kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Deutschlands Kirchen bluten aus 10. August 2014

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 11:18

Auf Kirchenaustritte reagieren beide Konfessionen schnurzig. Dabei sind die Probleme bekannt: Der Zeitgeist ist stärker als kirchliche Dogmen. Wann endlich finden die Oberen die richtigen Worte?

Die Kirchen bluten aus. Und das schon seit geraumer Zeit. Gerade mal 30,3% der Deutschen sind noch römisch-katholisch. Von Volkskirche kann keine Rede mehr sein: Die Zahl der Konfessionslosen liegt bei 36,6%. Für die Gläubigen ist das ein trauriger Trend, den die aktuellen Austrittszahlen, die die katholische Bischofskonferenz vor Kurzem bekannt gab, bestätigen: Beinahe 180.000 Frauen und Männer haben 2013 die katholische Kirche verlassen – 50% mehr als im Vorjahr. Im Bistum Limburg nahmen die Austritte sogar um 80% zu. Kein Zufall. Hier hatte der Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst mit Erste-Klasse-Flügen auf Kirchenkosten und einem 30 Millionen Euro verschlingenden Bauprojekt für Schlagzeilen gesorgt. Papst Franziskus hatte ihn von seinem Amt entbunden. Der Unmut blieb, der neue Skandal, der erneut die Glaubwürdigkeit der Kirche infrage stellte, brannte sich ins Bewusstsein der ohnehin empörten Kirchenmitglieder, die sich schon lange fragten, wozu sie eigentlich noch Kirchensteuern zahlen.

 

 

 

 

Auch bei den Protestanten ist es nicht besser

 

Doch auch um die Gemeinschaft der Protestanten steht es nicht gut. Die Zahlen für 2013 liegen noch nicht vor. 2012 waren es fast 140.000 Frauen und Männer, die der evangelischen Kirche ihre Mitgliedschaft gekündigt haben. Gerade mal 28,9 Prozent der Deutschen gehören noch dazu. 1950 war die Hälfte der Bundesbürger evangelisch. Wann nehmen die Kirchen die Warnschüsse ernst? Wann setzen sie sich in Bewegung? Sie würden letztendlich die Gründe nicht kennen, warum jemand aus der Kirche austritt, ließ das Bistum Limburg nach Bekanntgabe der aktuellen Austrittszahlen verlauten. Das klingt zynisch. Wenn die großen Konfessionen nicht wollen, dass es endgültig den Bach mit ihnen runtergeht, dann müssen sie richtig nachfragen. Dann müssen sie aufhören, nur zu jammern, dass sie keiner will. Dann dürfen sie nicht mehr die Augen vor dem verschließen, was die Menschen wollen und brauchen.

 

 

 

 

Viele können nicht mehr glauben

 

Leicht ist das nicht. Wir sind so aufgeklärt. Wer dennoch glaubt, dass es noch was anderes gibt als das, was er sehen und anfassen kann, muss damit rechnen, belächelt zu werden. Schwer ist es, an die zunehmende Menge derer heranzukommen, die einfach nicht mehr glauben können. Aussichtslos? Eigentlich stehen die Kirchen schon seit Beginn der Moderne vor dem Problem. Sie hatten also lange Zeit, ihre althergebrachten Konzepte zu überdenken und einzusehen, dass sich Glaube nur schwer an Bekenntnissätzen und Dogmen entfachen lässt, die sich so gar nicht mit dem von Technik und Wissenschaft geprägten Zeitgeist vereinbaren lassen. Das 2. Vatikanische Konzil von 1962, auf dem sich die katholische Kirche fragte, wie sie Glauben in die moderne Welt bringen kann, hat Neuerungen gebracht. Gegen das Alte, Lebensfremde konnten sie sich nicht durchsetzen.

 

 

 

 

 

Die Doppelmoral schadet der Kirche

 

Eine Kirche, in der Frauen und Männer noch immer nicht gleichberechtigt sind, geht ebenso an der Realität vorbei wie die Doppelmoral eines Sexualkodexes, der einerseits den Zölibat propagiert, andererseits den Missbrauch zahlloser Kinder und Jugendlicher hinter den Mauern kirchlicher Einrichtungen toleriert. Aber auch eine evangelische Kirche, die so liberal ist, dass sie schon manchmal belanglos ist und so entspiritualisiert, dass sie sich kaum noch traut, vom Glauben zu sprechen, hat keine Zukunft. Kindergottesdienste, bei denen bestenfalls Bilder von der Arche Noah ausgemalt werden, sind niedlich, der religiösen Erziehung dienen sie nur bedingt. Die aber ist der erste Schritt in ein Leben mit der Kirche. Zulauf hatten immer schon kirchliche Ambitionen, wenn sie unmittelbar auf die Bedürfnisse der Menschen reagierten. Die Innere Mission des Hamburger Pfarrers Johann Hinrich Wichern, der sich zur Zeit der Industrialisierung den verwahrlosten Kindern in den Armenvierteln widmete, stieß ebenso auf Resonanz, wie es heute ein Pfarrer Bernd Siggelkow tut, der in seiner „Arche“ sozial benachteiligten Kindern in Berliner Plattenbausiedlungen eine Anlaufstelle bietet.

 

 

Die Kernkompetenzen der Kirchen gibt es noch

 

 

Die Kirchentage, auf denen Themen wie Bildung, wirtschaftliche Verantwortung oder Sterbehilfe diskutiert werden, mobilisieren nach wie vor Hunderttausende. Und wenn zu Ostern und Weihnachten die Tradition der Kantaten und Oratorien gepflegt wird, dann stehen auch Atheisten vor den Kirchen Schlange. Es gibt sie noch, die Kernkompetenzen der Kirchen. Warum werden sie nicht mehr genutzt und öffentlichkeitswirksam angepriesen? All diejenigen, die die Kirche nicht deshalb verlassen wollen, weil sie schlicht Atheisten sind, sondern weil sie wütend und enttäuscht sind, die sollten sich auch die anderen Seiten der Kirche vor Augen halten. Und die sollten wissen, was sie tun, wenn sie sich zum Teil der Austrittswelle machen. Die Gesellschaft, in der die Kirche immer weniger Einfluss hat, wird nicht verrohen. Dafür sind in unserem Rechtssystem und in unserer Verfassung die christlichen Werte zu tief verwurzelt. Und zu behaupten, dass gläubige Menschen die besseren sind, wäre mehr als anmaßend.

 

 

 

 

 

Alle lieben kirchliche Einrichtungen

 

Aber eine Gemeinschaft, die keine Kirchensteuern mehr zahlen will, die nimmt das Ende von Institutionen in Kauf, die seit Jahrhunderten auch viel Gutes getan haben und ohne die unser Wohlfahrtssystem nicht denkbar wäre. Es hat einen Grund, dass sich Menschen gerne in einem kirchlichen Krankenhaus behandeln lassen, weil sie hier häufig besondere Zuwendung erfahren. Es ist kein Zufall, dass sich die Kindergärten der Kirchengemeinden vor Anmeldungen kaum retten können. Es ist kein Geheimnis, dass die humanistischen Gymnasien der beiden großen Konfessionen zu den besten Schulen des Landes gehören. Das ist das eine. Das andere ist die schlichte Tatsache, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern auch von Worten, die Impulse setzen, die trösten und Mut machen. Es gibt nicht viele Orte, an denen man solche Worte hört. Die Kirchen gehören dazu.

 

 

Wollen wir eine Kultur ohne Rituale?

 

Wollen wir wirklich ein Land, in dem irgendwann vielleicht gar keine Glocken mehr läuten? Skylines, in denen sich zwischen Bürogebäuden keine Kirchtürme mehr abzeichnen? Eine Allgemeinbildung, zu deren Kanon die biblischen Geschichten nicht mehr gehören? Das Ende der Kultur der Rituale wie Taufe oder Konfirmation? Dass dies nicht vollständig verschwindet, dafür tragen die Vertreter der großen Konfessionen ebenso Verantwortung wie die austrittswilligen Kirchenmitglieder, die ihre Empörung kundtun wollen. Aber wenn keiner mehr da ist, wer soll dann noch was ändern?

{Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article130872747/Die-Kirchen-in-Deutschland-bluten-aus.html}

 

 

4 Responses to “Deutschlands Kirchen bluten aus”

  1. wolfsattacke Says:

    Hasenfest 2014- Gut ohne Gott??? Welches Grün-Rote Gesindel hat denn so etwas hervorgebracht? Diesen elenden Atheisten, die aber gleichzeitig den radikalen Islamismus unterstützen, stört doch lediglich, daß ein gelebtes Christentum Selbsteinschränkung und Moral verlangt. All das ist dieser rot/grünen Spaßgesellschaft ein Dorn im Auge

  2. Kreationist74 Says:

    Deutschland braucht Erweckung und wir denken, dass sie heute in unserer Gemeinde losgetreten ist. Alles andere ist nur totes Werk.

    • wolfsattacke Says:

      Ja und wir müssen uns von den rot/grün-atheistischen Gesellschaftszwängen lösen. Die EKD z.B. ist links-grün unterwandert und öffnet sich somit der Unmoral (Anerkennung der HOMO-Ehe etc.) Alte protestantische Traditionen, welche für die Gläubigen ein Zeichen der Beständigkeit waren, werden zugunsten vergänglicher Zeittrends fallengelassen. Ja, die EKD macht einen Kniefall vor der Moderne nach der anderen und verleugnet sich damit selbst. Ein Hort für gläubige Christen ist die EKD schon lange nicht mehr. Die Zukunft der Christenheit liegt meiner Meinung nach im traditionellen Katholizismus und im orthodoxen Christentum, denn jene stehen wie ein Fels in der Brandung.

      • Andreas Says:

        mag stimmen- aber entscheidet sich das „wahre“ christentum nur noch an fragen wie dem biblischen(?) umgang mit sexuellen minderheiten, frauenordinat u. dem beichtgelübtnis?
        wie eng muss, wie weit darf das christentum unserer zeit interpretiert werden? wird darüber nicht auch u. gerade in der katholischen kirche seit jahrzehnten gerungen, auch innerhalb des klerus?
        wo ist der historische bezugspunkt- gelten die mosaischen gesetzes-u. moralvorschriften, die zumindest die frühen (juden-) christen noch getreu befolgten? war der glaube der juden 1000 jahre vor Jesus mit dem der juden 1000 jahre nach Ihm oder gar dem heutigen völlig identisch geblieben?
        wäre zivilisatorische entwicklung überhaupt möglich geworden, wenn wir starr für immer u. ewig an uralten bibelgesetzen festgehalten hätten? ist das nicht gerade der hauptvorwurf von juden wie christen gleichermaßen, das der islam eben zäh u. stur am klass. „ur-islam“ festhält u. so jede modernisierung u. aufklärung verhindert??


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