kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Plädoyer für die zugespitzte Predigt 18. März 2014

Filed under: Werte für Jugend — Knecht Christi @ 00:06

Vor zwei Jahren ging seine Heiligkeit Papst Schenuda zur ewigen Ruhe

Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens„.

(Hebräer 4:12)

Es gab schon immer zwei Arten von Verkündigern und Christen. Das sind einmal diejenigen, die niemanden zu Nahe treten wollen und so sorgfältig und behutsam formulieren, dass im Grunde nichts gesagt wird. Im Extremfall führt das zu einer weichgespülten Verkündigung der Beliebigkeit. Auf der anderen Seite sind diejenigen, die gradheraus sind und sagen was Sache ist. Im Extremfall kann das zu Rechthaberei und einem unguten Fundamentalismus führen. Rückschauend hat sich aber gezeigt, dass die Polterer, die Klartext geredet haben, mehr bewirkten, als die sanftmütig Angepassten. Dieser Tage fiel mir der Artikel des Evangelisten Theo Lehmann aus der Zeitschrift „Confessio Augustana“ Nr. IV / 2003 – unter der Überschrift Eindeutige Verkündigung – Plädoyer für die zugespitzte Predigt„, in die Hände. Theo Lehmann berichtet davon, dass, während einer seiner Predigten, eine Gruppe Jugendlicher aus Protest die Kirche verließ. Seine Mitarbeiter machten ihm daraufhin Vorwürfe: So geht das nicht! Du hast zu hart gepredigt und die Jungs abgeschreckt und verscheucht„!

1977 im weißen Haus – Anfang der Probleme mit Anwar Saddat

Eigentlich wollte er doch Menschen für Christus gewinnen. Und jetzt das! Geplagt von schweren Zweifeln an seiner Predigtweise und seiner Eignung für den Dienst als Evangelist, begab es sich ins Bett. Am nächsten Morgen sah er wieder klar: Es ist einfach so, dass jede Predigt vom Hörer eine Entscheidung verlangt, und die kann eben pro oder contra sein. In seiner unnachahmlichen Art schreibt Theo Lehmann: „Noch die lahmste Kanzelrede stellt den Hörer vor die Frage: ‚Glaub ich, will ich, mach ich, was der Pfarrer da sülzt? Oder hau ich ab und lass den samt seinen lieben Gott einen guten Mann sein'“?  Unabdingbar ist, laut Lehmann, eine klare Verkündigung, die eine klare Entscheidung ermöglicht. Deshalb dürfen die ärgerlich-anstößigen Seiten nicht weggelassen werden. Das Verschweigen hat nichts mit Liebe zu tun – wonach man nichtzu hart, zu spitz, zu lieblos sein darf – sondern mit Feigheit. Der Verkünder muss, als Herold seines Herren, dessen Botschaft vollständig, eindeutig und klar, ohne Drumherumgerede, verkündigen. Also nichts Verschleiern, Runterspielen und Weglassen. Die Botschaft nicht in Watte packen, sondern zu einem spitzen Pfeil machen, der trifft.

Am 09. September 1981 stellte Saddat den Papst im Kloster des Hl. Bischoy im Natrontal unter Hausarrest – Am 06. Oktober 1981 erschossen die muslimischen Terroristen den ägyptischen Präsidenten Saddat – Trotzdem blieb seine Heiligkeit weitere 39 Monate unter Mubarak.

Also keine Gummigeschosse unter dem Deckmantel der Liebe und Barmherzigkeit, weil es lieblos und unbarmherzig ist, den anderen sehenden Auges in ein Minenfeld oder in den Abgrund laufen zu lassen. Verkünder und bekennende Christen sind Wegweiser auf Jesus Christus. Und jeder Wegweiser hat eine Spitze und diese Spitze soll man spüren. Die Frage kann, wenn es um ewiges Leben oder ewigen Tod geht, nicht die sein, ob wir uns dabei beliebt oder unbeliebt machen. Auch Jesus sind viele davongelaufen, weil sie seine Botschaft nicht ertragen konnten. Das ist heute nicht anders. Den Leuten nach dem Mund zu reden und Ärgerliches wegzulassen, damit sie bei der Stange bleiben, ist in Sachen des Evangeliums ebenso unverantwortlich, wie einem Patienten, aus Angst vor dessen Reaktion, eine lebensbedrohliche Diagnose zu verschweigen.

Jörgen Bauer

P.S. Zum Thema sich beliebt / unbeliebt machen: Vor über 40 Jahren beim Traugespräch mit unserem örtlichen Pfarrer – dem ich mich zuvor als gottlos geoutet hatte (was ich damals war) – bemerkte ich, dass man sich sicher unbeliebt macht, wenn man ständig von Jesus redet. Der Pfarrer fuhrt mich daraufhin regelrecht an: „Es ist nicht meine Aufgabe mich beliebt zu machen, sondern Jesus Christus zu verkündigen“! Diese Aussage hat mich sehr beeindruckt, und ich habe sie nie vergessen und später selbst verwendet. Denn hier tat sich etwas Neues auf: Es gab also noch etwas Größeres als den Menschen zu gefallen, sich anzupassen und im Strom mitzuschwimmen.

Sogar den hasserfüllten Scheich Metwalli Alscharawi, der öfters das Christentum im ägyptischen Staatsfernsehen herabwürdigte, konnte Papst Schenuda gewinnen. Als dieser Scheich in London behandelt wurde, schickte seine Heiligkeit viele Priester, Diakone und Laien zu ihm, welche ihn besuchten und beschenkten. Als Alscharawi nach Ägypten zurückkehrte, besuchte er Papst Schenuda im Kairoer Dom unter Staunen aller Moslems – Was für eine Wandlung!  

 

4 Responses to “Plädoyer für die zugespitzte Predigt”

  1. Ibrahim Says:

    Koptische Kirche! Ägyptische Kirche! Orthodoxe Kirche!

    Der „westlichen“ Welt die Koptische Kirche vermitteln und zeigen was für ein

    Schatz Sie ist! Danke!


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