kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Licht, Salz und Sauerteig für 350 Millionen 27. September 2012

Filed under: Christenverfolgung,Islamischer Terror — Knecht Christi @ 16:00
 

Die Sorge um die bedrängten Christen in Syrien und ihre Rolle gegenüber den Muslimen der Region

 
 

Ein irakisches Plädoyer für eine arabische Theologie

prägten die Jahrestagung der „Initiative Christlicher Orient“.

 
 

Salzburg (DT) Ein leidenschaftliches Plädoyer für Versöhnung und gegen weitere Waffenlieferungen sowie ausländische Einmischungen in Syrien legte der Patriarch der mit Rom unierten Melkiten, Gregorios III. Laham, bei der Jahrestagung der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) in Salzburg ab. Die Identität seiner Kirche beschrieb das Oberhaupt der griechisch-katholischen Araber so: „Wir sind Araber, aber nicht Muslime; wir sind Orientalen, aber nicht Orthodox; wir sind Katholiken, aber nicht Lateiner.“ Die „Kirche der Araber“ trage auch eine Verantwortung für die Muslime: „Wir sind Menschen, die für ihre ganze Gesellschaft das Evangelium tragen.“ Ein Christ könne nur dann in den Ländern der Bibel bleiben, „wenn er versteht, dass er als Licht, Salz und Sauerteig für 350 Millionen Menschen bleibt“, denn „die kleine Herde hat eine große Rolle“, meinte Patriarch Gregorios. Es gebe „Rettung“, wenn die 15 Millionen Christen des Nahen Ostens die Muslime „lieben“, doch würden viele sie stattdessen verachten. Der in Damaskus residierende melkitische Patriarch bezeichnete die Lage in Syrien als „nicht durchschaubares Chaos“. Waffen würden das Land „von allen Seiten“ überschwemmen, doch würden durch die Gewalt alle zu Verlierern, so Gregorios, der dazu aufrief, Waffenlieferungen und auch die Sanktionen einzustellen, weil diese vor allem die Zivilbevölkerung treffen würden. Der Weg des Dialogs sei der schwerste, aber der einzig vernünftige Weg, „weil keine Seite die andere ausradieren kann“. Wörtlich sagte der Patriarch: „Gott hat uns diesen heiligen Dienst der Versöhnung gegeben“.

 

 

 

 

Die Aufgabe der Kirche bestehe darin, Garant des Pluralismus, Baumeister des Friedens und der Versöhnung zu sein. Zum Schicksal der Flüchtlinge meinte er, dass die nach Jordanien und Libanon Geflohenen dort eine zweite Heimat fänden, doch wer nach Europa oder Amerika auswandere, komme kaum wieder nach Syrien zurück. Gregorios berichtete von Entführungen und Lösegeld-Erpressungen durch kriminelle Gruppen, die gegen das Regime auftreten. In Europa gebe es „eine Kampagne gegen uns Christen, dass wir für das Regime sind“. Er sei nicht für die Regierung, sondern für Stabilität in der Region. Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser bekannte, dass er bei einem Syrien-Besuch 2005 „sehr beeindruckt“ gewesen sei: „Ich hatte den Eindruck von einem geordneten Land. Jetzt scheint alles unüberschaubar, nicht mehr im Aufbruch, sondern im Umbruch.“ Dramatisch schilderte Stefan Maier, der Nahost-Experte der Caritas Österreich, die Lage: Bis vor kurzem sei Syrien das gastfreundlichste Land für Irak-Flüchtlinge gewesen und habe rund eine Million Iraker aufgenommen. Heute seien 278 000 Syrer ins Ausland geflohen, darunter 73 000 offiziell und weitere 20 000 inoffiziell in den Libanon, 83 000 in die Türkei und sogar 30 000 in den Irak. Viele Frauen und Kinder würden die Grenze unter Lebensgefahr überschreiten, da das Grenzgebiet teilweise vermint sei und Fliehende beschossen würden. Die pro-syrische Regierung in Beirut wolle keine Flüchtlingslager errichten, weshalb die hygienischen und medizinischen Bedingungen katastrophal seien. Die Angst der Flüchtlinge vor dem syrischen Geheimdienst sei groß.

 

 

Die Hilfe der Caritas könne nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“ sein, so Maier. Besonders schwer seien Hilfeleistungen in Syrien selbst, da die Abwicklung über den „Roten Halbmond“ erfolgen müsse, der keine von der Regierung unabhängige Organisation sei. Anders als die Irak-Flüchtlinge wollen die aus Syrien geflohenen Menschen nach dem Ende des Assad-Regimes in ihre Heimat zurückkehren, meint der Nahost-Experte der Caritas.

 

 

 

Unseren Glauben verstehen sie,

nicht unser Vokabular

 

Der chaldäische Erzbischof von Kirkuk im Nord-Irak, Louis Sako, plädierte bei der ICO-Tagung für eine arabische Theologie, die den christlichen Glauben auch den Muslimen erklärbar und verstehbar machen kann. Die gegenwärtige theologische Sprache sei von der griechischen Philosophie geprägt, sehr kompliziert und schwierig zu verstehen. „Was wir heute brauchen, ist eine einfache, verständliche Sprache, die näher an der Sprache der Bibel und der frühen Kirchenväter ist als an der Sprache des Plato und Aristoteles“, so Erzbischof Sako. In den arabischen Ländern brauche es zudem „eine Übersetzung der okzidentalen westlichen, griechisch und lateinisch geprägten Theologie, weil diese von den Christen, aber ebenso von den Muslimen, nicht leicht verstanden werden kann“. In den syrischen, koptischen und armenischen Kirchen werde der Glaube weniger in einer systematisch reflektierten Theologie ausgedrückt als vielmehr in der Liturgie, in Predigten und Katechesen. Das Nichtverstehen der christlichen Theologie habe im Orient zu Gerüchten, Irreführungen, Meinungen und Geschichten geführt. Es bedürfe nun einer „Theologie, die den Dialog fördert und die Koexistenz stärkt“.

 

Als konkrete Beispiele nannte der Erzbischof von Kirkuk eine Übersetzung der Heiligen Schrift mit einem „verständlichen Vokabular der gegenwärtigen arabischen Sprache“ und eine neue Terminologie in der kirchlichen Verkündigung, welche auf die arabische Zivilisation und ihre kulturellen und sozialen Gegebenheiten Rücksicht nimmt. Bei der Erklärung der Trinität warnte Erzbischof Sako vor der Verwendung des Person-Begriffs, weil „Person“ im Arabischen einen konkreten Körper mit Größe, Umfang und Gestalt bezeichne. Die Drei-Einheit der Trinität meine aber nicht drei Götter und werde von christlich-arabischen Theologen auf allegorische Weise erklärt, etwa mit dem „Beispiel der Sonne als Scheibe, als Strahlen und als Wärme: Diese drei Erscheinungsformen oder Wirkweisen ergeben nicht drei Sonnen, vielmehr bleibt die Sonne die gleiche“. Die muslimischen Imame könnten „unseren Glauben verstehen, aber nicht unser Vokabular“, erklärte Sako. Die Christen müssten aber gerade für andere Zeugen des Glaubens sein, für die Muslime oder Hindus. Sako wörtlich: Wir können ihnen auch helfen, ihren Koran zu verstehen. Das ist unsere Mission“.

 

 

Im Irak sieht der chaldäische Erzbischof zwei Hauptprobleme: die Sicherheit und die Auswanderung der Christen. Zwar gebe es weniger Anschläge als noch vor zwei Jahren, doch sei die Sicherheit nicht gegeben. Die Regierung in Bagdad sei zwischen Sunniten und Schiiten gespalten: „Alles ist konfessionell. Der Irak ist ein gemischter Salat!“ Kurden, Schiiten, Sunniten und Turkmenen hätten ihre eigenen bewaffneten Milizen und unterschiedliche Interessen. Im kurdischen Norden mache die Regionalregierung viel, „aber nur für die Kurden“. Hinsichtlich des Nachbarlandes Syrien seien die Schiiten für das alawitische Regime, die Kurden und Sunniten für den Widerstand. Die Zukunft des Landes sei ungewiss, meinte Erzbischof Sako, der ein Zerbrechen des Irak in „Kurdistan“ und „Schiitistan“ für möglich hält.

 

 

 

Von laizistischer Separation zu neuer Kooperation?

 

Der seit 35 Jahren in Istanbul wirkende österreichische Lazaristenpater Franz Kangler sieht viel positive Bewegung in der Türkei. Kangler schilderte die zahlreichen Diskriminierungen der Christen aus kemalistischer Zeit, aber auch Erleichterungen der vergangenen Jahre: So habe der türkische Ministerpräsident Erdogan mit der Verleihung der türkischen Staatsbürgerschaft an 13 griechisch-orthodoxe Metropoliten im Ausland eine Nachfolge für den heutigen Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios, ermöglicht. Dies sei wichtiger als die Wiederaufnahme der Priesterausbildung im ehemaligen Seminar von Chalki, meinte Kangler im Gespräch mit dieser Zeitung, weil es aufgrund der geringen Zahl der Griechen in der Türkei – von etwa 4 000 Gläubigen ist auszugehen – ohnehin kaum Kandidaten gebe. Die Wiedereröffnung von Chalki verzögere sich auch deshalb, weil dies für türkische Politiker im Wahlkampf nicht opportun sei. Quantitativ bedeutender als die orthodoxen Griechen sind die christlichen Armenier, von denen rund 100 000 in der Türkei leben, 70 000 davon sind türkische Staatsbürger. Auch für sie wusste Kangler von mehr Freiraum zu berichten, etwa bei der Öffnung der armenischen Schulen.

 

 

Das Wirken freikirchlicher Missionare sei von der Politik bisher als staatsgefährdend betrachtet worden, doch gebe es angesichts der Ermordung von drei Missionaren ein Umdenken: Nicht nur in der Zivilgesellschaft, sondern auch in islamischen Kreisen würden diese Bluttaten, wie auch die Morde an Pfarrer Andrea Santoro und Bischof Luigi Padovese als Schande gesehen. Nachdem Atatürk die Religion für Jahrzehnte „in den Eisschrank gestellt“ hatte, gehe es nun darum, ob die Türkei von einem laizistischen Separationsmodell französischer Prägung zu einem Modell der Kooperation zwischen Staat und Religion finde. Kangler dazu: „Als katholischer Priester finde ich es nicht negativ, wenn Gott in der Öffentlichkeit eine Rolle spielen kann“. {Quelle: www.die-tagespost.de – Von Stephan Baier}

 

 

One Response to “Licht, Salz und Sauerteig für 350 Millionen”

  1. CARMA Says:

    „wir können den moslems auch helfen, ihren koran zu verstehen“ – dies sei unsere mission, sagt ein ERZBISCHOF??!
    WIR haben den koran längst „verstanden“, das ist ja unsere große sorge…


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