kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Religionskonflikt in Myanmar 10. Januar 2014

Filed under: Islamischer Terror — Knecht Christi @ 00:08

Ein Dokumentarfilmer reist durch Myanmar, um dort die religiösen Minderheiten zu porträtieren. Und stößt immer wieder auf Doppelmoral und Verlogenheit.

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Ich sitze im Foyer eines Hotels in Rangun in Myanmar, müde vom Jetlag und der hohen Luftfeuchtigkeit. Ein Fernseher zeigt Bilder einer brennenden birmesischen Moschee. Die Hotelangestellten unterhalten sich flüsternd und werfen verstohlene Blicke auf meinen Kameraassistenten, der türkischer Abstammung ist und einen Vollbart trägt. Wir sind hergekommen, um einen Film über religiöse Minderheiten im vorwiegend buddhistischen Myanmar zu drehen, vor allem über Christen und Muslime. Ein junger Priester betritt das Foyer und stellt sich vor. Er wird uns zu einer christlichen Mission bringen. Er führt uns zu einem geräumigen Van und erklärt, es handle sich um den Wagen des Bischofs. Das überrascht mich nicht. Ein normaler Birmese könnte sich so ein Auto niemals leisten. Nach sechsstündiger Fahrt erreichen wir das Dorf Kazaknakon. Im Dorfzentrum befindet sich die Christliche Mission: eine Kirche umgeben von einigen Gebäude. Es sieht fast wie im österreichischen Mühlviertel aus. Ich beginne zu drehen, neugierig beäugt von den Kindern des Dorfes. Als wir sie nach ihren Namen fragen, stellen sie sich als Gabriel, Phillip und Magdalena vor. Wenn sie groß sind, möchten sie Priester oder Nonne werden, sagen die meisten. Bei der Mission handelt es sich um eine Ausbildungsstätte für eine zukünftige christlich‐burmesische Bildungselite. Die finanzielle Unterstützung durch die Katholische Kirche ermöglicht eine Alternative zum sehr teuren staatlichen Bildungssystem. Auch wenn dafür ein neuer Glauben angenommen werden muss oder eine jahrhundertealte Identität verloren geht.

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Den Leprakranken kann ich nicht die Hand geben

 

 

Mit einem Schiff fahren wir weiter zu einem Lager für Leprakranke. Geführt wird es von einem Orden birmesischer Schwestern, die einen Weg gefunden haben, ihre eigenen Traditionen mit dem katholischen Glauben zu verbinden. Vom Vatikan werden sie dafür kritisiert. Hingebungsvoll kümmern sie sich um die Leprakranken und um die Kinder, deren Eltern gestorben sind. Ich schaffe es nicht, den Kranken die Hand zur Begrüßung zu geben. Fest halte ich meine Kamera umklammert und meide längeren Blickkontakt. Ich schäme mich für meine Angst und bewundere zugleich die Schwestern, die furchtlos gegen die Krankheit kämpfen, für deren Ausbreitung das burmesische Militärregime mitverantwortlich ist. Jahrelang wurden Krankheiten wie Lepra und Aids totgeschwiegen und medizinische Hilfslieferungen blockiert. Die nächste Station unserer Reise ist Bangkok in Thailand. Ein Mönch erklärt uns, der Buddhismus sei ein Weg der Liebe und des Friedens. Durch Meditation will er Negatives in gute Energie verwandeln und der Welt zurückgeben. Ich frage ihn, warum zurzeit in Myanmar so viele Moscheen brennen, warum einer seiner Glaubensbrüder Hass gegen Muslime predigt. Der Mönch antwortet, dass sich Gäste wie Gäste benehmen müssten, andernfalls hätten sie mit dem Zorn der Gastgeber zu rechnen.

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Zurück im Hotel schalte ich den Fernseher ein und lande beim Zappen bei Al Jazeera. Wieder sehe ich Bilder brennender Moscheen in Myanmar, diesmal in Zeitlupe. Dazu ein dämonisch wirkender buddhistischer Mönch und eine weinende Muslimin. Der Sprecher erklärt zu emotionsgeladener Musik, dass Muslime nicht nur in Myanmar, sondern weltweit Opfer von Übergriffen seien. Ein christlicher Priester gesellt sich zu mir und meint, dass Muslime und Christen wie Brüder zusammenstehen müssten, weil beide in Myanmar Minderheiten seien. Mir wird schlecht. Ich versuche zu verstehen, was ich in den letzten Tagen gesehen habe: Christliche Klerikale, die durch Devisen aus dem Westen ein überaus luxuriöses Leben führen. Die Übergriffe auf Muslime aber nutzen sie wie Trittbrettfahrer, um Sympathien zu gewinnen. Außerdem Islamisten aus den arabischen Ländern, die die Gewalt gegen ihre birmesischen Glaubensbrüder als willkommene Entschuldigung für eigene Gewalttaten missbrauchen. Und schließlich die Buddhisten, die die reaktionäre Doppelmoral auf die Spitze treiben und von der unterdrückten Bevölkerung Zufriedenheit und Glückseligkeit verlangen.

Die Realität in Myanmar zeigt, dass die Armen arm bleiben und die Reichen reicher werden. Und niemand muss Angst haben, etwas zu verlieren, was ihm nie zugestanden hat. Auf ihre Weise machen alle Religionsgruppen in Myanmar gemeinsame Sache mit der Ausbeutung und Unterdrückung der Bevölkerung.

{Quelle: www.zeit.de – Ein Leserartikel von Ünal Uzunkaya}

 

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