kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Blatters kleinlauter Rückzug 5. Oktober 2013

Filed under: Von hier und dort — Knecht Christi @ 13:06

Erwartbarer Reflex statt offener Worte: Sepp Blatter verweigert wichtige Antworten zur Fußball-WM 2022 und den Arbeitsbedingungen im Gastgeberland Katar.

 

 

Stattdessen spielt er auf Zeit:

Der einzige Termin, der Blatter wirklich interessiert, ist die Wahl des Fifa-Präsidenten 2015.

 

 

Die Fifa hat es natürlich nicht getan. Über Monate erzählte Sepp Blatter, Präsident des Fußball-Weltverbandes, sein Vorstand werde bei der Sitzung am Freitag in Zürich den Weg für eine Winter-WM in Katar 2022 öffnen. Nun folgt ein kleinlauter, der Vernunft geschuldeter Rückzug. Die Proteste aus allen Bereichen der globalen Fußballgemeinde, verstärkt zuletzt durch Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften, sind so heftig geworden, dass die Fifa den erwarteten Reflex zeigt: Eine Task Force soll den besten Zeitpunkt für das umstrittene Turnier am Golf ermitteln. Oder: den am wenigsten schlechten WM-Termin. Das lässt alle Fragen offen. Nicht einmal mehr darauf, dass eine Sommer-WM in Katar vom Tisch sei, will sich Blatter festlegen. Das Ganze werde Ende 2014 entschieden, von einer Kommission unter dem Generalsekretär Jérôme Valcke. Die soll auch klären, ob die Fifa im Fall einer Winter-WM regresspflichtig gegenüber ihren Stakeholdern ist: Ligen, Verbände, Fernsehen, Sponsoren. Was die als menschenunwürdig gerügten Arbeitsbedingungen an Katars WM-Baustellen angeht, reagierte Blatter frostig. Todesfälle am Bau könne es überall auf der Welt geben, und „insbesondere auf WM-Baustellen“. In der Verantwortung sieht er die Firmen, „und es gibt dort viele europäische Firmen“ fügte er listig an. Blatter glaubt, er könne in Katar nur um etwas Klärung bitten.

 

 

 

Tote auf Katars WM-Baustellen Auf den Knochen der Arbeiter

 

Meist unbeachtet vom Rest der Welt entstehen in der Golf-Region Glitzerwelten. Erst durch den Tod dutzender Migranten auf WM-Baustellen in Katar rückt das Elend dahinter in das Blickfeld. Nun muss der Welt-Fußballverband Fifa Druck auf das Emirat ausüben. Es könnte ein Beispiel geben und endlich mal durch Vorbild führen, nicht durch Geld. So defensiv gab er sich auch in Bezug auf die politischen Einflussnahmen für die Wahl Katars Ende 2010. Dabei hatte er selbst jüngst solche Eingriffe durch „europäische Regierungschefs“ beklagt, und damit Länder und Funktionäre unter Druck gebracht. Denn politische Einflussnahme ist nach den Bewerbungsvorschriften strikt verboten; legt man die neugefassten Ethikregeln der Fifa zugrunde, müssten solche Erkenntnisse in Ermittlungen münden. Damit hat Blatter eine Lunte gelegt – sein Vorwurf ist in der Welt. Offiziell ruderte er am Freitag auch hier zurück: Es gäbe keine globale Sportwahl ohne politische Einflussnahme: „Das lässt sich nicht verhindern.“

 

Aufgesetzt wirkt auch dies. Außer Frage steht ja, dass er Frankreichs Politik attackiert hatte. Der damalige Staatschef Nicolas Sarkozy war bekennender Katar-Fan, und Landsmann Michel Platini, den er in Paris kurz vor der Wahl mit dem Emir zusammenführte, ist bekennender Katar-Wähler. Platinis Sohn erhielt nach der WM-Vergabe einen Managementjob in Katars Sportfonds. Und Platini ist Blatters einzig echter Rivale auf den Fifa-Thron, der 2015 vakant wird. Das ist der Termin, der Blatter wirklich interessiert. So war die 15-minütige Pressekonferenz nach zweitägigem Meeting erkennbar nur dem Ziel geschuldet, die Katar-Frage abzukühlen. Das heißeste Eisen der Kickerzunft soll aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit verschwinden, wenn es in den nächsten Monaten wirklich geschmiedet wird. Legt man die übliche Blattersche Dialektik zugrunde, lässt sich auf zwei Vorgänge hinter den Kulissen schließen: Blatters Fifa-Chefermittler Michael Garcia, der Besuche in allen damaligen Bewerberländer auf der Suche nach Korruptionsbelegen angekündigt hat, wird sich des Vorwurfs der politischen Beeinflussung gewiss annehmen. Und mit einer Ermittlung könnte Blatter seinen Rivalen Platini ausbremsen. Zweitens: Bis die Task Force Ende 2014 zu Potte kommt, geht es vielleicht gar nicht mehr um Winter oder Sommer in Katar. Sondern darum, ob die WM überhaupt dort stattfindet. So hat Blatter nun das Wichtigste gewonnen: Zeit. {Quelle: www.sueddeutsche.de Ein Kommentar von Thomas Kistner}

 

 

 

44 Tote in gut zwei Monaten

 

Die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen im Fußball-WM-Land Katar sollen katastrophal sein, berichten Augenzeugen.

Nun reagiert das Emirat und beauftragt eine Anwaltskanzlei mit der Prüfung der Vorwürfe.

Ein deutscher Bauaufseher will indes von Todesfällen nichts wissen.

www.spiegel.de 

 SPIEGEL ONLINE

 

 

 

 

 

 

Boykott-Aufrufe gegen Katar

 

Die umstrittene Fußball-WM 2022 im kleinen Golfstaat Katar wird nach dem alarmierenden Bericht über „moderne Sklaverei“ mit zahlreichen Todesfällen von Gastarbeitern auf den WM-Baustellen immer mehr zu einem Politikum. Der Fußball-Weltverband FIFA – seit der unter dubiosen Umständen zustande gekommenen Vergabe an den Wüstenstaat ohnehin in der Dauerkritik – gerät vor seiner Exekutivsitzung am 3./4. Oktober weiter unter Druck. Die Rufe nach Konsequenzen werden jedenfalls lauter. „Ich frage mich, ob die Aspekte wie die Verlegung der WM (vom Sommer in den Winter), die Menschenrechte und die Störung des Sportkalenders nicht so groß sind, dass es die FA (englischer Fußballverband) in Betracht ziehen sollte, nicht zu spielen“, sagte das englische Parlamentsmitglied Damian Collins der Tageszeitung Guardian. Er regte eine internationale Kooperation von Politikern auch mit Blick auf die Korruptionsvorwürfe rund um die Vergabe der WM an. „Die FIFA versteht und respektiert nur Geld. Die einzige Macht der FA ist, nicht anzutreten“. Sharan Burrow vom Internationalen Gewerkschaftsbund ITUC erneuerte ihre Kritik an den WM-Gastgebern und verwies via Twitter auf die Kampagne für eine Neuvergabe der WM. Schwere Vorwürfe erhebt auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. „Katar hat mit die schlimmsten Arbeitsbedingungen weltweit. Wir erwarten von der FIFA, dass sie aktiv eingreift“, sagte Regina Spöttl, bei Amnesty International zuständig für die Golfstaaten, der Süddeutschen Zeitung. Von „moderner Sklaverei“ zu sprechen, sei nicht übertrieben. „Das ist sehr tragisch. Die FIFA ist gefordert, das zu hinterfragen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic vom VfB Stuttgart. Doch beim Weltverband heißt es lediglich, dass man «besorgt» über die Berichte sei und die Verantwortlichen kontaktieren werde. Auch FIFA-Boss Sepp Blatter, ansonsten ein kommunikationsfreudiger Mensch, hält sich merklich zurück. Auf seinem Twitter-Account gratuliert er stattdessen Brasilien, Spanien und Russland zum Halbfinal-Einzug bei der Beachfußball-WM.

 

 

 

Zwangsarbeit bei 50 Grad

 

Dabei sind die Recherchen des Guardian durchaus kommentierungswürdig. Demnach seien allein zwischen dem 4. Juni und dem 8. August insgesamt 44 nepalesische Gastarbeiter auf den WM-Baustellen wegen Herzversagens oder Arbeitsunfällen gestorben. Der Internationale Gewerkschaftsbund ITUC rechnet vor, dass demnach mindestens 4000 Gastarbeiter ihr Leben gelassen haben werden, ehe das erste WM-Spiel angepfiffen wird. Die vielen Todesfälle gehen vor allem auf die katastrophalen Bedingungen zurück. Zwangsarbeit bei Temperaturen von 50 Grad, die Verweigerung von Trinkwasser und die unhygienischen Bedingungen in den überfüllten Unterkünften seien der Grund. Außerdem hätten die Gastarbeiter, deren Pässe eingezogen worden seien, keinen Lohn erhalten. Mit rund einer halben Million Gastarbeiter aus Nepal, Sri Lanka oder Indien wird für den Bau der Stadien, Hotels oder der Infrastruktur gerechnet. Bedingungen, die auch laut der Internationalen Spielergewerkschaft FIFPro ein direktes Handeln erfordern. „Wenn die Berichte wahr sind, muss der Fußball reagieren. Es ist unentschuldbar, dass das Leben der Arbeiter geopfert wird, zumal es moderne Gesundheits- und Sicherheitspraktiken in der Baubranche gibt“, sagte FIFPro-Vorstandsmitglied Brendan Schwab. Zugleich forderte er die FIFA auf, mit der Internationalen Arbeitsorganisation ILO Experten nach Katar zu schicken.

 

Auch Maya Kumari Sharma, die nepalesische Botschafterin in Katar, hatte in einem BBC-Bericht von sklavenähnlichen Zuständen und einem „offenen Gefängnis“ gesprochen. Dafür wurde sie laut Zeitungsberichten wegen „undiplomatischen Verhaltens“ abgezogen. Die WM-Veranstalter gelobten indes Besserung. Es gebe keine Entschuldigung für alle Arbeitnehmer, die in Katar auf diese Weise behandelt würden, heißt es in einer Mitteilung. Die Gesundheit, die Sicherheit, das Wohlergehen und die Würde eines jeden Arbeiters, der zur Austragung der WM 2022 beitrage, seien von größter Bedeutung. Für den nordirischen Verbandsfunktionär Jim Boyce reicht das nicht. Die FIFA müsse den Informationen sofort nachgehen und auf der Sitzung des Exekutivkomitees Bericht erstatten, forderte Boyce, der FIFA-Vizepräsident ist. Es sind dabei nicht die ersten Negativschlagzeilen rund um das umstrittene WM-Turnier im Wüstenstaat. Derzeit untersucht die FIFA-Ethikkommission unter Vorsitz von Chefermittler Michael Garcia die Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergabe an das Land. Streit gibt es auch um den Termin der Veranstaltung. Die WM soll aufgrund der hohen Temperaturen im Sommer nun in die Wintermonate verlegt werden, was insbesondere auf starken Widerstand in England stößt. Auch Australien hat bereits mit millionenschweren Schadenersatzforderungen gedroht. Dies dürfte wohl noch das geringste Problem der milliardenschweren Scheichs sein. Die Kosten für das Prestigeprojekt sollen sich auf schätzungsweise 73 Milliarden Euro belaufen. Den weitaus höheren Preis zahlen jedoch die Gastarbeiter. {Quelle: www.fr-online.de}

 

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