
So gefährlich ist die Rückkehr „deutscher“ Dschihadisten aus Syrien für uns
Mehr als 320 Dschihadisten aus Deutschland kämpfen laut Verfassungsschutz aktuell in Syrien, Tendenz steigend. Nun kehren die ersten Veteranen zurück – und gefährden die innere Sicherheit unseres Landes gleich doppelt. Sie können Bomben bauen und haben das Töten gelernt. Für den Kriegsverlauf in Syrien sind Dschihadisten aus Deutschland ohne Bedeutung. Oft genug dient der Dschihad-Nachwuchs aus Deutschland und anderen europäischen Ländern nur als Kanonenfutter. Denn außer Kampfeslust bringen die meisten kaum etwas mit. Es fehlt an militärischer Ausbildung und Erfahrung. So sind bislang bereits mehr als 20 Dschihadisten in Syrien getötet worden.

Mund-zu-Mund-Propaganda lockt neue Rekruten
Dennoch hat die Anwesenheit dieser Kämpfer einen Nutzen. Er garantiert mediale Aufmerksamkeit. Diese wiederum nutzen die Dschihadisten für ihre Propaganda: Auf Hunderten von Accounts in sozialen Medien wie Facebook und Twitter berichten Gotteskrieger von ihren Erlebnissen in Syrien, schwärmen von der Gemeinschaft der Mujahidin – und fordern ihre daheim gebliebenen Brüder auf, es ihnen gleichzutun.
Das prominenteste Beispiel für derartige Propaganda ist der Berliner Denis Cuspert. Bevor er sich zum überzeugten Dschihadisten wandelte, war Cuspert Gangster-Rapper Deso Dogg und eher mäßig bekannt. Heute nennt er sich Abu Talha al-Almani.
Cuspert wird als Kriegsheld gefeiert
Cuspert hält sich seit Monaten in Syrien auf; im April hat er sich der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und Großsyrien (ISIS) angeschlossen. Bei einem Angriff der syrischen Luftwaffe im September 2013 wurde er schwer verwundet und fiel ins Koma. Inzwischen scheint er wieder genesen. Von Beginn an hat er Videos, Fotos und Statements veröffentlicht. Damit ist Cuspert ein Bindeglied zwischen Syrien und den Daheimgebliebenen, an die er seine Botschaft richtet. Unabhängig davon, an wie vielen Gefechten Cuspert tatsächlich teilgenommen hat: Für seine Brüder daheim ist er ein Kriegsheld, ein Vorbild, zu dem man aufsehen kann. Sein Beispiel ist geeignet, weitere Sympathisanten zu inspirieren, sich ebenfalls auf den Weg nach Syrien zu machen.

„Veteranen können Bomben bauen und haben das Töten gelernt„!
Während auf diese Weise immer neue Kämpfer geworben werden, kehren die ersten Dschihadisten nun nach Deutschland zurück. Diese Veteranen könnten in doppelter Hinsicht eine Gefahr für die innere Sicherheit Deutschlands darstellen.
Steigt die Gefahr von Terroranschlägen?
So ist die Gefahr, dass Veteranen des Syrien-Kriegs in Deutschland Terroranschläge verüben könnten, zweifellos gegeben. Trotz einer vielleicht nur eingeschränkten Kampferfahrung haben die Veteranen doch eine militärische Ausbildung erhalten oder sind im Bombenbau geschult worden – in einigen Fällen vielleicht sogar mit dem konkreten Auftrag, in Deutschland Anschläge zu begehen. In jedem Fall sind diese Rückkehrer gewaltbereit und haben das Töten gelernt. Dabei wird nicht jeder Rückkehrer automatisch zum Terroristen. So wird es einige geben, die wieder ein normales Leben führen wollen. Andere wiederum könnten Deutschland als Ruheraum nutzen, bevor sie erneut in den Dschihad ziehen – in Syrien oder anderswo.

Veteranen stellen Netzwerke zur Verfügung
Zu einer Gefahr können die Veteranen jedoch auch dann werden, wenn sie kommende Attentäter bei ihren Operationen in Deutschland unterstützen. Die in Syrien geknüpften Netzwerke zwischen Dshihadisten aus aller Welt macht es Terrorgruppen leichter, Anschläge auch in Europa zu verüben. Die Veteranen müssen also nicht selber aktiv werden – es reicht, wenn sie anderen ihr Netzwerk und die notwendige Infrastruktur für die Vorbereitung zur Verfügung stellen. Die Anschläge verüben könnten dann solche Attentäter, die unauffällig geblieben sind und nicht die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich gezogen haben, beispielsweise indem sie in Syrien oder anderswo gekämpft haben.
Islam lässt sich nicht auf Jihad reduzieren
Drüber hinaus liegt eine weitere Gefahr in dem Einfluss, den Dschihad-Veteranen auf die muslimischen Communities in Deutschland gewinnen könnten. Denn für viele Daheimgebliebene sind die Rückkehrer Helden – und damit Vorbilder. Ihr Wort hat Gewicht. Das beeindruckt erfahrungsgemäß vor allem die Jugendlichen. Mehr Rekrutierungen bei einer gleichzeitig beschleunigten Radikalisierung könnten die Folge sein. Sollten die Syrien-Veteranen künftig zu Dutzenden oder gar zu Hunderten zurückkehren, dann dürfte ihre schiere Präsenz die muslimischen Communities in Deutschland grundlegend verändern – hin zu einer „Dschihad-Kultur“, die alternative Lesarten des Islam verdrängt: solche nämlich, die die Religion nicht auf den Dschihad reduzieren.
Die von den Rückkehrern ausgehende Gefahr wächst mit jedem Tag, die der Krieg in Syrien andauert. Denn er produziert mehr und mehr Veteranen. Deren Aktivitäten werden uns auch in Deutschland noch lange beschäftigen.
