kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

„Sie werden uns alle töten – mit einem Seil“. 8. März 2013

Filed under: Islamische Schandtaten — Knecht Christi @ 17:29

Am Weg in die Arbeit tragen Polizistinnen die Burka. Sie leben gefährlich und haben Angst vor dem Abzug der fremden Soldaten.

 

Ihr Onkel macht immer makabere Scherze. „Ich werde dich töten, eines Tages werde ich dich töten.“ Leyla lacht etwas verzagt, während sie erzählt. Ihre Antwort sei dann jedes Mal: „Aber bitte mit der Pistole und nicht mit dem Messer“. Sie ist Polizistin. Eine von 30 Frauen, die in Kunduz, im Norden Afghanistans, Dienst machen. Jeden Tag in der Früh streift sie sich die Burka über, geht aus dem Haus und macht sich auf zu ihrem Posten. Anfangs nicht, wie sie selbst sagt, weil sie das immer wollte, sondern, weil ihr Mann schwer krank ist und nicht arbeiten kann, und eben sie nun die Brötchen für ihre Familie verdienen muss. Mittlerweile aber gehe es ihr auch um etwas anderes: Darum, etwas zu verbessern in diesem Land. Sie schlägt fest zu, bei diesem Boxtraining in einem feuchten Kämmerchen im Hauptquartier der Polizei der Stadt. Diese junge, hagere Frau in der grauen Uniform mit den schwarzen Haaren und den tiefen Furchen im Gesicht. Sie ballt die Fäuste. Knallt sie in die Schlagpölster. Die niederländische Trainerin, die die Boxstunde leitet, hat Mühe, sie zu halten. Leyla schlägt, kickt und lacht laut. Will noch weitermachen, als die Stunde längst vorbei ist.

 

Gewisse Schwierigkeiten – so bezeichnet eine junge Afghanin das, was Frauen erfahren, wenn sie arbeiten, zumindest halbwegs auf eigenen Beinen stehen wollen. Leylas Vater, ihre Mutter, ihre Brüder, die gesamte männliche Verwandtschaft, so sagt sie, die würden sie für eine schlechte Ehefrau halten. Ihr vorwerfen, dass sie praktisch als einzige Frau unter so vielen Männern arbeite. So etwas mache man nicht. Irgendwann, so erzählt sie, da habe sie alle eingeladen, ihnen erklärt, dass sie die Wahl hätten, entweder ihre gesamte Familie durchzufüttern oder sie eben bei der Polizei arbeiten zu lassen. Und seither werde nur mehr gescherzt über sie – darüber, dass man sie eines Tages ermorden werde. Sie hat es aufgegeben, aus ihrem Job ein Geheimnis zu machen. Andere Frauen machen eines daraus, lassen bestenfalls den engsten Kreis der Familie wissen, dass sie Uniform tragen, nachdem sie sich tagtäglich aus dem Haus schleichen. Aus gutem Grund: Polizisten sind oft Ziel von Anschlägen. Die Polizei verzeichnet die höchsten Verluste. Nur wenige Tage nach dem Gespräch mit Leyla sprengte sich im Zentrum von Kunduz ein Attentäter neben Polizisten in die Luft und tötete fünf Menschen. Und ganz besonders riskant ist es für Polizistinnen. Sowohl, weil es nicht in ein islamistisches Weltbild passt, dass Frauen Uniform tragen, als auch aus einem sehr pragmatischen Grund: In der extrem konservativen afghanischen Gesellschaft kommt Frauen in der Polizei eine zentrale Rolle zu. Es wäre undenkbar, dass ein Mann bei einer Frau eine Leibesvisite durchführt, sie gar nur bittet, die Burka zu heben an Checkpoints, wie es sie vor jedem Verwaltungsgebäude gibt. Das sind unzählige in einer Stadt wie Kunduz. Es wäre auch undenkbar, dass Männer ein Haus durchsuchen, in dem nur Frauen anwesend sind. Und oft genug haben Aufständische genau diese Schwachstelle der afghanischen Sicherheitskräfte ausgenutzt, sich einfach eine Burka übergezogen oder Frauen an die Tür geschickt, wenn die Polizei anklopfte.

 

 

Es liegt in Allahs Hand

 

„Wir sind einfach wichtig“, sagt Leyla. Bei allem Risiko, das sie selbst trägt. Sie macht eine ausladende Geste. „Was hilft es, wenn ich Angst habe. Eines Tages werde ich sowieso sterben – es liegt in Allahs Hand zu entscheiden, wann“. In der Provinz Kunduz hat die Polizei zusammen mit der afghanischen Armee mittlerweile zumindest theoretisch weitgehend die Sicherheitsverantwortung – mit Ausnahme eines Bezirks. Vor dem Abzug der ISAF, der bereits mit diesem Jahr eingeleitet wird, geht es jetzt vor allem darum, das relative Funktionieren der afghanischen Behörden sicherzustellen, sie alleine arbeiten zu lassen und nur hie und da einzugreifen. Skeptiker meinen, dass ohne Unterstützung noch nichts funktionieren würde. Auch nach Ende dieses Jahres nicht. Optimisten sagen, dass man getan habe, was möglich sei, und es ja weiterhin Hilfe geben werde.

 

„Sie werden nicht gehen. Aus einem Grund: Weil ich jeden Tag dafür bete, dass sie bleiben“, sagt eine junge Frau, die auch bei diesem Training anwesend ist. Sie lächelt und schüttelt den Kopf, als wisse sie ganz genau, dass es nicht geschehen, dass 2014 nicht kommen werde. Sie hat einen guten Job bei einer internationalen Organisation in Kunduz, arbeitet als Übersetzerin – und hat Angst davor, was 2014, wenn die ISAF weg ist, kommen könnte. Wie so viele Frauen. Angst vor der Rache der Ultrakonservativen an jenen, die für die Ausländer gearbeitet haben, all jenen, die sich aus deren Sicht vielleicht sittlich exponiert haben. Angst davor, das kleine bisschen Freiheit zu verlieren, dass sie jetzt genießen. Und Leyla? Ob sie ihren Job behalten wird können? „Wenn die Lage stabil bleibt, werden wir unsere Posten behalten“, sagt sie. „Wenn es schlimm wird, werden wir daheim bleiben müssen.“ Es folgt eine Pause. „Es wird wohl schlimm werden – sie werden uns alle töten“. Eine Kollegin Leylas, die bisher nur schweigend zugehört hat, fährt sich mit dem ausgestreckten Zeigefinger über die Kehle und nickt stumm. Leyla umklammert mit Daumen und Zeigefinger ihrer rechten Hand ihre Kehle und sagt: „Sie werden es mit einem Seil tun“. {Quelle: kurier.at}

 

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