kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Christliche Brigade bringt sich in Stellung gegen IS 5. August 2014

Filed under: Christenverfolgung,Islamischer Terror — Knecht Christi @ 19:44

Iraks Christen werden systematisch von „Islamisten“ verfolgt. Tausende wollen sich nun mit Gewalt wehren. Die christliche Brigade Babylon ist bereit, die Heimat „bis zum bitteren Ende“ zu verteidigen.

Vorneweg trägt ein Mann das Bild vom letzten Abendmahl – Jesus am Tisch mit seinen Jüngern. Dahinter folgen mit wenigen Schritten Abstand Soldaten, Offiziere und Sympathisanten der christlichen Brigade Babylon. Man trägt Pistolen im Schulterhalfter und Maschinengewehre in der Hand. Mit diesem Aufmarsch im Bagdader Stadtteil al-Karada will man Entschlossenheit und Stärke demonstrieren: Man ist bereit, seinen Glauben zu verteidigen und notfalls auch dafür sein Leben zu lassen. Gerade jetzt, da die Existenz des Christentums wie nie zuvor im Irak auf dem Spiel steht. Wir sind die älteste Bevölkerung des Landes„, erklärt Ryan al-Kaldeny, der Kommandeur der Brigade Babylon, der mit schwarzem Turban, Sonnenbrille und Kalaschnikow in der ersten Reihe marschiert. „Nun kommen diese Terroristen und wollen uns aus dem Irak vertreiben, der eigentlich uns gehört.“ Das könne man nicht zulassen. Im normalen Leben ist al-Kaldeny ein Geschäftsmann, der Anzug und Krawatte trägt. „Jetzt ist Uniform angesagt“, betont der 35-Jährige. Schließlich befinden wir uns im Krieg„. Mit Terroristen meint der Kommandeur den IS (Islamischer Staat, früher Isis). Die extrem puritanische Islamistengruppe hat mithilfe lokaler Stämme sowie Ex-Militärs der Armee Saddam Husseins binnen weniger Wochen große Teile des Landes besetzt und steht vor den Toren der irakischen Hauptstadt. „Diese Terroristen wollen nicht nur die Regierung in Bagdad stürzen, sie haben es besonders auf Christen abgesehen“, erzählt al-Kaldeny nach der Parade in seinem Büro im Hauptquartier der Brigade Babylon.

 

Baghdad-Christliche-Milizen

An den Wänden hängen auch hier Bilder des letzten Abendmahls, dazu einige Kruzifixe, und in einer Ecke steht eine Marienstatue.

 

 

„Gezielte Verschwörung und Vertreibungspolitik“

 

 

„Es ist eine gezielte Vertreibungspolitik, die der IS verfolgt“, fährt der Kommandeur fort, „die man am Beispiel von Mossul klar erkennen kann.“ Die irakische Grenzstadt zu Syrien im Norden des Landes war am 10. Juni vom IS eingenommen worden. Die radikalen Islamisten forderten die Christen auf, entweder zum Islam zu konvertieren oder Schutzzölle (Dschizya) zu bezahlen. Ansonsten drohe die Todesstrafe. Vor zwei Wochen sprengte der IS das Grab Jonas‘ in die Luft, der sowohl im Islam wie im Christentum als Prophet gilt. Natürlich flohen alle in Mossul verbliebenen Christen„, sagt al-Kaldeny hinter seinem großen, antiken Schreibtisch. „An den Checkpoints wurden sie alle ausgeraubt. Geld, Schmuck, Autos und sogar Telefone nahm man ihnen ab. Ob alt oder jung, Frauen oder Kinder, viele mussten bei sengender Hitze stundenlang zu Fuß gehen, um in Sicherheit zu kommen“. Für den 35-Jährigen ist die Vertreibung der Christen aus Mossul das Resultat einer gezielten Verschwörung. „Viele Einwohner, von denen wir dachten, man könnte ihnen vertrauen, kooperierten mit dem IS und verrieten ihre Nachbarn“, erklärt al-Kaldeny. „Darunter sind auch muslimische Geistliche, die mit den Islamisten kollaborierten und von den Moscheen aus die Christen aufriefen, die Stadt zu verlassen, oder sie würden getötet.“ Einige der Verräter hätten in Kontakt mit den Checkpoints gestanden. „An den Kontrollpunkten wartete man schon auf die Christen, um sie systematisch auszunehmen“, fügt al-Kaldeny mit einem wissenden Blick an, als sei alles tatsächlich von langer Hand geplant gewesen. Auf die Ereignisse von Mossul sei die Miliz Babylon nicht vorbereitet gewesen. Alles sei so schnell und überraschend passiert. „Nun sind wir jedoch restrukturiert, an allen Fronten präsent, und ständig bekommen wir neue Rekruten“, versichert der Kommandant. Von den zurzeit insgesamt 2500 Mann der Brigade seien 900 in Bagdad stationiert, der Rest an den „Brennpunkten“, wie es al-Kaldeny formuliert.

 

 

Statt Fronteinsatz Unterkünfte für christliche Flüchtlinge

 

 

Die Stadt Mossul, in der vor der Besetzung durch den IS 25.000 Christen lebten, wolle man unbedingt zurückerobern. „Wir werden zusammen mit der irakischen Armee angreifen und dort möglichst bald wieder ein normales Leben für Muslime und Christen herstellen.“ Bis es dazu kommt, wird wohl noch einige Zeit vergehen, selbst wenn al-Kaldeny behauptet, es wird „in den nächsten Tagen losgehen“. Bisher konnte die irakische Armee keine nennenswerten Erfolge gegenüber dem IS erzielen. Selbst die schiitischen Eliteeinheiten, mit denen die Brigade Babylon eng kooperiert, konnten die Islamisten nicht zurückdrängen. Immerhin hat Iraks Premier Nuri al-Maliki nun angekündigt, Luftangriffe gegen die Islamisten zu fliegen. In der Stadt Tikrit, dem Geburtsort des Diktators Hussein, blieben zwei „Großoffensiven“ gegen den IS ohne Ergebnis. Zudem liegen die meisten der christlichen Dörfer und Städte auf dem Gebiet der autonomen Region Kurdistans (KRG). Die kurdische Regierung in Erbil toleriert bisher keine Privatmilizen auf eigenem Boden. „Wir unterstützen die kurdischen Truppen„, sagt al-Kaldeny zwar, aber es ändere nichts an der Tatsache, dass die Soldaten von Babylon in seinem Teil nicht kämpfen dürfen. Statt Fronteinsatz organisiert man Unterkünfte für christliche Flüchtlinge. In Bagdad sind Einwohner aus Mossul in Kirchen und Schulen untergebracht. Sie liegen in Dora, einem sunnitisch-christlich gemischten Stadtteil. Hier werden christliche Einrichtungen von der Brigade Babylon rund um die Uhr bewacht. Trotzdem kann es jederzeit zu Anschlägen kommen. Eine umfassende Kontrolle ist in der nach Kairo zweitgrößten arabischen Stadt mit über sieben Millionen Einwohnern nicht möglich.

„Überall kann es nur besser sein als im Irak“

 

 

Die Stimmung innerhalb der christlichen Gemeinde ist gespannt. „Für uns gibt es keine echte Sicherheit“, sagt Alfred Paulus, ein 25-jähriger Student. In den nächsten Tagen wird er mit seiner gesamten Familie den Irak verlassen. Das Geschäft für Klimaanlagen und das Haus der Familie sind bereits verkauft. Man will zuerst in die Türkei und dann mal sehen, wohin einen das Schicksal führt. „Überall kann es nur besser sein als im Irak“, sagt Paulus, der selbst gerne in Australien leben möchte. „Ich kenne das Land nur aus dem Fernsehen, aber ich habe Freunde dort, und die sagen, es ist gut“. Vor vier Jahren war ihm und seiner Familie zum ersten Mal der Gedanke an die Auswanderung gekommen. Der Auslöser war ein Anschlag auf die Marienkathedrale von Bagdad. Am 31. Oktober 2010 hatte der IS (damals hieß er noch der Islamische Staat im Irak und Syrien, kurz: Isis) über 100 Gottesdienstbesucher als Geiseln genommen. Bei der Befreiungsaktion durch irakische Spezialeinheiten kamen 58 Menschen ums Leben. „Danach waren wir hin- und hergerissen, ob wir tatsächlich gehen sollten oder nicht“, erinnert sich Paulus. „Aber dann kam Weihnachten letztes Jahr, und unsere Abreise war besiegelt.“ Die Rede ist von den Bombenattentaten am 25. Dezember 2013. In Dora explodieren zuerst zwei Autobomben auf einem Markt unweit der St.-Johann-Kirche. Wenige Minuten später detoniert das dritte Auto direkt vor der Kirche, als die Gläubigen nach dem Ende der Messe ins Freie strömen. An diesem Weihnachtsfeiertag sterben insgesamt 38 Menschen, 70 weitere werden zum Großteil schwer verletzt. „Da wussten wir, es ist an der Zeit zu gehen“, sagt Paulus. Aber es seien nicht nur die Anschläge, fügt der 25-Jährige an, die das Leben von Christen unzumutbar machten. „Jeden Tag kann man einen Zettel unter seiner Türe finden, auf dem steht, man soll aus dem Haus verschwinden oder wird getötet“, berichtet Paulus. Seinen Freunden sei das passiert, und einige davon habe man erschossen. „Früher lebten Sunniten und Christen friedlich zusammen, nun werden die Christen vertrieben“, stellt Paulus resignierend fest. „Im Stadtteil Dora lebten überwiegend Christen, nun sind wir in der Minderheit. So geht das“.

 

 

Gewalt ist nicht der Weg der Kirche

 

 

Bis zur US-Invasion 2003, die Diktator Saddam Hussein und sein Regime zu Fall brachte, lebten über 1,5 Millionen Christen im Irak. Heute sollen es nach Schätzungen nicht einmal mehr 200.000 sein. Der überwiegende Teil davon wohnt in der Hauptstadt Bagdad. „Man kann heute keine verlässlichen Zahlen nennen“, sagt Vater Mansur, der der griechisch-katholischen Gemeinde in Bagdad vorsteht. „Jeden Tag wandern Familien aus, die keine Zukunft mehr im Irak sehen.“ Angesichts der Sicherheitslage könne man es ihnen nicht verdenken, erklärt der aus Belgien stammende Geistliche, der sein Alter vergessen haben will, aber so um die 80 Jahre alt sein muss. „Es klingt bedrückend“, fährt Vater Mansur fort, „aber man kann hier vom nahenden Ende des Christentums sprechen“. Von christlichen Milizen hält er wenig, denn Gewalt sei nicht der Weg der Kirche. Der Priester führt dagegen Seminare durch, in denen das gesamte Kulturerbe der Region gelehrt werde. „Wir unterrichten das ganze Spektrum, von persischen Märtyrern über armenische Kunst oder assyrische Inschriften“, klärt Vater Mansur auf. Aus den Ergebnissen der Studien werden Bücher publiziert. „Die Leute, die hier bleiben, müssen wissen, warum und wofür sie das tun“, meint der Geistliche und zeigt auf ein volles Bücherregal, in dem aneinandergereiht die Früchte seiner 40-jährigen Amtszeit stehen. Danach entschuldigt sich Vater Mansur, er müsse jetzt gehen. „Der Unterricht fängt gleich an, meine Schüler warten schon“. Der Kommandeur der Brigade Babylon hat gegen den friedlichen Weg der Kirche natürlich nichts einzuwenden. Aber al-Kaldeny will dem Exodus der Christen nicht tatenlos zusehen und einfach die „Hände in den Schoß legen“, wie er sagt. Er denke nicht daran, auszuwandern und das Land seiner Väter aufzugeben. Im Gegenteil. „Wir werden uns bis zum bitteren Ende verteidigen“, betont er unmissverständlich. Und sollten die Christen aus Bagdad und den anderen Gebieten im Irak vertrieben werden, hat al-Kaldeny bereits eine Lösung parat. „Unser letzter Plan ist die Errichtung einer autonomen Provinz auf dem Gebiet Kurdistans.“ Es wäre eine neue Heimat für Christen, aber auch alle anderen religiösen Minderheiten, die von den radikalen Islamisten verfolgt würden. „Die Vertreibung der Christen ist ein abscheuliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagt al-Kaldeny abschließend, „und wir werden das nie tolerieren“. {Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/article130881301/Christliche-Brigade-bringt-sich-in-Stellung-gegen-IS.html}

 

13 Responses to “Christliche Brigade bringt sich in Stellung gegen IS”

  1. wolfsattacke Says:

    Das ist sehr gut, daß sich die Christen im Irak militärisch wehren wollen, daß ist die einzige Sprache, welche dies Islamisten verstehen. Bis sich die Christen mit ihrem ersten Kreuzzug gegen die muslimischen Aggressionen wehrten hat es damals 400 Jahre gedauert, das waren 400 Jahre zu lange.

  2. thomas Says:

    „Gewalt ist nicht der Weg der Kirche“ , ist ja der größte Witz ,den ich jemals gehört habe, die Kirchen-
    geschichte lehrt uns etwa anderes. Richtig ist ,das Jesus und seine Apostel jegliche Gewalt abgelehnt
    haben, denoch muß ein Staat ,der ja überwiegend nicht christlich ist , im biblischen Sinn ,seine Bürger
    vor geistesgestörten Verbrechern schützen. Dem Staat ist das Schwert gegeben (die Macht und Gewalt)
    die Verbrecher zu bestrafen und die Aufrichtigen zu schützen ,so lehrt es der Apostel Paulus.

  3. Alles richtig, aber erst mal Gott fragen, ob er das will und unterstützt.Und dann im vollen Vertrauen auf ihn das Schwert führen. Erst auf die Knie und nicht „Menschenwerk“. Menschenwerk geht in die Hose. Die Endzeit ist da und Gottes Plan erfüllt sich, ganz egal, wie wer dazu eingestellt ist.ER hat aber Erbarmen mit SEINEN KINDERN und hat verheißen, für sie zu streiten. Deshalb: erst ganz sicher und fest Gottes Kind sein, dann alles Vertrauen auf ihn setzen und IHN bitten, zu streiten. ISRAEL würde es blendend gehen, wenn es sich an den HERRN Jesus Christus als ihren Messias wenden wür, der sie gewarnt, geliebt und alles für sie gegeben hat. Schaffet auch in der Bedrängnis, daß Ihr nicht zu den Völkern gehört, die Gott dahingegeben hat oder dahin geben wird. Das gilt 100% auch für uns Deutsche Sünder allemal. .

  4. Johannes Says:

    @ thomas: Was lehrt uns denn die Kirchengeschichte? Nicht in pauschalen Vorurteilen steckenbleiben!
    Wo steht denn, dass JESUS und Seine Apostel jegliche Gewalt abgelehnt haben?
    Johannes der Täufer, der auch JESUS taufte, hat den Soldaten, die zu ihm kamen, nicht gesagt, das Schwertwegzuwerfen, sondern: „Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold“ (Luk 3,14)! Das heißt doch, sorgt weiterhin die legitime Ordnung im Staat. Dem hat der HERR JESUS nie widersprochen. Bei Seiner Gefangennahme im Garten Gethsemane zog Petrus ein Schwert und schlug dem Diener des Hohepriesters ein Ohr ab. Er war also bewaffnet.

  5. Johannes Says:

    Korrektur: @ thomas: Was lehrt uns denn die Kirchengeschichte? Nicht in pauschalen Vorurteilen steckenbleiben!
    Wo steht denn, dass JESUS und Seine Apostel jegliche Gewalt abgelehnt haben?
    Johannes der Täufer, der auch JESUS taufte, hat den Soldaten, die zu ihm kamen, nicht gesagt, das Schwert wegzuwerfen, sondern: “Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold” (Luk 3,14)! Das heißt doch, sorgt weiterhin für die legitime Ordnung im Staat. Dem hat der HERR JESUS nie widersprochen. Bei Seiner Gefangennahme im Garten Gethsemane zog Petrus ein Schwert und schlug dem Diener des Hohepriesters ein Ohr ab. Er war also bewaffnet.

  6. Ibrahim Says:

    Dann werden die Christen vertrieben und ausgerottet! Ist das gut?

    Wer hilft den den Christen der Westen ? Die USA ? Rußland ?

    Keiner! Die verkaufen Waffen an die Islamisten! Das ist gut?

    Wohl kaum? Aber auf einem Stuhl in Europa zusitzen und zu sagen das ist nicht

    richtig das Christen sich verteidigen wollen ist shr einfach und auch nicht christlich!

    Das ist scheinheilig und naiv!

    • wolfsattacke Says:

      Nein, das ist nicht gut, ich gebe Ihnen vollkommen recht. Der Christ, welcher das Schwert ergreift, kämpft für Gott, für Jesus Christus, für das Christentum gegen den Sieg Satans, so wie die Ordensritter zur Zeit der Kreuzzüge. Nun ist die zeit wieder gekommen, in der wir Christen in der Pflicht stehen, uns dem Bösen zu widersetzen.

  7. Ibrahim Says:

    Kämpfe im Nordirak
    Kurden starten Offensive gegen IS
    Stand: 06.08.2014 15:16 Uhr

    Im Nordirak sind heftige Kämpfe zwischen Kämpfern der sunnitischen Bewegung Islamischer Staat (IS) und kurdischen Truppen aus drei Staaten ausgebrochen. Die Gefechte konzentrierten sich auf ein Gebiet rund 40 Kilometer südwestlich der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil, sagte ein Kurden-Vertreter. Mitglieder der in der Türkei verbotenen kurdischen PKK und der syrischen PYD gingen in der Nähe der Stadt Sindschar gegen die IS-Kämpfer vor.

    Der Kurden-Vertreter sagte, die Peschmerga-Kämpfer kooperierten mit den irakischen Regierungstruppen, um die IS-Kämpfer zurückzuschlagen.

    Laut IS sprengte sich erneut ein deutscher Selbstmordattentäter in die Luft. Er habe 20 Peschmerga-Kämpfer getötet, als er mit einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug in deren Kontrollposten fuhr. Schon im Juli soll ein Deutscher ein Selbstmordattentat in Bagdad verübt haben. Die Angaben lassen sich nicht überprüfen.

    IS-Kämpfer hatten am Wochenende weitere Städte im Nordirak erobert, wo sich auch die autonome Kurdenregion befindet. Die früher als ISIS bekannte Bewegung hatte im Juni weite Teile des Nordiraks unter ihre Kontrolle gebracht und dort ein „Kalifat“ ausgerufen.

    „Westen muss militärisch eingreifen“
    Nahost-Experte Osten-Sacken über die IS-Terroristen und ihr Vorgehen im Irak. | mehr
    Offenbar massiver Luftangriff auf Mossul

    Bei einem Luftangriff der Regierung im vom IS gehaltenen Mossul wurden laut einem Medienbericht 60 IS-Kämpfer getötet. Das irakische Staatsfernsehen meldete, die Attacke im Morgengrauen habe einem Gefängnis in der Innenstadt gegolten, das die Extremisten als Gericht und Haftanstalt benutzt hätten. Rund 300 Menschen, die sich im Gewahrsam der Kämpfer befunden hätten, seien freigelassen worden. Das Fernsehen berief sich auf Geheimdienstbeamte.

    Ein Bewohner von Mossul sagte, Familien der Gefangenen seien an den Schauplatz geeilt, um ihren Angehörigen zu helfen.

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    Maliki droht mit „Höllenfeuer“

    Iraks Regierungschef Nuri al Maliki hält unterdessen an seinem Amt fest. Wer gegen den „Kontext der Verfassung“ verstoße, der zünde im Irak „das Höllenfeuer“ an und verletze den Willen des Volkes, sagte er in seiner wöchentlichen Fernsehansprache.

    Nuri al Maliki | Bildquelle: APgalerieMinisterpräsident Mailiki will gegen alle Widerstände im Amt bleiben.
    Der Schiit ist seit 2006 Regierungschef und will sich für eine weitere Amtsperiode wählen lassen. Er beruft sich dabei auf die Verfassung. Diese gibt dem größten politischen Block im Parlament das Recht, einen Kandidaten für das Amt des Regierungschefs zu nominieren.

    Fast alle anderen politischen Kräfte lehnen jedoch eine erneute Kandidatur Malikis ab. Sie machen ihn unter anderem für den IS-Vormarsch in großen Teilen des Landes verantwortlich. Laut Verfassung muss Staatspräsident Fuad Massum bis morgen einen Politiker mit der Bildung einer Regierung beauftragen.

    Quelle: http://www.tagesschau.de

  8. Ibrahim Says:

    Lage der Christen im Irak
    „In ständiger Angst vor Vertreibung“
    Stand: 29.07.2014 12:07 Uhr

    ARD-Korrespondent Matthias Ebert war für den Weltspiegel im Irak unterwegs und hat dort Christen getroffen, die von den IS-Rebellen schikaniert wurden. Im tagesschau.de-Interview schildert er, warum die Christen nun auf die Unterstützung der Kurden hoffen und in Furcht vor neuer Vertreibung leben.

    tagesschau.de: Der Irak versinkt seit dem Vormarsch der IS-Milizen weiter im Chaos. Die Kurdengebiete im Norden scheinen vergleichsweise stabil zu sein. Woran liegt das – welchen Eindruck haben Sie bei Ihren Recherchen vor Ort gewonnen?

    Matthias Ebert: Ein General der kurdischen Peschmerga-Kämpfer hat mir erzählt, Grund dafür sei das gut ausgebaute Sicherheitsnetz. Es gibt hier viele Checkpoints an allen entscheiden Punkten im Straßensystem. Den strengen Kontrollen unterliegen beispielsweise alle Lastwagen, die Produkte in die Gebietshauptstadt Erbil bringen wollen. Die Besitzer der Lastwagen müssen immer mit in die Stadt hineinfahren, damit Selbstmordanschläge weitgehend ausgeschlossen werden.

    An wichtigen Fabriken und Gebäuden im Kurdengebiet sind Gräben ausgehoben, aus denen im Angriffsfall die Kämpfer verteidigen können. Hinzu kommt die Sprache. Wer aus anderen Landesteilen kommt und nicht Kurdisch spricht, wird noch intensiver überprüft als Einheimische.

    All diese Kontrollen – gepaart mit einem funktionierenden Geheimdienstnetz – tragen zu der Sicherheitslage bei. Wirtschaftlich profitieren die Kurden in erster Linie von den Einnahmen durch das Ölgeschäft.

    alt Sendungsbild
    Zur Person
    ARD-Korrespondent Matthias Ebert arbeitet in der Auslandsredaktion des SWR und ist seit 2011 in Krisengebieten im Einsatz. Er berichtete unter anderem über den Umbruch in Ägypten oder über den Sturz des Diktators Gaddafi in Libyen.
    „Pattsituation zwischen Kurden und IS-Rebellen“

    tagesschau.de: Sie waren mit den kurdischen Peschmerga-Einheiten, die gegen die vorrückenden IS-Rebellen kämpfen, auch an der Front. Was haben Sie da miterlebt?

    Ebert: Bei Karakosch, etwa 30 Kilometer vom nordirakischen Mossul entfernt, verläuft die Front. Mein Team und ich waren mit einem Offizier unterwegs, der uns bis zu einer improvisierten Peschmerga-Kaserne geführt hat, der letzten vor der Frontlinie. 300 Meter von der Kaserne entfernt lagen die kurdischen Kämpfer im Graben, einen Kilometer weiter lagen die Kämpfer des IS im Graben. Zurzeit herrscht dort eine Art Pattsituation. Die IS-Kämpfer zögern, die Peschmerga weiter anzugreifen, weil sie erst vor wenigen Wochen eine Niederlage in der Gegend erlitten hatten – und von den Kurden schließlich zurückgedrängt wurden.

    Weltspiegel
    Weltspiegel, Sonntag um 19.20 Uhr
    Auslandsreportagen der ARD-Korrespondenten | mehr
    tagesschau.de: Haben Sie auch die IS-Kämpfer gesehen?

    Ebert: Nein, das ist zu gefährlich. Dafür hätten wir einen gepanzerten Wagen mieten müssen, um dann weiter in Begleitung der Kurden in Richtung Mossul zu fahren. Doch sieben Kilometer vor Mossul haben die IS-Aufständischen an der Hauptstraße ihren letzen Checkpoint, 800 Meter weiter befindet sich der letzte Kontrollposten der Kurden. Zwischen diesen Punkten dürfen sich nur Fußgänger aufhalten; Autofahrer dürfen dieses Gebiet nicht befahren. Dort zu drehen, wäre wegen Scharfschützen und Raketen der Islamisten also viel zu riskant.

    Autonomiegebiet der Kurden im Irak
    „Die eroberten Gebiete nicht mehr hergeben“

    tagesschau.de: Der von Ihnen beschriebene Ort Karakosch liegt nicht mehr im autonomen Kurdengebiet; dennoch kämpfen dort kurdische Einheiten. Bauen so die Kurden im Windschatten des IS-Terrors ihren Machtbereich aus?

    Ebert: Offen vor der Kamera hat das zwar keiner gesagt, die Peschmerga-Kämpfer dürfen ohnehin keine Interviews geben. Hinter vorgehaltener Hand sagen sie aber, dass sie die Gebiete etwa um Kirkuk, die sie jetzt besetzt halten, nicht mehr hergeben. Dort leben überwiegend Schiiten und Turkmenen. Der Präsident der kurdischen Autonomiegebiete, Massud Barsani, will sogar, dass in den entsprechenden Provinzen ein Referendum abgehalten wird – und sich die Menschen dort entscheiden können, ob sie zur Kurdenregion oder weiter zum irakischen Zentralstaat gehören.

    tagesschau.de: Wie bewerten die Menschen dort die Lage – und wie würden sie bei einem Referendum abstimmen?

    Ebert: In den christlich geprägten Orten zwischen Erbil und Mossul, das derzeit unter IS-Kontrolle ist, würde es dafür vermutlich auch eine Mehrheit geben, weil sich die Menschen dadurch mehr Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität versprechen. Die Christen in der Region sind froh darüber, dass sich die kurdischen Peschmerga-Kämpfer den IS-Milizen in den Weg stellen. Die Menschen sind genervt von der ewigen Gewalt, die seit vielen Jahren von Mossul ausgeht. Extremisten hatten hier immer wieder Anschläge verübt.

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    „Zwischen die Fronten geraten“

    tagesschau.de: Sie haben mit Christen gesprochen, die aus Mossul vor den IS-Terroristen geflüchtet sind. Was haben die Menschen berichtet?

    Ebert: Die Christen aus Mossul wurden vom IS vor die Entscheidung gestellt, entweder zum Islam überzutreten, eine hohe Steuer zu zahlen oder zu fliehen. Die meisten sind daraufhin geflohen, nur diejenigen, die zu alt waren, sind in Mossul geblieben und wurden von den Islamisten zwangskonvertiert. Die Flüchtlinge harren nun teilweise in Karakosch aus, wo sie sich in Rohbauten auf dem Boden Essen machen müssen – und auch dort in ständiger Angst leben, wieder vertrieben zu werden. Die Christen sind hier zwischen die Fronten geraten. Es gibt in der Gegend um Mossul etwa acht größere Ortschaften, in denen zehntausende Menschen leben – vor allem Christen. Und auf ihrer Flucht wurden sie von den IS-Kämpfern regelrecht schikaniert.

    Anhand der irakischen Pässe, die die Religionszugehörigkeit ausweist, konnten die Rebellen an den Kontrollposten sofort erkennen, ob es sich um Christen handelt. Und das nutzten sie aus. Eine Flüchtende hat mir erzählt, dass sie bis zur Unterhose untersucht wurde, ob sie Wertsachen bei sich trägt. Das ging so lange, bis die Rebellen Goldschmuck, den die Frau an ihren Hüften versteckt hatte, entdeckten – und ihr wegnahmen. Andere Frauen berichteten, dass ihnen Ohrringe abgerissen wurden. Klar ist: Die IS-Aufständischen versuchen auf perfide Weise, besonders diese Religionsgruppe auszunehmen.

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    „Flüchtlingscamps an der Kapazitätsgrenze“

    tagesschau.de: Wie ist die Lage in den Flüchtlingslagern auf der kurdischen Seite?

    Ebert: Die Lager stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Es gibt zwar Wasser, aber nicht überall Strom. Deswegen stellen die Vereinten Nationen Strommasten auf, damit dort auch Ventilatoren zum Gang gebracht werden können. Ich haben es selbst erlebt: Bei 45 Grad Celsius Außentemperatur ist es in den Zelten fünf Grad wärmer – 50 Grad, das ist also unfassbar heiß. Die Menschen leben unter extrem ungesunden Zuständen. Und bald sind die Zeltlager voll.

    Aufgefallen ist mir, dass vor allem Sunniten und Turkmenen in den Flüchtlingslagern sind. In den Zeltlagern habe ich keinen einzigen Christen getroffen. Christen gehörten nicht zu den Ärmsten, die in Mossul gelebt haben. Sie versuchten eher durch ihre eigenen Netzwerke, in anderen Gemeinden oder bei Verwandten unterzukommen, etwa in Erbil, Karkosch oder Sulaimaniya.

    Das Interview führte Jörn Unsöld, tagesschau.de.

  9. ich Says:

    Der Herr Stehe Ihnen bei. Es ist bei Ihnen sicher die zeit Schwerter zu Kaufen!


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