kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Rechtsextremismus im Netz 1. Juli 2013

Filed under: Werte für Jugend — Knecht Christi @ 19:24

Im Internet gibt es immer mehr hässliche Seiten. Nazis und Kameradschaften verbreiten ihre Hetze geschickt mit Musik, Videos und Foren.

 
 

Sie stellen schicke Handy-optimierte Angebote online und wollen so viele Jugendliche wie möglich ansprechen.

Jugendschützer warnen vor dieser Nazi-Charmeoffensive.

Neonazis im coolen Rapper-Outfit.

 

 

Wie der Wolf im Schafspelz kommen die neuen Nazis auf YouTube daher. Nur noch selten mit brutalen Gewaltszenen und immer häufiger mit Musik, Basecaps, T-Shirts und Palästinensertüchern. Sie sehen wie viele Jugendliche aus – nur was sie sagen, entlarvt sie: Hass auf Migranten und Regierung, auf die USA und Israel. Sie machen ihre Seiten wie coole Sprayer-Seiten auf, nennen sie „Straßenkunst“ und geben sich nur auf den zweiten Blick als Nazis und Hassprediger zu erkennen. „Typische Lock-Angebote sind Musik zum Herunterladen, Hausaufgabenhilfe oder Freizeitfahrten zum Baggersee“, erläutert Stefan Glaser von Jugendschutz.net. „Dabei geht es immer darum, rechtsextreme Botschaften zu vermitteln und Jugendliche für den Rechtsextremismus zu ködern.“ Gesehen wird das von vielen, die die Seiten gleich wieder wegklicken, von anderen, die sie aufmerksam lesen und von Menschen, die Jugendliche schützen wollen. Jugendschutz.net heißt die länderübergreifende Stelle Deutschlands für Jugendschutz im Internet. Sie überprüft jährlich, wie sich der Rechtsextremismus im World Wide Web entwickelt. Beruhigend ist ihr aktueller Bericht nicht, denn 2007 erreichte das deutschsprachige rechtsextreme Online-Angebot einen neuen Höchststand.

 

 

 

 

 

Jugendschützer im Auftrag der Demokratie und ihre grausigen Funde

 

Die Jugendschützer finden immer mehr rechtsextreme Seiten im Internet. Das liegt zum einen daran, dass es immer mehr gibt, zum anderen suchen immer mehr Menschen gezielt danach. Für Jugendschutz.net, das seit 2000 im Auftrag der Jugendminister aller Bundesländer Angebote im Internet auf die Einhaltung von Jugendschutzbestimmungen überprüft, haben vier Leute gesucht. Sie haben 1635 einschlägige Websites beobachtet und mehr als 750 Videos und Profile in Portalen wie YouTube oder SchülerVZ gefunden. Insgesamt stieg das Nazi-Angebot im Vergleich zum Jahr 2006 um 30 Prozent: 299 Websites bieten die so genannten Kameradschaften an, die Kollegen von der NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) 191. Hinzu kommen 166 Verkaufsplattformen, die Neonazi-Artikel verkaufen wollen. Im Jahr 2007 fanden die Internet-Wachleute sogar eine eigenständige neonazistische Videoplattform nach dem Vorbild von YouTube. Ein US-amerikanisches Portal imitierte dessen Stil und zeigte die Exekution zweier Männer durch russische Neonazis. Jugendschutz.net konnte durch einen Kontakt zum Provider diese Plattform schließen lassen.

 

Gegen den massiven rechten Hassblock kommen die Schützer nicht immer an. Sie reichten insgesamt 44 Induzierungsanträge bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ein und schafften es damit, dass die so indizierten Websites in Suchmaschinen nicht mehr als Treffer angezeigt werden. Es gelang ihnen, in all den Jahren ihrer Arbeit über 1200 Websites aus dem Netz zu werfen und allein 2007 konnten sie 300 Internet-Links sperren lassen. Doch sobald diese weg waren, kamen genau so viele neue Sites, Profile und Videos dazu. Besonders frustrierend für die Aufpasser: 92 Prozent der Nazi-Angebote haben sich im Netz etabliert und sind dauerhaft online. Selbst bislang unstete private Websites haben sich stabilisiert: Von den 2007 beobachteten 1635 Websites gaben bis Ende des Jahre lediglich 221 auf. Sogar spezielle Szene-Dienste konnten sich im Netz konsolidieren. So stellen zwölf Prozent der Website-Betreiber ihr Angebot über Server von so genannten Neonazi-Providern ins Internet. Weitere Online-Dienstleistungen reichen von professionellem Web-Design über Produktion und Vermarktung rechtsextremer Musik und Devotionalien bis zu rechtsextremen Lifestyle-Angeboten. Dabei stehen die Server meistens in Deutschland. Während die Neonazis früher auf Server der USA oder Kanada zurückgreifen mussten, schicken sie heute in 78 Prozent aller vom Jugendschutz.net entdeckten Fälle ihre Botschaften von deutschen Rechnern los.

 

 

 

 

 

 

 

Verharmlosung im Netz – knapp am Strafgesetzbuch vorbei

 

Geschickt schaffen es die Neonazis ihre Inhalte so zu formulieren, dass sie vor dem Gesetz als zulässig durchgehen. 2007 konnten nur 16 Prozent der Angebote strafrechtlich als unzulässig verfolgt werden. Das macht die Sache aber nicht besser, erklären die Jugendschützer und warnen vor den immer subtiler werdenden Verführungskünsten der rechtsextremen Hetzer. Die Botschaften bleiben menschen- und demokratiefeindlich, auch wenn sie das nur unterschwellig tun und so nicht vom Staat geahndet werden können. Um dennoch dagegen vorzugehen, wenden sich die Jugendschützer direkt an die Plattformbetreiber wie YouTube oder SchülerVZ. Die haben in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen verankert, dass rassistische, volksverhetzende und kriminelle Inhalte unerwünscht sind und zum Ausschluss führen. Dank dieser Vereinbarung konnten 93 Prozent der beanstandeten Profile gelöscht oder geändert werden.

 

 

Selbstverantwortung in Communities

 

Jeder kann etwas gegen rechte Gewalt im Netz tun. Ganz direkt – wie die YouTube-User, die Nazi-Clips karikieren, oder in Netzwerken. Es gibt zahlreiche Initiativen in Deutschland, die dem Rechtsextremismus auf allen Ebenen den Kampf angesagt haben. Allein die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat in ihrer Datenbank 150 Adressen, an die man sich wenden kann, wenn man online oder leibhaftig mit dem Problem konfrontiert wird. Darunter ist auch das Netz-gegen-Nazis.de, ein Projekt der Wochenzeitung Die Zeit, des Deutschen Olympischen Sportbundes, der Fußball Bundesliga, des Deutschen Feuerwehr Verbandes, des Fernsehsenders ZDF, und der bei den Jugendlichen sehr beliebten Communities Studi-, Schüler- und MeinVZ. Hier kann sich jeder Hilfe und Rat holen, wer rassistische, antisemitische, sexistische, kurz: menschenfeindliche Denkweisen bekämpfen will – auch wenn sie noch so hip und cool daher kommen.

 

Wer unzulässige Inhalte im Netz findet, kann diese auch per Hotline oder E-Mail auf www.jugendschutz.net melden.

www.goethe.de

Christine Sommer-Guist ist Journalistin und Autorin mit den Schwerpunkten Umwelt und Soziales
 

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