kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

So sieht Europa die Rolle Deutschlands 28. März 2013

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 18:42

Bei einer Demonstration auf Zypern ist die antideutsche Stimmung unverkennbar. Kein Einzelfall. © dpa

Die Politik bestimmt die Geschicke der  Menschen in den Zeiten der Euro-Krise. Und die deutsche Regierung ist als  führende Wirtschaftsmacht in Europa federführend in der Rettung bedrohter Länder. Wir waren in Europa auf Stimmenfang und haben ein Meinungsbild aus  unterschiedlichen Ländern eingesammelt.

 

 

 

„Euro-Retter“ oder „egoistischer Bösewicht“. In der medialen Begleitung der  Euro-Krise werden aus Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem  Finanzminister Wolfgang Schäuble regelrechte Dr. Jekyll/Mr. Hyde-Charaktere.  Innerhalb ihres eigenen Landes werden sie von vielen als die Retter von Zypern,  Irland, Spanien und anderer Krisenstaaten gefeiert. In den betroffenen Ländern  steht Merkel für die im Namen der EU aufgezwungenen Sparmaßnahmen. Von deutschem  Egoismus ist da die Rede, der die Bedürfnisse der Menschen ignoriert und nur den  eigenen Vorteil sieht. Was aber denken die Menschen in den Krisenländern  wirklich über Deutschland? Wir haben Stimmen gesammelt: Die Menschen auf Zypern und in Griechenland sind wütend. Auf die EU und vor  allem auf Deutschland. Das Spardiktat trage Angela Merkels Stempel, heißt es.  Den zyprischen Geldanlegern in die Tasche greifen zu wollen, eine deutsche  Idee. So sehen es zumindest viele Einheimische, die von der Krise hart  getroffen werden. „Deutschland verdient Milliarden an dieser Krise“, meint die  eine Stimme, während eine andere hofft, dass Merkel die Bundestagswahl im  September verliert:

 

 

Sofia Gazi*, 32, Journalistin aus Athen – lebt seit einem  Jahr auf Zypern: „Ich gehöre zu der Generation, die sich von Europa viel erhofft hat. Wir  haben die Pässe abgeschafft, die Grenzen geöffnet, eine Währungsunion  geschaffen. Wir haben europabereite Menschen kennengelernt und uns an einen  Tisch gesetzt. Ich dachte immer, ich sei mehr Europäerin statt Griechin, doch  ich lag falsch. Das ist sehr schade. Ich bin nicht böse auf die Deutschen,  sondern auf die Politik, die sie in Europa ausüben. Merkel, Schäuble und  Ackermann haben den europäischen Traum zerstört. Ja, auf sie bin ich böse“.

 

Paraskevi Sotiriou, 35, Angestellte bei der griechischen  Alpha-Bank in Athen: „Wir hören immer wieder von Bankenfusionen und haben Angst um unseren Job.  Das ist in allen Branchen so. Ich kann nicht verstehen, warum die Deutschen uns  so sehr hassen. Nicht wir haben diese Krise angerichtet, sondern die Banken und  die Politiker“.

 

Fotis Ananiadis, 53, Landwirt in westlichen Teil  Griechenlands: „Ich habe drei Kinder. Das Geld reicht hinten und vorne nicht. Wir müssen  alle sparen, nur die Politiker in Athen nicht. In Deutschland sind doch Wahlen,  oder? Ich wünsche mir wirklich, dass Merkel die Wahlen verliert. Vielleicht  ändert sich dann die Haltung der Deutschen gegenüber Griechenland. Wir brauchen  kein Spardiktat, wir brauchen wirkliche Hilfe“.

 

Petroula Mekra, 29, Krankenschwester (Zypern): „Ich bin erschüttert. Ich habe Bekannte, die haben sich ein Haus kaufen  wollen und ein Darlehen in Höhe von 150.000 Euro aufgenommen. Das Geld wurde auf  ein Konto überwiesen, jetzt sollen sie knapp 60.000 Euro von dem Geld abgeben.  Das ist unfair! Deutschland verdient Milliarden durch diese Krise und wir stehen  kurz vor dem finanziellen Aus. Der Fehler liegt im System“.

{Quelle: web.de – Von WEB.DE  Redaktionsmitglied Sabrina Kammerer}

 

 

Zyperns Banken öffnen wieder

 

 

 

Bankenkrise und Kapitalkontrollen

 

Finanzieller Ausnahmezustand in Zypern

Was ist ein Euro in Zypern noch wert?

Milliarden sind auf der Insel gestrandet wie Robinson Crusoe. Mit den Kapitalkontrollen wird die Insel erneut zum finanziellen Experimentierfeld. Erfahrungen von Island bis Großbritannien zeigen, dass es sehr lange dauern kann, bis sie wieder abgeschafft werden können.

 

 

Auf Europas südöstlichem Außenposten herrscht der finanzielle Ausnahmezustand. Weil panische Anleger ihr Geld aus Zypern abziehen könnten, sobald die Banken an diesem Donnerstag wieder öffnen, nutzen Politiker die Insel nicht zum ersten Mal während der Krise als Experimentierfeld für radikale Lösungen. Auf Zypern herrschen ab heute harte Kapitalverkehrskontrollen (aktuelle Entwicklungen im Newsblog).  300 Euro pro Tag dürfen Einwohner nur noch abheben, Schecks dürfen sie nicht einlösen, maximal 1000 Euro Bargeld ins Ausland mitnehmen. Normalerweise sind auf Reisen zwischen EU-Staaten 10.000 Euro erlaubt. Kreditkarten können nur noch eingeschränkt genutzt werden. Wie Robinson auf der einsamen Insel soll das Geld auf Zypern festsitzen, auf dass es sich dort mit den harten Bedingungen arrangiere und die Felder bestelle. Die Kontrollen sollen die Flucht des Geldes eindämmen, doch sie könnten noch zur Panik beitragen. Schließlich stellen sie Zyperns Mitgliedschaft im Euro in Frage – Euro-Staaten zeichnen sich ja gerade durch freien Geldverkehr aus. Sind Kapitalkontrollen der Anfang vom Ende der zyprischen Euro-Mitgliedschaft?

 

Für Guntram Wolf, Wirtschaftsanalyst des Think Tanks Bruegel, gefährdet der Schritt die Währungsunion. Er schreibt, dass der zyprische Euro gar kein Euro mehr sei – die Währung auf der Insel de facto nutzloser sei als im Rest der Währungsunion. Einwohner Zyperns könnten mit ihrem Geld nicht mehr unbegrenzt im Ausland einkaufen. Wolf sieht die Kapitalkontrollen deswegen als Vergehen gegen die Grundsätze der Währungsunion, deren wichtigstes Prinzip die Freiheit des Kapitals sei. Dem widerspricht die Europäische Kommission. Brüssel segnet die Kapitalkontrollen ab, wegen der außerordentlichen Lage stünden sie in Einklang mit dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Der erlaubt solche Restriktionen, wenn sie aus Gründen „öffentlicher Politik oder öffentlicher Sicherheit“ gerechtfertigt sind. Zyperns Gesetz gilt laut Finanzministerium nur sieben Tage (PDF). Doch die Kommission erklärte, sie werde genau prüfen, ob die Kontrollen länger gelten müssten. Wie im Falle Robinsons ist also unklar, wann das Geld die Insel tatsächlich wieder verlassen kann. Zumindest gibt es ein wenig Unterstützung: Die Europäische Zentralbank hat ein paar Container nach Zypern geschickt, die zeigen sollen, dass das nicht zur Debatte steht. Fünf Milliarden Euro Bargeld sollen in ihnen stecken. Ist das ein Signal der EZB, Zypern um jeden Preis im Euro zu halten? Die Bilder des schwer bewachten Konvois haben Symbolkraft – wie auch der Satz Mario Draghis im vergangenen Sommer. Damals versprach der EZB-Präsident, den Euro zu erhalten – „egal, was es kostet“. Draghis kurzes Statement beruhigte die Anleger, und bremste die Kapitalflucht aus Staaten wie Spanien und Italien.

 

Wer die Mobilität des Kapitals für Verwerfungen des modernen Kapitalismus verantwortlich macht, begrüßt die Kontrollen. Unbegrenzte Kapitalbewegungen hätten sich als „gescheitertes Experiment“ herausgestellt, schreibt der Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman in der New York Times. Das libertäre amerikanische Cato-Institut wirft Krugman „Täuschung“ vor. Die Hardcore-Marktliberalen sehen in den Kapitalkontrollen den ersten Schritt zur Tyrannei des Staates über das Individuum. Ihnen gelten die Kapitalkontrollen auf Zypern als Tabubruch. Dabei sind sie in Krisenzeiten ein durchaus übliches Instrument. Der Fall Island zeigte, dass sie selten nur mal eben kurz verhängt werden. 2008 wäre auch die nordeuropäische Insel wie Zypern fast an ihrem überdimensionierten Bankensektor erstickt. Er war zehnmal so groß wie die gesamte Volkswirtschaft. Die Kapitalkontrollen wurden über Nacht verhängt und sollten für wenige Monate gelten. Sie sind bis heute in Kraft. Die Financial Times weist darauf hin, dass Großbritannien bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 den Kapitalverkehr ebenfalls beschränkte – was erst Margaret Thatcher vierzig Jahre später wieder rückgängig machte. Island hat gute Erfahrungen gemacht mit den Kontrollen. Zeitweise hatten verzweifelte Isländer in der Krise ihre Jeeps angezündet, um über die Versicherung an Geld zu kommen. Heute hat sich das Land einigermaßen vom Crash erholt. Auf Zypern liegt der Fall jedoch etwas anders. Der entscheidende Unterschied: Islands Währung, die Krone, konnte abgewertet werden, sie verlor nach der Krise an Wert, was Geld ins Land brachte und der Wirtschaft beim Neustart half. Zypern ist allerdings Euro-Mitglied und kann deshalb nicht abwerten. Die Mitgliedschaft hält den Preis der Währung auf demselben Niveau wie in Deutschland oder anderen Euro-Staaten. {Quelle: www.sueddeutsche.de – Von Jannis Brühl}

 

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