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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Tunesien ist bankrott: Wo die Revolution im Staub liegt 7. Januar 2013

Filed under: Moslembrüder — Knecht Christi @ 17:42

Tunesien ist offiziel bankrott: In der tunesischen Staatskasse gibt es nur 126 Mil. Dinar und die Gehälter btragen über 600 Mil. Das heißt, dass wahrscheinlich keine Gehälter bezahlt werden!

 

 

Die Kleinstadt Redeyef, tief in der tunesischen Provinz, kennt vor allem Staub, Hitze, Phosphat: Lange bevor die Welt die Jasmin-Revolution verfolgte, begannen hier vor zwei Jahren die Aufstände gegen das Ben-Ali-Regime. Was hat die Bewegung bewirkt?

 

Ein beißender Geruch nach Schwefel liegt in der Luft, Straßen und Häuser versinken unter dem Schleier einer gelb-grauen Staubschicht. Nur wenige Menschen sind vor ärmlichen Häusern zu sehen, einige Kinder spielen vor der trostlosen Kulisse mit einer leeren Cola-Dose Fußball. Die Straße bietet dafür ausreichend Platz, es herrscht nur wenig Verkehr. In Redeyef, einer Kleinstadt im tunesischen Binnenland, etwa 330 Kilometer von Tunis entfernt, scheinen die Zeit und das Leben still zu stehen. Kein Vogelgezwitscher, kein Verkehrsrauschen: Die Rufe der spielenden Kinder sind die einzigen Anzeichen dafür, dass hier tatsächlich gelebt wird. Nur wenige Kilometer von der algerischen Grenze entfernt, liegt Redeyef mitten in einem Phosphatbecken, dessen Fläche rund 6000 Quadratkilometer misst. Die Spuren, die der Abbau des einzigen Bodenschatzes Tunesiens hinterlässt, sind unübersehbar und prägen die Landschaft, die in ein mattes Gelb-Grau getaucht ist. Krater zeugen von Sprengungen, die für den Phosphatabbau durchgeführt werden, wie Narben ziehen sich die Risse durch den trockenen Boden. Man mag kaum glauben, dass ausgerechnet diese Gegend vielen Tunesiern als die „Wiege der Revolution“ gilt: Von revolutionärem Kampfesgeist ist auf den menschenleeren Straßen nur wenig zu spüren. Dabei war die 30.000-Einwohner-Stadt Redeyef bereits mehrfach Schauplatz heftiger Unruhen und Proteste – lange bevor die Jasmin-Revolution vor zwei Jahren den Startschuss für den so genannten Arabischen Frühling geben sollte.

 

Die Spurensuche führt zu Adnan Hajji, einem der berühmtesten Söhne der Stadt. Aktivist, Gewerkschafter, Zeitzeuge, Streikführer: Mehr als einmal hat Hajji in den vergangenen zwei Jahrzehnten als Gegner des tunesischen Regimes weit über die Region hinaus von sich Reden gemacht. In einer verlassenen Seitenstraße liegt das Gewerkschaftshaus von Redeyef: Lediglich eine kleine, unauffällige Beschriftung lässt erkennen, dass sich hier die Büros des lokalen Ablegers der Union Générale Tunisiennes de Travail (UGTT) befinden. Hier empfängt Hajji, der seine Telefonnummer wöchentlich wechselt und seinen Wohnsitz geheim hält, Besucher. Der Putz an den Außenwänden bröckelt, Risse durchziehen das Mauerwerk, auch hier sind die gelben Verfärbungen aus Phosphat zu sehen. Ein kleines Graffito an der Hauswand zeigt eine emporgereckte Hand, die mit den Fingern das Victory-Zeichen formt. „Revolution“ steht darüber geschrieben, das V für Victory bildet in dem Graffito gleichzeitig das V im Wort Revolution.

 

 

Wer sind die Sieger der Jasmin-Revolution,

wer die Verlierer?

 

„Es gibt in der tunesischen Geschichte nicht nur diese eine Revolution. Jeder Aufstand, jede Demonstration, jeder Streik in den vergangenen 20 Jahren hat dazu beigetragen, dass das tunesische Volk noch zum Sieger der Jasmin-Revolution werden kann“, lautet die Antwort von Adnan Hajji. In den kleinen, engen Räumen des Gewerkschaftshauses wirkt die Gestalt des großgewachsenen, korpulenten Adnan Hajji, der mit tiefer und durchdringender Stimme spricht, noch einnehmender. Er wurde in Redeyef geboren, ist 54 Jahre alt, doch er wirkt älter: Der Kampf um Würde, Freiheit und soziale Gerechtigkeit hat Spuren im Gesicht des Mannes hinterlassen, der 1979 zum ersten Mal in einem tunesischen Gefängnis saß.

 

 

 

Das Geld wandert in die Küstenregionen

 

Damals noch Student, hatte sich Adnan Hajji an einem Protest gegen die Bildungs- und Arbeitspolitik des Regimes unter Habib Bourguiba beteiligt. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis beendete Hajji sein Lehramtsstudium und unterrichtete Arabisch und Französisch an mehreren tunesischen Schulen – doch seinem Kampf gegen das Regime stellte er trotz der bürgerlichen Fassade nicht ein. Auf die Teilnahme an einem Streik zu Beginn der achtziger Jahre folgte eine einjährige Suspendierung vom Lehrdienst. Ein Warnschuss, der verpuffte: Zurück in seiner Heimatstadt Redeyef organisierte Hajji Demonstrationen, beteiligte sich an Streiks und Protesten. „Die Bereitschaft, sich gegen die politische Obrigkeit aufzulehnen, war in dieser Region schon immer sehr groß“, sagt Hajji, der in Tunesien als eine der Schlüsselfiguren der Revolution bezeichnet wird. Zwei Gründe nennt er für den immer wieder aufkeimenden Volkszorn in den Phosphatstädten im tunesischen Binnenland: „Die Menschen, die hier leben, spüren die Konsequenzen der Korruption und des Nepotismus seit Jahrzehnten am eigenen Leib. Anstatt die Gewinne aus dem Phosphatabbau auch vor Ort zu investieren, gingen diese grundsätzlich in die repräsentativen Küstenregionen – dorthin, wo sich auch die Touristen gerne aufhielten. Städte wie Redeyef wurden bewusst vernachlässigt.“ Der zweite Grund für die Bereitschaft, immer wieder gegen das Regime aufzubegehren, resultiere aus dem ersten: „Wer nichts zu verlieren hat, der ist bereit dazu, das Wenige, was er hat, zu riskieren“, sagt Adnan Hajji.

 

Bereits im November 1987, nur eine Woche nachdem sich Zine el-Abidine Ben Ali ins Amt des Präsidenten geputscht hatte, riskierten die Bewohner von Redeyef und den umliegenden Städten viel: Mit einem Marsch machten sie ihrem Unmut über den neuen Präsidenten Tunesiens Luft. Adnan Hajji war einer der Organisatoren dieser ersten öffentlichen Demonstration gegen Ben Ali – und stand fortan unter stetiger Beobachtung des Regimes. Dennoch gelang es ihm, seinen Beruf als Lehrer weiter auszuüben und innerhalb der Lehrergewerkschaft zum Generalsekretär aufzusteigen. 2001 wurde er Mitglied des regionalen Büros der UGTT. Zu dem Gewerkschaftsverband, der in der politischen Landschaft des postrevolutionären Tunesien zunehmend die Position einer Oppositionspartei einnimmt, hat Hajji trotz seines persönlichen Engagements ein distanziertes Verhältnis: „Nach der Jasmin-Revolution begann die UGTT, sich als eine Art Oppositionspartei zu inszenieren, die maßgeblich an dem Sturz des Regimes mitgewirkt habe. Doch das trifft nicht zu“, so Hajji. Der sonst so ruhige Mann hebt seine Stimme: „Die Ereignisse von 2010 stellten die vorerst letzte Episode aller Proteste dar, die es zuvor gegen Ben Ali gab. Vor allem der Aufstand, der 2008 hier in Redeyef ausbrach, gab der Jasmin-Revolution Nährboden. Und die UGTT hat sich an diesem Aufstand nicht beteiligt“.

 

 

16 Monate saß der Wortführer in Haft

 

Adnan Hajji atmet tief durch. Der Aufstand von 2008 ist so etwas wie sein wunder Punkt: Hajji führte den Streik gegen die Korruption in der Phosphatindustrie an, der sich in eine Revolte wandelte und die Region um Redeyef für sechs Monate in einen Ausnahmezustand versetzte. 34 Demonstranten kamen während Zusammenstößen mit der Polizei ums Leben, über 2000 Aufständige wurden inhaftiert – es war die größte Protestbewegung, die es bis dato in der tunesischen Geschichte gegeben hatte. Auch Adnan Hajji wurde aufgrund seiner Rolle als Wortführer des Streiks festgenommen und verbüßte eine Gefängnisstrafe von 16 Monaten. Hajji zeigt auf die Fotos, die an den Wänden seines Büros hängen. Sie zeigen junge Männer, die während der Unruhen 2008 starben, aber auch die demonstrierenden Massen sind auf den Aufnahmen zu sehen. „Auch diesen Menschen haben wir den Sturz Ben Alis zu verdanken“, sagt Adnan Hajji, „ohne sie hätten die Menschen weder in Sidi Bouzid noch in Tunis den Mut gehabt, Ben Ali zu stürzen. Es war das Volk, das sich gegen die Diktatur gewehrt hat. Weder die UGTT noch eine andere Institution oder Partei hat das Recht, diesen wichtigen Erfolg für sich zu beanspruchen“, erklärt Hajji.

 

 

Menschen sorgen sich um Einkommen, Gesundheit, Bildung

 

Es ist nicht etwa Eitelkeit, die aus Hajji spricht, wenn er immer wieder betont, dass es nicht allein die Selbstverbrennung des Tunesiers Mohamed Bouaziz im Dezember 2010 war, die den so genannten Arabischen Frühling ausgelöst hat. „Diese vereinfachte Darstellung führt dazu, dass die Menschen in Tunesien nun auch zu einfache Lösungen für die anstehenden Aufgaben und Probleme des Landes erwarten“, so Hajji. Die Korruption in der Phosphatindustrie, die ungerechte Verteilung der Erträge innerhalb des Landes und die unzureichende Gesundheitsversorgung der Bewohner von Redeyef und anderen Phosphatstädten im Binnenland gehören laut Hajji zu diesen Problemen, an deren Lösung er sich auch weiterhin beteiligen will. „Die zukünftige Verfassung des Landes, Frauenrechte und die Rolle der Religion in unserer Gesellschaft sind natürlich medienwirksamer – gerade für ausländische Medien“, fügt Adnan Hajji hinzu. „Doch im Alltag sorgen sich die Menschen vor allem um die naheliegenden Dinge: ihr Einkommen, ihre Gesundheit, die Bildung ihrer Kinder. Auch hier, in Redeyef, der Wiege der Revolution“. {Quelle: www.spiegel.de – Aus Redeyef, Tunesien, berichtet Katharina Pfannkuch}

 

4 Responses to “Tunesien ist bankrott: Wo die Revolution im Staub liegt”

  1. soviel zu den folgen von relvolutionen…

  2. Johannes Says:

    Überall, wo die islamische Ideologie herrscht, geht es bergab – und zwar auf allen Gebieten!

    Unsere Politiker und Kirchenleute haben es aber nicht begriffen und huldigen dem islamischen Götzen Allah. Aber der HERR ist auch mit ihnen geduldig und wartet auf ihre Umkehr, bis zu dem Tag, an dem sie fallen. Der Fall der „Bischöfin“ Jepsen (HH) und der tiefe Fall des Herrn Wulff („Der Islam gehört zu Deutschland!“) sollten uns nachdenklich machen! Auch Frau Schavan (fördert die Imamausbildung an deutschen Hochschulen und den Islam-Unterricht an öffentlichen Schulen) wird über ihre „Dissertation“ stolpern. Aber es dauert eben noch ein bisschen…

    Oder gibt es irgendwo ein islamisches Land oder auch nur den kleinsten islamischen Zipfel, auf den der Niedergang nicht zutrifft?

    • Emanuel Says:

      Was halten Sie von den Ländern, mit denen die „Scheinheiligen“ aus den westlichen Ländern – ihre besten Geschäfte machen ? Saudi Arabien, Katar, VAE,
      Kuwait ….. ?????


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