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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Die türkischen Juden: zwischen Hoffnung und Besorgnis 18. Juni 2013

Filed under: Islamische Schandtaten — Knecht Christi @ 17:36

Richard Prasquier hat anlässlich einer privaten Reise in die Türkei die jüdische Gemeinde getroffen und wurde im Außenministerium eingeladen, sich mit Ahmet Davutoglu, sowie dem für die Beziehungen mit dem Mittleren Osten zuständigen Staatssekretär, Feridun Sirlitoglu, auszutauschen. Der Vorsitzende des [französischen] Zentralrat der Juden berichtet über seine Eindrücke.

 

 

Zur Zeit leben ca. 20.000 Juden in der Türkei. Sie sind fast ausschließlich in Istanbul zu finden. Lediglich ein paar Hundert Juden leben in der Haupt- und zweitgrößten Stadt  Ankara sowie in Izmir, noch weniger in Städten mit einer sehr alten jüdischen Präsenz wie Bursa und Edirne, und so gut wie keiner in Anatolien, das 95% der Landesfläche darstellt und wo jedoch jüdische Gemeinden lange vor dem Fall des Tempels von Jerusalem vorhanden waren. Istanbul ist eine unermesslich große Stadt, wahrscheinlich die meist bevölkerte auf dem europäischen Kontinent (man spricht von 13 bis 18 Millionen Einwohner mit einem rasanten Wachstum seit etwa 20 Jahren) mit einem wundervollen Panorama. Die meisten Juden sind dort seit langer Zeit ansässig. Viele stammen von den 1492 aus Spanien verjagten Juden ab. Der Sultan Bayezid hatte sie u.a. in Istanbul und Saloniki aufgenommen, um die Entwicklung des Landes voranzubringen.

 

Man spricht davon, dass sich damals 120.000 spanische Juden in der Türkei niederließen. Der freundliche Empfang durch die Türken als Gegensatz zu den Verfolgungen in den christlichen Ländern ist allgegenwärtig in der Erinnerung und dem Diskurs der jüdischen Gemeinde der Türkei. Ihre Sprache, das judeo-spanisch, das in seiner liturgischen Form ladino hieß, wurde bis vor etwa 50 Jahren noch benutzt. Sie wird heutzutage nicht mehr benutzt und leider nur noch äußerst selten verstanden. Es gibt auch einige Aschkenasen, deren Vorfahren vor den Nazis geflüchtet sind. Sie erinnern an die bemerkenswerte Rolle des Nuntius Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII, während des zweiten Weltkrieges. Sie sind aber bei weitem in der Minderheit. Dabei ist auch auf die Hilfe einiger türkischen Diplomaten hinzuweisen, die für manche (darunter den Konsul von Rhodos) von Yad Vashem anerkannt wurde, während bei anderen die Überprüfungen noch laufen.

 

Richard PrasquierDie jüdische Gemeinde besucht heutzutage etwa fünfzehn Synagogen, in denen sich am Sabbat rund 1.500 Gläubigen einfinden. Die älteste und kürzlich restaurierte Synagoge mit ihrem einer Arche Noah formähnlichen Bimah wurde 1430 im alten Viertel von Ohrid gebaut. Ich habe auch die Neve Shalom Synagoge, die größte, besucht, die vor 50 Jahren im Galata-Viertel eingeweiht wurde, sowie die von Ortaköy. Anlässlich Shavuot fanden sich 200 Leute dort ein und der Distrikt-Bürgermeister erstattete auch einen Besuch. Das türkische System der Trennung ist sehr strikt. Die gut vertretene, oft frankophone junge jüdische Gemeinde kommt selber für den Unterhalt der Gottesdienste auf und kümmert sich selbst um die Finanzierung ihrer karitativen Einrichtungen (Schulen, Altersheime, Friedhöfe). Auf politischer Ebene wird die jüdische Gemeinde von einem aktiven Komitee mit Silvyo Ovadya als Vorsitzender vertreten. Einer der früheren Vorsitzenden, Jack Kamhi, spielt weiterhin eine wichtige Rolle aufgrund seiner langjährigen Beziehungen mit den verschiedenen Politikern. Ich bedanke mich für ihren warmherzigen Empfang.

 

Der friedlicher Charakter des Gemeindelebens der türkischen Juden, der durch die von Atatürk (Kemal Pascha) eingeführte und für ein islamisches Land revolutionäre Gesetzgebung gewährleistet wird, wurde 1986 brutal in Frage gestellt: am Sabbat des 22. September trat ein Kommando in die Neve Shalom Synagoge ein und tötete 22 Gläubige. Die Verantwortlichen, die vermutlich aus den palästinensischen Terrorismuskreisen stammten, wurden nie gefunden. Dann kam ein weiterer Sabbat, der 15. November 2003. Zwei Bombenattentate töteten gleichzeitig in derselben Neve Shalom Synagoge aber auch in der stark besuchten Synagoge in Şişli 22 Personen, darunter mehrere türkische Sicherheitskräfte. Der 20-jährige Israel Yoel Ulcer, Mitglied der Schutzeinheit der jüdischen Gemeinde wurde dabei getötet. Ich habe mit seinen Eltern gesprochen, die von der moralischen Unterstützung seitens der Schutzabteilung der jüdischen Gemeinde Frankreichs (SPCJ) sehr gerührt waren. Seit dieser Zeit sind die Sicherheitsmaßnahmen in den Gemeindezentrendrastisch verschärft worden und es wurden Schutzeinrichtungen aus Metall unter den Sitzen in der Neve Shalom Synagoge angebracht.

 

Der Antijudaismus scheint weiterhin in den Vorstellungen der Istanbuler Bevölkerung nicht vorhanden zu sein. Dies gilt leider nicht, was das Image von Israel betrifft. Bis zum Einmarsch des Generals Allenby 1917 in Jerusalem übte die osmanische Türkei seit dem 16. Jahrhundert die Macht in Palästina aus. Die religiöse Neutralität wurde durch die kemalistische Revolution eingeführt und man kann sehr gut beobachten, welche Bedeutung die Mehrheit der Istanbuler Bevölkerung ihr beimisst. Nicht desto trotz wird die Ausübung des Islam immer bedeutender, insbesondere in Anatolien. Die Regierungspartei AKP bezeichnet sich selbst als moderat-islamistisch. Sie verkörpert nicht, wie manchmal geglaubt wird, das Monopol der im Volk vorhandenen Feindseligkeit gegenüber Israel, die seit einigen Jahren entstanden ist und die bei den letzten Ereignissen in Gaza verschärft wurde. Die Regierung betont, dass die Verantwortlichen von für Juden beleidigenden Schmierereien verurteilt wurden. Allerdings sollen neuere Umfragen ergeben haben, dass 90% der Türken eine negative Wahrnehmung von Israel haben (ein ähnlicher Prozentsatz wie für die Wahrnehmung der Kurden, der viel höher liegt als für Armenien oder die USA). Andere Umfragen legen nahe, dass Ahmadinedschad einer der populärsten Staatschefs in der türkischen Bevölkerung ist, wobei es kaum Schiiten gibt, da die Aleviten nicht unbedingt als schiitisch betrachtet werden können. Das alles beunruhigt natürlich die türkische jüdische Gemeinde und erklärt auch den aktuellen starken Rückgang des Tourismus aus Israel  sowie den Verlust für Israel mancher wichtigen Wirtschaftsverträge.

 

Die zwei türkischen Regierungsmitglieder, die ich getroffen habe, betonten die engen Beziehungen mit der türkischen jüdischen Gemeinde, ihre Kenntnisse über die jüdische Welt und ihre strikte Ablehnung des Antisemitismus. Sie sprachen über den strategischen und weiterhin wichtigen Charakter der Beziehungen mit Israel und gaben zu, dass diese während der Gaza-Operation stark gelitten haben. Der Regierungschef, Recep Tayyip Erdogan, hatte einige Tage vor Beginn der Operation Ehud Olmert empfangen und es als persönlichen Affront empfunden, dass er nicht informiert wurde; man erinnert sich auch an den Zwischenfall zwischen ihm und dem Präsidenten Peres in Davos. Meine Gesprächspartner meinen, dass die indirekten Verhandlungen zwischen Israel und Syrien kurz vor dem Ziel waren. Sie bedauern, dass sie unterbrochen wurden, und weisen darauf hin, dass Syrien sich allmählich von seinen Bindungen zum Iran lösen könnte. Sie finden, dass die Türkei aufgrund ihrer geographischen Lage, ihrer gewichtigen Bevölkerung, ihrer verschiedenen freundschaftlichen Verhältnisse, ihrer Vergangenheit und ihrer heutigen Dynamik eine besondere Verantwortung gegenüber den regionalen Konflikten sowohl im Nahen Osten als auch bezüglich Iran, Afghanistan, Pakistan hat und sie äußern ihre Besorgnisse diesbezüglich (Atomwaffen im Iran und Pakistan….). Auch wenn sie die Verantwortung der Hamas (deren Führer vor einigen Jahren in der Türkei waren) als Auslöser für die Gaza-Operation anerkennen, bezeichnen sie allerdings manche Handlungen der Israelis während des Konflikts als Kriegsverbrechen. Man wartet noch auf einen genauen Termin für einen offiziellen Besuch des Präsidenten Gül in Israel.

 

Was Armenien betrifft, ist die Position trotz den Auswirkungen für das Image der Türkei in Europa weiterhin strikt: Wiedererstellung befriedigender Beziehungen mit der armenischen Regierung und Zusammenstellung einer Historikerkommission, die „alle von der einen sowie von der anderen Seite verübten Massaker“ aufklären soll. Und wie steht es dabei mit Europa? „Die Europäer müssen verstehen, was ihnen entgeht, wenn sie die Türkei mit ihrer Dynamik und ihren Verheißungen in die EU nicht aufnehmen“ sagt der jetzige Außenminister der Türkei. Ein wichtiges und faszinierendes Land……

Richard Prasquier

Freie Übersetzung von der französischen CRIF in Frankreich

www.turkishpress.de

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One Response to “Die türkischen Juden: zwischen Hoffnung und Besorgnis”

  1. Bernhardine Says:

    Erdogan – der einzig böse Wolf?

    Alle Demonstranten gut?

    Wer demonstriert da eigentlich?

    Wer ruft zu den Demos auf?

    Sozialisten, Nationalisten, Kemalisten?

    http://www.pi-news.net/2013/06/erdogan-der-bose-wolf/

    Nun, im Moment kämpft der Rechts-Faschist Erdogan gegen die Links-Faschisten auf türkischen Straßen oder?

    Genau, wie ich mir dachte!

    Hellhörig wurde ich, weil unsere MSM(Mainstreammedien) auf Seiten der Demonstranten sind und auch Claudia Society soviel Lärm macht…


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