kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Frühling 2.0: Ägypten am Abgrund 28. Juli 2013

Filed under: Moslembrüder — Knecht Christi @ 19:09

Ein Moslembruder ruft bei Al-Jazeera an, und schwört Papst Tawadros und alle Christen in Ägypten zu töten. „Bald wird man sehen, dass sie nicht mehr zu ihren Kirchen gehen können. Das ist keine leere Drohungen. Man erlebt das bald„!

 

Während die Lage in Ägypten am Samstag eskalierte und die Gewalt in Kairo und Alexandria heute restlos enthemmte Züge angenommen hat, immunisiert sich im sogenannten Westen die veröffentlichte Meinung vor den sich förmlich aufdrängenden Anfeindungen durch die Wirklichkeit, indem sie das Propagandamärchen vom „guten“, weil „volkstümlichen“ ägyptischen Frühling wiederbeleben möchte. In dieser Optik wird die seit drei Wochen anhaltende Auseinandersetzung zwischen dem Militär und der Moslembruderschaft durch jene „Tahrir-Platz versus Tyrannen“-Brille interpretiert, die schon beim ersten Mal nur Resultate produzierte, die dem Namen nach der Wirklichkeit entsprachen – nämlich der Wirklichkeit im Kopf einschlägig interessierter Politiker und Journalisten. Nach einem Jahr „arabischen Frühlings“ ergibt besagte Optik jetzt aber nur noch schräge Projektionen. Wenn ein Blick in die Geschichte, insbesondere die deutsche Vor-, Nach- und Zwischenkriegsgeschichte, eins lehrt, dann dass Wahlen eine Gesellschaft nicht demokratisch machen. Immerhin wurde in Deutschland zu allen Zeiten, besonders während der „Weimarer Republik“, fleißig gewählt. Leider sehr lange ohne, dass die Gesellschaft dadurch demokratischer geworden wäre. Im Gegenteil: Wie der Blick in jedes handelsübliche Lehrbuch der deutschen Geschichte zeigt, kam dabei sogar jener Nationalsozialismus als demokratische legitimierter Sieger der Herzen heraus, der nach dem Hitler-Putsch 1923 den langen Marsch durch die Instanzen antreten durfte und knapp zehn Jahre später sein Ziel erreicht hatte; ein langer Marsch, bei dem das Berufs-„Linke“ Deutschland nicht mehr grün vor Neid werden müsste, denn es hat sich längst etabliert.

 

 

Wer trotz dieses geschichtlich eindeutigen Befundes im Westen – zu dem ja irgendwie auch dieses wiedergutgewordene Germany gehören möchte, zumindest jenes Stück weit, das seinem „kritischen Dialog“ und seinen lukrativen Handelsbeziehungen mit dem Iran nicht von wegen irgendwelcher moralischer Imperative im Wege steht (Lage der Menschenrecht im Mullah-Staat, Existenz des jüdischen Staates, und andere derartige „Details“) – an der Vorstellung festhalten möchte, Ägypten wäre durch die Wahl Mohammed Mursis vor einem Jahr plötzlich irgendwie demokratischer geworden, beweist eine bemerkenswert naive, reduzierte, hierzulande aber typische, tröstliche und vermutlich nach wie vor mehrheitsfähige Auffassung von gesellschaftlicher und persönlicher Selbstbestimmung.

 

 

Die einfache Gleichung „Mursis Moslembüder gut – Sisis Junta böse“

verkennt und verleugnet die gesellschaftliche Entwicklungsdimension Fortschritt versus Rückschritt möglicherweise zweckdienlich,

auf jeden Fall aber zwangsläufig.

 

 

So ist das nun mal, wenn man auch drei Generationen nach dem Nationalsozialismus noch immer nichts von der Unterscheidung zwischen Primärtugenden und Sekundärtugenden wissen möchte! Mursi wurde gewählt, das ist richtig, aber dabei scheint es zumindest auf dem Land, wo zwei Drittel aller Ägypter leben, nicht ganz korrekt zugegangen zu sein, um es mal so freundlich wie möglich zu sagen. Ungefähr ein Drittel aller Ägypter sind Analphabeten, haben also nur sehr eingeschränkten Zugang zu Informationen und kaum Möglichkeiten zur unabhängigen Meinungsbildung. Und den Rest hat ein florierender Stimmenhandel mit Zuwendungen und kleinen Geschenken aller Art besorgt, von Brillengestellen über Handys bis zu Medikamenten und Sonnenblumenöl.  Die einzige nennenswerte „politische“ Infrastruktur außerhalb der Metropolen Kairo und Alexandria hatte und hat die Moslembruderschaft, und ihr Programm kündigt die sukzessive Errichtung einer absoluten islamistischen Theokratie unumwunden als ihr wesentliches und wichtigstes gesellschaftliches und politisches Ziel an. Wenn das Abschneiden solcher gesellschaftlicher Kräfte bei den Wahlen vor einem Jahr insbesondere in Deutschland von den professionellen Schlaumeiern vom Staatsfunk und ihren Wasserträgern bei etablierten Instituten wie den „Blättern für deutsche und internationale Politik“ und dem in Hamburg ansässigen „Deutschen Orient-Institut“ als „Sieg der Demokratie – hurrah!“ gefeiert wurde, dann legen besagte Einrichtungen damit nicht nur eine recht bemerkenswerte Auffassung von Demokratie an den Tag, sondern auch eine beunruhigende Affinität zu politischen Zielen, wie sie unter dem Schleier des „links-liberalen“ Konsenses reaktionärer nicht sein können. Die etablierten „linken“ Reaktionäre in Germany bedeuten weder für die demokratische Reife des jetzigen Komplexes von Medien und Politik noch für die Zukunft dieser Sozietät insgesamt etwas Gutes, verraten vor allem aber die Menschen in Ägypten hinsichtlich ihrer legitimen Ansprüchen hinsichtlich individueller und sozialer Emanzipation mit inbrünstiger Bestialität.

 

 

 

Dieser wurde von hinten erschossen!?!

Der Beweis dafür, dass die Moslembrüder sich gegenseitig erschießen – Man weiß nicht, wer ist wer! Denn man traut dem Sicherheitsdienst und dem Geheimdienst alles zu …

 

 

Natürlich muss es vor dem Hintergrund einer weiterhin freiwillig-unfreiwillig unverstandenen und unverarbeiteten deutschen geschichtlichen Erfahrung tröstlich erscheinen, wenn auch andere Gesellschaften sich „aus freien Stücken“ und „in demokratischen Wahlen“ für Regression und Vernichtung entscheiden würden („ach, täten sie‘s doch bloß!“, hört man die einschlägig interessierten Stellen in Staat und Politik förmlich seufzen). Aber wenn sich insbesondere das „links“-deutsche Establishment mal wieder instinktsicher mit einer amoklaufenden Selbstmordsekte wie der Moslembruderschaft identifizieret, dann zeigt sie damit in aller zu Gebote stehenden Deutlichkeit, wessen Geistes Kind dieses deutsche Establishment im Grunde seines Herzens seit dem 8. Mai 1945 stets geblieben ist. In Ägypten hat die Moslembruderschaft, nach anhaltenden Protesten für die Militärregierung am Freitag, heute genau die Schlagzeilen produziert, von denen sie möchte, dass sie gelesen werden und die Ereignisse produziert, von denen sie möchte, dass sie sich ereignen, weil sie ihrer Sache dienen. Die islamistische Selbstmordsekte hat ihre Fußtruppen ins Messer kommandiert und sie in einem kalkulierten Manöver medienwirksam über die Klinge springen lassen. Die ägyptischen Sicherheitskräfte haben der Moslembruderschaft heute zum zweiten Mal in zwei Wochen den Gefallen getan, vom Ausnahmezustand (der Entscheidung über Leben und Tod) vollumfänglich Gebrauch zu machen. Um das Verhalten der Sicherheitskräfte mit einem klassischen Vietnam-Zitat zu illustrieren: Das Militär hat das Dorf gerettet, indem es das Dorf vernichtet hat.

 

 

 

Nach seinen ekelhaften Fatwas, Gaddafi und Baschar zu töten, hetzt Alkaradawy auf Al-Jazeera gegen Feldmarschall Alsissi und die ägyptische Armee?!?

 

 

Ergebnis: Die Schätzungen oszilieren zwischen 21 (Innenministerium) und 220 (Moslembrüder) Toten und tausend (Reuters) und 4.500 (Moslembrüder) Verletzten. Westliche Meiden gaben die Zahl meist mit 75 bis 120 Toten an. Schon angesichts ihrer geradezu grotesk anmutenden Übertreibungen blamiert sich die Moslembruderschaft als „Politik“ gewordener Todestrieb, rationalisiert durch das Ziel, sich zurück an die Macht zu suizidieren. Es ist ebenso wenig ersichtlich, dass den Moslembrüdern die „Märtyrer“ ausgehen, wie, dass die Sympathie mit ihnen gerade im „links“-deutschen Establishment und dessen Groupies in eine emotionale Krise geriete. {Quelle: haolam. – von Gerrit Liskow}

 

2 Responses to “Frühling 2.0: Ägypten am Abgrund”

  1. Ibrahim Says:

    Home > Ökumene > Artikel von 2013-07-22 13:52:47
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    Ägypten: Tawadros führt weiterhin keine Generalaudienzen durch

    Die Mittwochsaudienzen des koptischen Papst-Patriarchen Tawadros II. fallen weiterhin aus. Das berichtet die österreichische Stiftung „Pro Oriente“ am Montag. Grund für die Absage sei die Sorge um Sicherheit der Gläubigen bei Massenversammlungen angesichts der Drohungen der islamistischen Propaganda. Schon seit dem 3. Juli gibt es keine Mittwochsaudienzen mehr mit Tawadros. Wie der Generalsekretär des Nationalen Kirchenrates, Pfarrer Bishoy Helmy, berichtet, sei die Lage im Land nach dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi und der politischen Übergangsphase unter Leitung der Armee schwierig.

    Der koptisch-katholische Bischof von Minya, Boutros Fahim Awad Hanna, sagte im Gespräch mit der vatikanischen Nachrichtenagentur Fides, Tawadros II. fürchte nicht um sein Leben. Es gehe ihm vielmehr darum, Massenversammlungen wie die Mittwochsaudienzen zu vermeiden, die eventuell zum Ziel von Anschlägen werden könnten. In der islamistischen Propaganda würden die Christen – und insbesondere der Papst-Patriarch – für die Ablösung von Präsident Mursi verantwortlich gemacht.

    Das ägyptische Innenministerium hat inzwischen für Tawadros II. und für den Großscheich der Al Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, umfassende Sicherheitsmaßnahmen verfügt. Die beiden geistlichen Führungspersönlichkeiten waren am 3. Juli gemeinsam mit General Abdelfattah al-Sisi im Fernsehen, als der General und Verteidigungsminister sein Übergangsprogramm für die Zeit nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mursi darlegte.

    Von den 33 Ministern der am 16. Juli gebildeten Übergangsregierung des neuen Premierministers Hasem el-Beblawi sind drei koptische Christen: Laila Rashed Iskandar leitet das Umweltministerium, Mounir Fakhry Abdel Nour ist für das Ministerium für Handel und Industrie verantwortlich und Ramsi George leitet das Ministerium für Wissenschaft. Mit mehreren Frauen und Christen im Kabinett bildete Beblawi ein Kabinett, das für Islamisten nur schwer zu verkraften ist und von diesen als Provokation angesehen wird.

    (kap 2.07.2013 mg)

    Dieser Text stammt von der Webseite http://de.radiovaticana.va/news/2013/07/22/%C3%A4gypten:_tawadros_f%C3%BChrt_weiterhin_keine_generalaudienzen_durch/ted-712562
    des Internetauftritts von Radio Vatikan

  2. Ibrahim Says:

    Home > Gerechtigkeit und Friede > Artikel von 2013-07-23 15:00:07
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    Ägypten: Hoffnung auf Zurückdrängung der Sinai-Islamisten

    Die ägyptische Armee hat nach Angaben der Kairoer Tageszeitung „Al Watan“ einer „jihadistischen“ Organisation, die im nördlichen Sinai operierte und dort vor allem gegen koptische Christen vorging, einen „tödlichen Schlag“ versetzt. Nach der Absetzung von Präsident Mohammed Mursi hatte auf der Sinaihalbinsel der Terror gegen Christen einen neuerlichen Höhepunkt erreicht, wie die Stiftung Pro Oriente am Dienstag berichtet. Nach der jüngsten Offensive könnte sich das geändert haben, so Pro Oriente. Ein Grund sei, dass die Islamisten ihren Terror nicht nur gegen Christen entfaltet hätten: Es gab seit der Absetzung von Mursi am 3. Juli auch Dutzende Überfälle auf Wachzimmer der Polizei, Armee-Checkpoints und auf einzelne Angehörige der Sicherheitskräfte.

    Staat hat keine Kontrolle mehr

    Der Pressesprecher der katholischen Kirche in Ägypten, P. Rafic Greiche, erinnerte gegenüber der vatikanischen Nachrichtenagentur „Fides“ daran, dass Mina Abouds Pfarrkirche in El-Arish bereits drei Monate vor seiner Ermordung von Islamisten attackiert und angezündet worden war. P. Greiche wies daraufhin, dass der Sinai eine Gegend sei, „über die der Staat wegen der Präsenz verschiedener bewaffneter jihadistischer Gruppen keine Kontrolle mehr hat“.

    Gewalt gegen Christen

    Am 6. Juli wurde der 39-jährige Pfarrer Mina Aboud in El-Arish auf dem Heimweg vom Wochenmarkt von Islamisten erschossen. Mina Aboud war Sekretär des in El Arish residierenden koptisch-orthodoxen Bischofs Kosman, der für den nördlichen Sinai zuständig ist.

    Fünf Tage später wurde die Leiche des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Magdi Lamie auf dem Friedhof in Scheich-Zowaid gefunden. Lamie war auf dem Heimweg entführt und dann offensichtlich gefoltert und enthauptet worden. Die Entführer hatten von seiner armen Familie zunächst eine halbe Million ägyptischer Pfund als Lösegeld verlangt. Doch sie meldeten sich dann nicht mehr.

    Zeitgleich mit den beiden Verbrechen nahm die systematische Einschüchterungskampagne gegen die koptischen Christen im nördlichen Sinaigebiet dramatisch zu. 120 koptische Familien entschlossen sich deshalb, El Arish zu verlassen. Bereits zuvor waren alle Christen aus Rafah und der Kleinstadt Scheich-Zowaid geflüchtet. Die koptisch-orthodoxe Diözese forderte daraufhin eine Intensivierung der Sicherheitsmaßnahmen für die christlichen Bürger.

    Katharinenkloster nicht betroffen

    Von den islamistischen Umtrieben auf der Sinai-Halbinsel war das im 6. Jahrhundert begründete Katharinenkloster bisher nicht betroffen. Das Kloster an der Stelle des „Brennenden Dornbuschs“, wo Moses seine große Gottesvision hatte, liegt im Südteil der Sinaihalbinsel. Das Katharinenkloster ist Mittelpunkt der autonomen „Orthodoxen Kirche vom Berg Sinai“, der kleinsten der orthodoxen Teilkirchen.

    (kathpress 23.07.2013 sta)

    Dieser Text stammt von der Webseite http://de.radiovaticana.va/news/2013/07/23/%C3%A4gypten:_hoffnung_auf_zur%C3%BCckdr%C3%A4ngung_der_sinai-islamisten/ted-713008
    des Internetauftritts von Radio Vatikan


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