kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Koptische Müllsammler: Beten, Lieben und Recyclen 31. August 2013

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 19:38

Seine Heiligkeit Papst Tawadros II. zum russischen Fernsehen: „Unsere Kirche ist die Märtyrer-Kirche“ – „Die USA interessiert sich nicht für die Kopten oder die Christen im Irak oder Syrien“ – „Ich respektiere Russland und schätze seine Unterstützung

 

 

Der Abfall der Megastadt Kairo landet im Stadtteil Manshiyat Naser, auch „Garbage City“ genannt. Dort leben 90.000 Bewohner davon, dass sie Müll wiederverwerten.

 

 

Niederbrennen der Kirchen und Besitztümer der Kopten am 14. August 2013 in Sohaag

 

 

„Am besten steigt man bei der Zitadelle aus und geht von dort aus zu Fuß. Die Taxifahrer fahren nämlich oft nicht hinein in das Viertel, weil sie Angst vor den Zabbaleen haben“ erklärt Danya, eine junge Ägypterin. Sie ist eine der wenigen, die wissen wo Garbage City liegt. Obwohl gleich nebenan die Zitadelle, ein Touristenmagnet Kairos, thront, entgeht das Viertel der allgemeinen Aufmerksamkeit. Wenn dort Besucher auf der Mauer der alten Militäranlage stehen, lenken sie den Blick in Richtung Nil, das Herz Kairos, und drehen dabei dem Müllviertel den Rücken zu.

 

 

 

Die „Zabbaleen“

 

Garbage City, das offziell Manshiyat Naser heißt, ist das Zuhause der Zabbaleen, der Müllmenschen. Hinter der Zitadelle, abgetrennt durch eine sechsspurige Schnellstraße, deren Überquerung an Selbstmord grenzt, schmiegt sich das unüberschaubare Viertel an den Berg Moquattam. Der informelle Stadtteil erstreckt sich mit seinen roten Ziegelhäusern anarchisch und ungeplant über ein weites Gebiet, das wie durch willkürlich entstandene Rinnsale von engen Gassen durchzogen ist. Die „Zabbaleen“ sind „gefährlich„, „arm„, „verrückt“ und darüber hinaus auch noch „Kopten„. Etliche solcher Vorurteile grassieren im städtischen Bewusstsein. Böse Gerüchte, in gut gemeinte Ratschläge verpackt, überschlagen sich. „Dort ist es unsicher“, „Zieht euch unauffällig an, am besten schwarz“, „Tragt keinen Schmuck und nehmt ja kein Geld mit“, „Geh da ja nicht alleine hin, geh am besten gar nicht hin“!

 

In Wahrheit retten die Zabbaleen Kairo davor, im Müll zu ersticken. Es sind Menschen, die Kairos Straßen zehn Stunden am Tag durchstreifen und alles aufsammeln, was übrig bleibt. Sie säubern die Randsteine, lugen unter die parkenden Autos, grasen die unebenen Gehsteige ab und arbeiten sich in den Gebäuden vom obersten bis zum untersten Stock vor, um die Tonnen vor jeder Wohnungstür zu leeren. Sie sind in der Stadt, deren Müllabfuhr äußerst mangelhaft organisiert ist, ebenso unentbehrlich wie unsichtbar. Die blutjungen bis uralten Männer, die jeden Tag die Straßen säubern und unter den weißen, monströsen Müllsäcken wie Ameisen verschwinden, entgehen der alltäglichen Wahrnehmung. Auf große Pick ups und Eselskarren stapeln sie die zukünftige Recycling-Ware so hoch wie nur möglich und bringen sie nach Hause. Auf einer breiten Zufahrtsstraße fahren sie nach Garbage City hinein und verschwinden bald zwischen hunderten selbst erbauten, roten Ziegelhäusern, auf einer der vielen Straßen, die sich durch das Viertel schlängeln. Die Luft ist staubig, der Müll liegt sortiert, in allen Regenbogenfarben am Straßenrand und türmt sich zu Bergen auf. Viele Menschen tragen zerrissene Kleidung, die Frauen und Kinder sitzen an der Straße, wo sie Müll sortieren.

 

 

 

 

Koptische Christen

 

Die Pick ups und Karren düsen aneinander vorbei und über ihnen, mit Schnüren zwischen die Häuser gespannt, zieren bunte Bilder vom koptischen Papst Tawadros II. die Gassen. Die 90.000 Einwohner haben sich ihre Stadt am Fuße des heiligen Berges Moquattam erbaut und drei prächtige Felsenkirchen in den Hang gesprengt. Weiter oben, auf der Spitze Moquattams, blicken die Reichen Kairos von ihren schönen Häusern mit großartiger Aussicht auf die Stadt herunter. Wenn die Zabbaleen nicht gerade ihren zehnstündigen Arbeitsalltag leben, gibt es sonntags eine kirchliche Messe und donnerstags einen Exorzismus (der Dämonen austreibt und sehr schmerzhaft sein soll). Der Sage nach, die Samir, ein Kopte mit schwarzem wirren Lockenkopf, den Besuchern der Felsenkirche mit solch einer Inbrunst erzählt, dass man die Stirnfalten hochziehen und die Augen aufreißen muss, hatten im Jahr 965 der Kalif und der koptische Papst eine kleine verbale Auseinandersetzung. Die endete in einem dreitägigen Zwist, in dem die Christen beweisen mussten, dass der Glaube, so wie es schließlich in der Bibel steht, Berge versetzen kann. Was ihnen laut Sage dank eines einäugigen Schusters und seiner engen Verbindung zu Gott auch gelang. In einem filmreichen Showdown zwischen Muslimen und Kopten versetzte Gott den Berg Moquattam an seinen jetzigen Standort.

 

„Außerdem“, erzählt Samir recht stolz, „konvertierte sogar der Kalif zum Christentum.“ Diese wundersame Erzählung ist ein wichtiger Teil einer tief verwurzelten Religion, zu der sich über 90 Prozent der koptischen Einwohner und Einwohnerinnen von Garbage City mit ganzem Herzen bekennen. „Ich glaube an das Paradies. Weil ich weiß, dass es wahr ist“, meint Agnus, ein junger Kopte. Er gehört zur jungen Generation in Garbage City. „Christen mögen es, zusammenzuleben. Immerhin sind Kopten von Muslimen im öffentlichen Leben total getrennt“. In ganz Garbage City gibt es laut Agnus nur fünf muslimische Familien. Er selbst hatte aber schon einmal geheim eine muslimische Freundin. Agnus, groß gewachsen, schlank und hübsch, wurde in Garbage City geboren und lebt mit seiner sechsköpfigen Familie zusammen. Wenn es die Zeit zulässt, studiert er neben der Arbeit Englisch auf der öffentlichen Universität Kairo. Sein Englisch ist gut, weshalb er als Führer und Übersetzer arbeitet. {Quelle: www.wienerzeitung.at – Von Lisa Grum}

 

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