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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Armenier-Genozid: „Die Geschichte der Geretteten“ 8. März 2013

Filed under: Christenverfolgung,Islamische Schandtaten — Knecht Christi @ 19:20

Zurück in die Heimat: Armenier flüchten aus Syrien – nach Armenien.

 

Vor dem Bürgerkrieg lebten rund 100.000 Armenier in Syrien.

Unter dem Assad-Regime ging es ihnen gut:

Sie konnten ihre Sprache und Kultur pflegen, ihre Kinder armenische Schulen besuchen. Doch die Angst treibt viele zurück in die Heimat ihrer Großeltern und Eltern. 

 

Kework Shadoyan schiebt Tüten und Kartons zur Seite und räumt einen Stuhl frei. Der 39-Jährige richtet sich gerade ein Büro in Armeniens Hauptstadt Eriwan ein. Die langen Haare fallen ihm ins Gesicht. Shadoyan ist Modedesigner, er entwirft Abendroben und Hochzeitskleider, vorzugsweise mit traditionellen armenischen Motiven und viel Einblick. In Aleppo in Syrien hat er eine Modeschule geleitet. Vor drei Monaten ist er geflohen. „Das war tragisch. Ich bin in Aleppo geboren. Und ich sage immer: Wir wurden von den Syrern nur gut behandelt. Ich habe dort 20 Jahre meines Lebens verbracht. Und auch während ich im Ausland studiert und gearbeitet habe, bin ich immer gern nach Aleppo zurückgekommen. Ich liebe nicht nur Aleppo, sondern ganz Syrien. Es ist unser Land. Wir mögen die Menschen dort. Ich habe mich dort nie fremd gefühlt. Sie haben uns wie Syrer behandelt“.

 

Rund 100.000 Armenier haben, vorsichtigen Schätzungen zufolge, zu Beginn des Konflikts in Syrien gelebt, die meisten von ihnen in Aleppo. Sie konnten ihre Sprache und Kultur pflegen und armenische Schulen besuchen, erzählt Shadoyan. Die Armenier gelten, wie auch die übrigen christlichen Minderheiten, als weitgehend loyal gegenüber dem Assad-Regime. Sie hielten sich aus dem Konflikt heraus. Auch jetzt will sich Kework Shadoyan nicht zur Politik in Syrien äußern. Der stellvertretende Außenminister Armeniens, Shavarsh Kocharyan, tut dies umso lieber. „Wir sind weder dafür, die Kräfte zu unterstützen, die Assad stürzen wollen, noch sind wir dafür, Assad um jeden Preis zu halten. Wir verurteilen alle Versuche, die Situation in Syrien von außen zu destabilisieren. Denn jede Destabilisierung wirkt sich sehr negativ auf die nationalen und ethnischen Minderheiten in Syrien aus“.

 

Mit dieser Position steht Armenien fest an der Seite Russlands, zu dem es enge wirtschaftliche, militärische und politische Verbindungen unterhält. Auch der russische Außenminister Lawrow führt immer wieder das Argument ins Feld, wenn Assad gehe, führe das zu Chaos und gefährde vor allem die Minderheiten in Syrien. Armenien hat bisher mehr als 6000 Flüchtlinge aufgenommen. In letzter Zeit hätten zudem zahlreiche Armenier aus Syrien die armenische Staatsbürgerschaft beantragt, sagt der stellvertretende Außenminister Kocharyan. „Wir beobachten eine Entchristianisierung des gesamten Nahen Ostens. Dabei hat das Christentum dort tiefe Wurzeln. Die Konfliktparteien müssen endlich einen Kompromiss finden. Wie der aussehen wird, ist eine andere Frage. Wichtig ist, das Blutvergießen zu stoppen“. Danach sieht es vorerst nicht aus. Der Modedesigner Shadoyan telefoniert regelmäßig mit seinen Verwandten in Aleppo. „Es sind immer die gleichen Nachrichten. Es ist eine harte Zeit. Aber wir werden das überstehen. Die Leute, mit denen ich spreche, haben jedenfalls Hoffnung“.

 

Kework Shadoyan hatte bereits Verbindungen nach Armenien, bevor er dorthin floh. Sein Bruder lebt seit fünf Jahren in Eriwan, er betreibt dort einen Friseursalon für reiche Armenier. Die Brüder helfen einander. Andere Flüchtlinge aus Syrien leben in Armenien in Massenunterkünften. Das Land ist arm. Viele warteten nur darauf, nach Syrien zurückzukehren, sobald es dort friedlich ist, erzählt Shadoyan. Sie sprächen zwar dieselbe Sprache wie die Einheimischen, kämen aber mit der Mentalität in Armenien nicht zurecht. Die Gesellschaft in der Südkaukasusrepublik ist noch immer von 70 Jahren Sowjetunion geprägt. „Ich bin hier auch glücklich. Schließlich ist das hier Armenien. Aber die Menschen in Aleppo haben ein anderes Gemüt, die Stimmung ist ganz anders, und ich vermisse das sehr. Trotzdem werde ich jetzt erst mal hier einen Neuanfang versuchen. Denn nur dazusitzen und abzuwarten, bringt ja nichts. Das ganze kann noch zwei Monate dauern, drei Monate, ein Jahr. Wie lange, weiß nur Gott“. {Quelle: www.dradio.de – Von Gesine Dornblüth}

 

 

 

 

 

 

 „Die Geschichte der Geretteten“

 

Rolf Hosfeld und Julius H. Schoeps über Franz Werfel und den Armenier-Genozid, deutsche Schuld und die europäische Dimension

 

 

 

 

Der verdrängte Völkermord

 

Todesmärsche durch die Wüste, Vergewaltigungen und Exekutionen: 1915 erreichte der Völkermord an den Armeniern seinen Höhepunkt. Noch heute will die Türkei nichts davon wissen.

www.20min.ch – von Daniel Huber

 

 

 

Herr Hosfeld, Franz Werfel ist bekannt für Expressionismus. Sie zeigen nun eine ganz andere Seite von ihm.

Rolf Hosfeld: Wir haben für unsere am Sonntag beginnende Konferenz seinen Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ ins Zentrum gestellt, von dem er selbst erwartete, dass es einmal sein Hauptwerk werden würde. Das Buch unterscheidet sich stark von seinen expressionistischen Werken, dadurch, dass es sehr, sehr gründlich gearbeitet ist, Werfel hat dafür umfangreich recherchiert. Es ist ein Roman, der heute auch Historikern noch viel zu sagen hat. Man ist erstaunt, wie weitsichtig Werfel die gefährlichen Tendenzen in der neueren Geschichte erkannt hat.

 

 

Hintergrund ist der Genozid der Türken an den Armeniern. Woher kam Werfels Engagement in dieser Frage, Herr Schoeps?

Julius H. Schoeps: Musa Dagh ist zweifellos ein politisches Buch. Es geht um die Armenien-Frage und die damit verbundenen Befindlichkeiten. Auf der jüdischen Seite hat man immer Parallelen gezogen zwischen dem Völkermord an den Armeniern und dem Massenmord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden. Das hat zu einer Art „Waffenbrüderschaft“ zwischen Juden und Armeniern geführt. Werfel hat das mit seinem Buch zweifellos bezweckt. Hosfeld: Es gab für Werfel einen äußeren und einen inneren Anlass, der ihn zur Armenier-Frage führte. Zum einen stammte er aus Prag, einer Stadt, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg Spannungen zwischen Tschechen, Deutschen und Juden deutlich spüren ließ. Der äußere Anlass waren die beiden Orient-Reisen von Werfel in den 1920er Jahren. Er begegnete dabei armenischen Waisenkindern in Damaskus, wodurch er unmittelbar auf das Schicksal der Armenier aufmerksam wurde. Dabei erfuhr er auch die Geschichte der Geretteten von Musa Dagh, die sich ja tatsächlich abgespielt hatte. Schoeps: Wir haben es hier mit einem merkwürdigen Dreiecksverhältnis zu tun: Türkei-Prag-Deutschland. Wie weit das Deutsche Reich damals in den Genozid verwickelt war, ist erst in den vergangenen Jahren bekannt geworden. Reichswehroffiziere waren damals im logistischen Bereich in der Türkei tätig. Das war Jahrzehnte lang ein Tabu. Das kommt nun langsam alles zum Vorschein. Daraus ergibt sich eine gewisse Verantwortung auch der Bundesrepublik Deutschland.

 

Was hat sich auf dem Musa Dagh zugetragen?

Hosfeld: Man würde Musa Dagh mit Mosesberg übersetzen. Er ist im Südosten der Türkei direkt am Mittelmeer gelegen, wodurch er von Land aus nur von drei Seiten zugänglich ist. Im Sommer 1915 beschlossen mehrere Dörfer um den Berg, sich ihrer drohenden Deportation dadurch zu entziehen, dass sie sich auf den Berg zurückzogen. In der Hoffnung, dass sich in den kommenden Wochen etwas Kriegsentscheidendes ereignen würde, was sie retten könnte. Das war ein Trugschluss. Aber manchmal kommt das Glück zur Hilfe. Französische Kriegsschiffe hatten Fahnen auf dem Berg entdeckt. Mit Rettungsbooten wurden dann 5500 Menschen an Bord geholt und nach Ägypten gebracht, womit sie gerettet waren. Es handelte sich bei dem Geschehnis um einen organisierten Widerstand. Das spielte dann später auch in der Selbstbekräftigung des jüdischen Widerstandes im Zweiten Weltkrieg eine gewisse Rolle. Das Ghetto in Bialystok wurde beispielsweise als „unser Musa Dagh“ bezeichnet. Schoeps: Es gibt hier auch eine Anspielung auf den Berg Massada am Toten Meer, wohin sich die Juden vor den Römern geflüchtet hatten. Das sind Bilder, die bei Werfel im Hintergrund eine Bedeutung hatten. Hosfeld: Werfel war ein religiöser Mensch, der Musa Dagh hat auch Bezüge zum Mosesberg auf dem Sinai. Die 40 Tage sind eine Anspielung auf die 40 Tage, die Moses auf dem Sinai zubrachte. In Wirklichkeit harrten die Armenier nämlich 53 Tage auf dem Musa Dagh aus. Die Rettung der Armenier hat zudem auch Bezüge zum Auszug aus Ägypten.

 

Sie wollen Werfel unter einer armenisch-jüdisch-türkisch-deutschen Perspektive betrachten. Wie passt das zusammen?

Schoeps: Das Mendelssohn-Zentrum ebenso wie das Lepsiushaus beanspruchen ein zivilgesellschaftliches Mandat, das heißt, wir wollen Themen mit politischen Aspekten betrachten. Das ist hier zweifellos der Fall. Die Debatte um die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern durch die Türkei bis hin zu der Frage der Aufnahme der Türkei in die EU werden hier berührt. Die EU erwartet eine klare Einstellung der Türkei zum Völkermord an den Armeniern.

 

Gibt es Bewegung in dieser Frage?

Hosfeld: In der offiziellen türkischen Politik keine. Offiziell gibt es keine historisch-kritische Sicht auf die eigene Geschichte, sondern nur eine heroische Sichtweise. Darin liegt eine Gefahr für die europäische Integration. Aber in der Zivilgesellschaft der Türkei gibt es zahlreiche Stimmen von kritischen Wissenschaftlern, die eine Aufklärung einfordern.

 

Werfel stammte aus einer Familie des deutsch-böhmischen Judentums.

Schoeps: Prag war zu Werfels Zeit eine Völkermelange. Deutschtum, Tschechentum und Judentum trafen sich hier an der Schnittstelle zwischen der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich. Das war eine höchst fruchtbare Konstellation. Hier entstand auch der Prager Kreis, dem Werfel zusammen mit Rilke angehörte. Dieser Kreis erlangte einen geradezu legendären Ruf. Hosfeld: Prag war eine Welt, die man sich heute kaum noch vorstellen kann. Zwischen Synkretismus, also dem Zusammenspiel verschiedener Sprachen und Kulturen und wachsender ethnischer Spannungen. Insofern konnte man hier sehr früh schon die Gefahrenzonen der Zukunft erkennen. Diese Hellsichtigkeit im Nukleus Prag ermöglichte Werfel, in der Geschichte vom Musa Dagh mehr zu sehen als nur die konkreten Ereignisse. Das ist das Privileg der Literatur, nicht nur Fakten, sondern auch Sinnbilder zu zeigen. Er sah eine enorme Gefahr für die modernen Nationalstaaten, wenn sich der Nationalismus radikalisiert. So gesehen war sein Buch über die Armenier-Frage auch eine Warnung davor, was passieren kann, wenn vergleichbare Nationalismen sich woanders etablieren. Und das war 1933, als sein Buch erschien, in Deutschland der Fall.

 

Wo stand Werfel in dem Völkergemisch?

Hosfeld: Er war jemand, der in Sachen Religion eher zum Synkretismus neigte. Er konvertierte später zum Christentum, wobei das eine Art von jüdischem Katholizismus war.

Wie kam es zur Kooperation des Lepsius-Hauses mit dem Moses Mendelssohn Zentrum?

Schoeps: Das ergibt sich aus der Sache: Werfels jüdische Herkunft und der Prager Kreis, das interessiert uns. Die Armenier-Frage interessiert das Lepsiushaus. Hier hat sich eine Zusammenarbeit geradezu aufgedrängt.

 

Der Genozid an den Armeniern wurde von jüdischen Kreisen auch als Blaupause für den Holocaust bezeichnet. Wie ist das aus heutiger Sicht zu bewerten?

Schoeps: Ohne dass ich das überbewerten würde: Zusammenhänge gibt es zweifellos. Die Nationalsozialisten haben sehr wohl gewusst, was damals vor sich gegangen ist. Hosfeld: Wenig bekannt ist eine Bemerkung von Adolf Hitler vor dem Volksgerichtshof in München Anfang 1924 nach dem Bierkellerputsch 1923. Da beruft sich Hitler wörtlich auf Enver Pascha, den damaligen Kriegsminister des Osmanischen Reiches, eine der federführenden Figuren des Völkermordes an den Armeniern. Und zwar mit dem Argument, dass Ismail Enver die Idee einer neuen Nation in eine vergiftete Welt getragen habe. Das ist der Kerngedanke: eine neue völkische Bewegung, die sich in eine von anderen Gruppen vergiftete Welt hinein begibt. Für Enver waren das die Armenier, für Hitler die Juden. {Quelle: www.pnn.de – Das Gespräch führte Jan Kixmüller – Rolf Hosfeld ist Leiter des Lepsiushauses in Potsdam. Hosfeld ist Journalist und Filmregisseur, der mit mehreren Büchern vor allem zur deutschen Geschichte bekannt geworden ist. Julius H. Schoeps leitet das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien (MMZ), ein An-Institut der Potsdamer Uni, an der er bis 2007 Professor für Geschichte war}.

 

 

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