kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Muslimbrüder: Religiös, machtbewusst, starrköpfig! 30. November 2012

Filed under: Moslembrüder — Knecht Christi @ 19:19

Morsi wurde in der Scharbatly-Moschee bedrängt und musste die Moslems beruhigen, damit er hinausgehen durfte!

 

In Ägypten prallen Welten aufeinander: Präsident Mursi will eine islamisch geprägte Verfassung durchdrücken – die säkulare Opposition hält mit Massendemos dagegen. Beide Seiten machen Politik ohne Kompromisse, alles läuft auf eine neue Konfrontation auf der Straße hinaus.

 

 

Der heutige Millionen-Marsch bekam den Titel „Der Traum des Märtyrers“!

 

Mahalla, eine Arbeiterstadt zwei Stunden nördlich von Kairo, sieht sich selbst gern als die Geburtsstätte der ägyptischen Revolution. Schon 2008 kam es hier zu Aufständen der Verzweiflung. Die Menschen waren wütend über die steigenden Lebensmittelpreise. Es war der Beginn der Jugendbewegung „6. April“, die später auch auf dem Tahrir-Platz für mehr Rechte eintrat. Wenn man heute nach Mahalla fährt, wird man als erstes von einem riesigen Plakat begrüßt, auf dem Mohammed Mursi gütig lächelt. „Der Präsident Ägyptens“ steht groß darauf. An der Hauptstraße hängen immer wieder Banner der „Partei für Freiheit und Gerechtigkeit“, der Partei der Muslimbruderschaft. Die Jugendbewegung vom 6. April ist sichtbar nur mit ihrem Logo, einer geballten Faust, als Graffiti auf den Wänden. Das Büro der Islamisten liegt nur ein paar hundert Meter entfernt vom Hauptplatz der Stadt. Der Muslimbruder Hassan Saif Abdel-Fatah, ein 48-Jähriger in einem etwas älteren, beigefarbenen Anzug, steht davor und begutachtet die Schäden. Am Dienstagabend haben ein paar hundert wütende Jugendliche die Zentrale mit Steinen und Molotow-Cocktails beworfen. Die Glasscheibe am Eingangstor ist zersplittert, Brandspuren sind an der Hauswand zu erkennen. Durch das Banner der Muslimbruderschaft zieht sich ein Riss. „Ich verstehe das nicht“, sagt Abdel-Fatah. „Vorher haben die Mursi-Gegner gesagt, sie wollen revolutionäre Entscheidungen – und jetzt sind sie dagegen. Ich verstehe das nicht“. Obwohl sich Widerstand gegen die Muslimbrüder in Ägypten regt, geben sich diese uneinsichtig. Sie können nicht nachvollziehen, warum ein Teil der Ägypter sie der Machtergreifung bezichtigt und in Aufruhr ist.

 

 

Liberale fürchten eine Diktatur der Religiösen

 

Präsident Mursi hat sich vor einer Woche autoritäre Vollmachten erteilt und eine umstrittene verfassungsgebende Versammlung für unanfechtbar vor den Gerichten erklärt. Am Donnerstag hat sie den Entwurf der Verfassung abgesegnet, der von den Islamisten geschrieben wurde, nachdem sich die liberale Minderheit wütend aus der Versammlung verabschiedet hat. Nun soll der Entwurf den Ägyptern zum Referendum vorgelegt werden. Er enthält mehrere vage, kontroverse Artikel, die islamischen Gelehrten Möglichkeiten geben würden, sich in das Privatleben der Ägypter einzumischen. Die Liberalen fürchten eine Diktatur der Religiösen. Dass Mursi den Entwurf nun kompromisslos durchboxt, hat ihre Sorgen nur verstärkt. „Wir räumen auf mit dem Mubarak-Regime. Das sind doch nur die eifersüchtigen Verlierer, die uns kritisieren“, sagt Abdel-Fatah. Wie viele Muslimbrüder sieht er sich als „echten Revolutionär“, schließlich wurden die Islamisten Jahrzehnte lang verfolgt. Auch Präsident Mursi betont immer wieder seine Zeit in Haft unter Mubarak, sie soll ihm Glaubwürdigkeit verleihen, wo das Charisma der Straße fehlt. Die Muslimbrüder – sie sehen sich als die Vertreter der Guten. Wer daran zweifelt, so der Umkehrschluss, muss ein Anhänger des alten Regimes sein. Tatsächlich hatten die Gerichte immer wieder den Übergangsprozess in Ägypten zurückgeworfen. Das Unterhaus des Parlaments wurde von ihnen wegen eines Formfehlers im Wahlgesetz aufgelöst. Erst übernahm der Militärrat die Legislative in Eigenregie, dann Präsident Mursi. Am Sonntag wäre wahrscheinlich die verfassungsgebende Versammlung für ungültig erklärt worden. Manche, nicht alle Richter hatten gute Verbindungen zum alten Regime. Dass Mursi vergangene Woche die gesamte Judikative zum Feind erklärte und sich kurzerhand über das Recht stellte, dürfte deren ungesunde Politisierung wohl nur verstärken.

 

 

Viele Bürger kritisieren Mursis Rücksichtslosigkeit

 

„Wer wurde gewählt, die Richter oder wir?“, fragt Abdel-Fatah. Es ist ein eigentümliches Verständnis von Recht, das die Muslimbrüder an den Tag legen, soll doch die Judikative eigentlich unabhängig von den wechselnden politischen Mehrheiten sein und über ihnen stehen. „Wir hatten 40 Prozent im Unterhaus des Parlaments bekommen. Wir haben die Mehrheit“, sagt Abdel-Fatah. Zusammen mit der Partei der konservativen Salafisten kamen die Islamisten bei den Parlamentswahlen sogar auf gut 65 Prozent. Dementsprechend glauben die Muslimbrüder auch jetzt die große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich. „80 bis 90 Prozent der Ägypter stehen hinter mir“, sagt Mursi in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der amerikanischen Zeitschrift „Time“. Wenn man in Mahalla herumfragt, sieht es anders aus. Viele kritisieren Mursis Rücksichtslosigkeit. Ihr Kandidat war er nicht. Die zahlreichen moderateren und charismatischeren Politiker nahmen sich gegenseitig die Stimmen weg. Als in der Endrunde der Präsidentschaftswahlen nur noch Mohammed Mursi und Ahmed Shafik übrigblieben, ein Mubarak-Mann, gewann Mursi mit 52 zu 48 Prozent der Stimmen. Knapp die Hälfte der Wahlberechtigten war zu Hause geblieben. Diejenigen, die von vorneherein für Mursi gestimmt haben, halten ihm allerdings weiterhin die Treue. „Wir müssen ihm doch erst einmal eine Chance geben“, sagt ein Textilarbeiter. Es ist tatsächlich nur eine Minderheit, die sich offen gegen den Präsidenten und die Muslimbrüder auflehnt. In Kairo werden am Freitag wohl wieder Hunderttausende zusammenkommen. Viele der Demonstranten in der Hauptstadt gehören der Bildungselite an. Auch in Mahalla werden sich wohl wieder ein paar Tausend versammeln. Die Steine werden wieder fliegen, wahrscheinlich auch in ein paar anderen Städten. Doch es bleibt eine Minderheit, die sich auflehnt. Die Mehrheit mag nicht mit Mursi übereinstimmen, aber sie wünscht sich vor allem, dass es wieder voran, wieder aufwärts geht, irgendwie.

 

 

Die Muslimbrüder wollen ihre Kritiker vom Tahrir-Platz verdrängen

 

Dass zur Politik auch Kompromiss und Konsens gehören, um die Opposition mit an Bord zu bekommen – gerade bei so weitreichenden Entscheidungen, wie sie Ägypten dabei ist zu treffen -, scheint in Mursis Politikverständnis nicht vorzukommen. Seine Idee von Demokratie scheint das reine Mehrheitsprinzip, nicht die Herrschaft des Volkes. Dass zur Herrschaft der Mehrheit gerade auch der Respekt der Minderheit gehört, scheint der Präsident zu ignorieren. Er nimmt keine Rücksicht auf die extrem misstrauische Opposition, die ihrerseits kaum zu Zugeständnissen bereit ist. Die Antwort Mursis auf seine Gegner? Eine noch größere Demonstration. Die Muslimbrüder und Salafisten wollen mit ihrer Massenkundgebung zeigen, wer die Mehrheit wirklich vertritt. Politische Erfahrung haben die ägyptischen Muslimbrüder wenig. Unter Mubarak wurde verfolgt, wer ihm gefährlich wurde. Der politische Arm der Islamisten wurde immer wieder verboten, die Führungsriege eingesperrt. Viele Mitglieder sind Unternehmer, Ingenieure, Wissenschaftler – der Öffentliche Dienst war für die Islamisten vor der Revolution nahezu unmögliches Terrain. In Mahalla ist Abdel-Fatah zuversichtlich, dass die Gegner der Muslimbruderschaft mittelfristig auf deren Linie umschwenken werden. „Lasst uns erst einmal machen“, sagt Abdel-Fatah. „Wir wollen mit unseren Handlungen, nicht mit Gewalt, zeigen, dass der Islam die beste Religion für alle ist“. {Quelle: www.spiegel.de – Aus Mahalla berichtet Raniah Salloum}

 

 

Ägyptens Salafisten drohen Mursis Gegnern

 

 

Anti-Mursi protesters stand in front of a petrol bomb which exploded as they try

Nachdem die Islamisten einen schariakonformen Verfassungsentwurf im Eilverfahren verabschiedet haben, wächst die Angst vor neuer Gewalt in Ägypten. Ein Salafisten-Scheich wettert gegen die Opposition.

 

Das von Islamisten dominierte ägyptische Verfassungskomitee hat in einer Marathonsitzung seinen Entwurf für eine neue Verfassung verabschiedet. Die mehr als 200 Artikel wurden mit großer Mehrheit angenommen, einige sogar einstimmig. Das islamische Recht, die Scharia, soll demnach wichtigste Quelle der Gesetzgebung bleiben, die Rolle der Religionsgelehrten bei der Gesetzgebung gleichzeitig gestärkt werden. Gestritten wurde in der 15-stündigen Sitzung, die am Freitagmorgen nach Sonnenaufgang endete, unter anderem über Fragen der Pressefreiheit, über die Kompetenzen und den Aufbau der Justizbehörden. Der Vorsitzende des Verfassungskomitees tobte und drohte in der live vom Fernsehen übertragenen Debatte. Einmal wollte er den Saal verlassen, als das Geschrei zu laut wurde. Die Vertreter der Christen und der säkularen Parteien waren der Abstimmung ferngeblieben, weil die Islamisten ihre Änderungswünsche nicht berücksichtigt hatten.

 

 

Opposition und Islamisten machen mobil

 

Mehrere Revolutionsgruppen sowie linke und liberale Parteien haben für den Nachmittag zu einer Protestkundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo aufgerufen. Sie lehnen den Verfassungsentwurf ab. Außerdem wollen sie gegen die Erweiterung der Machtbefugnisse des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi demonstrieren. Für diesen Samstag sind landesweite Kundgebungen der Islamisten geplant, bei denen sie ihre Unterstützung für Mursi zum Ausdruck bringen wollen. Viele Ägypter haben Angst, dass es bei den Demonstrationen erneut zu Gewalt zwischen den Anhängern der beiden Lager kommen könnte.

 

 

Salafisten-Führer beschimpft al-Baradei

 

Der Salafisten-Scheich Mohammed Abdel Maksud drohte dem politischen Gegner. „Wir müssen ihnen nicht den Tahrir-Platz überlassen“, sagte er nach Informationen der Zeitung „Al-Shorouk“. Die Demonstranten, die auf dem Platz seit einer Woche gegen „den Diktator Mursi“ demonstrieren, bezeichnete der Salafisten-Scheich als „lächerliche Minderheit“. Den Friedensnobelpreisträger Mohammed al-Baradei, der zu Mursis schärfsten Kritikern gehört, nannte er einen „albernen Trunkenbold“. Präsident Mursi hatte seinen autoritären Kurs in der Nacht zum Freitag noch einmal verteidigt. Er habe seine Erklärung, mit der er unter anderem die Kompetenzen des Verfassungsgerichts vorübergehend beschnitten hat, erlassen, „um die Revolution zu retten“.

 

 

Verfassungsrichterin kritisiert Eilverfahren

 

Die stellvertretende Vorsitzende des Verfassungsgerichts, Tahani al-Gibali, sagte in einem Interview mit einem lokalen TV-Sender: „Verfassungen dürfen nicht gekidnappt werden.“ Sie würden normalerweise nicht im Eilverfahren geschrieben. Stattdessen suche man in Ruhe einen Konsens, sagte al-Gibali. „Zudem sollte man für diesen Prozess genügend Zeit veranschlagen, damit sich alle Gruppen und politischen Kräfte in der Gesellschaft über die Verfassung informieren können“. {Quelle: www.welt.de}

 

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