kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Erzwungene Ruhe vor dem Sturm 9. Dezember 2012

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 17:57

Sie sind eingeschworene Gegner. Seit Jahrzehnten führen Saudi-Arabien und die Islamische Republik Iran einen kalten Krieg gegeneinander. Was sie eint,

ist die Angst vor dem Freiheitsstreben ihrer Völker.

 

Der Iran fühlt sich als persisch-schiitische Vormacht in der Region, Saudi-Arabien als Hüter der heiligsten Stätten des Islam, Mekka und Medina, und damit als wichtigstes Zentrum des sunnitisch-arabischen Islam. An vielen Schauplätzen des Nahen und Mittleren Ostens stehen sich die erzkonservativen Gottesstaaten als unversöhnliche Kontrahenten gegenüber – allen voran im Libanon, in Syrien und im Irak. Doch so entzweit sie sind, so eng verbindet die Rivalen auf beiden Ufern des Persischen Golfes nach dem Arabischen Frühling die Angst vor dem Freiheitsstreben ihrer Bevölkerungen. Seit der umstrittenen Präsidentenwahl im Juni 2009, die Millionen Regimekritiker auf die Straßen trieb, haben Irans Machthaber die Schrauben immer fester angezogen. Ob Blogger, Filmemacher, Menschenrechtler, Frauenaktivistinnen, Rechtsanwälte oder Mitglieder religiöser Minderheiten: Wer die leiseste Kritik am Regime übt, dem droht das Gefängnis. „Alles kann einen hinter Gitter bringen“, beklagt Amnesty International. Im nächsten Jahr stehen wieder Präsidentschaftswahlen an, dann könnte es vorbei sein mit der brachial erzwungenen Ruhe und sich die erstickende Frustration entladen. Die Wirtschaftssanktionen lähmen das Land, der Dollar ist gefallen, der iranische Rial praktisch kollabiert. Je näher der Wahltag am 14. Juni 2013 rückt, desto stärker wächst im Machtestablishment der Islamischen Republik die Angst vor einem zweiten Aufbegehren des eigenen Volkes.

 

 

Cartoon by Carlos Latuff depicting arrest of filmmaker Firas Buqnah in Saudi Arabia

 www.jadaliyya.com Jadaliyya

 

 

Die internationale Isolation ist erdrückend. Viele Iraner fürchten, die aggressive Atompolitik ihrer Führung werde sie am Ende in einen Krieg mit Israel und die USA reißen. Und in Syrien ist der Sturz des engsten arabischen Verbündeten in der Region, Präsident Baschar Al-Assad, nur noch eine Frage der Zeit. Für Intimfeind Saudi-Arabien, das die Rebellen mit Waffen unterstützt, wäre der Fall des syrischen Despoten ein Triumph. Mit den Zielen der Menschen in Syrien, die vor 20 Monaten als friedliche Demonstranten für Freiheit, Gerechtigkeit und demokratische Wahlen begannen, hat das Königtum aber nichts am Hut. Während in anderen arabischen Nationen die Bürger zu Hunderttausenden für ihre Rechte auf die Straße gingen, errichteten die superreichen Emirate unter der Führung Saudi-Arabiens eine Achse der Beharrlichkeit – in Gestalt des illustren Golfkooperationsrates. Ihren Verbund verstehen sie als Bollwerk gegen wachsende Mitsprache der Völker, Gewaltenteilung, freie Presse und freie Wahlen. Sie sind entschlossen, jede Unruhe sofort zu beantworten – mit Sozialgeschenken und Polizeirazzien, mit zusätzlichen Arbeitsplätzen im Staatsdienst und Beugehaft für Kritiker.

 

 

 

 

Gulf Cooperation Council GCC: Crushing pro-democracy movement in Bahrain

 

 

„Unsere Sicherheit ist uns heilig und jedem Versuch, unser Fundament zu erschüttern, werden wir entgegentreten“, sagt Scheich Khalifa Bin Zayed Al-Nahyan, der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate. Jetzt erließ er ein Gesetz, das jeden Cyberaktivisten mit drei Jahren Gefängnis bedroht, der per Internet eine neue Staatsführung fordert oder die gegenwärtige verspottet. Das Gleiche gilt für alle, die „ohne staatliche Genehmigung zu Demonstrationen“ aufrufen. Doch mit ihrem märchenhaften Geldsegen und harten Gesetzen haben sich die Herrscher am Golf nur etwas Zeit erkauft. Denn auch unter ihren Untertanen brodelt es, vor allem in Saudi-Arabien, aber auch in Kuwait, Bahrain und Oman. Viele junge Leute finden keine Arbeit, Frauen sind die ständigen Bevormundungen durch die religiösen Eiferer satt. Und die zwei Millionen Schiiten im Osten Saudi-Arabiens, wo die Ölvorkommen liegen, werden immer unruhiger. Noch scheint alles festgezurrt, doch wie im Iran die kommende Präsidentenwahl, könnte in Saudi-Arabien der nächste Thronwechsel vieles durcheinander wirbeln. König Abdullah ist 88 Jahre alt. Wenn er sterben sollte, steht das Königtum vor dem brisantesten Machtübergang seiner Geschichte. Erstmals seit der Staatsgründung durch König Abdul Aziz Ibn Saud, der 34 Söhne mit 17 Frauen zeugte, müsste die Krone in die dritte Generation übergehen. Alle 34 Familienzweige müssten sich einstimmig auf einen Nachfolger von Abdullah festlegen, das gewachsene, üppig gestrickte Apanagensystem der saudischen Königsfamilie wäre ganz neu auszuhandeln. Schon jetzt halten schätzungsweise 8000 Prinzen jeden Monat die Hand auf.

 

Ein Drittel der saudischen Bevölkerung hingegen lebt nach wie vor in unvorstellbarer Armut.

Dem Volk stößt der extreme Luxus immer stärker auf: Allzu lange dürfte es nicht mehr stillhalten.

www.swp.de – Von MARTIN GEHLEN

 

 

 

 

 

Why a Saudi blogger faces a possible death sentence for 3 tweets – FreeHamza

 

 

 

 

 

 

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