kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Maybritt Illner und ihre Gästerunde zu Ägypten 23. August 2013

Filed under: Moslembrüder — Knecht Christi @ 17:54

Erdogan weint um Assmaa die Tochter des Moslembruders Albeltagi, die angeblich erschossen wurde – Aber keine Träne um die Türken, die durch seine gewalttätigen Polizisten ums Leben kamen – Keine Träne um ermordete Kopten und niedergebrannte Kirchen?!?

 

Gestern Abend diskutierten einige Herrschaften bei Maybritt Illner über die Lage in Ägypten. Der Titel der Sendung sagte schon viel: „Ägypten zwischen Glaube und Gewalt“.

Glaube hier, Gewalt dort. Glaube, das sind die Muslimbrüder, Gewalt die anderen?

Das ist zumindest die Einstellung, die in unseren Medien und von unserer Politik ständig kolportiert wird. Die Muslimbrüder sind die Opfer, die anderen üben die Gewalt aus.

 

 

 

23. August 2013 – nach dem Freitagsgebet wie Stiere auf den Straßen von Alexandria:

Ägypten bleibt ISLAMIA … keineswegs und niemals säkular oder liberal„!

 

 

 

In der Runde saßen neben der Gastgeberin diese (folgendermaßen vorgestellten) Teilnehmer:

 

– Philipp Mißfelder von der CDU

(„ist überzeugt: Unter Ex-Präsident Morsi hat sich die Lage verschlechtert. Die Muslimbrüder wollten Ägypten nie in eine demokratische Richtung führen“),

 

– Hamed Abdel-Samad

(der Autor sagt: „Der sturz Morsis durch das Militär war richtig; das war kein Putsch, sondern eine Befreiungaktion“),

 

– Peter Scholl-Latour

(„er sagt: Wir können den arabischen Ländern Demokratie nicht überstülpen. Von einem Arabischen Frühling haben nur Dummköpfe geredet. Den hat es nie gegeben“),

 

– Lubna Azzam von der Stiftung Wissenschaft und Politik

(„widerspricht: Präsident Morsi hätte nicht gestürzt werden dürfen. Bei Neuwahlen würden sich die Ägypter wieder für eine islamistische Regierung entscheiden“),

 

– der Reiseführer Meyzen Okascha

(„hat für die Revolution in Ägypten gekämpft; jetzt verurteilt er das Vorgehen der Militärs: Das ist Faschismus“),

 

Das fasst die Aussagen dann später in der Sendung zum Teil treffend zusammen. Man hätte danach die „Diskussion“ vielleicht schon sparen können. Aber es kamen noch ein paar Grundzüge zum Vorschein, die doch recht heftige Zweifel an mancher Leute Demokratie-Begriff und den Kenntnissen der Zustände in Ägypten aufkommen lassen. Auffällig war, dass natürlich kein einziger Islamist dabei war. Alle Teilnehmer der Runde waren scheinbar westlich orientierte Personen, wobei auffiel, wie bemüht die Gegner des Umsturzes waren sich von den Muslimbrüdern zu distanzieren. Gerade der Reiseführer betonte immer wieder, wie sehr er zur säkularen Demokratiebewegung gehört. Dennoch stellte er – wie auch Frau Azzam – vehement fest, dass Morsi demokratisch gewählt war und es deshalb keinen Umsturz hätte geben dürfen.

 

 

 

Handgreiflichkeit in einer Saudischen Moschee – in Alnahda, Ryad – wegen der Hetze des Predigers –  Der Scheich dieser Moschee bat sein Allah um die Vernichtung von Baschar Alassad und Alsissi

 

Genau das stellt das Demokratie-Verständnis dieser beiden – und vieler weiterer – in Frage. Hamed Abdel-Samad versuchte immer wieder darauf abzuheben, dass Demokratie mehr ist als Wahlurnen füllen. Das „Eben“ von Frau Azzam und Herrn Okascha ist unglaubwürdig, weil sie immer nur darauf herumritten, dass Morsi demokratisch gewählt wurde. Was ist damit, dass eine demokratisch gewählte Regierung Volkes Wille berücksichtigen und umsetzen sollte? Was ist mit den undemokratischen Aktionen, die Morsi seit Amtsantritt durchführte, um Ägypten auf den Weg zum islamischen Gottesstaat zu bringen? Was ist mit den vielen Handlungen, die weder demokratisch legitimiert waren noch zu einer Demokratie passen? Frau Azzam war ganz klar: „Das müssen wir dann eben hinnehmen. Bei der nächsten Wahl können wir ihn dann ja abwählen.“ Wenn es denn eine nächste demokratische Wahl überhaupt gibt und das nicht das ist, was in der DDR als „falten gehen“ bezeichnet wurde. Nach dem Demokratie-Verständnis nicht nur dieser beiden müssen die Ägypter also alles dulden, was eine Regierung tut und können nichts dagegen unternehmen, das ihnen die vermeintlich gerade gewonnene Freiheit wieder nimmt. Und das ist dann „mehr als nur Wahlurnen“?

 

Übertragen wir das mal auf Deutschland: Was wäre, wenn jetzt durch irgendeine blöde Sache die NPD an die Macht käme? Wer würde sich da dann hinstellen und die machen lassen? Mit dem Argument „die sind demokratisch gewählt, jetzt müssen wir das vier Jahre lang ertragen“? Wenn der NPD-Kanzler z.B. rechtsextreme Richter ins Verfassungsgericht und den Bundesgerichtshof schickte, die dann dafür sorgen, dass bei den nächsten Wahlen für sichere Verhältnisse gesorgt wird? Dann würden doch Leute, die heute „Morsi war demokratisch gewählt“ brüllen, die ersten, die auf der Straße wären und „notfalls“ Gewalt einsetzten, um die Neonazis zu bekämpfen und aus dem Amt zu jagen. (Aber vielleicht ist das dann ja keine „Gewalt“? Die Antifa wird schon dafür sorgen, dass friedlich und gewaltfrei unliebsame Personen zusammengeschlagen werden…). Was bei der Argumentation mit der Wahl übrigens völlig außer Acht gelassen wird: Waren die Wahlen wirklich demokratisch und das Ergebnis tatsächlich so, wie es veröffentlicht wurde? Es gibt erhebliche Zweifel, schon seit der Wahl selbst, die jetzt unter anderem auch durch ein Interview mit dem neuen Machthaber Al-Sisi bestätigt werden. Dass Morsi wirklich demokratisch gewählt war, darf also nicht als gegeben angesehen werden – was aber die Argumentation keines der Diskussionsteilnehmer auch nur ansatzweise tangierte.

 

Dass das Militär Morsi in den Präsidentensessel hievte, weil es ihn für schwach hielt und mit den Muslimbrüdern geklüngelt hatte, um selbst die Fäden der Macht weiter in Händen zu halten, wird nicht bedacht. Schon gar nicht von denen, die den Umsturz begrüßen. So haben wir hier auch den großen Schwachpunkt in der Argumentation von Hamed Abdel-Samad, der zurecht betont, dass das Militär lediglich Volkes Wille ausführte. Es darf aber bezweifelt werden, dass hierin die Motivation Al-Sisis und seiner Kollegen zu suchen ist. Volkes Wille ist aber ein hervorragendes Argument für eigenes Handeln; die Militärs können sich auf etwas berufen, das ihnen im Grunde genommen am Allerwertesten vorbei geht. Sie schätzten Morsi falsch ein und wollten vor einem Jahr eine Lage vermeiden, die sie jetzt doch haben: Beleidigte und entmachtete (damals: nicht an die Macht gelangte) Muslimbrüder morden und plündern (fast) im ganzen Land. Hameds Begeisterung für den Umsturz sollte etwas gedämpfter und kritischer sein. Die anderen sollten endlich anfangen die mörderische Gewalttätigkeit der Muslimbruderschaft zu berücksichtigen.

 

Auch Hameds Behauptung, das sei kein Putsch gewesen, ist Unsinn. Wenn eine Regierung von einer nicht demokratisch gewählten Kraft abgesetzt wird, die sich mit Waffen durchsetzt/durchsetzen kann, dann ist das ein Putsch. Punkt. Es darf allerdings gefragt werden, ob es nicht auch einen „positiven Putsch“ gibt – bei uns wird jeder Putsch aufs Schärfste verurteilt, das sind wir so gewohnt und deshalb schwafeln Leute wie Westerwelle usw. davon, dass die Demokratie wieder hergestellt werden müsse. Als hätte Morsi noch irgendetwas mit Demokratie am Hut gehabt. Eine Demokratie, die Frau Azzam und Herr Okascha aber immer noch sehen wollten. Sie vertraten tatsächlich, dass Volkes Wille nach einer Wahl keine Veränderung der Regierung verursachen darf, wie sie hier erfolgte. Nein, das Militär hat falsch gehandelt. Das Volk hat das Recht zu demonstrieren, aber mehr auch nicht. Wenn die Regierung sich nicht beeinflussen lassen will, dann muss das Volk das hinnehmen. Es hat nichts mehr zu entscheiden, außer nach vier Jahren wieder ein Kreuzchen auf dem Stimmzettel zu machen.

 

Hier bekomme ich einen dicken Hals. Als genau dieses Militär den nicht weniger als Morsi „demokratisch gewählten“ Hosni Mubarak absetzte, waren keine Proteste zu hören, im Gegenteil. Und das sind sie bis heute nicht. Stattdessen kommen Parolen: „Mubarak ist frei und der demokratisch gewählte Morsi ist im Gefängnis!“, empören sich die rechtschaffenen Wahlurnen-Demokraten. „Frei“ ist etwas viel gesagt, was Mubarak angeht, aber wurde Morsi verhaftet, nur weil er Präsident war und dem Militär nicht mehr passte? Vermutlich auch, aber er hatte sein Amt massiv missbraucht und seine Anhänger betreiben Mord und Totschlag; doch das ist egal, der Mann muss frei rumlaufen und seine Leute aufwiegeln dürfen, wenn es nach unseren „Experten“ geht. Es ist nicht unbedingt zu erwarten, dass Morsi ein faireres Verfahren bekommt als Mubarak. Aber den einen Machtmissbraucher derart hochzuheben, während der andere totalverdammt wird, ist entweder heuchlerisch oder zeugt von völliger Werte-Schieflage.

 

„Alle Gewalt geht vom Volk aus“, heißt es in unserer Verfassung, wenn ich mich nicht irre. Wenn das Volk derart massiv gegen Morsi auf die Straße geht, wie es die Ägypter getan haben – weit massiver als gegen Mubarak! – dann sollte das schon eine Berechtigung sein die Regierung abzusetzen. Nur setzt bei uns dann ein Reflex ein: Das Militär darf das nicht, das Militär hat in der Politik nichts zu suchen, das Militär ist böse. Aber wer hätte es sonst tun sollen? Hamad Abdel-Samed hat insofern recht, als er von der Notbremse spricht, die das Militär gezogen hat. Diese Notbremse wird – das zeigen Umfragen – von der Mehrheit der Ägypter getragen. Auch das ist ein Element der Demokratie. (Wobei ich ein sehr ungutes Gefühl bezüglich der Motive der Militärs habe.) Auch das Vorgehen gegen die „Sit-ins“ der Muslimbrüder wird von mehr als zwei Dritteln der Ägypter befürwortet. Von daher ist die Behauptung der Frau Azzam, die Muslimbrüder würden wieder an die Macht gewählt nicht von den Fakten vor Ort gestützt (es könnte ja sein, aber demokratisch sauber wäre diese Wahl auf keinen Fall).

 

Fazit: Die Herrschaften, die nach der Wiedereinsetzung Morsis rufen, sind Leute mit einem seltsam eingeschränkten Demokratie-Verständnis, die mit zweierlei Maß messen und mit deren Argumentation man die Bekämpfung Hitlers durch Leute wie Georg Elser als scharf zu verurteilende Verbrechen darstellen muss, statt sie als Widerständler zu ehren. Die Befürworter des Umsturzes müssen sich mit der Rolle des Militärs in Ägypten insgesamt deutlich mehr auseinandersetzen. PSL hatte auch was zu sagen, ab und zu sogar mal etwas, dem man zustimmen kann. Insgesamt gilt aber etwas, das ihm von Hamad Abdel-Samed vor den Latz geknallt wurde und das ich in deutschen Qualitätsmedien bisher nie zu hören/sehen bekam, obwohl es lange überfällig war: „Herr Scholl-Latour, Ihre Analyse der arabischen Welt ist im Kalten Krieg stecken geblieben.“ Der Oberschlaumeier der deutschen Arabien-Journaille war brüskiert. Er fiel dem jungen Schnösel ab da immer wieder ins Wort, was seine Aussagen nun überhaupt nicht besser machte. Abdel-Samed machte allerdings den Fehler, seine Formulierung später immer nochmal einzubringen und Scholl-Latour mir ihr ins Wort zu fallen. Das war eher kontraproduktiv. {Quelle: heplev.wordpress.com}

 

3 Responses to “Maybritt Illner und ihre Gästerunde zu Ägypten”

  1. Andreas Says:

    als ob mursi jemals demokratisch legitimierte untersuchungsausschüsse aufgrund seiner katastrophalen (wirtschafts-) politik zugelassen hätte oder aktiv daran mitgewirkt hätte, den inneren frieden und den schutz der minderheiten zu gewährleisten. stattdessen wurde ein hassapparat installiert, der das ganze land zu ersticken drohte und keinerlei demokratische prinzipien berücksichtigte. bestenfalls eine plumpe islamistische variante der ex-ddr, nur primitiver, brutaler und noch erfolgloser wäre durch das moslembrüder-system erwartbar gewesen – längerfristig sogar eine art stalinistischer „Gottesstaat“, der alle abtrünnigen nach u. nach ausgemerzt hätte…
    ob sisis militärregierung überreagiert hat oder sich unnotwendiger (massen-) morde schuldig gemacht hat, lässt sich in dieser turbulent-kriegerischen revolutionsphase nicht eindeutig beantworten – ein nicht abgeschlossener revolutionsprozess hat seine eigenen (spontanen) gesetzmässigkeiten und kann mit den (fairen?) spielregeln saturierter demokratien keinesfalls verglichen werden!!
    ein freibrief für vermeidbare eskalationen ist dies freilich nicht – weder für sisi noch die moslembrüder, die sich mit ihrer niederlage nicht abfinden können und so ein beinhartes militärregime geradezu herbei-provozieren…(vermutlich ihre strategie, um den militärs den „schwarzen peter“ zuzuschieben und vor der weltöffentlichkeit als verfolgte „retter“ der demokratie dazustehen)

  2. Ibrahim Says:

    DIESE MENSCHEN SIND VOLL HASS WEIL SIE DEN SATAN ALS FÜHRER HABEN!

    OHNE LIEBE MIT DEM ZEICHEN DES TEUFELS AUF DEM KOPF! DIE MOHAMEDANER!


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