kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Kampf gegen die Nashorn-Mafia 1. Oktober 2012

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 14:37

Cajus Pupus hört die Erde sprechen

 

Ihr habt mir grossen Schmerz bereitet,

habt mich verletzt und ausgebeutet.

Seit ewig hab ich euch gegeben,

was alles ihr gebraucht zum Leben.

 

 

Ich gab euch Wasser, Nahrung, Licht,

lang hieltet ihr das Gleichgewicht,

habt urbar mich gemacht, gepflegt,

was ich euch bot, betreut, gehegt.

 

Doch in den letzten hundert Jahren

ist Satan wohl in euch gefahren.

Was in mir schlummert, wird geraubt,

weil ihr es zu besitzen glaubt.

 

Ihr bohrt nach Öl an tausend Stellen,

verschmutzt die Meere, Flüsse, Quellen,

umkreist mich sinnlos Tag und Nacht,

seid stolz, wie weit ihr es gebracht.

 

Habt furchtbar mich im Krieg versehrt,

kostbaren Lebensraum zerstört,

habt Pflanzen, Tiere ausgerottet,

wer mahnt, der wird von euch verspottet –

kennt Habgier, Geiz und Hochmut nur

und respektiert nicht die Natur.

 

Drum werde ich jetzt Zeichen setzen

und euch, so wie ihr mich, verletzen.

 

Ich werde keine Ruhe geben,

an allen meinen Teilen beben,

schick euch Tsunamiwellen hin,

die eure Strände überziehn.

Vulkane werden Asche spein,

verdunkelt wird die Sonne sein.

 

Ich bringe Wirbelstürme, Regen,

bald werden Berge sich bewegen,

was himmelhoch ihr habt errichtet,

mit einem Schlag wird es vernichtet,

und Blitze, wie ihr sie nicht kennt,

lass fahren ich vom Firmament.

 

Ich kann es noch viel ärger treiben,

drum lasst den Wahnsinn endlich bleiben!

Hört, Menschen, was die Erde spricht –

denn ihr braucht sie, sie braucht euch nicht!

 

 

 

 

Kampf gegen die Nashorn-Mafia

 

Weil ihr Horn als Wundermittel gilt,

werden die Tiere in Afrika gnadenlos gejagt.

Ein Ex-Polizist wehrt sich

 

 

Er läuft immer noch wie ein Polizist. Der Schritt ist fest, die Augen sind hinter einer großen dunklen Sonnenbrille versteckt. Genau wie man sich weiße Polizisten in Südafrika vorstellt – bullig, breitschultrig, dominant. Brust raus und Bauch auch. „Die haben versucht, meine Familie zu töten“, sagt Pieter de Jager. „Deshalb bin ich jetzt im Krieg“. Der 51-Jährige kämpft gegen Wilderer in Afrika. Seit knapp zwölf Jahren trägt er statt der Polizeiwaffe ein Funkgerät am Gürtel. Denn im neuen Südafrika verdient der Bure sein Geld mit seinem eigenen kleinen Wildpark namens Fairy Glen. Seine Familie, sagt der Junggeselle, seien die Tiere. Fairy Glen heißt so viel wie „Tal der Feen“. Ein wenig kitschig, aber passend: malariafrei, übersichtlich, nur eine Autostunde von Kapstadt entfernt. Tausende Besucher kommen jedes Jahr, um im Schnelldurchlauf die zwei Elefanten, Giraffen, Zebras, vier Löwen und zwei Nashörner anzuschauen. Und genau für letztere zieht de Jager jetzt in den Krieg. Die Wilderer kamen bei Vollmond. Am 10. Dezember vergangenen Jahres war das„, erzählt de Jager, während er auf einem seiner aufgebockten Safari-Traktoren sitzt. Den Ablauf des Verbrechens in jener Nacht hat er schon viele Male geschildert, aber die Gefühle gehen immer noch mit ihm durch. Das waren Profis. Ein Nashorn fängt man nicht einfach so. Das sind aggressive Tiere. Und diese Kerle wussten genau, was sie taten. Sie hatten professionelle Betäubungsgewehre dabei und darin waren M99-Darts“. M99 steht für die Droge Etorphin. Sie kann laut Hersteller Novartis bis zu 80.000 Mal stärker wirken als das mit ihr verwandte Morphin. In Südafrika haben nur Tierärzte legal Zugang zu Etorphin, das zur Betäubung von Großwild benutzt wird. Fünf Milligramm reichen, um einen großen Bullen wie den von de Jager niederzustrecken. „‚Higgins‘ haben sie vier Mal beschossen. Er muss wie ein Wahnsinniger gekämpft haben. In ‚Lady‘ haben wir nur zwei Betäubungsspritzen gefunden“, sagt de Jager. Sein linkes Augenlid zittert. Um halb neun Morgens hatte einer seiner Ranger ihn panisch angerufen. „Ich werde nie vergessen, wie er regelrecht ins Telefon schrie: Du musst schnell kommen, ‚Higgins‘ ist etwas Schreckliches passiert! Ich bin wie ein Wahnsinniger los“.

 

 

Mancher mag darüber die Nase rümpfen, aber de Jager hatte seine Nashörnern sofort bei der Ankunft auf Fairy Glen getauft. Im Jahr 2005 den damals vier Jahre alten Breitmaulnashorn-Bullen auf den Namen „Higgins“, in siegesfreudiger Erinnerung an den unkooperativen Beamten Mr. Higgins, der den Transport des 450.000 Rand (knapp 44.000 Euro) teueren Riesentiers von Thabazimbi an der Grenze zu Botsuana nach Fairy Glen unnötig lang verzögert hatte. Fünf Jahre später meinte de Jager erkennen zu können, dass „Higgins“ eine Frau braucht, und so war klar, dass die dann erworbene fünfjährige Breitmaulnashornkuh „Lady“ heißen musste. Als de Jager an jenem Morgen auf der großen Lichtung ankam und „Higgins“ blutüberströmt in einem Graben liegen sah, wurde er ganz still. Der große Kerl konnte nicht mehr denken. Die Wilderer hatten „Higgins“ das Horn regelrecht aus dem Gesicht gehackt. „Sie haben seine Nasenlöcher durchtrennt, um das Horn ganz herauszubekommen. Es ist ein Wunder, dass er überlebt hat.“ Blut strömte aus der riesigen klaffenden Wunde. Das schwer verletzte Tier atmete noch – gerade noch. „Die anderen haben dann nach ‚Lady‘ gesucht. Ich stand nur da und konnte mich nicht bewegen.“ Die Nashornkuh lag in ähnlich schlechtem Zustand wenige Hundert Meter entfernt. „Ich wusste, dass Wilderer hier in Südafrika seit Jahren Nashörner töten, aber ich hätte es nie für möglich gehalten, dass wir mal Opfer sein würden“, sagt de Jager. „An dem Morgen sind diese Verbrecher mit neun Kilo Rhinohorn von meinem Land geflohen. Die haben in Asien einen Marktwert von rund fünf Millionen Rand (etwa 490.000 Euro)“. Das entspräche einem Kilopreis von fast 55.000 Euro, andere Experten schätzen ihn aktuell sogar auf über 60.000 Euro. Im Vergleich: Gold liegt derzeit bei etwa 43.000 Euro pro Kilogramm.

 

 

Man kann davon ausgehen, dass die Hörner von „Higgins“ und „Lady“ irgendwo in Asien zu feinem Mehl zerkleinert wurden und illegal in Spezialläden in den Seitenstraßen von Peking oder Hanoi teuer als potenzsteigernde oder Krebs heilende Wundermittel verkauft werden. Die wachsende Nachfrage in China, Vietnam, Thailand und anderen Teilen Asiens nach illegalen Tierteilen wie gemahlenem Nashorn, Elfenbein oder auch Tigerknochen hat besonders in Afrika eine so noch nie gesehene Form krimineller Energie geschaffen. Sie hat das Potenzial, bedrohte Arten wie das Spitzmaulnashorn tatsächlich auszurotten. Und auch der Elefant, für den sich Tierschützer in den vergangenen Jahrzehnten in weiten Teilen Afrikas stark und erfolgreich eingesetzt haben, steht nun wieder unter Beschuss. Die Umstände sind so drastisch, sie bedürfen keinerlei Übertreibung. Was in den Steppen, Nationalparks und Wildparks Afrikas derzeit passiert, ist katastrophal. Im vergangenen Jahr wurden in Südafrika 448 Nashörner von Wilderern getötet. Laut Worldwide Fund for Nature (WWF) war es das schlechteste Jahr für das Nashorn in einem Vierteljahrhundert. Es sieht so aus, als würde dieser traurige Rekord in diesem Jahr gebrochen. Bis zum Juli dieses Jahres wurden in Südafrika 281 Nashörner getötet, 164 davon im Krüger-Nationalpark. Die Zahl der Ranger ist verstärkt worden, sie sind Tag und Nacht im Einsatz, aber sie verlieren die Schlacht – jeden Tag von Neuem. Die Gegner sind bestens organisiert und ausgestattet, Beobachter sprechen von einer Mafia. In Uganda soll laut „New York Times“ sogar die Armee an der Elefantenjagd beteiligt sein: Dort wurden kürzlich 22 Tiere auf einmal mit präzisen Schüssen getötet, auch Babys. Vermutlich vom Hubschrauber aus – es gab keinerlei Spuren auf dem Boden.

 

 

„Wir müssen etwas tun“, sagt de Jager. „Wir müssen verhindern, dass diese Kriminellen gewinnen. Viele Privatunternehmer überlegen, ob es sich überhaupt lohnt, ein Nashorn in den Park zu holen. Sie denken, es ist einfach zu gefährlich.“ Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Ländern dürfen in Südafrika Privatpersonen Nashörner besitzen. „Ich werde nicht klein beigeben“, sagt de Jager. Er hat Fairy Glen mit Überwachungskameras und Alarmanlagen ausgestattet und will noch mehr Nashörner kaufen. „Diese Typen sollen kommen, wir sind bereit für sie“, sagt der Ex-Polizist vieldeutig. Paul Mbugunda vom Kenianischen Wildlife Service (KWS) nimmt den Mund nicht ganz so voll. „Es läuft nicht gut“, sagt er eher leise. „Asiens Mittelklasse wächst wie nie zuvor. Sie können sich Luxus leisten. Luxus wie teure, verbotene Medizin aus illegal importierten Tierknochen oder Hörnern. Und die Zutaten findet man fast ausschließlich hier in Afrika. Das ist die Herausforderung, der wir uns stellen müssen.“ Mbugundas dunkelgrüne Uniform sitzt nicht gut. Aber der Einsatz stimmt. Im Jahr 1970 gab es in Kenia 167.000 Elefanten, 1990 waren es nur noch 16.000. Mbugunda und sein Team können es sich auf ihre Fahne schreiben, dass es heute wieder 37.000 Elefanten in Kenia gibt.

 

Umso schwerer wiegen die Verluste. „Bei uns werden derzeit sechs Elefanten pro Woche von Wilderern getötet“, berichtet Mbugunda. Zwischen Januar und Mai dieses Jahres waren es 133, im Juli allein starben zwölf Tiere. „Vergangenen Monat haben wir am größten Flughafen Kenias hier in Nairobi eine Lieferung von 600 Kilo Elfenbein gestoppt.“ Laut Papieren sollte die Sendung nach Nigeria gehen. „Aber wir wissen doch alle, dass es in Nigeria keinen Markt für Elfenbein gibt“, sagt Mbugunda. „Die Lieferungen gehen immer nach Osten, nach Asien. Die Schmuggler sind nur cleverer geworden.“ Früher lief der Elfenbeinschmuggel in Ostafrika fast ausschließlich über Nairobi oder den Hafen von Mombasa. Heute reagieren die Wilderer auf verstärkte Kontrollen und gehen über die grüne Grenze nach Äthiopien. „Dort ist man nicht auf Schmuggel mit Elfenbein und Rhinohorn gepolt“, sagt Mbugunda. Immer mehr bewaffnete Ranger-Teams patrouillieren die Nationalparks und illegalen Grenzübergänge Kenias. „Wenn wir sie nicht stoppen, ist unsere Elefantenpopulation in wenigen Jahren vom Aussterben bedroht.“ Kenias kleine Nashornbevölkerung ist noch schlechter dran. „In diesem Jahr haben wir elf Nashörner verloren“, sagt Mbugunda. „Wir müssen sie unbedingt besser schützen“.

 

In Kenia ist der Schmuggel von Rhinohorn und Elfenbein noch nicht hochprofessionell organisiert. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Wilderei am Kap mit Ziel Asien ist inzwischen ein ausgeklügeltes und technisch ausgefeiltes System. Viele der Beteiligten sind gebildet: Geschäftsleute mit guten Beziehungen zu Speditionen, hohen Zollmitarbeitern und sogar Tierärzten. Im vergangenen Jahr wurden in Südafrika 232 mutmaßliche Wilderer festgenommen. Die Richter am Kap verhängen Höchststrafen von bis zu 25 Jahren Haft. Aber die Nachfrage in Asien ist so groß und die Kooperation der dortigen Behörden so gering, dass das Geschäft mit Rhinohorn und Elfenbein das derzeit wohl ertragreichste in Afrika ist. Acht Monate nach dem Angriff auf „Higgins“ und „Lady“ schaut de Jager immer noch mindestens einmal am Tag nach den Tieren. Es ist ein trauriger Anblick. Die großen Wunden sind immer noch nicht ganz verheilt. „‚Higgins‘ war nach dem Angriff blind,“ erzählt de Jager. Drei Tage hat er neben dem Nashornbullen in dem Graben gewacht. Tag und Nacht. Es war wie ein Wunder, dass „Higgins“ dann aufstand und auf sehr wackeligen Beinen den Weg aus dem Graben fand. De Jager hat ein kleines Buch über seine beiden Lieblinge geschrieben. Er verkauft es an seine Gäste, gemeinsam mit einer DVD, auf der seine Handyaufnahmen von jenem Dezembermorgen zu sehen sind. Das ist keine leichte Kost. Kein Urlaubsvideo. Eine Million Rand, knapp 100.000 Euro, hat de Jager für „Higgins’“ Augenoperation bezahlt. „Lady“ müsste auch unbedingt operiert werden, aber das kann sich Fairy Glen nicht leisten. „‚Higgins hat jetzt wieder 60 bis 70 Prozent Sehkraft. Aber er ist nicht der Alte. Nashörner sind aggressiv, vor dem Angriff ließ „Higgins“ niemanden an sich heran.“ Heute wirkt er verstört und apathisch. Es ist ein Wunder, dass die beiden überlebt haben, aber ein Segen ist es nicht.

{Quelle: www.welt.de – Von Nicole Macheroux-Denault}

 

One Response to “Kampf gegen die Nashorn-Mafia”

  1. Cajus Pupus Says:

    Eine alte Indianer Weisheit lautet:

    „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann“

    Und diese Weisheit wird sich bewahrheiten!


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