liebe und Vertrauen. Sie erzählten von Sorgen und Nöten und stellten Fragen. Syrier, Iraker, Albaner, Afrikaner: „Jeder wird von uns als Mensch behandelt“, gibt der Bischof die Maxime vor. Zurzeit gebe es keine Probleme in der Unterkunft. Die Organisation und die Arbeit der Malteser nennt er vorbildlich. Zwei Mal in der Woche komme ein Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg und hole alle Verantwortlichen an einen Tisch. „Bis in die feinsten Details wird dann alles diskutiert und überprüft“.

 

 

 

„Ruhig und friedlich“, sei die Lage, sagt Polizeidirektor Jürgen Koch. Bisher haben seine Beamten keine Einsätze zu verzeichnen. „Sie suchen die Unterkunft täglich auf und zeigen Präsenz vor und auf dem Gelände“, sagt Koch. „Wir möchten die Flüchtlinge daran gewöhnen, dass die Polizei bei uns anders agiert als in ihren Herkunftsländern“, will auch Koch Vertrauen schaffen. In Borgentreich bleiben die Flüchtlinge zur Erstaufnahme nur wenige Tage oder Wochen, bevor sie auf Unterkünfte in die Kommunen des Landes verteilt werden. Viele Städte müssen ihr Hauptaugenmerk im Moment darauf legen, überhaupt alle Flüchtlinge unterzubringen. In Warburg soll für rund 900.000 Euro ein weiteres Gebäude in der Unterkunft am Horenberg bei Dössel ausgebaut werden. In der ehemaligen Bördeland-Kaserne und den Wohnungen am Kuhlemühler Weg warten aktuell 111 Asylbewerber auf das Ende ihres Verfahrens. Das kann bis zu zwei Jahre dauern. Eine andere Situation als in der ZUE in Borgentreich. „Durch das lange Zusammenleben auf enger Stelle entstehen natürlich auch Konflikte und Streitigkeiten“, sagt Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln. Daher fordert beispielsweise der Kölner Flüchtlingsrat wie so viele, Wohnhäuser dezentral im Stadtgebiet zu verteilen. Bei der Zusammenstellung werde schon darauf geachtet, welche Nationalitäten zusammenpassen, sagt Stickeln.

{Quelle: http://www.nw-news.de/owl/kreis_hoexter/warburg/warburg/11291970_Allen_gemeinsam_ist_die_Flucht.html}

 

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