kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Koptische Christen suchen in Gronau Asyl bzw. Leben in Frieden 25. Dezember 2012

Filed under: Koptische Asylanten — Knecht Christi @ 16:40

Wassem Krussa und seine Frau Salwa Gendy mit zwei koptischen Mönchen aus dem Kloster, in dem auch Krussas Bruder lebt.

 

Gronau: Luxuriös ist die Unterkunft von Wassem Krussa und seiner Frau Salwa Gendy in der städtischen Unterkunft am Eisenbahnweg wahrlich nicht zu nennen. Doch wer in seinem Heimatland mit dem Tod bedroht worden ist, lernt offenbar, seine Prioritäten neu zu setzen: „Ich bin froh, dass ich hier in Frieden leben kann“, sagt Salwa Gendy. „Das ist wichtig“. Die beiden haben bis vor einem guten halben Jahr noch in Ägypten gelebt. Warum nur sind sie aus der schönen Stadt Kairo weggezogen? „Kairo war einmal eine schöne Stadt“, sagt Wassem Krussa. „Aber es hat in letzter Zeit so viele Probleme für koptische Christen und politisch Andersdenkende gegeben, dass wir nicht mehr bleiben konnten“. Für den 38-jährigen Deutschlehrer wurde die Situation unhaltbar. Er geriet doppelt ins Fadenkreuz fanatischer Islamisten: erstens weil er und seine Frau koptische Christen sind, zweitens weil er der „Nationaldemokratischen Partei“ angehört, deren Vorsitzender Husni Mubarak war – der ehemalige Staatschef, der vor gut einem Jahr während der Revolution entmachtet wurde.

 

Die Übergriffe gegen koptische Christen nehmen schon seit Jahren an Heftigkeit zu. Am Neujahrstag 2011 wurden in Alexandria über 20 von ihnen ermordet. Nach der Revolution wurde die Lage auch in Kairo immer schlimmer: „Die Scheiben unseres Autos wurden eingeschlagen, weil es einen Kreuzaufkleber trug. Salafisten haben unsere Wohnung in Kairo in Brand gesetzt. Ich durfte nicht mehr als Lehrer an der benachbarten Schule arbeiten, wurde erst zu einer anderen versetzt und bekam dann Berufsverbot“. In der Schule wandten sich Schüler gegen ihn. Graffiti mit drohendem und beleidigendem Inhalt wurden auf Wände gemalt. Kopten gelten vielen fanatischen Muslimen als Sündenbock für alles, was im Land schiefläuft. Auch Wassems Frau, Geschichtslehrerin an einer staatlichen Mädchenschule in Kairo, wurde bedrängt: Sie solle gefälligst ein Kopftuch tragen. „Es gab Fälle, dass fanatische Musliminnen Frauen ohne Kopftuch die Haare abgeschnitten haben“, erzählt Wassem Krussa.

 

Im März dieses Jahres wurde die Lage unhaltbar: Salafisten drohten ihnen. „Wir fuhren daraufhin zuerst zu dem Kloster, wo einer meiner Brüder Mönch ist.“ Doch ihr Entschluss stand fest: Sie wollten weg aus Ägypten, wo sie ihres Lebens nicht mehr sicher sind. „Wir haben uns an der deutschen Botschaft Visa besorgt und sind nach Deutschland geflogen.“ Am 18. Juni kamen sie in Frankfurt an, verbrachten ein paar Tage in einer Jugendherberge in Bochum und beantragten schließlich in Dortmund Asyl. Zwei Wochen später kamen sie nach Schöppingen in die Unterkunft. Seit Mitte Juli wohnt das Paar in Gronau. Das Asylverfahren läuft – mit ungewissem Ausgang. „Ich würde so gerne wieder als Lehrer arbeiten“, sagt der 38-Jährige. Ohne Erlaubnis ist das aber für Asylbewerber nicht möglich – selbst wenn sie bis in die Haarspitzen motiviert sind. „Ich habe alle Dokumente mitgebracht“, sagt Krussa und zeigt die abgehefteten Unterlagen. Doch die Bezirksregierung erkennt die nicht ohne Weiteres an. Dabei spricht Krussa gut Deutsch, hat sogar ein eigenes Deutsch-Lehrbuch „Der Erfolg“ verfasst, mit dem er unterrichtete – doch, um hierzulande unterrichten zu dürften, bräuchte er weitere Qualifikationen.

 

Immerhin: Einen Ein-Euro-Job an der Martin-Luther-Schule hat er. Allerdings nicht in seinem geliebten Lehrer-Beruf, sondern als Raumpfleger. „Wenn er wenigstens den ausländischen Kindern dort ein wenig Deutsch beibringen dürfte anstatt Treppen zu putzen“, meint Marlies Imping von der Caritas-Flüchtlingsberatung. Hier in Gronau muss sich das Paar, das aus geordneten wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen stammt, mit deutlich weniger bescheiden. Doch darüber klagen sie nicht: „Wir rauchen nicht, wir trinken keinen Alkohol, da spart man“, lächelt Krussa. Gastfreundlichkeit wird trotz Sparsamkeit groß geschrieben: Salwa Gendy bietet in der kleinen Wohnung sogar Bonbons an. Viel Kontakt zu den anderen Asylbewerbern in den benachbarten Wohnungen haben die beiden nicht. Aber sie haben einige syrisch-orthodoxe Christen kennengelernt. Und den Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Antonius, Michael Vehlken. In der Antonius-Kirche wollen sie am 1. Weihnachtstag auch das Fest der Geburt Christi mitfeiern. Obwohl das eigentlich für sie zwei Wochen zu früh ist: „Die Kopten begehen als orthodoxe Christen das Weihnachtsfest am 7. Januar.“ Also werden die beiden wohl zweimal feiern: „Wir wollen versuchen, am 7. Januar nach Düsseldorf zu fahren. Dort gibt es eine koptische Gemeinde“.

 

In Ägypten ist übrigens von Weihnachtsstimmung außerhalb der christlichen Kirchen nicht viel zu merken.

„Die Weihnachtsfeiern beginnen am Abend und dauern etwa drei Stunden bis Mitternacht. Dann kommen die Großfamilien zu Hause zusammen und essen gemeinsam. Vor der Kommunion müssen wir nämlich neun Stunden lang fasten. Nach der Messe hat man also Hunger“.

Und was wünschen sie für sich anlässlich des Weihnachtsfests?

„Dass unser Asylantrag anerkannt wird, und dass wir wieder als Lehrer arbeiten können“, sagt Krussa.

{Quelle: www.wn.de – Von Martin Borck}

Westfälische Nachrichten

 

2 Responses to “Koptische Christen suchen in Gronau Asyl bzw. Leben in Frieden”

  1. Wolf Says:

    Ich wünsche Herrn Krussa und seiner Frau, daß sie hier in der BRD Schutz bekommen. Leider hat unsere landesführung kein offenes Auge für die Quelle der Gefahr durch welche die Kopten bedroht sind. Man könnte schon von Ignoranz bezüglich der Gefahr durch Salafisten und Islamisten sprechen. Jegliche besorgnis über unsere Zukunft beim Zusammenleben mit muslimen in dieser Gesellschaft, wird grundsätzlich als „Islamophob“ diffamiert. Auch schenkt man der Verfolgung der Christen durch Muslime so gut wie keine Aufmerksamkeit. Ist dieses Land wirklich auf Dauer in der Lage unsere koptischen Mitbürger hier vor den Feinden zu schützen, welche sie bereits in ihrem Heimatland bedrohten???….dazu müsste sich bezüglich des Kulturbewusstseins und drr Haltung gegenüber der christlichen Religion einiges grundlegend ändern.

    gesegnete Weihnacht

    Wolf

  2. Emanuel Says:

    Die Armen. Alleine ihre Unterkunft- mit vermutlich anderen Menschen islamischer Herkunft- ist bereits unzumutbar. Hoffentlich werden sie schnell eingebürgert …


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