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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Polens Juden und Muslime bekämpfen Schächtverbot 17. Juli 2013

Filed under: Aktuelle Nachrichten — Knecht Christi @ 16:56

Das Verbot des Schächtens erzürnt in Polen die betroffenen Juden und Muslime. Jetzt hoffen die Glaubensgemeinschaften auf einen Kompromiss: koscher und halal produziertes Fleisch für den Eigenbedarf.

 

 

 Tierschutz-Aktivisten protestieren im Juni 2013 in Warschau gegen die Praxis des Schächtens. Diese ist nun abgeschafft – sehr zum Ärger von Juden und Muslimen im Land

 

 

Polens Oberrabbiner Michael Schudrich ist kein Freund des Streits. Aber in diesem Fall wählte der aus New York stammende, seit 1990 in Warschau tätige Geistliche deutliche Worte: Er könne nicht länger in seinem Amt verbleiben, er könne seinen „Glaubensgenossen nicht mehr angemessen dienen“, wenn das gerade verabschiedete Gesetz nicht geändert werde. Es geht um das Verbot des Schächtens, das der Sejm, das polnische Abgeordnetenhaus, gerade erlassen hat. Auch Polens Muslime protestieren gegen das Gesetz. Am Freitag hatte das Parlament den Regierungsentwurf, der das Schächten ohne vorherige Betäubung des Tieres erlaubt hätte, mit 222 gegen 178 Stimmen abgeschmettert. Vor allem die konservative Opposition stimmte für ein Schächtverbot, aber auch Abgeordnete quer durch die Bänke, auch aus der regierenden Bürgerplattform. Man hatte die Abstimmung freigegeben, es gab keine Fraktionsdisziplin. Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski frohlockte, das Ergebnis sei ein „Sieg der Anständigen“ über eine von ihm nicht näher beschriebene „Lobby“.

 

 

 

 

 

„Offener Anschlag auf religiöse Tradition“

 

Jetzt ist der Ärger da, und die Worte von Premier Donald Tusk, seine Partei habe von Anfang an mit dem Schächten ein Problem gehabt, haben sich auf schmerzliche Weise erfüllt. Internationale jüdische Verbände protestierten, und das israelische Außenministerium teilte mit, man sei „enttäuscht“. Die Abstimmung sei ein „offener Anschlag auf die religiöse Tradition des jüdischen Volkes“. Die Geschichte Polens sei mit der Geschichte des jüdischen Volkes verflochten, und die Entscheidung behindere die Wiederbelebung jüdischen Gemeindelebens, verlautete aus Israel weiter. Das Ministerium appellierte an das polnische Parlament, „seine Entscheidung zu revidieren“. Geht es bei der Entscheidung auch um Antisemitismus und Islamfeindlichkeit? Zuvor in der Debatte war es weniger um die Rechte von Religionsgemeinschaften gegangen, eher um den Streit zwischen Tierschützern einerseits und der Fleischbranche andererseits. Die Regierung argumentierte, mehrere Dutzend Schlachthöfe exportierten Fleisch von geschächteten Tieren im Gesamtwert von bis zu 1,5 Milliarden Zloty (etwa 350 Millionen Euro) im Jahr. Es gehe um jüdische und muslimische Abnehmer in vielen Ländern und um mehrere Tausend Arbeitsplätze. Ein Argument, das sonst immer zieht: Polens Agrar- und Lebensmittelsektor hat seine Exporte seit dem EU-Beitritt etwa vervierfacht. Wenn man das Schächten verbiete, so das Argument, würden selbstverständlich Schlachthöfe in anderen Ländern einspringen.

 

 

 

Gesetz von 1997 sieht koschere Lebensmittel vor

 

Der Bedarf an koscher oder für Muslime halal produziertem Fleisch in Polen selbst ist klein. Im Land leben einige Tausend gläubige Juden, muslimische Glaubensgemeinschaften zählen 6000 Mitglieder, von denen ein Teil Tataren sind. Hinzu kommen mehrere Tausend Flüchtlinge aus dem Kaukasus. Jetzt hoffen die Glaubensgemeinschaften, auf einen Vorschlag des eigentlich gar nicht für diese Fragen zuständigen Kabinettsmitglieds Michal Boni zurückkommen zu können: Er hatte erfolglos angeregt, Juden und Muslimen das Schächten für den Eigenbedarf zu erlauben, aber nicht den Schlachthöfen für den Export. Im Grunde gibt es bereits Bestimmungen, die sich in diesem Sinne auslegen lassen: Ein Gesetz von 1997 erlaubt den jüdischen Gemeinden die „Versorgung mit koscheren Lebensmitteln“. Und die Mehrheit der Muslime akzeptiert das Schächten zuvor betäubter Tiere. {Quelle: www.welt.de – Von Gerhard Gnauck, Warschau}

 

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Polen verbietet Schächten

Juden fühlen sich ausgegrenzt – zu Recht

 

 

Schächten ist eine blutige Angelegenheit.

Dennoch ist die Religionsfreiheit wichtiger, kommentiert Christian Böhme.

Die Debatte ist von antisemitischen Ressentiments geprägt.

 

Keine Frage, Schächten ist eine blutige Angelegenheit. Und Tierschützer werden nicht müde, gegen das betäubungslose Schlachten zu Felde zu ziehen: eine einzige Quälerei, die Tieren unnötigerweise schlimme Schmerzen und Leid zufüge. In Polen können die Aktivisten nun einen Erfolg vermelden. Das Parlament hat es – befreit vom Fraktionszwang – abgelehnt, ein geltendes Schächtverbot per Gesetz wieder aufzuheben. Doch was Tierschützer womöglich jubeln lässt, kommt für Juden einem Affront gleich. Sie fühlen sich ausgegrenzt, missachtet und sehen ihr verbrieftes Recht auf freie Religionsausübung in Gefahr. Zu Recht! In den vergangenen Monaten gab es eine regelrechte Kampagne gegen die „grausame jüdische Schlachtmethode“. Überhaupt machten sich in der Debatte immer wieder antisemitische Ressentiments bemerkbar. Einige Parlamentarier argumentierten zudem perfide damit, das Schächten sei der „polnischen Kultur fremd“. So verunglimpft man ein Ritual, das zum elementaren Bestandteil des Judentums gehört. Mit dem Grundrecht auf Religionsfreiheit hat das nichts zu tun. Und die Frage, ob ein Bolzenschuss als Betäubungsmethode bei der Massentierschlachtung tatsächlich „humaner“ ist als ein gezielter Kehlschnitt, lassen wir hier einfach mal unbeantwortet. {Quelle: www.tagesspiegel.de – von Christian Böhme}

 

5 Responses to “Polens Juden und Muslime bekämpfen Schächtverbot”

  1. Haben Tiere eine Seele?
    Haben Tiere auch eine Seele, können Tiere fühlen? In 1. Mose 1,30 steht ja: «Aber allen Tieren der Erde und allen Vögeln des Himmels und allem, was sich regt auf der Erde, allem, in dem eine lebendige Seele ist, habe ich jedes grüne Kraut zur Nahrung gegeben!»

    • Bevor ich auf Ihre Frage eingehe, möchte ich festhalten, dass der Mensch – im Gegensatz zum Tier – nach dem Bilde Gottes geschaffen wurde: «Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich; die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde, auch über alles Gewürm, das auf der Erde kriecht!» (1.Mo 1,26). Deshalb kann der Mensch denken, fühlen, wollen. Er kann sich an einem schönen Sonnenuntergang freuen, mittlerweile auf den Mond fliegen und sich über den Sinn des Lebens Gedanken machen. Das können Tiere nicht! Vielmehr sagt uns die Bibel im Zusammenhang mit dem babylonischen König Nebukadnezar, der hochmütig und deshalb geistig verwirrt wurde, Folgendes: «Man verstiess ihn aus der menschlichen Gemeinschaft, er verlor seinen Verstand und wurde wie ein Tier. Bei den wilden Eseln hauste er, frass Gras wie ein Rind, und der Tau durchnässte ihn. Das dauerte so lange, bis er einsah: Der höchste Gott ist Herr über alle Reiche der Welt, er vertraut die Herrschaft an, wem er will» (Dan 5,21). Durch diesen spezifischen Fall wird erstens deutlich, dass der Verstand ein Attribut des Menschen ist, und zweitens, dass es nur dem Menschen möglich ist, Gott zu erkennen und Ihm die Ehre zu geben

      http://www.glaubensfrage.net/frage_haben_tiere_eine_seele.html

      • Was uns von anderen Tieren unterscheidet, mag das Denken oder der Verstand sein. Das war es schon.
        Der Mensch hat einen Tier-Körper, er ist ein Säuger, er gehört zu den Primaten, dort zu den Trockennasenaffen dort zur Gattung Homo.

        In Genesis 1:26 steht nichts von „herrschen“! eine vollkommen tendenzielle Übertragung

        Der Mensch soll sich von Früchten und Körnern ernähren.

        Selbst Insekten geben Gott die Ehre, warum sollten das andere Tiere nicht tun?

        וַיְבָרֶךְ אֹתָם, אֱלֹהִים, וַיֹּאמֶר לָהֶם אֱלֹהִים פְּרוּ וּרְבוּ וּמִלְאוּ אֶת-הָאָרֶץ, וְכִבְשֻׁהָ; וּרְדוּ בִּדְגַת הַיָּם, וּבְעוֹף הַשָּׁמַיִם, וּבְכָל-חַיָּה, הָרֹמֶשֶׂת עַל-הָאָרֶץ.

        „Und kniend [*1] [DIE] Überhimmlische[n] sprechend:

        ähnlich wie [wir] Überhimmlische
        fruchtbar seiend und vermehrend und die Erde erfüllend

        und handelnd fürsorgend

        an Fisch der Wasser
        und an Flügler der Luft
        und an jedem Lebendigen sich bewegend auf der Erde.“
        Genesis 1:26

        [*1] = אֹתָם kann nicht übersetzt werden (Akkusativ-Hinweis – die Überhimmlischen sprechen “wen” an (den Menschen)]

  2. So, so, „da fühlen“ und „sehen“ einige mal wieder etwas, was nichts mit „fühlen“ und „sehen“ zu tun hat.
    „eine Kampagne“, „es machte sich bemerkbar“

    „Ritual des Judentums“ Wirklich? Mal wieder die Tradition höher als das Gesetz Gottes?

  3. garibaldi Says:

    Hach ja- die Deutschen sind ja immer gerne die ersten die den Polen, einem volk,welches sie AUSROTTEN wollten, „antisemitismus“ vorwerfen wollen-gleichzeitig müssen nur in Deutschland die synagogen von der polizei vor neonazis bewacht werden! Ich finde halal und kosher schlachtung OHNE Betäubung äusserst diskutabel-ebenso wie beschneidung. Die jud. Religion würde ohne leiden nichts verlieren. Ich mache gerade einen konversionskurs /reform.jüd. und habe nicht vor einen eventuellen sohn beschneiden zu lassen oder die kosherschlachtung zu unterstützen. Bravo an Polen-es ist an der Zeit dass sich das Judentum in dieser Sache eine alternative überlegt.


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