kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Aus der Bibel: Weinende Männer 24. August 2013

Filed under: Spiritualität — Knecht Christi @ 21:29

 

 

 

 

»Echte Männer weinen nicht!« Dieser Satz gehört in die Mottenkiste der Macho-Erziehung. Die Bibel zeigt: Dass Männer weinen, ist gut und ganz normal.

 

 

Esau

1. Mose 27, 38

 

Ohnmächtige Verzweiflung: So lässt sich Esaus Seelenpein am besten beschreiben. Gerade hatte er erfahren, dass sein jüngerer Zwillingsbruder Jakob ihn hinterhältig betrogen hatte. Nicht nur ihn – auch seinen blinden Vater Isaak. Vor dem hatte Jakob sich als Esau ausgegeben und so den Erstgeburtssegen erschlichen. Kurz danach, Jakob war bereits wieder weg, hatten Isaak und Esau den Betrug gemerkt. Nach der damaligen Vorstellung war ein Segen nicht zurückzunehmen. Esau hatte also für alle Zeiten den Kürzeren gezogen. Dennoch bat er trotzig den Vater um den Segen. Der verhieß ihm lediglich, dass er sich später einmal vom Joch seines fiesen Bruders befreien würde.

( 1. Mose 27, 38)

 

Zitat: »Er erhob seine Stimme und weinte«.

 

 

 

Prophetentränen

2. Könige 8, 11f.; Jesaja 25, 8; Jeremia 14, 17; Nehemia 1, 4

 

Propheten sind Menschen voller Leidenschaft für den Glauben und haben eine besonders enge Beziehung zu Gott. Ausdruck davon sind auch Tränen. Zum Beispiel Nehemia: Als er von der Zerstörung Jerusalems erfuhr, setzte er sich hin und weinte. Oder Elisa – er sieht voraus, dass der König von Aram fürchterlich in Israel wüten wird. Jeremias »Augen fließen über von Tränen, unaufhörlich, Tag und Nacht«. Und vielleicht konnte Jesaja nur deshalb mit so schönen Worten den zukünftigen Trost Gottes beschreiben, weil er selbst viel geweint hat: »Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen.«

( 2. Könige 8, 11f.,  Jesaja 25, 8,  Jeremia 14, 17,  Nehemia 1, 4)

 

Zitat: »Als ich aber diese Worte hörte, setzte ich mich nieder und weinte und trug Leid tagelang und fastete und betete vor dem Gott des Himmels«.

 

 

 

Palti weint um Michal

2. Samuel 3, 16

 

Wahre Gefühlsachterbahnfahrten hatte Palti (auch Paltiël genannt) zu ertragen. Erst konnte er sein Glück kaum fassen: König Saul vertraute ihm Prinzessin Michal als Ehefrau an. Deren Leben war durch eine große Liebesgeschichte geprägt. Sie hatte sich in David verliebt, jenen jungen Mann, der mit der Harfe ihrem Vater Saul die Depressionen wegmusizierte. Unter Einsatz seines Lebens erstritt sich David die Zustimmung Sauls zur Ehe. Doch Saul hegte großen Groll gegen David, nahm ihm schließlich Michal wieder weg. Sie musste Palti heiraten. Als Saul gestorben war, verlangte David »seine« Michal zurück. Sauls Sohn Isch-Boschet erfüllte David den Wunsch. Er schickte Boten zu Michal »und ließ sie wegnehmen ihrem Mann Paltiël«. Der ist verständlicherweise empört; weinend folgte er ihr und ihren Entführern.

( 2. Samuel 3, 16)

 

Zitat: »Ihr Mann ging mit ihr und weinte hinter ihr her bis Bahurim«.

 

 

 

 

 

Der weinerliche David

2. Samuel 12, 21; 15, 30; 19, 1

 

Das Gefühlsspektrum Davids war beachtlich. Sensibel spielte er die Harfe, rücksichtslos setzte er sich gegen Widersacher durch, leidenschaftlich liebte er Frauen und Freunde, zornig kämpfte er gegen Feinde. Oftmals kamen ihm die Tränen. Zum Beispiel, als sein neugeborener Sohn todkrank daniederlag. Vater David fastete und weinte sieben Tage lang bis zu dessen Tod. Ein anderes Mal, in einer politisch schwierigen Situation, verschaffte er sich auf dem Ölberg Linderung durch Tränen. Und als später sein Sohn Absalom starb, rief er verzweifelt: »Wollte Gott, ich wäre für dich gestorben!«

( 2. Samuel 12, 21)

 

Zitat: »Siehe, der König weint und trägt Leid um Absalom«.

 

 

 

 

 

 

Auch Jesus weinte

Lukas 19, 41; Johannes 11, 35; Hebräer 5, 7

 

Jesus war ganz Mensch – also kannte er auch die ganze Bandbreite menschlicher Empfindungen. Eindrücklich beschreibt der Hebräerbrief diese Seite Jesu: »Er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte.« Die Evangelisten beschreiben mehrere Szenen, in denen Jesus weinte. Zum Beispiel, als er über das bevorstehende Schicksal Israels weinte. Auch als Jesus am Grab des Lazarus stand, »gingen ihm die Augen über«. Vielleicht, weil die ganze Trauergemeinde weinte – vielleicht aber auch, weil das Volk trotz seiner Wundertaten noch immer kleingläubig war.

( Lukas 19, 41,  Johannes 11, 35,  Hebräer 5, 7)

 

Zitat: »Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte über sie«.

 

 

Petrus und Paulus

Matthäus 26, 75; Apostelgeschichte 20, 31; 2. Korinther 2, 4

 

Über sein eigenes Unvermögen musste Petrus, der Jünger Jesu, »bitterlich« weinen: Obwohl er sich Jesus so nahe und verbunden fühlte und ihm versprochen hatte, ihn nie zu verlassen, verleugnete er ihn drei Mal. Auch Apostel Paulus war »nah am Wasser gebaut«, wie der Volksmund den Hang zur Weinerlichkeit nennt. Einen Brief an die Gemeinde in Korinth schrieb er eigenem Bekunden nach »unter vielen Tränen« (Exegeten nennen diesen Brief deshalb »Tränenbrief«). Die Ältesten der Gemeinde von Ephesus ermahnte er mit Tränen in den Augen. Dass sich in der Gemeinde von Philippi viele so verhalten, dass sie »Feinde Christi« sind, verleitet ihn ebenfalls zu Tränen.

( Matthäus 26, 75,  Apostelgeschichte 20, 31,  2. Korinther 2, 4)

 

Zitat: »Ich schrieb euch aus großer Trübsal und Angst des Herzens unter vielen Tränen«.

 

 

 

 

Am Ende werden die Tränen getrocknet

Psalm 126, 5; Offenbarung 2, 14

 

Was für eine Zusage: Das Weinen wird ein Ende habe, wenn das Reich Gottes anbricht! Dann werden die, die mit Tränen gesät haben, mit Freuden ernten. Und Gott wird – dem Seher Johannes zufolge – alle Tränen abwischen. Auch die der Männer.

( Psalm 126, 5,  Offenbarung 2, 14)

 

Zitat: »Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein«.

 

www.sonntagsblatt-bayern.deUwe Birnstein

 

2 Responses to “Aus der Bibel: Weinende Männer”

  1. Maria Says:

    Männern wird schon als Kind eingetrichert, dass richtige Männer nun einmal nicht weinen, immer stark sein – und vor allem ihre Gefühle im Griff haben – müssen.
    Ich sehe das anders!!! Auch Männer dürfen weinen! Denn es zeigt große Stärke, wenn Männer ihre Gefühle zulassen – und diese auch zeigen. Obendrein können Tränen äußerst befreiend wirken.

    Darum liebe ich Männer, die auch mal weinen können.


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