kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Märchenstunde über Salafisten in Ägypten und Mali 21. Januar 2013

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 16:36

Egyptian blogger Maikel Nabil travels to Israel for peace

 

 

Der gute Salafist Ägyptens

 

Warum ein fundamentalistischer Muslim einen Christen rettete.

 

Auch im postrevolutionären Ägypten geschehen noch Zeichen und Wunder. Wer hätte gedacht, dass ein Salafist seine schützende Hand über einen islamkritischen Christen halten würde? Das kam so: Der Blogger Maikel Nabil Sanad, 28, hatte es nach der Revolution gewagt, den ägyptischen Militärrat offen zu kritisieren. Er berichtete detailliert, wie Protestierende verhaftet und gefoltert wurden. Das hatte noch keiner gewagt. Ein Präzedenzfall. Entsprechender Druck lag auf dem Prozess, der vor einem Militärgericht abgehalten wurde. Der Blogger wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Nachdem Nabil Berufung eingelegt hatte, wurde er in die Kairoer Abbasseya-Psychiatrie eingewiesen – zur »Überprüfung seiner geistigen Gesundheit«. Die Methode, kritische Geister für verrückt zu erklären, ist aus anderen Regimen wohlbekannt. Doch hier lief es nicht nach Plan. Die Psychiaterin und Menschenrechtsaktivistin Basma Abdel Aziz bescheinigte Nabil »intakte geistige Gesundheit« und brachte eine internationale Medienkampagne ins Rollen. Und dann stieß zu der Gruppe von Ärzten, die sich für Nabil einsetzten, auch der angesehene Psychiater Ahmed El-Aghoury. El-Aghoury, 33, ist bekennender Salafist, mit langem gekräuseltem Bart – Nabil ist Christ, der in Ägypten provokativ fordert, die israelische Position solle gehört werden. Trotzdem wollte der strenggläubige Muslim den Christen retten.

 

 

Egyptian blogger Maikel Nabil travels to Israel for peace

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»Man muss seine Meinung frei äußern dürfen«, sagte El-Aghoury. Wie sich Unfreiheit anfühlt, hatte er am eigenen Leib erfahren. Unter Mubarak wurde El-Aghoury wegen seines Glaubens ins Gefängnis geworfen. »Ich teile Maikels exzentrische Positionen nicht«, sagte er über den Blogger. »Aber darum geht es nicht«. Sondern? »Um den Rechtsstaat«! Der »Rechtsstaat« der Salafisten ist die Theokratie. Im Allahstaat aber soll die Scharia über den bloß »menschengemachten« Gesetzen stehen. Homosexualität gilt als schwere Sünde. Strenge Salafisten verlangen konsequente Geschlechtertrennung, verurteilen die westliche Lebensweise, propagieren drakonische Strafen. Ein Salafist, der sich mutig für die Rechte von Andersdenkenden einsetzt, ist ein Abweichler. Doch El-Aghoury versucht, das Unvereinbare zu vereinen. Demokratie sei gut – wenn sie zum Friedensschluss führe. Aufruhr, Protest, Straßenschlachten lehnt er aber als »unislamisch« ab. Die Kämpfe lähmten Ägypten und seien ein Nährboden für den Bürgerkrieg. Der Prophet Mohammed sei stets für Frieden im Volk eingetreten. Tatsächlich hat die salafistische »Licht«-Partei, die bei den Wahlen etwa ein Viertel der Stimmen bekam, zur Verfolgung Protestierender aufgerufen. – Reden erlaubt, Proteste verboten?

 

 

Maikel Nabil Egyptian dissident on peacebuilding mission in Israel

Maikel Nabil Sanad explains his motives for visiting Israel; making the public aware of the existence of pro-peace activists in Arab speaking countries.

 

Theokratie und Schizophrenie liegen im neuen Ägypten nah beieinander. Schon zu Anfang der Revolution kursierte unter jungen Salafisten die Idee der »freiwilligen Zensur«: Kussszenen in Filmen würde man nicht gleich verbieten, sondern erst, nachdem man die Mehrheit der Bürger überzeugt habe. Gibt es das: liberalen Fundamentalismus? Harte Salafisten mit weichem Herz? El-Aghoury ist nicht untypisch für den gegenwärtigen Salafismus in Ägypten, der in allen Varianten von pazifistisch bis gewaltbereit schillert. Manche Salafisten rufen zum Züchtigen von Frauen auf oder verlangen, die Sphinx von Giza müsse verhüllt und Bikinis am Strand müssten verboten werden. Doch davon ist die Licht-Partei wieder abgerückt, um keine Touristen zu verprellen. Und soeben hat sich von der salafistischen Licht-Partei die salafistische »Heimat«-Partei abgespalten, die in behutsamem Maße »säkular« sein will. Doch das Grundproblem des religiösen Fundamentalismus bleibt unüberwindlich. Der Staat soll dem Koran und den Prophetenüberlieferungen folgen. Liberale Neudeutungen wie etwa das internationale Netzwerk Musawah, das die islamischen Quellen feministisch auslegt, gelten als unzulässig. Maßgeblich sei allein die Ära des Propheten Mohammed, basta. Die Salafisten werden sich dafür noch viel Kritik gefallen lassen müssen. Maikel Nabil, der aus der Psychiatrie und aus dem Militärgefängnis entlassen wurde, studiert nun in Deutschland. Dort bloggt und twittert er weiter. Er hat das Thema »politischer Islam« für sich entdeckt. Strenge Salafisten wollen, dass Deutschland Nabil an Ägypten ausliefert. Dort soll ihm wegen Gotteslästerung der Prozess gemacht werden. {Quelle: www.zeit.de}

 

 

 

 

Der Bekehrte in der Zwickmühle

 

In seiner Heimatregion im Norden Malis hat der Tuareg lange als Respektsperson gegolten, als Rebell, der zum Kompromiss mit der Regierung in Bamako bereit war. 1990 hatte er einen Friedensvertrag mit der Regierung abgeschlossen, weil er deren Zusagen glaubte, sie werde die vernachlässigte Tuareg-Region Azawad entwickeln. Iyad ag Ghali wurde enttäuscht und stand plötzlich in der Kritik anderer Tuareg-Führer. Es wurde still um ihn.

 

 

Iyad Ag Ghali (rechts), mit dem Außenminister von Burkina Faso: "Unser Mann"

 

Iyad Ag Ghali (rechts), mit dem Außenminister von Burkina Faso: „Unser Mann“!

 

Terrorgruppe Ansar al-Din: Islamistenführer in Mali war Helfer der Bundesregierung

Iyad Ag Ghali befehligt 1500 islamistische Kämpfer in Mali – dabei galt er lange als verlässlicher Partner der Bundesregierung. 2003 verhandelte er auf deren Bitte mit algerischen Geiselnehmern. Ein ehemaliger deutscher Spitzenbeamter sagte dem SPIEGEL, Ag Ghali sei „unser Mann“ gewesen.

www.spiegel.de 

 

 

 

Mali Islamist leader helped Berlin in 2003 – magazine

Iyad Ag Ghali (R), the leader of Ansar Dine, an al Qaeda-linked Islamist group in northern Mali, meets with Burkina Faso foreign minister Djibril Bassole in Kidal, northern Mali, August 7, 2012. REUTERS/Stringer
 
The Star Online
 
 

 

 

Vom Nationalisten zum Jihadisten

 

Im Jahr 2000 tauchte Ghali wieder auf und bot sich als Vermittler an, nachdem algerische Islamisten im Grenzgebiet zu Mali ausländische Touristen entführt hatten. Diese Rolle spielte er bis 2007 mehrmals. Der Regierung in Bamako wurde ihr Vorzeige-Tuareg mit den guten Kontakten zur Al-Kaida im islamischen Maghreb (Aqim) zunehmend unheimlich. Sie lobte ihn aus dem Weg ins malische Konsulat in der saudi-arabischen Stadt Jidda. Die diplomatische Karriere dauerte jedoch nicht lange. 2010 war Iyad ag Ghali wieder zurück. Offiziell hieß es damals, der Tuareg sei auf Wunsch des Außenministeriums in Bamako zurückgekehrt. Tatsächlich aber hatten ihn die saudischen Behörden des Landes verwiesen. Selbst den fundamentalistischen Wahhabiten waren Ghalis auffällig gute Kontakte mit bekannten Jihadisten aus Pakistan zu gefährlich geworden. Der Tuareg-Nationalist hatte sich endgültig zum radikalen Islamismus bekehren lassen.

 

Heute gilt Iyad ag Ghali als Kopf der islamistischen Tuareg-Organisation Ansar al-Dine, die zusammen mit der Aqim und der Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika (Mujao) gegen die malische Regierung kämpft. Als Jihadist hat sich Iyad ag Ghali zuvor die angeblich im Koran festgeschriebene Erlaubnis nutzbar gemacht, dass Ungläubige belogen werden dürfen. Anfang 2012 hatte er sich mit Kämpfern der Ansar al-Dine dem Aufstand der nationalistischen Tuareg-Rebellen der Nationalen Befreiungsbewegung für Anzawad (MNLA) angeschlossen. Erst als die MNLA fast den ganzen Norden Malis erobert hatte, ließ Ghali seine Islamisten von der Leine und führte den Nationalisten mit brutaler Gewalt vor, dass sie nur seine Steigbügelhalter für den Jihad um ganz Mali gewesen waren.

 

 

 

Die Jihad-Kumpanen wollen mehr

 

Das Ränkespiel aber setzte der Islamist fort. Blaise Compaoré, dem Präsidenten Burkina Fasos, der inzwischen als Vermittler in der Mali-Krise eingesetzt worden war, machte Ghali vor, er habe jeder Form des Terrorismus abgeschworen und sei erneut ernsthaft an Verhandlungen mit der Regierung in Bamako interessiert. Doch die angebliche Mäßigung hatte einen anderen Zweck. Die Zeit der Verhandlungen nutzte Ghali mit seinen Verbündeten der Aqim und der Mujao, um die Offensive auf die Stadt Konna und damit auf den Süden Malis zu planen. Nun aber steht der Ansar-al-Dine-Chef plötzlich wieder in der Kritik. Seine Jihad-Kumpanen werfen ihm vor, er habe sich verspekuliert, habe die Gefahr einer französischen Militärintervention nicht ernst genommen. Den Jihadisten geht es dabei weniger um die gefallenen Kämpfer, die schon zu Dutzenden von den Franzosen getötet wurden. Aqim und Mujao haben jedoch im Gegensatz zu Ghali strategische Pläne, die über Mali hinaus auf ganz Westafrika zielen. Das Eingreifen der Franzosen gefährdet diese und vor allem deren Finanzierung über den Drogenschmuggel. Iyad ag Ghali hat anscheinend erneut auf die falschen Freunde gesetzt, zu seinem und vor allem zum Nachteil der Tuareg, deren Traum vom eigenen Land nun dem Krieg gegen den Terrorismus zum Opfer fällt. {Quelle: www.tagblatt.ch – Walter Brehm}

 

 

 

Burkinabe Foreign Minister Djibrille Bassole (R), who is leading the search for a way out of the 20-week-old emergency that has seen Islamists seize Mali’s north, gestures on August 7, 2012 as meets with the Ansar Dine Islamist group leader Iyad Ag Ghaly (L), next to Al Ghabass Ag Intalla (C), prince of Kidal and member of Ansar Dine in Kidal, at the Kidal airport in northern Mali. Ghaly, who wants to see Mali adopt sharia law, vowed on August 7 to support regional mediation efforts to resolve the political crisis in the ruptured west African nation. AFP PHOTO / ROMARIC OLLO HIEN (Bild: ROMARIC OLLO HIEN (AFP))

 

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