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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Warum Juden in Deutschland oft zwei Mützen tragen 27. Januar 2013

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 19:14

Antisemitismus bleibt in Deutschland ein Problem – auch 68 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

 

Viele Juden wollen in der Öffentlichkeit unerkannt bleiben, klagen über aggressiver werdende Anfeindungen. Eine große Rolle spielt dabei der Nahost-Konflikt.

 

Wenn Rabbiner Daniel Alter auf die Straßen Berlins geht, trägt er meistens zwei Mützen: die Kippa und darüber eine weitere – aus Gründen des Selbstschutzes: „Antisemitismus bekommt in der jüngeren Vergangenheit eine neue, offenere und aggressivere Qualität“, sagt der Rabbiner. Berlin ist die Stadt Deutschlands mit der größten jüdischen Gemeinde. Rund 10.000 Juden leben in der Hauptstadt. Immer mehr von ihnen wollen aber unerkannt bleiben. „Viele Mitglieder unserer Gemeinde versuchen es zu vermeiden, sich öffentlich als jüdisch zu identifizieren“, sagt Alter. Was einem blühen kann, wenn man als Jude ausgemacht wird, hat der Wahl-Berliner vergangenes Jahr am eigenen Leib erfahren: Vor den Augen seiner kleinen Tochter wurde er von Jugendlichen verprügelt. Einfach nur, weil er Jude ist.

 

 

Zahlen stabil, Themen ändern sich

 

 

Rund 20 Prozent der Deutschen sind latent antisemitisch. Die Zahlen, die zuletzt durch den unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus bestätigt wurden, sind seit Jahren stabil. Allerdings ändern sich die Themen, die judenfeindliche Äußerungen und Taten nähren. „Eine große Rolle spielt dabei der Nahost-Konflikt“, sagt Dr. Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, die Mitglied es Expertenkreises ist. Da gehe es mittlerweile unter anderem häufig um die Holocaust-Gleichsetzung, dass Israel den Palästinensern dasselbe Unrecht antue wie Nazi-Deutschland den Juden. Als Faustformel der einschlägigen Studien gilt: Je älter die Befragten und je bildungsferner sie sind, desto mehr steigt der Anteil derer mit antisemitischen Einstellungen. „Bei Themen wie Israel jedoch sind intellektuelle Schichten und die Mitte viel stärker betroffen“, sagt Juliane Wetzel. Ähnlich bei anderen Themen wie der Beschneidungsdebatte, der Augstein-Diskussion oder dem Grass-Gedicht. „Die massenhaften Kommentare zu diesen Themen in den Internetforen der Tageszeitungen zeigen ganz klar, was da für Vorurteile herrschen“, so Wetzel.

 

 

„Weit aus dem Fenster gelehnt“

 

Am Rande solcher Diskussionen werde so vieles aufgekocht, was antisemitische Vorurteile bestärke, sagt Rabbiner Alter. Hinzu komme, dass sich Teile der Eliten im Zuge der Debatten weit aus dem Fenster gelehnt hätten, was judenfeindlichen Einstellungen aktuell Vorschub leiste: „Wenn beispielsweise eine Politikerin der Grünen die rituelle Beschneidung mit der Witwenverbrennung in Indien vergleicht, dann kann das bei vielen Zuhörern eine Menge auslösen.“ Dass „Du Jude“ nicht nur auf Berliner Schulhöfen mittlerweile eine gängige Beschimpfung ist, zeigt in Ansätzen, wie Antisemitismus sich die jüngsten Generationen erobert. „Wir müssen versuchen, Prävention zu schaffen“, sagt Alter. Als Beauftragter der Jüdischen Gemeinde Berlin gegen Antisemitismus und für interreligiösen Dialog sieht er einen ganz wichtigen Schwerpunkt darauf, sich auf Schüler zu konzentrieren. „Ein Ziel muss sein, Schulen und die Anbieter von Informationsprogrammen zusammenzubringen und zu vernetzen.“ Ebenso wichtig seien Lehrerfortbildungen: „Lehrer wissen oft nicht, wie sie mit Judenfeindlichkeit umgehen sollen und marginalisieren deshalb das Thema.“

 

 

Elementare Interessen der Gesellschaft

 

Wie Jugendliche untereinander in Sachen Antisemitismus agieren können, zeigt das Projekt HEROES: „Palästinenser, Araber, Türken gehen in ihre eigenen Communities und setzen sich mit deren alltäglichem Antisemitismus auseinander. Das hat natürlich eine viel höhere Glaubwürdigkeit, als wenn wir oder andere dahin gehen würden – und das finde ich unterstützenswert“, sagt Alter. Aus diesem Grund widmete er den „Bambi“ für Integration, den er im November bekommen hat, auch diesem Jugendprojekt. Aber nicht nur in der Jugendszene sei Aufklärungsarbeit wichtig. „In der gesamten Gesellschaft müssen wir das Bewusstsein verankern, dass wir es beim Kampf gegen Antisemitismus nicht ausschließlich mit einem Kampf für die jüdische Gemeinschaft zu tun haben. Es geht um elementare Interessen einer demokratischen Zivilgesellschaft“, so Daniel Alter. „Wenn uns das gelingt, haben wir wahrscheinlich einen richtigen Schritt in die richtige Richtung getan.“ Noch trägt der Berliner Rabbiner zwei Mützen zum Schutz vor dummen Sprüchen, Pöbeleien und körperlicher Gewalt. {Quelle: www.heute.de – von Christian Bus

 

One Response to “Warum Juden in Deutschland oft zwei Mützen tragen”

  1. Bernhardine Says:

    OT

    „“27. Januar 2013 13:35 Iran Spekulationen über Explosion in Atomanlage

    Schon vor Tagen soll sich in der iranischen Nuklearanlage von Fordo eine schwere Explosion ereignet haben. Angeblich sind 190 Menschen seither von der Umwelt abgeschlossen. Bislang gibt es keine offizielle Bestätigung dafür, allerdings verdichten sich die Hinweise, dass sich die Explosion tatsächlich ereignet haben könnte…““
    http://www.sueddeutsche.de/politik/iran-spekulationen-ueber-explosion-in-atomanlage-1.1584133?icid=maing-grid7


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