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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Die Furcht vor dem muslimischen Prediger 17. Mai 2014

Filed under: Islamische Schandtaten — Knecht Christi @ 23:24

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Die Predigt ist ein kunstvolles und meist „friedliches, eher besinnliches“ Element der islamischen Religion. Dennoch will das ägyptische Religionsministerium 55.000 Imamen die Lizenz entziehen.

Freitag in der großen Al-Rifai-Moschee im Herzen Kairos. Auf dem Minbar, dem ungefähr zwei Meter hohen Rednerpodest, steht Sheikh Muhammad Hammad und predigt. Er trägt ein schwarzes Gewand, darunter ein weißes Hemd und auf dem Kopf einen roten Filzhut, der mit einem weißen Tuch umwickelt ist. Sheikh Hammad beginnt seine Predigt wie üblich mit einem Gotteslob, gefolgt vom Glaubensbekenntnis. „Die Befehlsgewalt liegt bei Dir, die Herrschaft liegt bei Dir, die Größe liegt bei Dir, und es gibt keinen Gott außer Dir“. Gerade in dieser Eröffnung der Predigt spricht Sheikh Hammad mit viel Energie, er verwendet zum Teil sogenannte Reimprosa, bei der durch ähnliche Endlaute ein ganz besonderer Rhythmus entsteht. Bereits als Kind hat er Schulen der al-Azhar besucht, der größten sunnitischen Bildungseinrichtung Ägyptens. Er hat den Koran auswendig gelernt und an der Azhar-Universität sein Theologiestudium absolviert. Der Sheikh weiß um die Wirkung seines Auftritts, wie er später in seinem Büro, einem Nebenraum der Moschee, erklärt: „Wer mich in meinem Büro sieht, sieht einen normalen, einfachen Menschen, der mit anderen zusammensitzt. Wer mich bei der Dars, der Lehrstunde, erlebt, sieht ein anderes Gesicht von mir. Wer mich bei der Predigt sieht, fürchtet sich. Es ist, als ob er mich nie gekannt hätte. Aber so muss ein Prediger sein. Wenn er zu jeder Zeit der gleiche wäre, wäre er kein Prediger“.

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Besonders der erste Predigtteil hat einen mahnenden Charakter, der sich auch in der Sprechweise niederschlägt. Diese hat mit der langen Geschichte der Predigten, ja mit dem Propheten Muhammad selbst zu tun. Die Islamwissenschaftlerin Sabine Dorpmüller versucht zu rekonstruieren, wie Predigten in den ersten Jahrhunderten des Islams klangen: „Ein Hinweis ist sicherlich, dass es einen Hadith gibt, eine Überlieferung, die auf den Propheten zurückgeht, der da sagt, dass die Stimme des Predigers laut, klar und deutlich sein sollte, und auch scharf im Ton, so, wie ein Armeeführer seine Soldaten ermahnen würde. Wir haben natürlich damals keine Mikrofone gehabt. Nehmen Sie mal 50.000 Menschen, die zuhören. Wie geht das eigentlich ohne Mikrofon? Es gab zu der Zeit den sogenannten Mu’id, das ist jemand, der das, was auf der Kanzel gesagt wurde, zehn Reihen weiter wiederholt. Und zehn Reihen weiter finden wir den nächsten und so weiter. Sodass dort ein klangliches Bild entsteht, das für uns heute nur schwer nachzuvollziehen ist. Denn auch wenn wir sagen, der Prediger auf der Kanzel hat einen bestimmten Duktus, hat das auch der Mu’id zehn Reihen später und der nächste dann auch wieder? Sodass die tatsächliche Performanz der Predigt für uns nur schwer zu fassen ist“.

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Die fünf Elemente einer islamischen Predigt

 

 

Auszug Predigt: Allah – gelobt sei er – spricht in der Sure Al Isra: Gepriesen sei, der seinen Knecht nachts reisen ließ vom heiligen Anbetungsplatz zum fernsten, um den herum wir Segen spendeten, um ihm von unseren Zeichen einige zu zeigen! Siehe, er ist der Hörende, der Sehende“ (Koransure 17.1). Fünf Elemente soll eine islamische Predigt enthalten, geht man nach der in Ägypten vorherrschenden shafi’itischen Tradition: Neben dem Gottes- und dem Prophetenlob sind es eine Mahnrede und eine Fürbitte für die Gemeinde – und vor allem: mindestens ein Koranvers. Sheikh Muhammad Hammad hat den ersten Vers der Sure al Isra ausgewählt, der von der nächtlichen Reise Muhammads von Mekka nach Jerusalem handelt. Das ist für ihn der Einsteig, um über Muhammads Geduld zu predigen. Der Prophet habe viele Schicksalsschläge erlitten – angefangen beim frühen Tod seiner Eltern – und sei doch stets geduldig geblieben. So habe Gott ihm seine Geheimnisse offenbart. Doch auch die Offenbarung durch den Engel Gabriel habe Muhammad zunächst als Anfechtung erlebt und seine Angst auch seiner Ehefrau Khadija gestanden: Auszug Predigt: „Muhammad sprach: Aber ich fürchte mich, Khadija. Der Imam Ibn al Hagar al Askalani sagt: Ich fürchte mich, heißt: Ich fürchte, dass mich mein Volk für einen Lügner hält. Ich fürchte, dass dies keine Offenbarung ist, sondern eine Täuschung des Satans. Ich fürchte, dass mich eine Krankheit befallen hat. Ich fürchte, Khadija, dass das nicht die erwartete Offenbarung ist. Ich fürchte, dass der Engel nicht noch einmal kommt, damit ich mich versichere, was ich den Leuten sagen soll. Ich fürchte, dass die Botschaft anders lautete. Und der Prophet zitterte in seinem Haus, und Gott sprach zu ihm: Du Eingehüllter, steh auf und führe die Menschen. Reinige deine Kleider, lass die Sünden hinter dir, denn du hast einen Ruf. Und das Volk erfüllt sein Schicksal durch den Ruf seines Propheten“.

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Das Thema der Predigt wählt Sheikh Hammad entweder nach dem islamischen Kalender aus, dann greift er die entsprechenden Geschichten aus dem Koran oder der Prophetenbiografie auf und versucht, sie neu zu erzählen. Oder er bezieht sich auf aktuelle Themen, die das Land bewegen. Auch zu diesen zitiert er dann oft den Propheten Muhammad und zeigt, inwiefern dieser ein Vorbild sein kann. Stets ist Sheikh Hammad wichtig, dass er die Predigt selbst vorbereitet – und dann auswendig, ohne jegliche Notizen, vorträgt. „Ich bin nicht so wie viele Imame, die fertige Predigten nehmen, ohne sich anzustrengen. Ich lese die ganze Woche über islamische Zeitschriften und wichtige Bücher. Und ich kenne 5000 bis 6000 Hadithe auswendig und habe die wichtigen Korankommentare gelesen. Das Thema wähle ich vielleicht nach etwas, was ich in der Zeitung gelesen habe, oder etwas, was mir unterwegs einfällt. Den Donnerstag verbringe ich zurückgezogen zu Hause, lese die wichtigsten Quellen und die Koranverse, die mit den Themen der Predigt zu tun haben. Dann sammle ich Gedanken aus den verschiedenen Büchern – ich stütze mich nicht nur auf ein Buch. Der Prediger muss einen weiten Horizont haben“.

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Das ägyptische Religionsministerium gibt Predigtthemen vor

 

 

Seit Anfang Februar gibt das ägyptische Religionsministerium das Predigtthema für jede Woche vor – zum Beispiel: „die Rolle der Jugend“, „Wissenschaft und Vernunft“ oder „Umweltschutz“. Schon früher habe es Zeiten gegeben, in denen das Religionsministerium das Thema der Predigt zu bestimmten Festtagen diktiert habe, erzählt Sheikh Hammad. Bisher habe er seine Themen jedoch immer frei gewählt. Zur Zeit ist für ägyptische Imame einiges im Umbruch. Das Religionsministerium hat angekündigt, rund 55.000 Imamen die Lizenz zu entziehen. Außerdem sollen in Moscheen mit weniger als 80 Quadratmetern keine Freitagspredigten mehr gehalten werden. Mit diesen Maßnahmen wolle das Religionsministerium Moscheen und Politik wieder trennen, erklärte Minister Mohamed Mokhtar Gomaa. Dahinter steht allerdings doch Politik: Gerade Imame, die keine Ausbildung von der Azhar-Universität haben und oft in kleineren Moscheen tätig sind, stehen bei den neuen Machthabern unter Verdacht, für die mittlerweile verbotene Muslimbruderschaft zu werben. Sheikh Hammad, dessen Al-Rifai-Moschee eine der größten der Stadt ist, legt dagegen großen Wert darauf, sich in politischen Fragen zurückzuhalten: „Ich bin Moscheeprediger für alle Leute. Der Prediger darf keiner politischen Partei angehören. Denn dann vergisst er, dass er ausgewogen sein muss. Es gibt Prediger, die einer Partei anhängen und wollen, dass diese siegt, selbst wenn sie irrt. Deswegen beschimpfen sie andere oder erklären sie gar für ungläubig. Das darf nicht sein. Der Prediger ist da, um Verletzungen zu heilen, nicht um weiter zu verletzen und Blut fließen zu lassen. Er soll die Leute durch gute Worte heilen und zusammenbringen. Die Prediger, die einer Partei angehören und die in ihrer Predigt für diese Partei kämpfen und die Menschen mitziehen, das sind Prediger, wie wir sie früher hatten. Prediger der Herrschenden wurden sie früher genannt – wir können sie heute auch noch so nennen. Ein Prediger darf aber nicht parteiisch sein. Denn die Kanzel, auf der er steht, ist die Kanzel des Propheten, und darauf zu sprechen verlangt Treue zu Gott und seinem Propheten“.

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Das soll nicht heißen, dass Sheikh Hammad auf der Kanzel nie über Politik spricht. Aber er vermeidet es, in die Details zu gehen, sondern ruft eher zu Einigkeit und Dialog auf. Der Islamwissenschaftler Jan Scholz vom Exzellenz-Cluster „Asien und Europa im globalen Kontext“ der Universität Heidelberg hat die Beobachtung gemacht, dass Politik in Predigten eher indirekt angesprochen wird. Das früher obligatorische Einschließen des Herrschers in die Fürbitte fällt heutzutage weg. „Was man aber durchaus findet, ist dass man sich immer wieder auf ‚unser Land‘ bezieht oder tatsächlich auf Ägypten. Das sind dann Stellen, da sieht man doch, dass die Predigt in gewisser Hinsicht auch eine Sprachform ist, die natürlich der Nationalismus für sich zu nutzen gewusst hat und dass sich das heute auch noch widerspiegelt“. Vor allem aber geht es in den Freitagspredigten darum, wie man „richtig“ und möglichst fromm lebt. Dafür gibt häufig der zweite Teil der Predigt konkrete Hinweise. Denn die islamische Predigt ist zweigeteilt – der Prediger macht nach dem ersten Teil eine kurze Pause und setzt sich dafür oben auf der Kanzel hin, dann steht er wieder auf und beginnt den zweiten Teil, zunächst ebenfalls mit Gotteslob und Glaubensbekenntnis. Sheikh Hammad hat für diesen Teil ein Thema aus der Lebenswelt seiner Zuhörer ausgesucht: die bevorstehende Feier zu Ehren von Zeinab, der Enkelin des Propheten Muhammad. Nach sunnitischer Tradition soll sie in Kairo begraben sein, im islamischen Monat Ragab wird hier ihr Geburtstag mit einem großen Fest und einer Art Jahrmarkt begangen. Manche strenggläubigen Muslime halten so eine „Heiligenverehrung“ für unislamisch.

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Doch Sheikh Hammad stellt klar: „Ihr behauptet, dass der Besuch von diesen Stätten verboten sei, dass es Polytheismus sei. Ich sage euch, dass diese Besuche, das Berühren des Schreins und das Verweilen dort eine Verbindung zum Propheten schaffen – der Friede Gottes sei mit ihm“. Sheikh Hammad kann davon ausgehen, dass Zeinab allen Anwesenden ein Begriff ist – er nennt trotzdem nochmal Eckdaten ihres Lebens, kurz und bündig. Das Klischee vom orientalischen Erzähler, der Geschichten wie aus 1001 Nacht lang und blumig ausschmückt, trifft auf den Freitagsprediger nicht zu, erklärt Sabine Dorpmüller: „Geschichten erzählen fand statt auch in Form von Predigten, aber außerhalb des rituellen Rahmens des Freitagsgebets. Im Freitagsgebet sind beide Predigtteile sehr kurz. Entsprechend haben wir keine breiten epischen Formen von Erzählungen aus der Heilsgeschichte. Stattdessen finden wir eher Anspielungen, Hinweise darauf. Sodass der Gläubige, der natürlich die entsprechenden Erzählungen aus der Heilsgeschichte kennt, diese sozusagen im selben Moment abrufen kann, sie werden aber nicht weiter in die Predigt eingebaut“. Für das Geschichtenerzählen sind heutzutage eher die Fernsehprediger zuständig. Der bekannteste in Ägypten ist Amr Khaled. Der gelernte Buchhalter hat zahlreiche religiöse Fernseh-und Radiosendungen und bewirbt seine Tätigkeiten auch über Facebook, Twitter und Youtube. Mit seinem millionenschweren Einkommen hat er mehrere Hilfsorganisationen gegründet. In seiner täglichen Sendung Basmat Amel – das Lächeln der Hoffnung – erzählt er in ägyptischem Arabisch die Geschichten von einfachen, unbekannten Menschen, die Großes geleistet und mutig gehandelt haben oder für ihren Glauben eingestanden sind: „Im Namen Allahs des Barmherzigen, des Allerbarmers, willkommen zu Basmat Amel. Heute geht es um eine Geschichte von einem sehr, sehr, sehr reichen Geschäftsmann, mit viel Geld und vielen Autos. Er besitzt die größte Stift-Fabrik in China und Ostasien – eigentlich ist er Amerikaner, aber er ist einer der größten Exporteure von Kugelschreibern und Bleistiften. Du kannst seine Produkte in Ägypten oder anderswo finden. Er baut hier und da eine Fabrik und arbeitet…“

Scholz: „Viele Gläubige, vielleicht gerade aus einer aufsteigenden Mittelschicht und insbesondere einer reichen Oberschicht haben das Gefühl, dass diese Prediger in der Moschee, diese Azhar-Prediger eigentlich weitab von ihrer gegenwärtigen Lebensrealität sind. Amr Khaled sitzt ohne Religiosität zu konnotieren in einem Anzug zunächst mal da, hat ein sehr weltliches Auftreten. Er spricht sehr direkt zu den Leuten, eine Tatsache, die dadurch untermauert wird, dass er sehr schnell spricht, dass er eben grundsätzlich im Dialekt spricht. Das gibt dem immer den Charakter des sehr Spontanen, was nicht bedeuten darf, dass die Predigten oder seine Sendungen nicht sehr genau durchgeplant wären, wenn man sich das genau anschaut, stellt man das fest. Er gibt den Zuschauern viel mehr Möglichkeiten zum Miterleben, er spricht häufig von einem wir, oder er spricht die Zuschauer direkt an, mit Du. Das ist etwas, gerade diese direkte Ansprache, die würde man in der Freitagspredigt weniger finden“. Basmet Amel: „Die Geschichte ist zu ende, aber sie sagt etwas Wichtiges: Leute, wenn ihr Menschen helft, helft ihnen zuerst einmal, Menschen zu sein, bevor ihr ihnen Geld zum Essen gebt. Lehrt sie zu arbeiten. Anstatt ihnen einen Fisch zu geben, gebt ihnen eine Angel, damit sie fischen lernen. Macht es wie (meine Organisation) die Life makers. Helft Menschen, ihre Situation zu verbessern. Wichtiger als das Geld ist für die Menschen, sich geschätzt zu wissen, ihren Wert zu kennen. Das hat dieser Mann getan. Ein Lächeln der Hoffnung für jeden Menschen, der anderen beibringt, Erfolg zu haben, bevor er ihnen Geld gibt. Danke für eure Aufmerksamkeit – der Friede und die Gnade Gottes sei mit euch“.

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{Quelle: http://www.deutschlandradiokultur.de/islam-die-furcht-vor-dem-prediger.1278.de.html?dram:article_id=285672 – Von Anne Francoise Weber}

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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