kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Papst im Libanon: Pilger des Friedens 16. September 2012

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 17:30

Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Besuch im Libanon vor dem Hintergrund der Anschläge in der Arabischen Welt zu einem Dialog zwischen Muslimen und Christen aufgerufen und an das Grundrecht auf Religionsfreiheit erinnert.

Beirut: Am zweiten Tag seines Besuchs im Libanon hat Papst Benedikt XVI. einen eindringlichen Friedensappell an die Völker des Nahen Ostens gerichtet. Sie müssten „Nein zu Vergeltung sagen“, „verbale und körperliche Gewalt“ unterlassen sowie „die pluralistische Gesellschaft“ akzeptieren, sagte das 85-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche am Samstag nahe der Hauptstadt Beirut. Gewalt sei „immer ein Angriff auf die menschliche Würde, auf die des Angreifers und die des Opfers“. Papst Benedikt XVI. richtete seine Worte an hunderte Menschen aus Politik, Religion und Gesellschaft, die Libanons christlicher Staatschef Michel Suleiman in seine Residenz eingeladen hatte. Unter ihnen waren auch viele muslimische Vertreter. Auf den blutigen Konflikt im Nachbarland Syrien und die gewaltsamen Proteste in der muslimischen Welt als Reaktion auf ein islamfeindliches Video aus den USA ging der Papst nicht direkt ein. Er mahnte jedoch, Menschen müssten „Irrtümer zugeben und Entschuldigungen akzeptieren“ können. Am Freitag, dem ersten Tag seiner dreitägigen Reise, hatte Benedikt XVI. einen Stopp aller Waffenlieferungen nach Syrien gefordert. Zudem unterzeichnete er im Wallfahrtsort Harissa nahe Beirut das Abschlusspapier zur Synode der Bischöfe aus Nahost, die im Jahr 2010 im Vatikan getagt hatte. Für Samstagabend stand eine Messe mit Jugendlichen auf dem Programm. Nach einem Großgottesdienst in Beirut und einem interreligiösen Treffen in der Nähe der Hauptstadt soll der Papstbesuch im Libanon am Sonntagabend zu Ende gehen.

 

 

Die Stärke der Christen

 

Knapp 35 Prozent der rund vier Millionen Libanesen sind Christen, die meisten von ihnen gehören mit Rom vereinten Kirchen an. Zwei Autostunden nördlich von Beirut ist das Herzland der Maroniten, der libanesischen Christen. Die Straße wird steiler, die Kurven werden schärfer, die Felder steiniger. „Jetzt kommen wir in einen Teil des Libanon, der ganz und gar christlich ist“, sagt Hikmat Rizk und deutet auf die Berggipfel, die fast alle von Kirchen gekrönt werden. Nach Ghalboun führt die Fahrt, in sein Dorf. Zwar wohnt die Familie schon zwei Generationen nicht mehr dort, doch das Wochenende verbringt der Chirurgie-Professor Rizk immer noch am alten Ort. Weil er dort eben hingehört. „Es ist besser, dass Muslime hier gar nicht erst herziehen. Die wollen dann Moscheen bauen, und das wäre nicht akzeptabel“, sagt der 65-Jährige. Am Dorfeingang bremst Rizk ab und weist auf ein aufgespanntes großes Poster: „Willkommen, Heiliger Vater“! Zwar wird der Papst, der am Freitag in Beirut eintraf, natürlich nicht in ein so abgelegenes Dorf wie Ghalboun kommen. Dennoch sind alle Häuser mit den weiß-gelben Fahnen des Vatikans geschmückt. Benedikts Libanon-Besuch sei für ihn sehr wichtig, sagt Rizk: „Er bestärkt uns, dass wir hierbleiben müssen. Es kann doch nicht sein, dass so viele Christen aus Angst vor den radikalen Muslimen den Nahen Osten verlassen“.

 

Faithfuls hold pictures of Pope Benedict XVI before he arrives at Baabda presidential palace near Beirut

 

Tatsächlich nimmt die Auswanderungsbewegung immer größere Ausmaße an. Im Irak gibt es kaum noch Christen, auch in Ägypten packen viele ihre Koffer. Besonders groß ist die Sorge der syrischen Christen: Was passiert, wenn Präsident Baschar al-Assad stürzt und womöglich streng islamistische Gruppen die Macht ergreifen? „Uns hier im Libanon geht es eigentlich ganz gut“, erklärt Rizk, als er die massive Zedernholztür seines Hauses aufschließt. Seit Jahrhunderten steht das Haus mit den dicken Feldsteinmauern hier. Die Türen niedrig, die Fenster klein: So schützt man sich gegen Eindringlinge. „Wir Maroniten haben unendlich viel gekämpft, um uns hier zu behaupten. Das hat uns Stärke gegeben. Stärke ist unsere beste Überlebensversicherung“, sagt er. Die ewigen Kriege haben die Maroniten eng mit ihrem Land verbunden. „Wir sind mehr als nur eine Glaubensgemeinschaft, wir sind ein Volk. Deshalb hat die Kirche auch eine politische Rolle“, fasst der Professor zusammen. Rizk erinnert an Worte des früheren Papstes Johannes Paul II., der Libanon sei für alle Länder ein Beispiel für das Zusammenleben. „Damit hat er etwas sehr Wahres gesagt. Hier funktioniert das Zusammenleben. Und das liegt vor allem daran, dass wir Christen stark sind!“, wiederholt Rizk gleich noch einmal sein Credo.

 

 

 

 

Christen halten zusammen

 

Aus dem Tal dringt Gesang herauf. Vor der Kapelle haben sich mehrere hundert Gläubige versammelt, sie lauschen der Liturgie des Bischofs, der im rot-goldenen Ornat auf einer Bühne steht. Weihrauchduft und Gesang erfüllen die Straße. In der Menge steht Charbel Noujaim, ein 20-jähriger Ingenieur mit gewaltigem Bizeps, der im Ausschnitt seines T-Shirts ein massives Goldkreuz trägt. Auf die Frage, ob er häufiger in die Kirche geht, schaut er verblüfft: „Das ist doch keine Frage!“ Es sei wichtig, dass die Christen zusammenhielten: „Wir sind bedrängt und können uns nicht mehr darauf verlassen, dass im Zweifel jemand für uns Partei ergreift. Vor allem nicht der Westen“! Als die Messe zu Ende ist, steigen Noujaim und seine Freunde in ihre tiefergelegten Autos, Mädchen mit hohen Absätzen klettern hinterher. Bischof Michel Aoun schaut ihnen wohlwollend nach. „Die Jugend hat sich nicht wie bei euch von der Kirche abgewandt. Das ist gut“, sagt er. „Leider mangelt es ihr aber an der Glaubenspraxis“. Im Empfangssaal der Kirche erläutert der Bischof, der inzwischen Ornat und Bischofshut abgelegt hat, wo für ihn das Problem liegt. „Die Muslime bekommen viele Kinder. Den Christen aber fehlt das Vertrauen in Gott, trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten mehr als ein, zwei Kinder zu bekommen“, sagt er. Früher hätten die Christen im Libanon die Mehrheit gestellt, heute machten sie gerade einmal 40 Prozent aus. „Wenn das so weitergeht, Gnade uns Gott“! Unvermeidlich kommt das Gespräch auf das Nachbarland Syrien. Der Bischof wiegt den Kopf, bedächtig wählt er seine Worte: „Wir wissen nur, dass wir Christen von den Assads zumindest nicht umgebracht und verfolgt wurden.“ Mit dieser Im-Zweifelsfall-pro-Assad-Haltung steht der Bischof ganz auf der offiziellen Linie seiner Kirche.

 

 

 

 

Nie wieder Bürgerkrieg

 

Nicht alle Maroniten im Libanon denken wie er. „Ich halte es für einen großen Fehler, dass viele Christen weiterhin Assad die Treue halten“, schimpft Hikmat Rizk – freilich nur außer Hörweite des Bischofs. Mit ihrer Unterstützung für die Regierung in Damaskus provozierten die Christen regelrecht Gewalt gegen sich, erregt sich der Professor. „Außerdem ist es schlicht falsch, dass die Assads auf unserer Seite sind. Die schlimmsten Verbrechen gegen Christen im Libanon wurden von den Syrern begangen: Sie waren es, die im Bürgerkrieg unser Tal beschossen haben“! Rizk hat von einem syrischen Geheimkommando gehört, das jüngst mit einer Ladung Sprengstoff aufgegriffen worden sei. Ermordung religiöser Führer, habe ihr Auftrag gelautet. „So sollten die Konfessionen gegeneinander aufgebracht werden. Sie wollen uns in ihren Krieg hineinziehen. Wir werden aber nicht darauf hereinfallen“, sagt er. „Wir haben im Bürgerkrieg genug blutige Erfahrungen gemacht. Nicht noch einmal!“ {www.fr-online.de –   Von Julia Gerlach}

 Nachrichten aus Deutschland und der Welt – Frankfurter Rundschau

 

www.sueddeutsche.de

 

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