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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Famagusta: Frühere St. Nikolaos-Kathedrale – Lala Mustafa Pascha-Moschee 10. April 2014

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 23:28

 

 

 

 

 

 

Nikosia fiel am 9. September 1571, gefolgt in den nächsten Tagen von Paphos, Limassol und Larnaka. Kyrenia ergab sich ohne Kampf. Am 18. September erschien das osma1571nische Heer vor Famagusta, der letzten venezianischen Festung auf der Insel, die zwar stark, aber strategisch unklug befestigt war. Die Verteidiger widerstanden elf Monate, bis zum 1. August 1571. Mustafa sicherte den Verteidigern freies Geleit in venezianisches Hoheitsgebiet zu, ließ dann aber Bragadin gefangen nehmen und ließ seine Gefolgschaft, die ihn zu den Verhandlungen begleitet hatte, umbringen. Der venezianische Statthalter von Zypern, Marcantonio Bragadin, wurde von Mustafa Pascha mehrere Tage lang gefoltert und danach getötet; man schnitt ihm Ohren und Nase ab und häutete ihn bei lebendigem Leib.

 

 

 

 

 

 

 

 

Seine Körperteile gingen als Trophäen an osmanische Einheiten. Seine Haut füllte man mit Heu, bekleidete den so geschaffenen Körper mit Uniformteilen, setzte ihn auf einen Ochsen und paradierte ihn durch Famagusta. Zusammen mit den Köpfen anderer venezianischer Kommandeure spießte man ihn dann auf dem Bug von Mustafa Paschas Galeere auf und brachte ihn nach Konstantinopel. 1580 gelang es, Bragadins Haut – nach Zahlung eines hohen Lösegeldes – von Konstantinopel nach Venedig zu überführen, wo sie zunächst in der Kirche „San Gregorio“ bestattet wurde, dann in der Kirche Santi Giovanni e Paolo (genannt San „Zanipolo“), wo sie sich noch heute befindet.

 

1570 stand das Heer der Osmanen unter General Lala Mustafa Pascha vor der Stadt. Nach elfmonatiger Belagerung mussten sich die letzten 500 Verteidiger am 1. August 1571 der Übermacht ergeben. Die im Kampf kaum beschädigte Stadt wurde von den Eroberern nachträglich zerstört, Kirchen wurden in Moscheen umgewandelt, so unter anderem die St. Nikolaos-Kathedrale in die Lala-Mustafa-Pascha-Moschee, andere Kirchen als Lagerhallen genutzt.

Famagusta hat gegenwärtig noch 22 Kirchen, die meisten von ihnen müssen allerdings als Ruinen angesehen werden.

 

 

 

 

 

 

 

Die ehemalige Kathedrale St. Nikolaus, heute Hauptmoschee der Muslime Famagustas, zählt neben der Abtei Bellapais und der Kathedrale St. Sophia (Selimiye-Moschee) in Nicosia zu den herausragenden Bauwerken gotischer Architektur in Zypern. Seit 1954 trägt sie den Namen des osmanischen Eroberers Lala Mustafa Pascha.

 

 

 

 

 

 

 

Geschichte

Schon bald nach dem blutigen Finale in der osmanisch-venezianischen Auseinandersetzung um die Vorherrschaft auf Zypern (1571) begann die Umwandlung des christlichen Gotteshauses in einen Versammlungsort der Muslime. Gemäß der islamischen Tradition waren alle figürlichen Darstellungen zu entfernen, seien es Skulpturen, Abbildungen auf Fresken oder in der Glasmalerei. Auch die Einrichtung wurde fortgeschafft, Teppiche bedeckten jetzt den Boden. Wände und Säulen erhielten einen kalkweißen Anstrich, Mihrab (Gebetsnische) und Mimber, die Predigerkanzel für das Freitagsgebet, wurden eingebaut. Ein kurzes Minarett krönt seit jener Zeit den nördlichen Turm und ein Reinigungsbrunnen (sadirvan) fand Platz in den Resten eines venezianischen Gebäudes auf der Südseite des Vorhofs.

Ungeachtet aller Veränderungen blieb das Bauwerk doch unverkennbar ein Spross reinster französischer Gotik. Allein die grandiose Westfassade macht die Verwandtschaft mit der Kathedrale von Reims besonders deutlich. Es war das Zeitalter großartiger Kirchen- und Kathedralenbauten, als 1298 der Grundstein gelegt wurde, zeitgleich mit der Kathedrale von Palma de Mallorca und dem Dom von Florenz. 1326, nach 28jähriger Bauzeit, war das Werk vollbracht.

Auch die Kathedrale St. Sophia in Nicosia wurde in diesem Jahr eingeweiht. Wurden dort die Lusignanherrscher zu Königen von Zypern gekrönt, setzte man ihnen in der Nikolaus-Kathedrale zu Famagusta in einer nur noch symbolischen Zeremonie die Krone als Könige des längst an die „Ungläubigen“ verlorenen Jerusalems aufs Haupt. Während der Krönung von Pierre II. (1372) kam es zu dem berüchtigten Zwischenfall, der Genuas Machtergreifung nach sich zog und den Anfang vom Ende der Glanzzeit Famagustas markiert.

Auch die unglückliche Caterina Cornaro stand in enger Verbindung zur Nikolaus-Kathedrale. Die letzte zyprische Königin heiratete hier Jacques II. de Lusignan und siebzehn Jahre später (1489) unterzeichnete sie am gleichen Ort in einem bewegenden Akt die Abdankungsurkunde, verließ für immer Zypern und machte den Weg endgültig frei für die Herrschaft Venedigs.

Das Bauwerk

Prunkstück der Kathedrale ist ohne Zweifel seine Westseite, eine eindrucksvoll gestaltete Zweiturm-Fassade (ein unerreichtes Beispiel für eine Einturm-Fassade zeigt das Freiburger Münster, das etwa zur gleichen Zeit entstand). Entgegen einer weit verbreiteten Meinung waren die beiden Türme im Originalzustand nicht höher als jetzt. Lediglich einige Bauornamente (Fialen) und giebelartige Überbauungen (Wimperge) am oberen Abschluss der Türme wurden zerstört oder beschädigt.

Flankiert von den beiden schlanken polygonalen Treppentürmen, darin Wendeltreppen hinaufführen, über die man die vorgelagerte Galerie unterhalb der prächtigen Fensterrose erreichte, liegt das Hauptportal mit den beiden Seitenportalen. Üppige Archivolten umspannen die Portale, gekrönt von Wimpergen, die auf ihren Kanten sog. „Krabben“ oder Kriechblumen tragen, welche versteinerten Wellen ähneln. Maßwerk, die für gotische Bauwerke so charakteristischen geometrisch-ornamentalen Unterteilungen von Fenstern und Arkadenbögen, ist in immer neuen Formen über die gesamte Fassade verteilt. Am eindrucksvollsten: die große Fensterrose über dem Hauptportal. Sie wird von zwei seitlichen Dreipässen (einem häufig verwendeten Maßwerkelement) flankiert und von drei schön geschwungenen Doppelarkaden getragen. In den Turmfassaden erkennt man die schlanken hochreichenden „Blendfenster“, Scheinfenster mit aufgelegten Maßwerkmotiven. Vor der Fensterfront liegt die zu besonderen Festlichkeiten von der Königsfamilie und den Kirchenoberen genutzte Galerie.

Das dreischiffige Innere der früheren Kathedrale ist lichtdurchflutet. Starke Säulen stemmen den Bau. Er wirkt gedrungen, nicht höhenbetont. Dieser Eindruck bestätigt sich bei einem Gang um das Bauwerk. Besonders ins Auge fallen dabei die starken Strebepfeiler mit Strebebögen, die sich Stabilität verleihend an die Längsseiten lehnen, eine in Zypern verbreitete Bauweise angesichts häufiger Erdbeben. Wie sinnvoll diese Sicherung ist, zeigt der gute Erhaltungszustand des Ostabschlusses der Kathedrale, namentlich des Chors und der Apsis des südlichen Seitenschiffs.

http://www.schwarzaufweiss.de/Nordzypern/famagusta-lalamustafapascha.htm

 

 

 

 

 

 

 

 

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