kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Bischof Damian, Hüter der Tradition 29. Januar 2013

Filed under: Koptenverfolgung — Knecht Christi @ 19:57

 

Anba Damian ist geistiges Oberhaupt der 6.000 Kopten in Deutschland.

In Warnungen vor einer „Christenverfolgung“ mischen sich auch fragwürdige Töne.

 

An diesem Abend ist Bischof Damian in die prächtige katholische Hedwigs-Kathedrale in Berlins historische Mitte gekommen. Hier, gegenüber der Staatsoper und der Humboldt-Universität, findet an diesem Tag ein Ökumenischer Gottesdienst statt, bei dem das Oberhaupt der kleinen koptisch-orthodoxen Gemeinde in Deutschland später neben dem katholischen Kardinal Rainer Maria Woelki und dem SPD-Politiker Wolfgang Thierse predigen wird. Ein Kammerorchester und ein Kinderchor proben, während Bischof Damian die Treppe hinunter zur Krypta schreitet, um in Ruhe zu reden. Auf seine Kopfkappe, deren zwölf gestickte Kreuze an die zwölf Apostel erinnern, hat er einen schwarzen Turban gesetzt. Er spricht jetzt als Repräsentant seiner Kirche. Hinter seinem langen, weißen Bart scheint der 57-Jährige stets zu lächeln, auch wenn das Thema ernst ist. „Wir haben auf die Revolution gesetzt in der Hoffnung, dass es besser wird“, schildert er seine Sicht auf Ägypten. „Aber diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Für uns Christen und das ganze Land ist es schwerer geworden“.

 

In der von Kerzen erleuchteten Gruft der Kathedrale zeichnet der Bischof ein düsteres Bild: „Die ganze Macht liegt nun in den Händen von Islamisten und Salafisten.“ Auf den Straßen herrschten Anarchie und Rechtlosigkeit. Der neue Präsident Mursi habe 48 Minister berufen, doch darunter sei nur eine einzige Koptin gewesen. „Das entspricht nicht unserem Anteil an der Bevölkerung“, sagt Damian. Seine Augen funkeln. Derweil nähmen die Angriffe auf Kirchen und einzelne Kopten zu, doch die Staatsmacht ziehe sich zurück. Sein pessimistisches Fazit: „Wir gelten als Störfaktor“. Bischof Damian ist häufig zu Besuch in Berlin. Zu Anfang des Jahres reiste er zum koptischen Weihnachtsfest in die Haupstadt, um vor der koptischen Gemeinde Berlin zu predigen, die im östlichen Bezirk Lichtenberg seit 1998 ein eigenes Gotteshaus hat. Zuletzt traf er sich mit Volker Kauder, um diesem die Probleme der Christen in Ägypten nahe zu bringen. Bischof Damian ist ein engagierter und erfolgreicher Vertreter der Interessen der Kopten. Was die Einschätzung der Entwicklung in Ägypten angeht, ist er mir ein wichtiger Ratgeber“, lobt ihn der CDU-Fraktionschef. „Die deutsche Politik ist gegenüber Ägypten sehr zurückhaltend“, moniert Bischof Damian hingegen. Das gelte, bis auf Volker Kauder, auch für die Union: Vom C im Namen spüren wir gar nichts“.

 

 

 

 

 

 

Ratgeber für Volker Kauder

 

Kauder gilt in seiner Partei als christlicher Hardliner. Doch Bischof Damian ist mit manchen seiner Ansichten noch eine Spur konservativer als der CDU-Mann – etwa, wenn es um muslimische Einwanderer geht. So riet er auf einer Veranstaltung in München den Deutschen einmal, sie sollten ihr Erbe besser pflegen, ihre christlichen Überzeugungen stärker leben und mehr Kinder kriegen. Sonst sind sie irgendwann fremd im eigenen Land“. Solche Sätze, die Bischof Damian stets in einem ruhigen, ja freundlichen Ton vorträgt, stehen im schroffen Kontrast zu seinem jovialen und einnehmenden Wesen. Sie befremden. Der Kirchenmann selbst aber scheint seine Bemühungen um Ausgleich und seine teilweise ultrakonservativen Ansichten nicht als Widerspruch zu empfinden. Selbst im persönlichen Gespräch mit ihm lässt sich diese Ambivalenz nicht auflösen. Mehrmals im Jahr reist das Oberhaupt der deutschen Kopten nach Ägypten, um sich ein Bild der Lage in seiner alten Heimat zu machen. Jedes Mal bedrängen ihn seine Glaubensbrüder, ob er ihnen bei der Ausreise nach Deutschland helfen könne. „Viele Kopten wollen hier studieren oder arbeiten, andere suchen politisches Asyl“, sagt Damian. Auch Investoren würden gerne kommen. „Aber die Tür nach Deutschland ist verschlossen. Das ist unerträglich.“ Dabei würde eine begrenzte Auswanderung speziell von Kopten allen Seiten dienen. „In Ägypten haben wir eine Ärzteschwemme“, sagt Damian. „Hier dagegen herrscht Ärztemangel. Das ist doch eine Win-win-Situation“.

 

Anba Damian ist selbst ein gelernter Arzt. Nach dem Studium in Kairo schloss er in Ludwigshafen eine Ausbildung zum Facharzt ab und arbeitete als Oberarzt in einem deutschen Kreiskrankenhaus. Seit 1980 lebt er in Deutschland, doch erst 1991 entschied er sich, sein Leben ganz der Religion zu widmen. Vor zwanzig Jahren wurde er vom damaligen Kopten-Papst Schenuda III. zum Priester geweiht, seit 1995 residiert er als Oberhaupt der rund 6.000 koptischen Christen in Deutschland in einem Kloster, das seine Gemeinde in Höxter in Westfalen erstanden hat – „zum symbolischen Preis von einem Euro“. Stille Tage sind ihm in seinem Kloster in letzter Zeit nur selten vergönnt, denn Bischof Anba Damian ist ein gefragter Mann. Nachdem ein Kopte aus den USA im vergangenen Herbst mit einem Internet-Schmähfilm über den muslimischen Propheten Mohammed weltweit für Aufregung gesorgt hatte, bemühten sich die koptischen Kirchenführer um Schadensbegrenzung.

 

 

Umworben von Radikalen

 

Auch Bischof Damian. „Das ist nicht die Art unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus“, sagte er damals streng. Zum Glück habe die koptische Kirche den Film scharf verurteilt und die ägyptische Bevölkerung habe sich nicht aufwiegeln lassen. Dass der Salafistenprediger Ahmed Mohammed Abdullah, der vor laufenden Kameras eine Bibel zerriss, in Kairo deshalb wegen „Blasphemie“ angeklagt wurde, wollte er nicht kommentieren. Er sagte nur: „Wir fordern Respekt für alle Religionen“. Und: „Wir sollten kein Öl ins Feuer gießen“. Die Spannungen in Ägypten haben allerdings auch unter den Kopten in Deutschland das Misstrauen gegen Muslime wachsen lassen, darüber können keine noch so schönen Worte auf beiden Seiten hinweg täuschen. Wenn Damian von Deutschen gefragt wird, wie er zu den Muslimen hierzulande stehe, sagt er meist, dass er gute muslimische Freunde habe, und spricht über den Wert der Toleranz an sich.

 

Doch auch hierzulande macht ihm Manches Angst. Ein „Schock“ sei es für ihn gewesen, als Salafistenam Flughafen in Frankfurt versucht hätten, seine Schwesterzu missionieren, erzählt Bischof Damian. Dass die Salafisten unter den rund vier Millionen Muslimen in Deutschland nur eine verschwindend kleine Sekte darstellen, beruhigt ihn nicht. „Es mag sein, dass sie klein sind. Aber ihre Wirkung ist es nicht“, sagt er. „Sie reden offen über ihre Ambitionen, ein Kalifat zu errichten, und haben Bestrebungen, das auch in Europa zu tun“. Weil viele Kopten in Deutschland solche Befürchtungen teilen, werden sie seit geraumer Zeit von deutschen Evangelikalen und Islamfeinden umworben. Auch Bischof Damian haben sie schon umgarnt. In einem Youtube-Video, das eine islamfeindliche Initiative ins Internet gestellt hat, sieht man ihn, wie er über die Gefahren der muslimischen Einwanderung spricht.

 

In Sarrazin-Manier schwadroniert er dort von der „Wachstumskurve“ der Muslime und warnt davor, dass „das, was in Ägypten geschieht, eines Tages auch in diesen ihren Heimatländern der Fall sein“ könne. „Wenn sie nicht aus unserer Geschichte lernen, sind sie bald dran. Nehmen sie das ernst“. Zu den Machern des Films geht Bischof Damian inzwischen auf Distanz. „Ich kenne sie nicht, und ich habe nichts mit ihnen zu tun“, sagt er. Diese Leute seien nach einem Vortrag auf ihn zugekommen und hätten ihn um ein Statement gebeten. Von seinen Aussagen aber will er nichts zurücknehmen.

 

 

Am meisten diskriminiert?

 

Zurück in der Krypta. Mit Blick auf das Grab eines katholischen Geistlichen, der von den Nazis deportiert wurde und deshalb von seiner Kirche heute als „Märtyrer“ gehandelt wird, dreht sich Gespräch wieder um die deutsche Politik. Als „Christenverfolgung“ hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Gewalt gegen Christen im Nahen Osten unlängst bezeichnet und das Christentum sogar „die am meisten verfolgte Religion der Welt“ genannt. Eine Auffassung, die vor allem von Evangelikalen und katholischen Hardlinern vertreten, von Menschenrechtsgruppen wie Amnesty und Human Rights Watsch aber strikt abgelehnt wird. Sie verweisen darauf, dass auch andere Gruppen unterdrückt würden. Biscof Damian findet den Satz von der „Christenverfolgung“ dennoch richtig: „Das ist die bittere Realität, etwa im Sudan oder in Nigeria“, sagt er. Auch die Entwicklung in Syrien verfolgt der Bischof mit Sorge. „Die Christen fürchten, dass sie nach Assads Sturz zu den Verlierern gehören werden“, sagt er. „Sie haben Angst, dass sich dort wiederholt, was im Irak passiert ist“.

 

Selbstverständlich müsse man sich „für die Gleichberechtigung, die Würde und den Wohlstand aller Menschen einsetzen.“ Aber die Christen würden nunmal am stärksten diskriminiert, zumindest in Ägypten: „Fragen Sie doch mal nach, wie viele Christen bei Egypt Air oder in der ägyptischen Botschaft in Berlin beschäftigt sind?“ Auch unter den deutschen DAAD-Stipendiaten aus Ägypten seien kaum Kopten zu finden. „Warum sieht man darüber hinweg?“ Dann steigt Bischof Damian die Stufen hinauf ins inzwischen gut gefüllte Kirchenrund, zum Gottesdienst. {Quelle: www.taz.de}

 

 

 

 

 

 

Wir leben hier nicht in der Hölle“

 

Missio Aachen hat in Kairo mit Kirchenvertretern über die Zukunft der Christen in dem Land gesprochen.

 

Kairo (DT): Wir leben hier nicht in der Hölle, sondern in einer schwierigen Umbruchphase“, beschwört der Dominikaner Jean Jaques Pérennés die gegenwärtige ambivalente Gefühlslage der Christen in Ägypten. Einerseits haben sie angesichts der politischen Islamisierung ihres Landes im Alltag sehr wohl vor Bedrängnis, Verfolgung und Migrationsdruck Angst, andererseits wollen sie zwei Jahre nach der Revolution die neue Freiheit nicht aufgeben, sondern mitgestalten. „Es geht darum, unsere Rolle und Funktion in diesem Prozess zu finden“, sagt seine Seligkeit Gregor III. Laham, Patriarch der mit Rom unierten melkitischen griechisch-katholischen Kirche. Der Dominikaner und der Patriarch waren zwei von gut 20 Bischöfen, Priestern, Wissenschaftlern, Ordensangehörigen und Laien aus Ägypten, die am 22. und 23. Januar in Kairo am Kongress „Situation der Kirchen in Ägypten“ teilnahmen. Ausgerichtet wurde er vom Internationalen Katholischen Missionswerk missio Aachen, das unter Leitung von Präsident Prälat Klaus Krämer mit einer eigenen Delegation beteiligt war. „Mit dieser Konferenz wollen wir auch die ökumenische Zusammenarbeit der Kirchen in Ägypten fördern“, erklärte Prälat Krämer. Ägypten ist Beispielland des Monats der Weltmission von missio in Deutschland.

 

„Haben wir überhaupt noch einen Begriff dessen, was es heißt, ein Bürger in Ägypten zu sein?“, fragte auf dem Kongress Antonious Aziz Mina, Bischof der koptisch-katholischen Eparchie Giza. Eine Antwort sei für die Kirchen und Christen überlebensnotwendig. Denn allein wenn eine bürgerliche Zivilgesellschaft aufgebaut werde, in der sich alle Menschen zuerst als Bürger Ägyptens mit gleichen Rechten und Pflichten begreifen und der Staat sie auch so behandele, könne die Diskriminierung, Bedrängnis und Verfolgung einzelner Gruppen wie der Christen verhindert werden. Deshalb besteht für die Mehrzahl der Konferenzteilnehmer eine der größten Herausforderung der ägyptischen Kirchen darin, eigene, für alle Ägypter offene Institutionen als Teil einer neuen politischen Kultur aufzubauen, bevor der Prozess der Islamisierung und konfessionellen Spaltung des Landes unumkehrbar unter der aktuellen Regierung fortgeschritten ist.

 

Der koptisch-katholische Bischof Kyrillos William von Assiut brachte die Idee der Gründung einer katholischen Universität in Ägypten ein. Andere Konferenzteilnehmer plädierten für den Aufbau eigener Medien, um eine Stimme im Gespräch der Zivilgesellschaft zu haben. Vorbild eines solchen Engagements sind für den Jesuiten Fadel Syadaros 165 katholische Schulen mit rund 200 000 Schülern in Ägypten, davon etwa 55 bis 60 Prozent Muslime: „Wenigstens hier lernen für einige Jahre junge Christen und Muslime Grundsätzliches von der jeweils anderen Religion“. Dass eigene christliche „Denkfabriken“ eingerichtet werden müssen, ist für die Teilnehmer der missio-Tagung aus einem anderen Grund wichtig: „Den Islam, wie ich ihn studiert habe, den gibt es gar nicht mehr“, sagte der Religionswissenschaftler Soliman Shafik. Auch Muslime verfolgten die Entwicklung Ägyptens mit Sorge. Denn die politische Islamisierung der Gesellschaft gehe einher mit einem Verlust des Einflusses der traditionellen islamischen Autoritäten. Es entstehe ein wilder Islamismus. Die Scharia, die islamische Gesetzgebung, bekomme neue Funktionen. Dafür seien die Salafisten ein Beispiel. Und deshalb müssten auch Christen diese Verhältnisse besser studieren können.

 

Schon seit über 70 Jahren pflegen die Dominikaner in Kairo das Gespräch mit den Muslimen und der Alazhar-Universität in Kairo, die nach der ägyptischen Verfassung bei der Auslegung der islamisch geprägten Gesetzgebung eine wichtige Rolle spielt. Das vor gut 50 Jahren gegründete „Institut für orientalische Studien“ (Ideo) der Dominikaner in Kairo besitzt eine der größten Sammlungen islamischer Literatur. Ungefähr 150 000 Bücher und rund 350 Zeitschriften über und aus dem Islam stehen zur Verfügung. Vor allem muslimische Gelehrte und Studenten der Al Alazhar-Universität und anderer Universitäten in Kairo nutzen diese Sammlung. „Ob liberale oder traditionell eingestellte Studenten, sie arbeiten bei uns gleichermaßen in der Bibliothek, sie sind glücklich über diese Möglichkeit“, erklärte gegenüber missio Aachen der Bibliotheksdirektor René du Grandlaunay (OP). „Unser Ziel ist es, im wissenschaftlichen Dialog mit den Muslimen gemeinsam historisch objektive Wahrheiten unserer Beziehung herauszuarbeiten und das Material dafür zur Verfügung zu stellen“, so der Dominikaner. „Gleichzeitig verfolgen wir natürlich auch die aktuellen Entwicklungen im Islam, um die Trends zu identifizieren und zu verstehen, die gefährlich werden können“, erzählt Pater René du Grandlaunay über die Mission dieser Denkfabrik der Dominikaner in Kairo. {Quelle: www.die-tagespost.de}

 

6 Responses to “Bischof Damian, Hüter der Tradition”

  1. Ibrahim Says:

    BISCHOF ANBA DAMIAN EIN GUTER BISCHOF! BETEN WIR FÜR IHN! GOTT SEGNE IHN!

    FÜR EINE DIOZÖSE IN DEUTSCHLAND MIT IHM!

  2. Emanuel Says:

    „Liebe ohne Weisheit ist eine Schwäche “ Bischof Damian … Liebe ohne Weisheit ist keine Liebe (Emanuel) – Lehre ohne Liebe ist keine Lehre (Emanuel)

    Glaube ohne Liebe ist kein Glaube ….

  3. Emanuel Says:

    Islam ist und israelischer mit i in Berlin mit militärischen ehren empfangen

    • Emanuel Says:

      Oh, da ist was schief gelaufen. Sollte heißen, “ Islamist und Israelhasser Mursi in Berlin mit militärischen Ehren empfangen “ von schwarz-gelber Kasperle-Theater-Regierung …

  4. marc Says:

    Sweden’s population grew from 9 million to 9.5 million in the years 2004-2012, mainly due to immigration from “countries like Afghanistan, Iraq and Somalia”. 16 percent of all newborns have mothers born in non-Western countries. Employment rate among immigrants: 54 percent.

    Sweden now has the second highest number of rapes in the world, after South Africa, which at 53.2 per 100,000 is six times higher than the United States. Statistics now suggest that 1 out of every 4 Swedish women will be raped.

    http://frontpagemag.com/2013/dgreenfield/1-in-4-swedish-women-will-be-raped-as-sexual-assaults-increase-500/


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