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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Alle Christen feiern dieses Jahr am selben Tag 13. April 2014

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 12:39

Es ist etwas Besonderes: In diesem Jahr feiern Katholiken und Protestanten am selben Wochenende Ostern wie die orthodoxen Christen. Auch das jüdische Pessach-Fest fällt 2014 auf dieses Datum.

2014 ist ein besonderes Jahr für alle Christen der Welt. Denn es kommt so gut wie nie vor, dass die westlich geprägten Kirchen, wie die protestantische und die römisch-katholische Kirche, gemeinsam mit den orthodoxen Christen und den Juden Ostern feiern können. Das liegt am Kalender, beziehungsweise an zwei Kalendern. Heute divergieren der julianische und der gregorianische Kalender um 13 Tage. Alle Feste, die an fixen Terminen im Kirchenjahr gefeiert werden, sind zwischen der orthodoxen und der christlichen west-römisch-katholischen Kirche um 13 Tage verschoben. Nur nicht in diesem Jahr. Da können alle Christen gemeinsam das Fest feiern, das neben Weihnachten das wichtigste ist: die Auferstehung Jesu. Auch in Bietigheim, wo es neben den westlichen christlichen Kirchen auch griechisch- und syrisch-orthodoxe Christen gibt. Die „heilige Zeit“, so werden die Tage vor Ostern genannt, ist in christlichen Kirchen etwas ganz Besonderes, denn es spiegelt sich in der Karwoche das ganze menschliche Leben wider: Am Palmsonntag, dem Einzug Jesu in Jerusalem, wird ein Fest gefeiert, das dann überschattet wird von schlechter Vorahnung in der Karwoche. Am Gründonnerstag verabschiedet man sich von allem Tand, die vorerst letzte Eucharistiefeier wird begangen, bevor am Karfreitag große Trauer einsetzt, weil Jesu am Kreuz stirbt, das er eigenhändig den Berg Golgotha hinauf tragen musste. Doch: In der Osternacht, von Samstag auf Sonntag, steht Jesus von den Toten auf, die Freude ist wieder groß. Ein Auf und Ab der Gefühle, wie im wirklichen Leben. Die Botschaft hinter dem biblischen Geschehen: Gott hat sich dem Menschen gleichgemacht. Er hat Freude, Leid, Schmerzen und Trauer mit ihnen geteilt und durchlitten. Jesus starb für die Menschen, um für sie wieder aufzuerstehen und damit den Glauben an ein Leben nach dem Tod zu begründen. Diese Botschaft eint die christlichen Gemeinden.

Foto: Palm Sunday 

"When Lord entered Jerusalem town
Children holding Olive branches shouted, 
‘Oh! Son of David! Who came to save mankind
Oh Lord of David! Welcome Oh Son of God!’
Hosanna in the highest, bliss in the depths
Blessed is the one who has come and is to come with the angels

‘Holy! Holy! Holy!’ is the God, the heavenly angels praised
Holy is who rode on a donkey to Jerusalem
Thank the Son with songs forever
Duty is only to thank Him, not be silent
Oh Zion! You have forsaken Your King
Blessed is the Church who praise Him with Hosannah
Children, elderly, priests, all men and women 
Are praising Him with Hosannah"

Nur die Ausführung der zum Teil jahrtausendealten Ostertraditionen in den Kirchen weicht voneinander ab. Gleich ist jedoch allen Kirchen, dass, während Weihnachten ein Fest der Familie ist, an Ostern die Gemeinschaft der Christen gefeiert wird. Und so gibt es nach den Ostergottesdiensten auch immer ein Zusammenkommen der Gemeinde, sei es beim Frühstück, beim Ostereiessen, beim gemeinsamen Gang zum Friedhof oder zum Mittagessen. Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien, auch Aramäer genannt, die in Bietigheim-Bissingen und Umgebung zirka 1500 Gemeindemitglieder hat, zählt als die älteste christliche Kirche der Welt. Sie sprechen immer noch Aramäisch, die älteste Sprache der Welt, die auch Jesus Christus sprach. Ihre Traditionen sind jahrtausendealt und werden auch fern der Heimat in der Diaspora gelebt. Ostern, so sagt Abdulahad Kis Afrim, Priester der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Bietigheim, ist das „Fest der Feste“, weil, wie er sagt, hier der Glauben ganz intensiv gelebt wird. Während westliche Christen, wie Katholiken und Protestanten, 40 Tage fasten, tun die Syrer das zehn Tage länger. Und: Sie essen in dieser Zeit keinerlei fleischliche Produkte, leben also vegetarisch. Jeder der fünf Sonntage in dieser Zeit hat eine feste Bedeutung und steht im Zeichen einer Lesung, der erste beispielsweise hat die Hochzeit zu Kanaa zum Thema. Am Palmsonntag gibt es in der syrisch-orthodoxen Kirche eine Palmprozession mit Olivenzweigen, die geweiht werden und von dem Priester und seinen Diakonen anschließend in die Gemeinde geworfen werden, die sie dann mit nach Hause nehmen können. Ein Kreuz aus Olivenzweigen symbolisiert Jesus. In der katholischen Kirche, so erklärt Pfarrer Roland Deckwart von Sankt Laurentius, geht es in der Karwoche darum, dass Gott zum Mensch wird und somit alles durchleidet, was Menschen erleiden müssen.

Karwoche-Bild

Während der Karwoche fallen in allen Kirchen die lobenden Gesänge weg. Die syrisch-orthodoxen Christen halten in ihrem Betsaal in der Besigheimer Straße 12 immer um 19 Uhr ein Abendgebet. Am Gründonnerstag wird die Fußwaschung durch Abdulahad Kis Afrim zelebriert, in der katholischen Kirche Zum Guten Hirten in Besigheim, weil der eigene Betsaal die vielen Besucher nicht aufnehmen könnte. Auch Pfarrer Roland Deckwart von Sankt Laurentius nimmt die Fußwaschung selbst vor. Dies ist ein Zeichen, dass alle Christen gleich sind, dass Gott sich den Menschen gleich gemacht hat. Zum letzten Mal wird ein Gottesdienst mit der heiligen Kommunion, in den evangelischen Kirchen mit dem Abendmahl, zelebriert. Die Katholiken treffen sich in den Betstunden zur sogenannten Ölbergwache. Der Altar wird am Abend abgeräumt, das Kreuz verhängt, als Zeichen der Trauer. Der Karfreitag ist vor allem für evangelische Christen ein hoher Feiertag, in dem sie den Tod Jesu, der für die Menschen starb, in den Mittelpunkt rücken. „Wir sollen uns an diesem Tag selbst auch in den Tod hineingeben und die Leiden Christi betonen“, erklärt Eva-Maria Freudenreich, Pfarrerin an der Kilianskirche Bissingen. Die Orgel schweigt an diesem Tag, nur die Gemeinde singt Passionschoräle. Um 15 Uhr, der Todesstunde Jesu, gibt es in der Bietigheimer Stadtkirche von Heinrich Schütz „Die sieben letzten Worte des Erlösers“. Ein Konzert mit Violine und Orgel um 17 Uhr in der Kilianskirche ist angemessen für die Bedeutung des Tages.

Der tote Jesus steht bei den syrisch-orthodoxen Christen an Karfreitag im Mittelpunkt. Das Olivenzweigkreuz wird in Tücher gewickelt, wie es in der Bibel steht, in Weihrauch getränkt und in einen Sarg gelegt, es symbolisiert den Leichnam Jesu. Zuvor trug es Priester Abdulahad Kis Afrim in einer kleinen Prozession zur Kirche Zum Guten Hirten. Der Sarg wird am Schluss des Gottesdienstes über den Eingang gehoben, alle Gemeindemitglieder müssen unter ihm durchgehen und bekommen Essigwasser zu trinken – so wie es in der Bibel steht. Am Ostersonntag wird das Kreuz mit dem Ruf „Jesus ist auferstanden“ aus dem Sarg genommen. In italienischen katholischen Gemeinden wird eine Karfreitagsprozession dargestellt. Ein Gemeindemitglied trägt – wie Jesus – das Kreuz. In Bietigheim findet dies in der Kirche Sankt Laurentius statt. Erst in der Osternacht, in der die Kirchen zuerst unbeleuchtet sind, bricht sich nach dem Ruf „Jesus lebt“ der Jubel Bahn. Die Kilianskirche feiert am Sonntagmorgen bei Sonnenaufgang ab 5.30 Uhr. Um 5 Uhr wird das Osterfeuer entzündet und in die Kirche gebracht. „Der Gottesdienst symbolisiert den Aufbruch und die Heilsgeschichte vom Alten zum Neuen Testament“, erklärt Eva-Maria Freudenreich. Die Musik an diesem Tag ist traditionell. Kantor Joachim Göller von der Kilianskirche aber streut mit den „Vocal Chords“ auch ein paar moderne Lieder wie „Morning has broken“ oder „Bless the Lord my Soul“ ein.

Nach den Gottesdiensten ist Gemeinschaft angesagt, beim Frühstück oder, wie bei den syrisch-orthodoxen Christen, bei einem Gang durch den Bissinger Friedhof, zu den Verstorbenen. An den Gräbern wird ein bei den Aramäern sehr beliebtes Spiel gespielt: das Eierschlagen. Indem die Gläubigen bunte Eier an den Gräbern aufeinanderschlagen, beziehen sie die Toten mit ein.

http://www.swp.de/bietigheim/lokales/bietigheim_bissingen/art1188806,2539700

 

 

 

 

 

 

 

 

One Response to “Alle Christen feiern dieses Jahr am selben Tag”

  1. Andreas Says:

    Sehr bedeutsames Osterdatum – die Einheit der Christenheit im gemeinsamen Osterfest und das jüdische Passahfest „überkreuzen“ sich: ein wahrlich wundersames Ereignis…


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