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Moslembruderschaft in Tunesien: Christen und Juden bedrängt 27. April 2013

Filed under: Christenverfolgung,Moslembrüder — Knecht Christi @ 18:52

Religion ist in Tunesien keine Privatsache

 

Die Zahl der Christen und Juden ist in Tunesien in den letzten Jahren stark geschrumpft. Zwar herrscht im Land traditionellerweise Toleranz, aber die Minderheiten kommen seit der Revolution zunehmend unter Druck.

 

Religiöse Fragen sind in Tunesien nicht einfach Privatangelegenheiten. Der Islam prägt den öffentlichen Raum und den politischen Diskurs. An der Vereinbarkeit von Politik und Glaube, von Islam und Demokratie scheiden sich die Geister. Die Revolution von 2011 brachte die Freiheit der Meinungsäusserung und die Freiheit, den islamischen Glauben öffentlich zu leben. Doch diese Religionsfreiheit scheint für Muslime grösser zu sein als für religiöse Minderheiten wie Christen und Juden. Vor der Unabhängigkeit lebten in den fünfziger Jahren knapp 300 000 Christen in Tunesien, heute nur noch 30 000. Christen sind zu einer Minderheit geworden, die sich grösstenteils aus Migranten, afrikanischen Studierenden und internationalen Expats zusammensetzt. Auch die einst starke jüdische Gemeinde ist massiv geschrumpft auf etwa vierzig jüdische Familien in Tunis und tausend Juden auf Djerba.

 

 

 

Von Christen geprägt

 

Der Diktator Ben Ali wollte wie sein Vorgänger Habib Bourguiba ein säkulares Tunesien und tolerierte die zurückhaltende christliche und jüdische Minderheit. Während der malikitisch geprägte tunesische Islam eigentlich moderat und tolerant ist, gibt es heute radikale Gruppen, die für ein Gesellschaftsmodell ohne Andersgläubige kämpfen. Dabei gehört das Christentum zur tunesischen Geschichte. Bis zur Islamisierung im 7. Jahrhundert war Karthago, heute ein Vorort von Tunis, ein Zentrum der christlichen Welt. Hier wirkten der Schriftsteller Tertullian, die Kirchenväter Cyprian und Augustinus, die späteren Päpste Viktor, Miltiades und Gelasius, die Märtyrerinnen Perpetua und Felicitas. 1964 einigten sich der Vatikan und die Regierung unter Bourguiba auf einen bis heute geltenden «Modus Vivendi», der der Kirche erlaubt, im Rahmen von Gottesdiensten, Schulen und caritativen Einrichtungen tätig zu sein.

 

Öffentlich darf das Christentum jedoch nicht praktiziert werden. So zeigen sich die Grenzen der Religionsfreiheit im vor- wie nachrevolutionären Tunesien: Muezzin ja – Kirchenglocken nein, Vollverschleierung ja – Nonnenhabit nein, Freitagsgebet auf offener Strasse ja – Karfreitagsprozession nein. Ramón Echeverría, früher Generalvikar und seit mehr als zwei Jahrzehnten in Tunesien, macht sich dennoch nicht Sorgen: «Die Kirche dient den Menschen, sagt uns das Zweite Vatikanum. Die tunesische Kirche dient den 10 Millionen Menschen in diesem Land. Unsere Anwesenheit ist wichtig». Im Unterschied zur christlichen Gemeinde hat die jüdische Gemeinde überwiegend tunesische Wurzeln. «Es ging uns gut unter Ben Ali, und die neue Regierung schützt uns auch», versichert Batou Hattab, Rabbi von Tunis und Direktor einer jüdischen Schule. Die Geschichte der Juden in Tunesien sei schon immer von Antisemitismus begleitet gewesen. Doch der Antisemitismus trete nun offener zutage, so Hattab.

 

 

 

Synagoge hinter Stacheldraht

 

Die Grosse Synagoge von Tunis, die unweit einer Salafisten-Moschee im Stadtteil La Fayette liegt, gleicht einem Hochsicherheitstrakt mit Stacheldraht und Polizeischutz. Nach der Revolution gab es Übergriffe, heute ist man wachsam. Für die dieses Wochenende stattfindende traditionelle Wallfahrt zur El-Ghriba-Synagoge auf Djerba wurden besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen; es kommen weniger Juden aus der ganzen Welt als in den Jahren zuvor. Die Regierung bot der jüdischen Gemeinde zwei Parlamentssitze an. Rabbi Hattab lehnte ab: Er sei Rabbi, nicht Politiker. Zudem seien die Juden als gleichberechtigte tunesische Bürger durch die Abgeordneten im Parlament vertreten. Doch es gibt Stimmen in der jüdischen Gemeinde, die das Angebot als vorbildlichen Umgang mit Minderheiten in Tunesien annehmen würden. Die Abgeordnete Salma Baccar, die für ein demokratisch-progressives Parteienbündnis in der Grundrechte-Kommission der Konstituante sitzt, äussert sich alarmiert: «Die Nahda hat verhindert, dass die Bekenntnis- und Gewissensfreiheit als eigenes Grundrecht in die Verfassung aufgenommen wird. Auch zu dem Artikel zum Schutz von Minderheiten haben sie Nein gesagt.»

 

Jetzt bleibe nur noch die Möglichkeit, in der für Mai vorgesehenen Plenumsdiskussion des gesamten Verfassungsentwurfs eine Eingabe zur Ergänzung um diese beiden Artikel zu machen, sagt Baccar. Die Nahda, die in der Konstituante die Mehrheit hat, begründet ihre Ablehnung mit dem Hinweis, dass die Präambel mit einer Gewährleistung der freien Wahl der Religion ausreichend sei und es in Tunesien kein gravierendes Minderheitenproblem gebe. Das sieht Yamina Thabet, Vorsitzende des Vereins zum Schutz von Minderheiten in Tunesien, anders: «Die Vielfalt ist Teil der tunesischen Identität. Heute sind Minderheiten bedroht.» Die Regierung müsse mehr tun, um Diskriminierung und Repression zu beenden, fordert Thabet. {Quelle: www.nzz.ch – Annette Steinich, Tunis}

 

 Einige tausend Ennahda-Anhänger demonstrieren in Tunis. © dpa / Stringer

 

Einige tausend Ennahda-Anhänger demonstrieren in Tunis

 

 

Tunesien stürzt ins politische Chaos

 

Nach der Ermordung eines Oppositionspolitikers und Massenprotesten stürzt Tunesien immer weiter ins politische Chaos. Die Partei von Präsident Moncef Marzouki teilte am Sonntag mit, ihre drei Minister aus der von Islamisten geführten Regierung abzuziehen.

web.de 

 

One Response to “Moslembruderschaft in Tunesien: Christen und Juden bedrängt”

  1. Klotho Says:

    Die Islamisten sind die Faschisten des beginnenden 21. Jahrhunderts. Aber sie werden keinen Erfolg haben, schlechte Bäume bringen schlechte Früchte.
    Islamisten fordern Toleranz gegenüber ihrer Sekte aber üben keine Toleranz gegenüber irgendeiner anderen Religion. Echte Toleranz beruht auf Gegenseitigkeit. Es ist nicht möglich Toleranz nur einseitig auszuüben, das ist unmöglich.
    Daher kann ihre Sekte nirgendwo toleriert werden und wenn sie versuchen wie zu Anfang ihrer Sekte sich zu verhalten das sind sie eindeutig Faschisten, übelste Faschisten. Und den Faschisten, den Islamofaschisten keinen Zentimeter geben.


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