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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Kardinal Walter Kasper: „Christen sind am meisten verfolgt“! 9. November 2013

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 17:08

Kardinal Walter Kasper am Sonntag zu Gast in GmündGottesdienst im Münster und Vortrag auf dem Schönblick

 

Der frühere Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart und heutige Kardinal Walter Kasper ist am Sonntag zu Gast in Schwäbisch Gmünd. Er hält im Heilig-Kreuz-Münster einen Gottesdienst und spricht auf dem Schönblick bei einem Kongress über Christenverfolgung. Kasper beantwortete vorab Fragen von Michael Länge.

 

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Nach den Diskussionen um Missbrauch und Geldverschwendung, Letzteres am Beispiel des Limburger Bischofs, hat die katholische Kirche ein Glaubwürdigkeitsproblem. Viele Menschen haben das Vertrauen in sie verloren. Wie gewinnt die katholische Kirche Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurück?
Walter Kasper: Beide Diskussionen haben zweifellos großen Schaden angerichtet und die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche in Deutschland beschädigt. Das Wichtigste ist, alles auf den Tisch zu legen, volle Transparenz herzustellen und Fehler, die gemacht wurden, redlich aufzuarbeiten und daraus zu lernen. Dazu ist die Kirche bereit. Sie darf aber auch darauf verweisen, dass es in ihr nicht nur über Missbrauch und gelegentliche Geldverschwendung zu berichten gibt. Glaubwürdigkeit sollte der Kirche vor allem geben, dass die übergroße Mehrheit unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Caritas-, Kinder-, Jugend-, Familien,- Alten-, Kranken-, Behindertenarbeit, in der Entwicklungshilfe und Mission Großes leistet. Besonders für diese und andere Dienste, die aus unserer Gesellschaft gar nicht wegzudenken sind, gibt die Kirche ihr Geld aus. Leider ist oft nur das Negative, aber nicht das viele Positive eine Meldung wert.

 

Sie sind am Sonntag Gast eines Kongresses auf dem Gmünder Schönblick. Dessen Thema: Christenverfolgung heute. Worüber werden Sie sprechen?
Zunächst bin ich dem Kongresszentrum auf dem Gmünder Schönblick überaus dankbar, dass es das meist totgeschwiegene Thema der verfolgten Christen immer wieder auf die Tagesordnung setzt und öffentlich macht. Die Christen sind heute die weltweit am meisten verfolgte Gruppe, und es ist ein Skandal, dass darüber so wenig berichtet wird. Ich selber will davon reden, dass das Martyrium der Ernstfall des Christseins ist. Die verfolgten Christen haben darum uns oft etwas verbürgerlichten westlichen Christen etwas zu sagen. Etwas mehr Mut, den Kopf hinzuhalten, könnte uns nicht schaden. Um den Kopf kürzer gemacht wird bei uns Gott sei Dank deshalb ja niemand.

 

 

 

 

In welchen Ländern sehen Sie die größte Bedrohung für Christen?
Fangen wir im Nahen Osten an, gegenwärtig besonders in Syrien, wo alle, besonders aber die Christen die Leidtragenden sind. Im Irak sind tausende Christen umgekommen, die meisten Christen haben das Land verlassen und leben in Flüchtlingscamps. Von Pakistan ist erst kürzlich ein mörderischer Anschlag auf eine Kirche berichtet worden. In Teilen Birmas scheinen die Christen fast Freiwild der Armee zu sein. Im nord-indischen Staat Orissa kommt es immer wieder zu Pogromen. Aus Nigeria wird oft von mörderischen Attacken von militanten Islamisten gegen Kirchen und Kirchenbesucher berichtet. In China werden Christen der sogenannten Untergrundkirche immer wieder verhaftet. Am schlimmsten ist die Situation in Nordkorea, wo zwischen zwei- bis vierhunderttausend Christen unter unbeschreiblichen Bedingungen in geheimen Arbeitslagern leben und die meisten von ihnen umkommen. Das sind nur Beispiele. Eine ernstzunehmende amerikanische Analyse zeigt, dass in jeder Stunde irgendwo in der Welt elf Christen wegen ihres Glaubens getötet werden und dies sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr.

 

Was kann die römisch-katholische Kirche tun, um diesen verfolgten Christen zu helfen?
Das Erste: Wir sollten das, was unseren christlichen Brüdern und Schwestern angetan wird, öffentlich machen, ja geradezu in die Welt hinausschreien. Hier geht es um die Verletzung des elementarsten aller Menschenrechte, die Religionsfreiheit. Wir sollen unsere Politiker drängen, die Christenverfolgung auf der politischen Ebene und in den internationalen Gremien etwa des Europaparlaments und der UNO auf die Tagesordnung zu bringen. Wir können die kirchlichen Organisationen unterstützen, die nach Kräften Hilfe leisten (Kirche in Not, Caritas, Missionswerk und andere). Nicht zuletzt: Wir sollen der verfolgten Brüder und Schwestern im Gebet, besonders in den Fürbitten in der Liturgie gedenken.

 

Armenien ist das älteste christliche Land. Im April 2015 jährt sich der Beginn des Völkermords an den Armeniern zum 100. Mal. Ist das für die römisch-katholische Kirche ein Thema? Wie ist ihre Position dazu? Wird es im Jahr 2015 Gedenkveranstaltungen geben?
Wir unterhalten mit den Armeniern sehr freundschaftliche ökumenische Beziehungen. Ich war mit dabei, als Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Armenien 2001 der Opfer des „Großen Übels“, wie die Armenier sagen, am Mahnmal in Etschmiadzin öffentlich gedacht hat. Im armenischen Patriarchat in Beirut habe ich mehrfach an Feiern an der dortigen Gedächtnisstätte teilgenommen und in Istanbul und Jerusalem bei meinen Besuchen regelmäßig in den dortigen armenischen Patriarchaten Besuche gemacht. Für 2015 gibt es noch keine Planungen, aber ich bin sicher, wir werden der armenischen Opfer gedenken. {Quelle: www.schwaebische-post.de}

Schwäbische Post

 

One Response to “Kardinal Walter Kasper: „Christen sind am meisten verfolgt“!”

  1. Johannes Says:

    Noch im letzten Mai (siehe idea vom 29.05.2013) äußerte der Menschenrechtsbeauftragte der Weltweiten Ev. Allianz, der Theologe und Religionssoziologe Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher – trotz erdrückender Belege – dass er die Zahl der verfolgten und getöteten christlichen Märtyrer für „schwer nachvollziehbar“ und „überhöht“ halte. Für ihn sei die Zahl von 7.500 „realistischer“.
    Seine Frau, die Islamwissenschaftlerin Professorin Dr. Christine Schirrmacher, zieht in ihren Informationsschriften auch keine klare Unterscheidungslinie zwischen GOTT und Allah. In ihren vielen Büchern zum Islam zitiert sie oft die Koran-Übersetzung von Rudi Paret, der grundsätzlich mit „Gott“ übersetzt, wo „Allah“ stehen müsste. Hierzu vergleiche die wissenschaftlich anerkannte Übersetzung von Max Henning (Reclam-Verlag) und die dort befindliche hinführende Einleitung zum Koran.


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