kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Wann werden die Mörder von Tilman Geske in der Türkei endlich verurteilt? 5. April 2013

Filed under: Christenverfolgung,Islamischer Terror — Knecht Christi @ 20:31

Am 18.04. jährt sich der Todestag der Ermordung von Tilman Geske und seiner türkischen Mitarbeiter in Malatya/Türkei

 
 
 
 
Es ist eine unfassbare Dreistigkeit, dass türkische Regierungsstellen und türkische Verbandsvertreter in Deutschland unserer Justiz und unseren Ermittlungsbehörden permanent Vertuschungsversuche unterstellen. Sie verwechseln uns mit ihresgleichen! Bekanntlich wurden am 18. April 2007 der deutsche Christ Tilman Geske (im Bild links) und die beiden türkischen Christen Ugur Yüksel (Mitte) und Necati Aydinim (rechts) im türkischen Matalya grausam gefoltert und anschließend bestialisch ermordet. Ihr Vergehen: Sie waren Christen und sollen “missioniert” haben! Sind bei uns etwa schon Salafisten bei ihren Koranverteilungen abgemurkst worden? Die fünf Mörder sind nach fast sechs Jahren bis heute noch nicht verurteilt! Es soll Hintermänner geben, aber das Gericht und die Staatsanwaltschaft in Matalya sollen hierzu Beweismittel unterschlagen haben..

 

Nur zur Erinnerung, was den drei Christen von türkischen Moslems angetan wurde: {Regelrecht „zerstückelt“ worden seien die drei Christen, berichtete der Krankenhausarzt Murat Ugras erschüttert. Die Autopsieberichte untermauern seine Schilderungen: Den Männern sollen bei lebendigem Leib und vollem Bewusstsein die Hoden und der After aufgeschlitzt, Nasen und Münder zerschnitten, Bäuche und Innereien aufgeschnitten und die Finger einzeln und bis auf die Knochen zerhackt worden sein, berichteten türkische Zeitungen. Erst nach stundenlanger grausamer Folter wurden den Opfern die Kehlen durchgeschnitten}. Diese unfassbar brutale Metzelei sollen die fünf Mörder religiös begründet haben: {Der Polizei gaben sie als Motiv für ihr Blutbad das „missionarische Wirken“ des Verlags und der kleinen Gemeinde an. Sie hätten die Christen zuvor gewarnt. Die hätten von ihrem Tun aber nicht gelassen. Nicht für sich selbst hätten sie die drei getötet, sondern für ihre Religion und, um den Feinden dieser Religion eine Lektion zu erteilen}. Wörtlich sollen die grausamen Killer gesagt haben: {„Wir haben es fürs Vaterland getan. Sie (die drei Christen) wollen uns unser Land und unseren Glauben nehmen“}.

 

 

 

 

So etwas entsteht nicht im luftleeren Raum. Abgesehen von den koranischen Tötungsbefehlen gegen Ungläubige soll in der Türkei auch durch Politiker und Medien im Vorfeld eine regelrechte Hetze gegen Christen verbreitet worden sein: {Parteien und Medien hatten sich an dieser bizarren Polemik beteiligt, Talkshows und Redner gossen Öl ins Feuer. Selbst die Handelskammer von Ankara, ein Hort der Ultranationalisten, veröffentlichte vor drei Jahren einen „Missionarsbericht“, in dem voller Ernst behauptet wurde, der Westen setze Missionare als politische Agenten mit dem Ziel ein, den türkischen Staat zu unterhöhlen. Der feindliche Ausländer hatte damit einen Namen, das Volk applaudierte}. Dabei haben die drei Christen nicht einmal Bibeln verteilt wie bespielsweise die Salafisten, die 30 Millionen Korane in Deutschland verbreiten wollen: {1997 zogen sie in die Zwei-Millionen-Stadt Adana im Süden der Türkei. Sie wussten, dass Mission in einem muslimischen Land gefährlich ist. Als sie in Malatya ankamen, begrüßte sie eine Lokalzeitung mit der Schlagzeile „Hilfe, die Missionare kommen“. Tilman Geske unterrichtete Englisch und Deutsch und bot Übersetzungsarbeiten an. Er schrieb Anbetungslieder für die türkischen Christen und arbeitete an einer Studienbibel. Zuletzt saß er am Register der Bibel – Tilman Geske kam bis zum Buchstaben „S“. Die Familie wusste, dass sie unter Beobachtung steht. Susanne Geske geht davon aus, dass ihr Telefon auch heute noch abgehört und ihre Post überwacht wird. „Rausgehen und einfach Bibeln verteilen – das hätten wir nie gemacht“, sagt Susanne Geske. Stattdessen suchten sie Beziehungen und knüpften Freundschaften. „Die Fragen kommen dann von allein. Die Leute wollen mehr von Jesus wissen – und sie wollen lebendige Christen kennenlernen“}.

 

Die fünf Mörder wurden bis heute nicht verurteilt und vermutliche Drahtzieher nicht angeklagt. Hört man zu diesem unfassbaren türkischen Justizskandal eigentlich Protest von unseren rückgratlosen Appeasement-Politikern? Nein? Nun, die sind ja gerade vollauf damit beschäftigt, türkischen Politikern Sitze im Münchner Gerichtssaal zum NSU-Prozess anzubieten. Liest man in deutschen Zeitungen etwas davon? Nein? Nun, die linken Vertuschungs-Journalisten sind ja ebenfalls vollauf damit beschäftigt, für ihre türkischen Kollegen die eigenen Presseplätze zu räumen. Deutschland ist im Jahre 2013 zu einem widerlichen rückgratlosen Islam-Anbiederungsstaat verkommen. Wenn die SPD noch einen Helmut Schmidt hätte, der schon Anfang der 80er Jahren eindringlich vor der türkischen Einwanderung warnte, sähe die Sache besser aus. Aber diese Generation muss als ausgestorben betrachtet werden.

 

Hier meine Anfrage von Dienstag, 10:44 Uhr:

 

Sehr geehrte Damen und Herren des Justiz- und Außenministeriums,

haben Sie Erkenntnisse darüber, ob die fünf Mörder des deutschen Christen Tilman Geske nach fast 6 Jahren endlich verurteilt wurden? Mir liegen nur Meldungen vor, nach denen dies noch nicht erfolgte. Wenn dies stimmt, haben Sie bei der türkischen Justiz deswegen nachgefragt, wenn ja wann, und was kam als Antwort? Gibt es darüber hinaus Erkenntnisse über die Drahtzieher dieses Dreifachmordes? In der Presse ist von Verschleierungsversuchen die Rede: Jahrelang hätten das Gericht und die Staatsanwaltschaft in Malatya versucht, die Angeklagten als Einzeltäter darzustellen, Akten und Videobeweise seien verschwunden. Den Anwälten seien zudem Vernehmungsprotokolle vorenthalten worden. Ich bitte um zeitnahe Antwort.

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Stürzenberger – Freier Journalist, München

 

 

Eine überraschend schnelle Antwort kam am gleichen Tag um 17:44 Uhr von einer Sprecherin des Auswärtigen Amtes:

 

“Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Die Deutsche Botschaft in Ankara verfolgt das Verfahren sehr eng”.

 

Es liegen ausreichend Erkenntnisse vor, dass diese Morde an Tilman Geske und den beiden türkischen Christen keinesfalls eine isolierte Tat waren, sondern vielmehr Teil eines strategischen Planes, der bei einer Razzia gegen die Geheimorganisation »Ergenekon« gefunden worden sein soll:

1. Phase: Vorbereitung: Adressen und Namen von Nichtmuslimen feststellen, deren Zeitungen, Schulen, Schüler, »Orte der Anbetung« [gemeint sind Kirchen und Synagogen], Stiftungsräume und Friedhöfe feststellen.

 

2. Phase: Einschüchterung: Abonnementen von AGOS [armenische Wochenzeitung; Hrant Dink war bis zu seinem Mord deren Chefredakteur] veröffentlichen, Wände der Häuser der Armenier auf Adalar beschmieren [Adalar ist die türkische Bezeichnung für die Prinzeninseln, die zu Istanbul gehören und wo verhältnismäßig viele Christen leben].

 

3. Phase: Öffentlichkeit schaffen: Abonnenten-Liste in der Presse publizieren, Auftragskommentare sollen über diese Dinge erscheinen, in Diskussionssendungen sollen es darüber Berichterstattung geben verbunden mit dem Vorwurf, dass sich die AKP [gegenwärtige Regierungspartei] nicht kümmere, an die Übergriffe von 1955 und 1942 [massive Übergriffe gegen Juden und Christen] soll erneut erinnert werden, Aktivitäten gegen die AKP im Internet sollen stark zunehmen.

 

4. Phase: auf den Prinzeninseln bomben: die Leute umbringen, die die Rechte der Minderheiten vertreten; Bomben zünden in der Umgebung der Agos Gazeti [armenische Zeitung]; Polizei beschäftigen mit Paketen, die wie Bomben aussehen; Anschläge auf die Landestege der Fähren auf den Prinzeninseln; Anschläge auf nichtmuslimische Friedhöfe; bekannte nichtmuslimische Künstler und Industrielle entführen; Brandanschläge auf Häuser, Fahrzeuge und Arbeitsstätten von Nichtmuslimen; in Istanbul und Izmir ähnliche Anschläge; an den Anschlagstellen mit einer Art Bekennerschreiben kommunizieren, dass »reaktionäre Gruppen« [Chiffre für AKP-Umfeld] hinter den Anschlägen stünden.

 

Dann zählte Dogan noch einmal minutiös die 35 ganz unterschiedlichen Angriffe auf Christen aus den Jahren 2007 und 2008 auf, um deutlich zu machen, dass die Morde von Malatya nicht völlig isoliert dastünden, sondern eingebettet seien in eine Vielzahl von Übergriffen.

Wer in dieser Angelegenheit dem deutschen Außenminister Druck machen möchte:

» guido.westerwelle@bundestag.de

{Quelle: www.pi-news.net}

 

 

 

 

«Das Töten der Christen hat bereits begonnen»

 

Jerusalems armenischer Patriarch Nourhan I. zur Lage der Kirche. Von Marie-Armelle Beaulieu und Andrea Krogmann (KNA)

 

Jerusalem (kath.net/KNA): Meinungsverschiedenheiten über die Heiligen Stätten müssen nach Einschätzung des neuen armenischen Patriarchen von Jerusalem, Nourhan I. Manougian (Foto), durch Verhandlungen gelöst werden. Im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Jerusalem äußert sich der neu gewählte 64-jährige orthodoxe Kirchenführer zur Lage der Kirche und zu anstehenden Aufgaben.

KNA: Patriarch Nourhan, die Zahl der Christen im Heiligen Land nimmt drastisch ab. Wie ist die Lage bei den Armeniern?

Nourhan I.: Auswanderung trifft nicht nur die Armenier, sondern alle Christen. Die Christen haben Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden oder ihre Miete zu zahlen, und sehen sich gezwungen, das Land zu verlassen. Das ist eines der Hauptprobleme des Landes, Armenier unterscheiden sich da nicht von den anderen Christen.

KNA: Wie steuert Ihre Kirche dagegen?

Nourhan I.: Die Häuser rund um unseren Konvent sind von unseren Gläubigen bewohnt, mietfrei. Bis vor kurzem haben wir auch die Wasser- und Stromrechnungen gezahlt, und immer noch übernehmen wir einen Teil. Aber wir müssen an die jungen Christen denken, die heiraten möchten und einen annehmbaren Wohnraum suchen. Wir sind im Besitz einiger Grundstücke, für die wir Baupläne haben, aber dazu benötigen wir Geld.

KNA: Wie sieht es in Ihrer Kirche mit dem geistlichen Nachwuchs aus?

Nourhan I.: Vor dem Sechstagekrieg (1967) holten wir die Seminaristen vor allem aus Syrien und dem Libanon. Inzwischen sind dies Feindesländer, und es ist beinahe unmöglich, Visa zu erhalten. Die Seminaristen heute kommen vor allem aus Armenien. Ihre Ausbildung stellt uns vor einige Herausforderungen. Zum einen haben wir Schwierigkeiten, qualifizierte Lehrer zu finden, was unter anderem an den zwei armenischen Sprachen liegt – dem im Nahen Osten gebräuchlichen Westarmenisch und dem in Armenien, Russland und im Iran gesprochenen Ostarmenisch. Zum anderen haben diese Jungen nach 70 Jahren Kommunismus die Vertrautheit mit der Kirche verloren. Seit 1992 haben wir in unserem Seminar einige hundert armenische Studenten ausgebildet, aber nur sieben von ihnen sind zu Priestern geweiht worden.

KNA: Die Lage in Syrien verschlechtert sich, das betrifft auch die armenischen Christen …

Nourhan I.: Wenn es so weitergeht in Syrien, wird es keine Christen mehr dort geben. Es ist nur eine Frage der Zeit – das Töten der Christen hat bereits begonnen. Unser Patriarchat hat einigen Grundbesitz in Syrien, aber deren Verwalter ist inzwischen in Beirut. Ich selber habe Geschwister in Syrien, kann aber nicht mit ihnen sprechen.

KNA: Wie sind die Beziehungen zur Mutterkirche und zur Diaspora?

Nourhan I.: Der Heilige Stuhl von Etschmiadzin ist ein spirituelles Zentrum für alle Armenier, und allein der Katholikos, das Oberhaupt der armenisch-apostolischen Kirche, kann Bischöfe weihen, wie er auch unsere Bischöfe weiht. Aber wir leben an den Heiligen Stätten, dem Mittelpunkt der ganzen Christenheit, und das räumt uns einen besonderen Platz ein. Für die Armenier in Armenien sind wir die Diaspora, aber in unserer Weihnachtsbotschaft nennen wir sie Diaspora. Die Unterstützung der Armenier weltweit, etwa als Pilger, wäre sehr wichtig für uns, weil es uns das Gefühl gäbe, es interessiert sich jemand für uns. Bislang kommen aber sehr wenige Pilger, nicht die Tausende Katholiken und Orthodoxe, die zu Ostern herströmen. Die Diaspora-Armenier, die dennoch kommen, sind oft sehr erstaunt über unsere Präsenz an den Heiligen Stätten.

KNA: Wie sieht Ihre Kirche die Rolle als Hüter dieser Heiligen
Stätten?

Nourhan I.: Wir sind eine der drei wichtigsten Kirchen an den heiligen Orten, und wir bemühen uns, das zu erhalten. Wir haben beinahe dieselben Rechte wie die Griechisch-Orthodoxen und die Lateiner. Wir sind glücklich mit dem, was wir haben, und versuchen zu bewahren, was wir ererbt haben. Mehr brauchen wir nicht.

KNA: Und das ökumenische Zusammenleben?

Nourhan I.: Wir versuchen, mögliche Probleme in einem ökumenischen und brüderlichen Geist zu lösen. In der Vergangenheit haben wir versucht, Meinungsverschiedenheiten mit Gewalt zu regeln. Das hat zu nichts geführt. Heute müssen wir Lösungen im einvernehmlichen Verständnis finden, vor allem in diesen Zeiten, in denen die Zahl der Christen im Land drastisch abnimmt. Wir müssen uns gegenseitig helfen und eine gewisse Einheit untereinander gegenüber den Juden und Muslimen bezeugen. Und wir müssen uns an einen Tisch setzen und die Bedürfnisse klären, sonst verlieren wir alles. Es gibt einige Probleme, die wir gemeinsam angehen müssen, und ich hoffe, in diese Richtung zu arbeiten.

KNA: Sie sind noch jung, aber könnte ein armenischer Patriarch sein Amt niederlegen, wie Papst Benedikt XVI. das gemacht hat?

Nourhan I.: Hier ist das noch nie vorgekommen, wohl aber im Patriarchat von Istanbul. In Jerusalem war man bislang Patriarch auf Lebenszeit. Allerdings ist das einer der Punkte, deren Revision wir anstreben. Mit 75 oder 80 Jahren könnte ein Patriarch sein Amt niederlegen. In den vergangenen sechs Jahren war mein Vorgänger, Patriarch Torkom II., nicht mehr in der Lage, sein Amt auszuüben. Dabei erfordert eine solche Verantwortung, dass man über all seine Kräfte verfügt. 80 könnte daher ein gutes Alter sein. {Quelle: www.kath.net}

 
 
 
 
 
 

Susanne Geske  setzt die Arbeit ihres Mannes fort

 

Die Witwe des ermordeten Bibelübersetzers: Hier will Gott uns haben

 

(idea): Kaum ein Ereignis berührte die Christenheit im deutschsprachigen Europa in den letzten Jahren so sehr wie die Ermordung des deutschen Bibelübersetzers Tilmann Geske im südosttürkischen Malatya durch muslimische Extremisten am 18. April 2007. Was ist seitdem geschehen? Die Witwe – Susanne Geske – ist mit ihren drei Kindern trotzdem in der Stadt geblieben. Und: Sie setzt die Arbeit ihres Mannes fort. idea-Redakteur Karsten Huhn hat sie besucht. Am 18. April 2007 schickt der 19-jährige Emre Günaydin in Malatya eine SMS an seine Freundin: „Ich bin auf dem Weg, etwas Großes zu tun. Heute Abend wird mich die ganze Welt kennen.“ Die Freundin schreibt zurück: „Was immer du vorhast, bitte mache es nicht.“ So protokolliert es später die Polizei. Gegen 11 Uhr betritt Emre Günaydin mit vier gleichaltrigen Freunden das Büro des christlichen Zirve-Verlags in Malatyas Stadtzentrum. Dort arbeiten Necati Aydin, Ugur Yuksel und Tilmann Geske. Sie werden an ihre Bürostühle gefesselt und gefoltert. Der Autopsiebericht verzeichnet Stiche in die Brust und den Unterleib. Dann werden ihnen die Kehlen durchgeschnitten. Die von Nachbarn alarmierte Polizei nimmt die Mörder noch am Tatort fest. „Wir haben es fürs Vaterland getan“, erklärt die Gruppe. „Sie (die drei Christen) wollen uns unser Land und unseren Glauben nehmen“. Susanne Geske ist mit ihren Kindern in der Stadt der Mörder ihres Mannes geblieben. Sie ist 48 Jahre alt, eine schlanke und zarte Frau, ihr langes braunes Haar hat sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie ist ein Wirbelwind, ständig ruft jemand bei ihr an, manchmal telefoniert Geske mit zwei Handys gleichzeitig. Sie redet in einem beschwingten, fröhlichen Ton, ein leichtes Juchzen liegt in ihrer Stimme, und wenn sie mit ihren Kindern spricht, wechselt sie vom Deutschen ins Türkische.

 

 

 

Die Stadt der Aprikosen und des Militärs

 

Seit 14 Jahren lebt die Familie in der Türkei, seit 7 Jahren in der 400.000 Einwohner zählenden Metropole Malatya. Bis zum Völkermord an den auch dort lebenden christlichen Armeniern durch Muslime 1915 und 1916 war die Stadt ein Zentrum christlichen Lebens. Heute ist die armenische Kirche eine mit Graffiti beschmierte Ruine. Ausländer fallen in der Stadt auf, hier gibt es nur wenige Nicht-Türken. Die Stadt hat eine Universität und ist ein wichtiger Stützpunkt der türkischen Armee. Wer nach Malatya fährt, kommt an Tausenden Aprikosenbäumen vorbei – die Früchte haben der Stadt Wohlstand gebracht, Malatya ist weltweit einer der bedeutendsten Aprikosenlieferanten. Im Sommer wird es hier bis zu 45 Grad heiß, im Moment sind es nur 27 Grad, es weht ein milder Wind. Die Geskes wohnen im Erdgeschoss eines 5-Etagen-Neubaus im Westen der Stadt. Das Wohnzimmer ist hell. Ein Fernsehapparat, ein E-Piano, an der Wand Bilder von den Kindern – wie in Tausenden von Familien. Dazwischen hängen Fotos der drei ermordeten Männer: Necati Aydin, Ugur Yuksel und Tilman Geske.

 

 

 

Keine Anerkennung der Kirche durch den Staat

 

An Sonntagen verwandelt sich das Wohnzimmer in eine Hauskirche. Susanne Geske schiebt dann das Sofa zur Seite, die Besucher sitzen auf Klappstühlen oder auf dem Fußboden. Etwa 25 Leute kommen regelmäßig, 60 stehen auf der Gemeindeliste. Seit 2003 gibt es in der Türkei ein Gesetz, das die Anerkennung von Kirchen vorsieht, aber in der Praxis ist das dann doch nicht so leicht. Die Hauskirche hat mehrere Versuche unternommen, vom Staat anerkannt zu werden – bisher vergeblich.

 

 

 

Der Ermordete sagte zuvor: Wir müssen bereit sein

 

Wenn Susanne Geskes Kinder in Deutschland zu Besuch sind, fühlen sie sich wie Touristen. „Ich bin mehr Türkin als Deutsche“, sagt Michal Geske. Sie ist 17 Jahre alt, noch ein Jahr geht sie in Malatya zur Schule, danach will sie Architektur studieren. Was ihre Mutter in Malatya macht? Michal überlegt einen Moment, dann sagt sie: „Den Christen in der Gemeinde dienen.“ Sie spricht mit einer Ernsthaftigkeit, hinter der man die Trauer um den Vater ahnen kann. Eine Woche nach der Beerdigung ihres Vaters sprach sie bei einem Gedenkgottesdienst. Damals sagte sie: „Ich glaube, mein Vater hatte in den letzten Monaten seines Lebens eine gewisse Vorahnung, dass etwas passieren würde. Etwas Schlimmes. Etwas Unerwartetes. Mein Papa hat uns immer wieder in unserer Familienandacht daran erinnert, dass Jesus bald wiederkommt und wir bereit sein müssen“.

 

 

 

Die drei Kinder sind über Handys verbunden

 

Michals Bruder Lukas (15) spielt im Nachbarzimmer „Wolf Team“, ein Computerspiel, bei dem man schwerbewaffnete Monster töten muss. In den ersten Monaten nach dem Tod seines Vaters blieb er immer in der Nähe seiner Mutter. „Am Anfang durfte ich nicht einmal allein auf den Markt gehen“, erinnert sich Susanne Geske. Jedes Kind hat ein Handy, so dass sie sich gegenseitig immer erreichen können. Ihre Kinder rufen oft bei ihr an. An ihre jüngste Tochter, die 12-jährige Miriam, schreibt Susanne Geske an diesem Tag mehrere SMS. Miriam ist gerade in Ankara, bei einem Turnier für modernen Fünfkampf. Später würde sie gerne für die türkische Nationalmannschaft antreten.

 

 

 

Vergeben – geht das so leicht?

 

„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ – mit diesen Worten verzieh Susanne Geske den Mördern ihres Mannes am Tag nach seinem Tod. Die Aussage sorgte in der türkischen Öffentlichkeit für großes Aufsehen. Vergeben – geht das so leicht? „Ich habe nie Groll gehabt gegen diese Männer“, sagt Susanne Geske. Sie ist auf ihren Vermieter sauer, weil der sich nicht um die feuchten Wände und die undichten Fenster kümmert, aber nicht auf die Mörder. „Es ist eine Ausnahme, ein Geschenk. Ich kann nicht erklären warum“.

 

 

 

Die Witwe: Ich habe die Nächte durchgeheult

 

Die ersten Monate nach dem Tod ihres Mannes waren für Susanne Geske wie ein Gang durch den Nebel. „Die Nächte habe ich durchgeheult, morgens war es dann wieder gut.“ Freunde empfahlen ihr den Besuch einer Spezialklinik für traumatisierte Menschen in Frankreich. Eine Woche blieb sie dort, um den Freunden einen Gefallen zu tun. „Es war ganz nett dort“, sagt sie. „Eine Woche Ferien ohne die Kinder. Aber ich hätte es nicht gebraucht.“ Susanne Geske stürzte sich lieber in die Arbeit. Wie hat sie den Tod ihres Mannes überwunden? „Ich habe viel gebetet, gesungen und in der Bibel gelesen – das hat mir eigentlich gereicht.“ Vom türkischen Innenministerium bekam sie Personenschutz, aber nach einem Jahr beschloss Geske, künftig darauf zu verzichten. „Ich glaube, dass Jesus mich mehr beschützt als die Sicherheitsbeamten“. Tilman und Susanne Geske waren ein gegensätzliches Paar. Sie ist euphorisch und optimistisch – ihr Mann sei eher pessimistisch gewesen. Auf den Fotos, die Tilman Geske zeigen, sieht man einen ernsten, schmalen Mann mit Schnurrbart. Susanne Geske beschreibt ihn als still und schüchtern. Sie vermisst das morgendliche Gebet mit ihrem Mann, den Austausch, „das Schwätzen“, wie sie es nennt. Tilman Geske wurde am 18. Juli 1961 geboren und wächst in der Nähe von Celle in Niedersachsen auf. Von 1982 bis 1987 studiert er an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) in Basel. Seine Frau Susanne stammt aus Freiburg. Sie absolvierte ihre theologische Ausbildung an der damaligen Bibelschule Walzenhausen auf der Schweizer Seite des Bodensees.

 

 

 

Die Bedingung für eine Ehe

 

Bevor Tilman und Susanne Geske 1992 heirateten, hatte sie eine Bedingung für die Hochzeit gestellt: Sie wollte mit ihm in ein muslimisches Land gehen, um dort den christlichen Glauben zu verbreiten. Tilman Geske sagte Ja, 1997 zogen sie in die Zwei-Millionen-Stadt Adana im Süden der Türkei. Sie wussten, dass Mission in einem muslimischen Land gefährlich ist. Als sie in Malatya ankamen, begrüßte sie eine Lokalzeitung mit der Schlagzeile „Hilfe, die Missionare kommen“.

 

 

 

Das Telefon wird abgehört

 

Tilman Geske unterrichtete Englisch und Deutsch und bot Übersetzungsarbeiten an. Er schrieb Anbetungslieder für die türkischen Christen und arbeitete an einer Studienbibel. Zuletzt saß er am Register der Bibel – Tilman Geske kam bis zum Buchstaben „S“. Die Familie wusste, dass sie unter Beobachtung steht. Susanne Geske geht davon aus, dass ihr Telefon auch heute noch abgehört und ihre Post überwacht wird. „Rausgehen und einfach Bibeln verteilen – das hätten wir nie gemacht“, sagt Susanne Geske. Stattdessen suchten sie Beziehungen und knüpften Freundschaften. „Die Fragen kommen dann von allein. Die Leute wollen mehr von Jesus wissen – und sie wollen lebendige Christen kennenlernen“.

 

 

 

Warum sie noch hier ist, wird sie oft gefragt

 

Eigentlich wollte Tilman Geske 2008 nach Deutschland zurückkehren, Susanne Geske wollte bleiben. „Wir waren beide überrascht, dass wir so verschiedener Meinung waren.“ Sie blieben. Zweifelt sie manchmal daran, am richtigen Platz zu sein? „Zweifel – was ist das?“, antwortet sie. „Ich habe keine Zweifel, absolut nicht“. Ist sie nach den Morden vorsichtiger geworden? „Nein, im Gegenteil“, sagt Susanne Geske. Sie ist inzwischen stadtbekannt, auf der Straße wird sie von Fremden angesprochen. Sie komme leicht ins Gespräch, zudem seien die Türken sehr gastfreundlich. Warum sie immer noch hier ist, wird Susanne Geske oft gefragt. „Weil es mir hier gefällt“, antwortet sie dann. „Und weil Gott mich beschützt“.

 

 

 

 

Hat Gott ihren Mann nicht beschützt?

 

Hat Gott ihren Mann nicht beschützt? Susanne Geske gibt eine Antwort, die den meisten Christen vermutlich nicht über die Lippen gehen würde. „Es war eine von Gott geplante Sache“, sagt sie. „Gott kennt seine Leute. Er hat uns vertraut, er kann uns das zumuten“. Im türkischen Fernsehen hat sie im letzten Jahr ein langes Interview gegeben und dabei von Jesus erzählt. Ob sie psychologische Hilfe bekommen habe, wurde sie gefragt. „Unser Psychologe ist Jesus Christus, mit dem wir ständig im Gebet verbunden sind“, antwortete sie. „Wir lesen in der Bibel und empfangen Trost. Was die Vergebung anbetrifft: So wie Jesus Christus mir meine Schuld vergeben hat, so vergebe ich auch Menschen, die mir gegenüber schuldig geworden sind. Das ist mein Glaube. Normalerweise ist es doch so, dass Menschen in einer solchen Situation Hass und Rache empfinden Aber so ist es nicht, wenn jemand aus dem Glauben heraus lebt und auf Jesus Christus schaut. Die Kraft, vergeben zu können, kommt allein von Gott“.

 

 

 

Seit drei Jahren läuft der Prozess

 

Das Gerichtsgebäude von Malatya ist ein schmuckloser, ockerfarbener Bau. Auf der Straßenseite gegenüber sitzen Männer auf winzigen Kinderstühlen, spielen Backgammon und trinken Tee. An einem Tisch warten Reporter und Fotografen, sie tauschen ihre Geschichten aus. Ein Personenschützer wartet auf seinen nächsten Einsatz im Gericht. In einer Woche findet hier der nächste Prozesstag im Mordfall Tilman Geske statt. Die fünf Angeklagten verweigern die Aussage. Susanne Geske ist jedes Mal als Nebenklägerin dabei. Sie geht davon aus, dass es Hintermänner gibt, die zum Mord angestiftet haben. Erst vor drei Monaten hat der zuständige Staatsanwalt die Verhaftung von 20 mutmaßlich Beteiligten angeordnet, darunter ein pensionierter Polizeikommandeur, ein islamischer Theologieprofessor und ein Journalist. Mittlerweile gibt es rund 300 Verdächtige, die verhört werden. Seit dreieinhalb Jahren läuft das Verfahren – wann es zu Ende geht, weiß niemand.

 

 

 

Die Friedhofsblumen wurden gestohlen

 

Der Friedhof, auf dem Tilman Geske begraben liegt, erzählt viel über die Situation der Christen in der Türkei. Es ist eine armenische Begräbnisstätte, am Rande des Stadtzentrums von Malatya gelegen. In der Nachbarschaft befinden sich Autowerkstätten und Schrotthändler. Nur selten kommt es vor, dass hier Menschen begraben werden. Zwischen den Gräbern wachsen Maulbeerbäume und wildes Getreide, das Gras ist verdorrt, die Blumen verwelkt. Am Eingang des Friedhofes wohnt eine Familie, sie hat zwischen den Gräbern ihre Wäsche aufgehängt. Über einem offenen Feuer backen zwei Frauen Brot, aus einem Radio tönt Werbung. Ein Huhn läuft über den Friedhof. Vor einem Grab liegen eine Kinderschippe und Buddelformen. Das Grab von Tilman Geske liegt etwas abseits. Auf den Marmorplatten des Grabes sind Bibelverse eingraviert. „Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn“, steht auf der linken Seite, „Gott ist Liebe. Er liebt auch Dich“, in der Mitte, und auf der rechten Seite ist zu lesen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Drei Mal hat Susanne Geske auf dem Grab Blumen gepflanzt, aber sie sind jedes Mal gestohlen worden. Geblieben ist nur ein Rosenstrauch. Susanne Geske ist nicht oft hier. „Das sind nur Steine“, sagt sie. „Entscheidend ist, dass Tilman jetzt bei Gott ist“.

 

 

 

„Arbeiten und lernen verboten“

 

Nach Susanne Geskes Verständnis ist Gemeindeleitung Männersache. Dennoch übernahm sie nach dem Tod von Necati Aydin, Ugur Yuksel und Tilman Geske die Leitung der Hausgemeinde von Malatya. Denn nach dem Tod der drei Männer gab es keine Leiter mehr. Inzwischen hat Geske die Leitung an einen Nachfolger abgegeben. Offiziell ist Susanne Geske Hausfrau, vom türkischen Staat hat sie eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten – mit der Einschränkung „arbeiten und lernen verboten“. Vom deutschen Staat bekommt sie eine Witwenrente – 205 Euro im Monat, dazu Kindergeld und eine Halbwaisenrente für die Kinder. Außerdem wird die Familie von einem kleinen Spenderkreis unterstützt. Susanne Geske träumt davon, in Malatya eine christliche Buchhandlung zu eröffnen – oder eine Bäckerei mit deutschen Rezepten. Gerade hat sie einen Bibelkurs ins Türkische übersetzt. „Wir sind da, wo Gott uns haben will.“. {Quelle: www.ead.de}

 

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