kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

„U-Boot-Christen“ sind auch Kirche 25. Dezember 2012

Filed under: Werte für Jugend — Knecht Christi @ 16:33

Gottesdenst Foto: ddp

 

An Festtagen ist manches ein wenig anders: Die Kirchen zum Beispiel, in denen sich an normalen Sonntagen zwei, drei Dutzend Besucher einfinden, sind für einmal randvoll. Auch dieses Jahr werden sich über die Weihnachtstage vielerorts kaum freie Plätze in den Reihen finden. Hochsaison also. Doch die meisten Pfarrer freuen sich über die termingenau explodierenden Besucherzahlen nur halb. Nicht dass sie lieber vor halbleeren Bänken predigen, aber der Zustrom der «U-Boot-Christen» lässt bei ihnen Fragen aufkommen: Wo sind sie das ganze Jahr über, die Menschen, die nie eine Kirche besuchen, aber an Weihnachten plötzlich im Gottesdienst auftauchen? Ist es nur das Bedürfnis nach festlicher Stimmung und religiöser Folklore, das sie in die Kirche führt? Erwarten sie etwas von der Kirche? Oder buchen sie den Besuch unter dem Stichwort «Brauchtum» ab, genauso wie das Eiersuchen an Ostern oder das Bleigießen an Silvester?

 

 

Jahr für Jahr wenden sich Mitglieder ab

 

Die Fragen sind verständlich angesichts der Situation der Schweizer Kirchen. Die reformierte Kirche schrumpft seit langem: Allein im Kanton Zürich hat sie seit den neunziger Jahren 60 000 Mitglieder verloren. Jahr für Jahr treten rund 3000 Personen aus, der Anteil der Reformierten an der Bevölkerung ist von fast drei Vierteln in den siebziger Jahren auf ein Drittel gesunken. Bei der katholischen Kirche sieht es nicht viel besser aus. Die Zürcher Katholiken haben ihren Mitgliederbestand leicht ausgebaut – aber nur, weil sie von der Zuwanderung profitieren. Jedes Jahr kehren etwa gleich viele Katholiken wie Protestanten ihrer Kirche den Rücken. Trotz vollen Kirchen an Weihnachten herrscht also Verunsicherung, zumindest bei der reformierten Kirchenführung, die sich nicht wie die katholische darauf beschränkt, Anstöße von der Basis zu unterdrücken, mechanisch die altbekannten dogmatischen Positionen zu wiederholen und die Augen davor zu verschließen, dass sich immer mehr Gläubige innerlich von der Kirche verabschiedet haben. Die Zürcher Reformierten reagieren auf den Mitgliederschwund und geben sich schlankere Strukturen. Mit einer Milieustudie haben sie zudem die Grundlage geschaffen, um die Bedeutung von Religion und Kirche in heutigen Lebenswelten besser zu verstehen. Sie müssen sich dabei auch mit den sogenannt kirchenfernen Kreisen auseinandersetzen: den Menschen, die nicht am kirchlichen Leben teilnehmen, sich aber mit der Kirche verbunden fühlen und ihre Angebote zumindest punktuell nutzen.

 

 

Kirchen brauchen Sympathisanten

 

Die «U-Boot-Christen» stehen bei den Kirchen in schlechtem Ruf. Zu Unrecht, denn sie sind ihr wichtigstes Kapital. Bei Katholiken wie Protestanten machen regelmäßige Gottesdienstbesucher nur einen Bruchteil der Gemeindemitglieder aus. Auch wenn diese den kirchlichen Alltag am Leben halten – Kirche als Ganzes, das sind die «Anderen». Als Volkskirchen haben die Landeskirchen ihre gesellschaftliche Kraft, weil sie über einen großen Kreis von Mitgliedern verfügen, die sich zwar nicht direkt engagieren, sich aber zugehörig fühlen und sich mit der Kirche identifizieren. Die Kirche muss lernen, dass sie wohl vom Kern der Aktiven lebt, dass sie aber genauso auf «Passivmitglieder» angewiesen ist, die sich kaum einbinden lassen. Sie muss lernen, dass auch diese die Kirche mittragen. Auch wer nur an Weihnachten, zu Taufen, Erstkommunion, Konfirmation, Hochzeiten oder Abdankungen nach der Kirche fragt, ist Teil von ihr. Kirchen brauchen Sympathisanten. Was immer diese suchen, ob feierlichen Kontrast zum Alltag, das Gefühl, in einer überzeitlichen Tradition aufgehoben zu sein, oder den Genuss eines Kantatengottesdienstes: Sie sind auf ihre Weise in der Kirche verwurzelt. Der Weihnachtsgottesdienst ist für sie mehr als ein Höflichkeitsbesuch. {Quelle: www.nzz.ch – Kommentar von Thomas Ribi}

 

 

Berliner Kirchen wegen Überfüllung geschlossen

 

Am Heiligen Abend stürmen die Berliner die Gotteshäuser – gute Plätze sind da knapp. Für den Berliner Dom werden deshalb Eintrittskarten an Gemeindemitglieder ausgegeben, die ihnen einen Sitzplatz garantieren. Was halten Sie von dieser Lösung? Ist es gerecht, Kirchensteuerzahler bevorzugt zu behandeln? Diskutieren Sie mit.

 

Obiges Bild: Bis auf den letzten Platz. Im Berliner Dom brachte der Besucherandrang Heiligabend oft Ärger mit sich

www.tagesspiegel.de – Von Claudia Keller

 

 

10 Responses to “„U-Boot-Christen“ sind auch Kirche”

  1. Wolf Says:

    Na sagen wir mal, daß am höchsten christlichen Fest, nämlich Weihnachten, die Christen eine „themenbezogene“ Predigt erwarten können, die noch ein wenig traditionelle Züge aufweist, die man sonst, insesondere in der EKD in zunehmendem Maß vermisst.

    Ja, es ist das altbekannte „Ritual“ das den Gläubigen wichtig ist, nicht die Anpassung der gottesdienste an die Destruktivität der Zeit. Die Kirche lebt für den Gläubigen von ihrer überlieferten Tradition, die eine beständigkeit gerade in unserer unbeständigen Zeit darstellt. Die Gläubigen mit „modernen Formen“ in die Kirchen zu locken ist der eindeutig falsche Weg. Wir haben hier bei uns eine 1000 jährige kirchliche Tradition, die keinerlei Modernismus bedarf. Sie muß einfach nur bewußt praktiziert werden und man wird auch wieder vollere Kirchen vorfinden.
    Was wir hier auf keinen fall brauchen, sind, wenn auch christlich aber unserer kultur fremde Gebräuche und fremdsprachiges Liedgut, zu dem die meisten Gläubigen keinen Bezug haben können und auch nicht haben müssen.

    Gesegnete Weihnachtszeit

    Wolf

  2. Trine Says:

    Warum darf während eines Gottesdienstes der Chor kein fremdsprachiges Liedgut vortragen? Unsere Glaubensgeschwister sind auf dem ganzen Erdball verbreitet. Außerdem klingt z.B. Silent Night, holy Night auf Englisch gar nicht so schlecht. Leute, Ihr müsst ein wenig moderner werden, sonst werden unsere Kirchen immer noch leerer.

    • Wolf Says:

      vorsicht mit der „Moderne“, was wir brauchen ist kein „Soft-Christentum“, sondern eines welches die tradition bewahrt und lebt. Und mal ganz ehrlich „Trine“, wer kann sich denn mit einem wenn auch christlichen Liedgut in einer fremden Sprache identifizieren, der der- oder diejenige nicht mächtig ist? I)ch behaupte mal, daß die wenigsten Menschen hierzulande so gute Englischkenntnisse besitzen, daß ihnen ein z.B. englisch gesungenes Kirchenlied etwas sagt. Hören die menschen das nicht nur, oder tolerieren es, um nicht etwa „unmodern“, oder gar als „weltfremd“ angesehen zu werden? Eine Kirche muß in ihrer Form stabil sein wie ein Hochgebirge, sie muß ein Garant für Tradition und somit ein beständiger Halt für die Gläubigen sein und darf der „Moderne“, die oftmals nur allzuvergänglichen Strömungen unterworfen ist, nicht nachgeben. Nur ein Christentum das stabil steht, kann den Bedrohungen religiöser, sowie Gesellschaftlicher Erscheinungen sicher widerstehen. Das allein füllt dioe Kirchen.

    • carma Says:

      find ich auch – es gibt doch für jeden geschmack die passenden „angebote“. alles andere sind nur faule ausreden, warum man angeblich mit kirche nichts anfangen könne. mal ist es zu konservativ, dann zu modern, ein andermal liegts angeblich am mangelnden charisma der pfarrer oder an den zu wenigen und noch dazu „alten“ gemeindemitgliedern?! wenn sich eben nur noch drei prozent zum gelegentlichen Gottesdienst aufraffen können (außer an weihnachten), ist sicher nicht die jeweilige liturgieform daran schuld!!
      wenn ich in meinem bekanntenkreis den vorschlag mache, doch neben theater, konzerten und anderen events auch mal eine kirche zu besuchen, werde ich wie ein halbverrückter belächelt und riskiere die völlige ausgrenzung. davon sind ca. die hälfte getaufte evangelische und die anderen katholiken, dennoch zahlen fast alle kirchenteuer (wegen der carritas, den hospizen etc.) – und wählt geschlossen links-grün. ansonsten können sie die liebenswertesten, kultivierten menschen sein, nur man komme ihnen nicht mit glauben – der islam bestätigt ihnen nur alle vorurteile gegenüber den religiösen, denn selbstverständlich ist ihnen GOTT, JHWH, „Allah“, mohamed und JESUS das gleiche!! wer das verneint, begeht in ihren augen die allerschlimmste sünde – er ist dann selektierender und bonierter christenfaschist, rassist und antihumanistischer kultur-atheist?!!
      die bekehrung (und aufklärung) der wilden „babaren“ vor 2000 jahren dürfte einfacher gewesen sein…

      • Trine Says:

        Jaja, für Theater, Konzerte und Events hat man sehr viel Zeit, aber in die Kirche kann man noch als alter Mensch gehen. Wohl denen, wenn sie mal das zeitliche segnet.
        Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern, und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?

  3. Trine Says:

    Wir haben in unserer Kirchengemeinde schon eine europäische Weihnachtsfeier gemacht mit französichen, englischen, italienischen usw. Texten mit Kindern und älteren Geschwistern im Chor, die sonst kein englisches Wort beherrschen, Texte einstudiert und selbst die älteren Geschwistern hatten ihren größten Spaß beim Singen fremdländischer Texte.

    • Wolf Says:

      Ja Trine, aber es spricht nicht die Seele und das Bewußtsein an, daman nur in seiner Sprache denkt und fühlt. Dieses gefühl ist besonders im religiösen bereich von immenser Bedeutung.

      • Trine Says:

        Ich bin der Meinung, dass die Seele auf jeden Fall angesprochen wird, ob ich nun „Silent Night, Holy Night“ oder „Stille Nacht, Heilige Nacht“ singe. Für mich ist beides gleich. Aber vielleicht bin ich auch ein Alien und lebe demnächst in einem Raumschiff.

  4. Trine Says:

    Ein Glaubensbruder ist mal einem Mann im Wald begegnet und lud ihm zum Gottesdienst ein, der aber meinte, er suche und findet seinen Gott in der Natur, in der Kirche würde es nur so stinken, weil so viele Menschen beieinander sitzen. Dabei ist Gott in diesem Fall nur im Gotteshaus zu finden.

    • Wolf Says:

      Trine ich glaube Dir, daß Du von der erneuerung oder der sprachlichen weltoffenheit der Kirche wirklich überzeugt bist. Aber meinst Du wirklich, daß man in Italien, frankreich, oder englang, bzw. Amerika Gottesdienste oder messen in fremder Sprache zelebriert, oder fremdsprachige Lieder singt??? Wol eher nicht! Ich frage im ernst, weshalb ist man hier so darum bemüht? Das lateinische ist vollkommen in ordnung, weil es unsere alte christliche Tradition ist, aber in anderen Sprachen? Eine Ausnahme von meinem grundsatzbezüglich der haltung gegen andersprachliche Texte, mache ich beim russisch-, griechisch-, koptisch- orthodoxen, weil darin das ritual, die angemessene Stimmung in Bezug zum Anlass gewahrt bleiben.

      Durchaus kann man anderssprachige sakrale Lieder schönfinden, aber muß man sie in seine eigene hohe, alte Kirchenkultur wirklich unbedingt einbauen. Das ist der eigenen kirchlichen Kultur und Ausdrucksform eher abträglich.

      Nichts für ungut, aber mich treibt der „zeitgeistnahe“ Reformwille eher zu der traditionellen Seite der christlichen Kirche.

      gesegneten 2. Weihnachtsfeiertag

      gelobt sei Jesus Christus und die Jungfrau Maria


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