kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Als Kabul Burka-frei und voller Miniröcke war! 24. Januar 2014

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 09:41

kabul 4

Afghanisches Filminstitut in KabulBilder einer versunkenen Welt

 

 

Kein Kopftuch, nirgends. Stattdessen:

junge Frauen, Zigaretten, Cafés, Miniröcke. Großstadtleben. Die Bilder wackeln schwarz-weiß, verwaschen, körnig und stumm vor sich hin. Was sie zeigen, sind Straßenszenen in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans. Aufgenommen wurden sie in den sechziger Jahren, als das Land von König Mohammed Sahir Schah regiert wurde, der Autos mit Filmprojektoren in alle Provinzen des Landes schicken ließ. Sie zeigten Wochenschauen, deren kräftig gemalte Propagandabilder die Botschaft vom Aufbruch des Landes in die Moderne verbreiteten. In den Filmen werden Wasserkraftwerke und Universitäten gebaut, Würdenträger fliegen mit Propellermaschinen ins Ausland und trinken auf diplomatischen Empfängen Champagner. Die Kameramänner, Chronisten der Moderne, sind stets dabei.

 

 

 

 

 

König (Schah) von Afghanistan 1933–1973, * 15. 10. 1914 Kabul, † 23. 7. 2007 Kabul; Sohn des ermordeten Nadir Schah; 1973 gestürzt, danach im italienischen Exil; kehrte im April 2002 nach Afghanistan zurück.

 

 

 

 

Was da zu sehen ist, ist eine versunkene Welt – und zum Leben erweckt hat sie Ibrahim Arify, der Direktor des afghanischen Filminstituts. Der 52-jährige Deutsch-Afghane, einst Kameramann für den WDR und das ZDF, steht bis zu den Knien in der Geschichte seines Landes. Im Keller und auf dem Dachboden des heruntergekommenen Gebäudes stapeln sich Rollen mit Zelluloidfilmen, Schachteln, Transportbehälter und kilometerlange, jeder Schutzhülle entblößte, schlangengleich ineinander verwickelte Zelluloidstreifen. Sie lagern seit Jahrzehnten auf dem Gelände des Instituts in der Kabuler Great Masoud Road. Lagern? Dieses Wort suggeriert eine gewisse Fachkenntnis, gar Behutsamkeit im Umgang mit dem Filmmaterial. Doch davon kann keine Rede sein. De facto war es so, dass mit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 1996 Musik, Film und nichtreligiöse Literatur vernichtet werden sollten. „Sechs Container mit Filmmaterial haben sie verbrannt“, erinnert sich Arify. Allerdings machten sich die Gotteskrieger wenig Mühe, nach weiterem Material zu suchen, mit dem sie den Zelluloid-Scheiterhaufen hätten am Lodern halten können.

Sisyphos mit Filmspule: der Institutsdirektor Ibrahim Arify Foto: Gerstner

Sisyphos mit Filmspule: der Institutsdirektor Ibrahim Arify

 

 

 

 

Was die Taliban noch übrig ließen

 

Auf diese Weise haben mehr als 20 000 Stunden Filmmaterial – gelagert in einem Hangar – überlebt, darunter auch ein vierminütiger Streifen, der die Ermordung des von den Sowjets unterstützten Präsidenten Nadschibullah durch die Taliban zeigt. „Der Kameramann filmte das grausige Geschehen und kam danach selbst nur mit Mühe mit dem Leben davon.“ Der Großteil des Materials aber hat zivilen Charakter. Es zeigt Staudämme, Elektrizitätswerke, die ganze Ikonografie der Aufbaupropaganda eines zukunftsfrohen Landes. Mit besonderem Stolz führen die Mitarbeiter einen Film vor, der das zerbombte Berlin der ersten Nachkriegsjahre zeigt. Auf welchen Wegen diese Luftaufnahmen nach Kabul gelangten, wer weiß das schon? Überlebt haben die Filme, obwohl sie extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt waren. „Im Sommer wurde es in dem Hangar oft bis zu 40 Grad heiß, im Winter sanken die Temperaturen auf minus 10 Grad“, so Arify. Digital gespeichertes Material hätte diesen Zumutungen nicht lange widerstanden. Die alten 16- und 35-Millimeterfilme aber lassen sich nach all den Jahren problemlos in die Metallspulen der Projektoren einfädeln. Wer sie in einem der Vorführräume sieht, fühlt sich durch das leise Rasseln der Filmschlingen, das Knarzen der Tonspur und das sich mühsam stabilisierende Bild in einen Zustand analoger Trance versetzt. Er sieht ein Afghanistan, das wenig zu tun hat mit der verheerten und gewaltbeladenen Region unserer Tage.

 

 

 

Der Herr des Celluloids: Ibrahim Arify

 

 

47 Angestellte des Filminstituts arbeiten daran, die Filme zu waschen, zu säubern und den Inhalt zu dokumentieren. Langsam per Handkurbel abgespult, wandert die Geschichte des Landes durch einen terpentingetränkten Lappen – ein später Triumph über den obsessiven Kampf der Taliban gegen das Bild. Ibrahim Arify kam über das CIM, das Centrum für internationale Migration und Entwicklung, ins Land. Als Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Bundesagentur für Arbeit vermittelt das CIM Fachkräfte in den Entwicklungsdienst. Arify selbst hat in Moskau studiert, floh vor den Bürgerkriegswirren der neunziger Jahre nach Deutschland und kehrte doch immer wieder zurück in seine Heimat. Der mit einer gewissen Eleganz gekleidete Filmenthusiast drehte für deutsche Sender in Afghanistan Dokumentationen über den Zerfall des Landes. „Ich habe auch unter Raketenbeschuss gearbeitet und gelernt: Wenn es nicht mehr pfeift, sollte man in Deckung gehen. Dann schlägt das Ding gleich ein.“ Bezahlt wird Alify von der afghanischen Regierung, die GIZ steuert ein so genanntes Topping up bei, stockt also das spärliche Gehalt auf.

Arifys archivarische Arbeit fügt sich nicht in die Taktung des digitalen Zeitalters, die auf einen atemlosen, sich ständig erneuernden Umsatz an Bildern und Musikclips setzt. Er arbeitet langsam und methodisch wie ein Archäologe. „Wir haben vielleicht etwas mehr als die Hälfte des hier herumliegenden Materials gesichtet“. Tag für Tag drehen sich die Spindeln der Reinigungsgeräte, wischen die Mitarbeiter des Filminstituts gleichmütig und konzentriert über die befleckten Filme. Dann holen sie die nächste Filmrolle aus dem Keller, eine staubbedeckte Transportbox der DDR-Fluglinie Interflug mit dem Aufkleber „Sovexportfilm“. Was mag sie enthalten? Wieder laut tönende Aufbaupropaganda? Eine Schulung für Agraringenieure? Einen züchtigen Liebesfilm? Ibrahim Arifys Reise in die filmische Vergangenheit Afghanistans hat gerade erst begonnen. {Quelle: www.stuttgarter-zeitung.de – Martin Gerstner}

 

8 Responses to “Als Kabul Burka-frei und voller Miniröcke war!”

  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG Says:

    Hat dies auf Aussiedlerbetreung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    Erst durch Drogenanbau reich geworden? In Jordanien war es doch fast genauso. Eine Rückblende – auch Peking wurde zu einer Millionenstadt, weil Faulheit und die Macht andere Faule und Mächtige angezogen hatte und auch ers die Soktorenstadt Berlin, keim ein echten Berliner findet man da nach der Amerikanisiserung! Man vergleiche da auch die Polizeifreien Zonen mit Lomdon. Glück Auf, meine Heimat!

  2. Ibrahim Says:

    Keine Taliban in Afghanistan! Damals in den 1960er und 1970er Jahren!

    • e Says:

      Wahnsinn … unfassbar wie sich Zeiten gedreht haben .. an diesem Goldstück von Bericht, kann man so viel erkennen … wie teuflisch die Entwicklung ist ……

      • andreas Says:

        ach naja – sieht sehr nach lockeren teheraner/kabuler stundentinnen aus, die es auch heute im iran o. anderswo gibt.
        strengfromme kopftuch-„zwiebelweiber“ gabs früher in portugal, spanien, sizilien u. griechenland ebenso zuhauf, sogar in meiner ländlichen stammheimat…
        man versuche mal als nördlicher gr0ßstädter in einem allgäuer alpendorf auf dauer zu leben – die „kulturdifferenz“ wäre weit geringer als mit dem istanbuler „dönertürken“ um die ecke…

    • andreas Says:

      und was soll ich sagen? tres sexy -also genau das, worüber sich hier alle aufregen, weil es so westlich-verderbt ist?! irgendwo schizo, findet ihr nicht?…

      • e Says:

        Also ich sehe daraus in erster Linie die unglaubliche Veränderung , die in den letzten 30 ? Jahren stattgefunden hat – Tatsächlich scheint „früher“ doch alles viel angenehmer, liebevoller und „freier “ gewesen zu sein! Viel toleranter als heute ! Oder irre ich mich ? Ich habe türkische Filme aus den 70 iger Jahren mit Freunden gesehen, die waren so witzig , so frei und „modern“ – Man konnte lachen, ohne die Sprache zu verstehen ….

        Lieber Andreas , die Zeiten haben sich extrem verdunkelt – am Beispiel dieser alten Berichte und auch der alten Filme kann man das sehr gut erkennen …

        Sind früher nicht die damaligen Junkies durch Afghanistan gezogen … ??? Ich weiß nicht genau aber ich meine mich an derartige Berichte dunkel erinnern zu können …

        Der Stan hat definitiv in den letzten 10 – 15 Jahren hier eine absolute Terror-Herrschaft errichtet, die unserem Bewußtsein , entgangen ist … die wir offenbar heute nicht mehr erkennen können … von der wir nur durch extrem kritische Berichte , in alternativen Medien , eine dumpfe Ahnung bekommen können …

        So sieht es aus – mein Freund ….. aber pssst , nicht das Mossad und Co. das noch mitkriegen … (Schote — Witz !!!)

  3. e Says:

    …PS „Stan“ ist auch nicht schlecht — Stan = Satan (Geheimwort )


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s